Ein wunderbares Gedankenmodell gegen eventuell aufkommende Schockstarre in der Corona-Krise: Matthias Horx vom Zukunftsinstitut empfiehlt die Re-Gnose und betrachtet die Entwicklungen der Gegenwart aus einem künftigen Standpunkt. Wir stellen uns also vor, es ist schon Winter 2020 und schauen, was sich im Frühjahr unter den Ansteckungsrisiken in Alltag und Geschäft veränderte und was davon bleiben könnte. Die rückwärtsgewandte Prognose lässt uns das Positive im Jetzt sehen, macht uns aufmerksam auf die Details und setzt Kreativität frei: Im Handel entstehen gerade neue Kooperationen und Geschäftsmodelle, Menschen rücken zusammen und zeigen Solidarität – wie kann der Handel darauf reagieren?

///// HANDEL NATIONAL
Händer helfen Händlern mit ihren Plattformen
Kosmetik, Lifestyle, Schmuck, Accessoires – Douglas öffnet seinen Marktplatz, der im Herbst startete, in der Corona-Krise für mehr Händler und Marken. Diese können außerdem mit günstigen Konditionen und beschleunigten Aufnahmeverfahren rechnen. Voraussetzung: digitale Daten von den Produkten. "Als Omnichannel-Händler können wir einen Teil der Auswirkungen des ausgesetzten Filialhandels über eine fokussierte Fortführung unseres Online-Handels abfedern", meint Douglas-Chefin Tina Müller dazu. "Kleinere Händler und Markenshops haben diese Möglichkeit in dieser Form häufig nicht. Wir möchten sie dabei unterstützen, ihre Produkte einem Millionenpublikum anzubieten." Das will auch We want Shoes: Das Unternehmen veranstaltet Verkaufsmessen für Taschen, Schuhe und Accessoires und bietet Marken an, Lagerware kostenlos auf Messen und im hauseigenen TheBrandShow.TV zu präsentieren. Der Warentausch funktioniert auch im Kleinen: Online-Shop Tiny Boon nahm sich des Ottobrunner Spielehändlers Vordermaier an und übernahm von ihm Oster-Spiele ins Sortiment, half beim Fotografieren und Digitalisieren der Produktdaten, berichtet Internetworld.

Scoutbee hilft bei der Beschaffung

Als Antwort auf die Lieferengpässe für Hygieneprodukte und Medikamente stellt Scoutbee seine Rechercheplattform Vereinen, Hilfsorganisationen, öffentlichen Einrichtungen, Verwaltungen sowie Gesundheitsdienstleistern kostenlos zur Verfügung. Scoutbee dient der weltweiten Recherche von potenziellen Anbietern und Lieferanten, kann also schnell aufzeigen, wo es noch Mundschutz, Atemmasken, Beatmungsgeräte und mehr Hilfsgüter geben kann. Dazu setzt das Würzburger Startup auch auf künstliche Intelligenz.

Lexware informiert
Arbeitsausfall, Lohnfortzahlungen, Kurzarbeit, Finanzhilfen – das Freiburger Software-Unternehmen reagiert auf die Corona-Krise mit Aufklärung für Selbständige und Unternehmen. Unter dem Stichwort "Corona-Virus" finden diese Informationen zu Recht und Steuern, in Kürze außerdem Tools fürs Home Office. Der Kundenmanager aus Lexoffice kann jetzt sechs Monate lang kostenlos genutzt werden.

Bloß keinen Stift mehr tauschen
"Kontaktloses" Abholen oder Liefern heißt das heute, wenn Empfänger keine Unterschrift mehr leisten müssen. Hermes hat das gerade eingeführt, um damit Ansteckungsrisiken für Hermes-Boten, die Mitarbeitenden von Hermes-Partnern und für Adressaten zu senken. Völlig kontaktlos geht das Ganze natürlich nicht: Empfänger müssen zumindest den Ausweis vorzeigen. Andere Paketdienste reagieren ähnlich, werden noch Unterschriften verlangt, müssen Empfönger einen eigenen Stift nehmen.

