Die erste Woche des deutschen Lockdowns ist vorbei - und die Lage ist nicht nur für die Handelsbranche deprimierend. Dabei werden voraussichtlich noch drei Wochen folgen. Das Desaster wird immer größer, immer mehr Firmen melden Kurzarbeit an, rufen nach Finanzhilfen vom Staat. Wenn irgendwann damit begonnen wird, nicht nur die deutsche Volkswirtschaft wieder aufzubauen, dürfte ein harter Verteilungskampf ums Geld toben - der jetzt schon begonnen hat. Aber am Ende ist vielleicht der große Sieger ein Online-Gigant, der gar keine Finanzhilfen braucht.

///// HANDEL NATIONAL
Die Warenhäuser brauchen viel Geld
Ohne finanzielle Hilfe geht es nicht mehr, denn jede Woche büßt Galeria Karstadt Kaufhof derzeit 80 Millionen Euro Umsatz ein, wie die Textilwirtschaft aus einem Unternehmenspapier zitiert. Nun soll Eigentümerin Signa Geld zuschießen, es geht um eine "signifikante finanzielle Unterstützung", wie es heißt. Auch externe Rettungsexperten sollen helfen, den Laden am Netz zu halten. Am Freitag hatte die "Lebensmittel Zeitung" berichtet, dass das Warenhausunternehmen Staatshilfe beantragen wolle und sich dabei auf Insider berufen.

Shitstorm für die Mietverweigerer
Der Shitstorm, besser -taifun des vergangenen Wochenendes gehört Deichman, Adidas, Puma und H&M. Mit ihren Ankündigungen, vorerst keine Ladenmieten mehr zahlen zu wollen, hat sich dieses Quartett jede Menge "Freunde" gemacht. Im Sturm, oder Taifun, mitgepustet hatten unter anderem Bundesjustizministerin Christine Lamprecht (CDU), Europapolitikerin Katharina Barley (SPD), Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und der Koch Tim Mälzer (parteilos). Adidas-Chef Kaspar Rordsted hatte draufhin in der FAZ versucht, alles zu erklären und auch gesagt: "Nur im Ausnahmefall sind unsere Vermieter Privatpersonen. Wir haben sie ausgenommen, sie werden ihre April-Miete wie gewohnt erhalten." Für Adidas wird 2020 wegen der Corona-Krise ein Sportjahr zum Vergessen, kein Ball rollt mehr, und Olympia fällt auch aus. Nur: Das gilt auch für die vielen kleinen Händler von Intersport und Sport2000.

Arme Helden
Kaum ein Tag, an dem nicht auch die Mitarbeiter der Supermärkte als systemlevant gefeiert werden für ihre harte Arbeit. Feiern, loben und klatschen kostet halt nichts. Wenn es aber um etwas Handfestes, sprich Geld, geht, sind die "Helden des Alltags" arm dran, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Immerhin, viele Supermarktmitarbeiter bekommen jetzt einen finanziellen Bonus. Aber vielleicht ist eine generelle Überarbeitung des Bezahlsystems für die Systemrelevanten auch nicht schlecht. 

Corona im Überblick
Wie in den letzten Wochen informiert etailment Sie weiterhin aktuell über die wirtschaftliche Entwicklung in Zeiten der Corona-Pandemie: Lesen Sie im Corona-Dossier Nachrichten, Berichte und Analysen aus Handel, Gastronomie, Touristik und Modewelt, aus der Lebensmittelbranche, Finanzwelt sowie aus der Logistik. Damit Sie vorbereitet sind auf die Veränderungen in der Wirtschaft und sich für den Restart rüsten.

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Digitalisierung in der Praxis
Wie sieht die Digitalisierung des Handels in der Praxis aus? Fragen Sie sich auch, mit welchen Lösungen Sie Ihre Unternehmensziele am besten erreichen? Wir stellen Ihnen ganz konkrete Digitalisierungsstrategien für den Handel vor und zeigen, welche Vorteile diese für die Unternehmen bringen. Von 360°-Omnichannel-Handel in Echtzeit bis hin zu Direct-to-Customer-Vertrieb - hier finden Sie alle Szenarios im Überblick.


