Corona erhöht den Druck zur Digitalisierung in vielen Bereichen, auch im Handel. Wer wegen des Virus sein Geschäft schließen muss, findet jetzt viel Unterstützung und Beratung, um seine Waren online zu verkaufen. Offensichtlich wird angesichts der wachsenden Marktmacht von Amazon vielen klar: Handel braucht Vielfalt, die kleinen Läden mit ihren eigenen Sortimenten und viele unterschiedliche Filialisten. Für Nachzügler bieten sich daher Chancen: Multichannel-Händler wagten die ersten Schritte ins Internet allein, sie bekommen viel Expertenrat kostenlos und können falsche Wege abkürzen.

///// HANDEL NATIONAL
Händler helfen Händlern ins Internet
Noch mehr Unterstützung für den stationären Handel: Marktplatzbetreiber Saitov öffnet seine Plattformen für Geschäfte und Läden und bietet außerdem die kostenlose Nutzung seines Shopsystems an. Auch Locamo, Betreiber lokaler Marktplätze, öffnet seine Plattformen während der Corona-Krise den Händlern vor Ort. Das Motto des Nothilfeprogramms heißt "Umdenken". Derweil apelliert Shopify an seine Online-Partner, kleinere Läden vor Ort gezielt zu unterstützen, damit Handel in Deutschland vielfältig bleibt. Wer jetzt in den Ecommerce einsteigen will, den unterstützt das Shopsystem mit Beratung und kostenloser Nutzung für mindestens 90 Tage. Dazu arbeitet die Linkedin-Gruppe "Coronakrise – Händler helfen Händler" zusammen mit dem Shopsystem-Anbieter Shopware am Aufbau einer weiteren Verkaufsplattform für den lokalen Handel. Das Hilfsprinzip Beratung funktionkiert auch in der Schweiz: Dort unterstützt Ricardo Händler dabei, in den Ecommerce reinzukommen.

Amazon baut Marktmacht aus
Amazon ist eindeutig Gewinner in der Corona-Krise: Besser als die Konkurrenten Alibaba oder eBay zieht der US-Konzern jetzt die Kunden an, und zwar in aller Welt. Andere müssen mit Kurzarbeit und Umsatzeinbußen fertig werden, Amazon indes stellt Tausende Lagerarbeiter ein, muss seine Logistik auf Bestseller fokussieren, um Nachfrage befriedigen können, und erlaubt sich in manchen Sortimenten jetzt sogar Lieferzeiten von einem Monat. In dieser Situation veröffentlicht die Schweizer Hochschule Sankt Gallen laut Handelsblatt eine Studie zur Dominanz von Amazon in Deutschland: Danach konnte Amazon 2019 seinen Umsatz um 35 % auf mehr als 15 Milliarden Euro pushen, 34 % davon entfallen allein auf die Kategorie Elektronik und Computer. Vor allem im 2. Halbjahr 2019 festigte Amazon seine Macht – durch Weihnachtsaktionen und durch Rabatttage wie der Black Friday.
 
DPD verschickt weniger Pakete
Obwohl immer mehr Menschen online bestellen – beim Deutschen Paketdienst (DPD) schlägt sich das laut Internetworld.de und dpa nicht in höheren Paketzahlen nieder. Im Gegenteil: "Die Paketmengen an Firmen und Geschäfte geben stark nach, während Privatpersonen verstärkt den Online-Handel nutzen", sagte DPD-Chef Eric Malitzke am Dienstag gegenüber der Deutschen Presseagentur. Die Sendungen an Verbraucher können bislang die Verluste aus dem gewerblichen Bereich nicht aufwiegen.

Telekom hilft Partnern
Angesichts der Corona-Krise sorgt sich die Telekom um die Zukunft ihres Ladennetzes, sowohl der eigenen Serviceshops als auch der von Vertragspartnern: Nach der bundesweiten Schließung der Läden vergangene Woche will die Telekom-Geschäftsführung jetzt „konsequent“ in die Liquidität der Händler investieren, hieß es gestern während einer Pressekonferenz. Dabei gehe es nicht um Kredite, sondern um schnelle Ausschüttungen für erreichte Ziele oder die Anpassung der Jahresziele. So kämen unterm Strich in der Regel fünfstellige Beträge zusammen. Die Telekom vertreibt ihre Produkte über eigene Shops, über Franchise-Nehmer und über Exklusivpartner. Allein die Zahl der Exklusivhändler liegt bei etwa 1.000.

Rewe und Penny bezahlen Bonus
Die Beispiele aus Frankreich und USA machen Schule: Noch vor Ostern werden Rewe und Penny werden ihren Mitarbeitenden Boni ausbezahlen, berichtet die FAZ. Teils laufen die Sonderzahlungen schon an und werden auf Mitarbeiter-Karten gebucht. Andere Händler aus Deutschland dürften nachziehen, um ihre Angestellten bei der Stange zu halten.