Corona im Überblick
Wie in den letzten Wochen informiert etailment Sie weiterhin aktuell über die wirtschaftliche Entwicklung in Zeiten der Corona-Pandemie: Lesen Sie im Corona-Dossier, Nachrichten, Berichte und Analysen aus Handel, Gastronomie, Touristik und Modewelt, aus der Lebensmittelbranche, Finanzwelt sowie aus der Logistik. Damit Sie vorbereitet sind auf die Veränderungen in der Wirtschaft und sich für den Restart rüsten.

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Digitalisierung in der Praxis
Wie sieht die Digitalisierung des Handels in der Praxis aus? Fragen Sie sich auch, mit welchen Lösungen Sie Ihre Unternehmensziele am besten erreichen? Wir stellen Ihnen ganz konkrete Digitalisierungsstrategien für den Handel vor und zeigen, welche Vorteile diese für die Unternehmen bringen. Von 360°-Omnichannel-Handel in Echtzeit bis hin zu Direct-to-Customer-Vertrieb - hier finden Sie alle Szenarios im Überblick.

///// INTERNATIONAL


Kostenlos radeln

Die Mobilitätsanbieter Lyft, City Bikes und Divvy lassen Pflegekräfte, Verkäufer und andere Arbeitskräfte, die dafür sorgen, dass die Versorgung nicht zum Stillstand kommt, Räder und E-Bikes kostenlos nutzen, berichtet The Verge. So sollen sie schneller zu ihren Einsätzen kommen.

Flipkart macht dicht
Auch in Indien werden Ausgang und Einkaufen eingeschränkt, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Ausgerechnet Online-Versender Flipkart, eine Tochter von Walmart und Marktführer in Indien, hat laut The Next Web den Verkauf eingestellt und liefert keine Bestellungen aus. Konkurrent Amazon versucht derweil Marktanteile gut zu machen, fokussiert sich wie in anderen Ländern auch wichtige Bestellungen und liefert diese bevorzugt aus.

Coop ist ausgebucht
Waren sind noch da, bloß liefern kann Coop in der Schweiz nicht mehr. Laut einem bericht von Horizont informiert coop@home seine Kunden auf der Website, die Liefertermine seien "in den meisten Regionen für mehrere Tage konplett ausgebucht". Kunden müssen sich gedulden – die Abholung der Waren ist ebenfalls nicht möglich. Mit einem weiteren Lager für stark nachgefragte Waren sowie mehr Zulieferen versucht Coop der Lage Herr zu werden.


///// TRENDS & TECH

Digital gestalten, lokal ausdrucken
Fehlende Fahrer, ausbleibende Fracht – Corona sprengt längst auch Lieferketten. Diese werden daher, meint Mehrfachgründer, Software-Entwickler und Digital-Vordenker Lin Kayser, jetzt noch digitaler: durch 3D-Druck und andere neue Technologien. Weltweit Waren digital gestalten, sie aber lokal produzieren – diese Strategie dürfte sich jetzt ebenfalls durchsetzen können. Im Interview mit der 1e9.community diskutiert Kayser die Zukunft der Logistik und beschreibt vorstellbare Trends in Produktion und Lieferketten. Spannend zum Nachdenken.

Zahl des Tages
Kurzfristig betrachtet wirkt das Corona-Virus deutlich stärker auf die Börsen als 1918 die Grippe: Der Dow Jones gab damals nur um rund 14 Punkte nach, seit Februar 2020 verlor der US-Index rund 34 Prozent, der Deutsche Aktienindex sogar 37 %. Darauf macht Kryptoszene aufmerksam, ein Dienst der sich für Kryxptowährungen wie den Bitcoin stark macht, der allerdings ebenfalls stark verloren hat. Allerdings: Das heutige Börsengeschehen ist nicht mit dem in den 1920 Jahren vergleichbar: Heute verstärkt der automatisierte Computerhandel Kursbewegungen, Anleger handeln ebenfalls generell kurzfristiger.

Favoriten der Leser
Damian Maib hat den Ausbruch von Corona in China selbst miterlebt und beobachtet jetzt, dass die Wirtschaft allmählich wieder anzieht. Der Geschäftsführer von Genuine German, einem Unternehmen, das den Markteintritt von Europäern in China begleitet, glaubt, dass die Chinesen die erwartbaren Lücken in Europa und den USA nutzen, um sich wieder ins Geschäft zu bringen und besser zu positionieren. Interessanter Einblick.