///// INTERNATIONAL
Amazon wird mächtiger als Regierungen
Wenig ist derzeit so begehrt wie eine Prognose, wie die Nach-Corona-Zeit aussehen wird. Auch der englische Guardian versucht sich an der Zukunft – und kommt zu einem Schluss: Handels- und Industrielandschaft in der westlichen Welt werden sich radikal ändern. "Aber wenn sich der Rauch auflöst und eine Art Normalität zurückkehrt, wird eine kleine Anzahl von Unternehmen - solche, die eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des Systems gespielt haben - gestärkt und dominanter hervorgehen. Und der Chef unter ihnen wird Jeff Bezos' Allesladen sein." Also Amazon, dem neuen Herrscher der Welt, der sogar Regierungen überflüssig machen soll. Steile These, interessante These, gruselige These. Bei Amazon läuft übrigens so langsam wieder der Normalbetrieb an. Laut Internetworld werden ab dem 5. April wieder nicht-essentielle Artikel ins Fulfillment aufgenommen.

Südkorea: Mit Start-ups gegen Corona
Von Ignoranz bis Lockdown - alles wird ausprobiert in dieser Corona-Krise. Eigentlich funktioniert kaum etwas überzeugend. Südkorea macht es anders. Es werden dort einfach so viele Menschen wie möglich auf das Virus getestet - und hier spielen Technologie-Start-ups eine wichtige Rolle. So hat etwa das Diagnoseunternehmen Seegene ein Diagnosekit entwickelt, dank dem der Getestete statt 24 nur noch 6 Stunden warten muss, um zu wissen, ob er das Virus in sich trägt. Dies und noch mehr hat Techinasia zusammengefasst.

Hopp Schwyz, heißt es für Zalando
Kleines Land, großer Umsatz. Die Schweiz ist für Zalando der umsatzstärkste Markt außerhalb Deutschlands, hat blog.carpathia ausgerechnet. Auf 920 Millionen Schweizer Franken (866 Millionen Euro) schätzt das Digitalmagazin die Umsätze des deutschen Onlinemodehändlers. Im Februar hatte Zalando seine Zahlen für das Vorjahr bekanntgegeben: Der Umsatz wuchs um mehr als 20 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro im Vergleich zu 2018.

Online-Werbung in Corona-Zeiten (1)
Die Werbeumsätze in den sozialen Netzwerken brechen weg, schreibt das Handelsblatt. Zwar sitzen die Menschen derzeit überall auf den Sofas und chatten hochfrequent in den diversen Kanälen - doch weil viele Unternehmen wegen der Krise ihre Werbung zusammenstreichen, fallen Google und Facebook die Anzeigen weg. Die Folge: Beide Konzerne werden 2020 drastische Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, lauten diverse Prognosen. Die Investmentbank Cowen & Company etwa beziffert den Verlust auf insgesamt rund 40 Milliarden Euro.

Online-Werbung in Corona-Zeiten (2)
Nicht nur, dass derzeit Anzeigen wegbrechen - sie werden auch sagenhaft billig, wie nochmal das Handelsblatt über Facebook Italien berichtet. So heißt es: "Während der ersten acht Tage des Lockdowns, als die Italiener zuhause bleiben mussten, kostete der Tausenderkontakt im Schnitt nur noch etwa 1,35 Euro – deutlich unter dem 30-Tage-Schnitt von 1,70 Euro." Und vor den ersten Ausgangssperren am 21. Februar soll das Mindestgebot sogar noch 2,40 und teurer gewesen sein.


///// TRENDS & TECH
Mit Kukies und Krämer digital reden
Bund und Länder stellen milliardenschwere Maßnahmenpakete bereit, um Unternehmen vor der Insolvenz zu bewahren und die Lohnfortzahlungen sicherzustellen. Wie kommen Unternehmen, die aufgrund der Corona-Krise von Schließungen oder Umsatzeinbußen betroffen sind, schnell und unbürokratisch an Kredite, Direkt-Zahlungen und Kurzarbeitergeld? Im Digital Talk der dfv Mediengruppe analysieren die genauen Inhalte, ordnen ein und geben Rat für KMUs und Einzelunternehmer. Außerdem gehen wir in diesem Digital Talk auch auf die Maßnahmenpakete der Europäischen Zentralbank ein. Prominente Experten an diesem Montag, ab 11 Uhr, werden sein: Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. 


Favorit der Leser
Versicherungen gegen die Schäden, die die Corona-Krise anrichtet - das klingt gut. Doch so einfach ist es nicht, wie etailment-Redakteurin Iki Kühn recherchiert hat. Das Problem: Die Hilfe kommt nicht schnell genug an, so dass das Überleben von Händlern nur eine Frage von Tagen ist.