Ebay schränkt Angebot ein
Nur noch zugelassene Verkäufer können über eBay Waren verkaufen, die jetzt heiß begehrt sind: Mundschutz und Desinfektionsmittel. Damit will der Marktplatzbetreiber unseriöse und betrügerische Angebote eindämmen, berichtet Onlinehändler-News.

Corona-Update
Wie in den letzten Wochen informiert etailment Sie weiterhin aktuell, wie sich Händler gegen die Corona-Krise stemmen. Im Corona-Dossier lesen Sie, wie die Ausbreitung verhindert werden soll, erfahren von Hilfs- und Finanzierungsprogrammen und von Erfolg versprechenden Strategien und Ideen. 

- Anzeige -
Digitalisierung in der Praxis
Wie sieht die Digitalisierung des Handels in der Praxis aus? Fragen Sie sich auch, mit welchen Lösungen Sie Ihre Unternehmensziele am besten erreichen? Wir stellen Ihnen ganz konkrete Digitalisierungsstrategien für den Handel vor und zeigen, welche Vorteile diese für die Unternehmen bringen. Von 360°-Omnichannel-Handel in Echtzeit bis hin zu Direct-to-Customer-Vertrieb - hier finden Sie alle Szenarios im Überblick.

///// INTERNATIONAL


Lebensmittel bringen lassen

Migros belebt seine Social-Shopping-Plattform Amigos wieder, berichtet Carpathia: Zu Weihnachten hatte der Schweizer Lebensmittelhändler sie wegen rechtlicher Bedenken eingestellt. Auf Amigos konnten sich Nachbarn zusammentun und gegenseitig Einkäufe und Bestellungen mitbringen. Rechtlich gesehen sollten die Lieferanten ähnlich wie Uber-Fahrer als Angestellte eingestuft werden. Doch diese Bedenken sind ausgesetzt in Zeiten von Corona: Zunächst in Bern, Solothurn und im Aargau finden Menschen mit hohem Ansteckungsrisiko oder solche, die nicht für sich einkaufen können, Hilfe.

Amazon hat Ärger mit den Angestellten
Amazon wird zwar nicht müde zu erzählen, wie schön das Arbeiten in seinen Warenlagern ist, seine Angestellten sehen das aber ganz anders: Auch in den USA setzen sich immer mehr Mitarbeitende zur Wehr, versuchen versprochene Zulagen und auch Schutzmaßnahmen einzuklagen. Es geht in den USA jedenfalls noch nicht um die viel zu niedrigen Löhne, meint Techcrunch nach Recherchen vor Ort.

Alibaba-Aktien im Angebot
Softbank greift zum Tafelsilber und will offensichtlich Alibaba-Aktien loswerden, hat Fashion United erfahren. Der Mischkonzern, der viele neue Online-Geschäfte finanziert und nun durch die materiellen Risiken seiner Beteiligungen selbst ins Schlingern geraten ist, will ein Milliardenpaket am erfolgreichen, chinesischen Onlinehändler abgeben. Softbank hält zurzeit ein Aktienpaket von Alibaba im Wert von umgerechnet 120 Milliarden Euro, ist selbst aber nur noch 60 Milliarden Euro wert.

///// TRENDS & TECH

Run auf die Finanzhilfen
Mit Milliarden wolllen die Bundesregierung, die Länder und auch die Europäische Union Insolvenzen vermeiden helfen und Lohnfortzahlungen sichern. Die Förderbanken nehmen jetzt erste Anträge an. Der Eurofinanz-Talk ordnet die Hilfspakete ein und informiert Händler darüber, wie und wo sie Unterstützung beantragen können. Zur Anmeldung.

Achtung Fernabsatzgesetz
Schließungen per Mail, am Telefon oder mit einem ersten Online-Shop begegnen – das hat auch rechtliche Folgen. Onlinehändler-News klärt auf, wann Transaktionen unter das Fernabsatz-Gesetz fallen. Das hat nämlich Wirkung auf Umtauschfristen oder Informationsrechte von Verbrauchern.

Zahlen des Tages
Wie stark das Corona-Virus die Wirtschaft die Wirtschaft infioziert, ist auch an Zahlen des Frankfurter Flkughafens abzulesen: Dort sank das Passagieraufkommen innerhalb einer Woche um mehr als 70 % auf 331.353 Fluggäste. Das Frachtvolumen sank derweil um 20 % auf 36592 Tonnen und die Zahl der Flüge schrumpfte wiederum um gut 58 % auf 3960.

Favoriten der Leser
Handeln trotz Corona – Handels-Analyst Boris Planer beschreibt, was Händler stemmen müssen, wenn sie Online-Vertrieb und Social Media bisher vernachlässigt haben und warum Kommunikation nach innen und außen jetzt den Ausschlag für Erfolg gibt. Schnelle Tipps fürs Geschäft in der Krise hat etailment hier zusammengefasst.