Viel los gestern: Joe Biden ist da, Donald Trump ist fort, Jack Ma gibt ein Lebenszeichen. Die Bundesregierung verpflichtet Arbeitgeber, Homeoffice anzubieten (was der HDE nur bedingt begrüßt). Und die Pandemie und das starke Online-Geschäft bringen Douglas dazu, sich konkret mit Filialschließungen zu beschäftigen, siehe unten. Der Wandel ist zurzeit fast jeden Tag mit Händen greifbar.

///// HANDEL NATIONAL
Handelsverbände fordern Regierung zum Handeln auf
Der stationäre Handel in Deutschland hat am gestrigen Mittwoch gekämpft. Plakativ wie die 60 Händler, die nach einem Aufruf des Handelsverbands Nord vor der mecklenburgisch-vorpommerschen Staatskanzlei in Schwerin symbolisch die Beerdigung des Handels inszenierten, um auf unzureichende Hilfsmaßnahmen der Regierung aufmerksam zu machen. Pragmatisch wie die Handelsverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE), die die Kampagne „Rettet meinen Arbeitsplatz“ gestartet haben -- mit demselben Ziel: die Bundesregierung davon zu überzeugen, schnellstens wirksame Hilfen zu verabschieden und damit Hunderttausende Arbeitsplätze zu retten. Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) "mahnt [...] jetzt die schnelle Umsetzung der Verbesserungen bei der staatlichen Überbrückungshilfe an". Der HDE will, dass Abschriften auf Saisonware berücksichtigt werden, auch Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Euro Hilfen beantragen können und dass der monatliche Höchstbetrag von 500.000 Euro Überbrückungshilfe entfällt. Der HDE hat außerdem mitgeteilt, die Initiative Wir-liefern.org zu unterstützen, die online die Angebote lokaler Händler vermitteln will.

Durstexpress geht in Flaschenpost auf
Anfang November wurde bekannt, dass der Oetker-Konzern den Getränkelieferanten Flaschenpost übernimmt und neben seinen eigenen Service Durstexpress stellt. Jetzt werden beide Marken zusammengeführt, genauer: Durstexpress verschwindet, Flaschenpost bleibt, und "die Gesamtlogistik [wird] zukünftig auf den Business- und Operations-Prozessen der flaschenpost basieren", teilen die Unternehmen mit. Das soll sukzessive an allen Standorten passieren, das gemeinsame Sortiment sich "aus den beliebtesten Artikeln beider Unternehmen zusammensetzen". Laut "Rheinischer Post" verlieren durch Standortbereinigungen möglicherweise Hunderte Mitarbeiter ihren Job, denn "in Berlin sollen zwei Logistikzentren von Durstexpress geschlossen werden, in Berlin und Bochum jeweils eines". Kritisch fragt Excitingcommerce.de angesichts des schwierigen Jahres 2020 für die Oetker-Brauerei Radeberger: "Entsprechend gespannt kann man sein, ob und wie lange die Oetker-Gruppe die für Flaschenpost notwendigen Investitionen aufbringen wird."

Wegen Online: Douglas plant Filialschließungen
Das Online-Geschäft hat Douglas das Weihnachtsgeschäft gerettet: Wie das "Manager-Magazin" berichtet, kam 2020 ein Drittel des Umsatzes über das Netz herein, rund eine Milliarde Euro, und hielt "das Umsatzminus im Weihnachtsgeschäft Insidern zufolge im einstelligen Prozentbereich, im Branchenvergleich ein großer Erfolg". Nur konsequent erscheint, dass das Unternehmen sein Filialnetz ausdünnen will. Kolportiert werden 50 von 430 deutschen Läden, europaweit soll der Anteil mit 500 von rund 2400 Filialen höher ausfallen, unter anderem, weil Douglas zum Beispiel in Spanien und Italien sehr viele kleine Läden betreibt.

Gericht: Kommerzielle Affiliate-Links müssen als kommerziell erkennbar sein
Onlinehaendler-News.de macht auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Köln aufmerksam (Aktenzeichen 6 W 102/20): Affiliate-Links mit kommerziellem Hintergrund müssen deutlich als kommerziell zu erkennen sein. Das sei beispielsweise bei redaktionellen Texten mit integrierten Links nicht immer gegeben, und ein Einkaufswagen-Symbol reiche nicht unbedingt.

Digitaler Showroom für eine Kaffeemaschine
Haushaltswaren-Hersteller WMF hat einen digitalen Showroom für seine Profi-Kaffeemaschinen gebaut, insbesondere für das Modell WMF 1300 S. Und spart nicht mit Eigenlob: Es geht um "ein digitales und inspirierendes Erlebnis der Extraklasse", um "emotionale und technische Raffinesse", und der "dreidimensionale Spannungsbogen" reicht wie weit? Richtig, "bis hin zum einzigartigen Geschmacksuniversum im Bereich Coffee Excellence". Wer sich von den Wortwolken nicht abschrecken lässt, erfährt in der Pressemitteilung, wie das funktioniert, und findet hier den Showroom selbst.

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///// HANDEL INTERNATIONAL

Torschlusspanik? Britisches E-Commerce-Geschäft mit dem Ausland wächst um 57 Prozent
Das Auslandsgeschäft britischer Online-Händler lag 2020 um 57 Prozent über dem Vorjahr, meldet der britische Verband für Online-Handel, IMRG. Seit April 2020 sei ein konstanter Anstieg des grenzüberschreitenden E-Commerce erkennbar gewesen, die Spitze lag erwartungsgemäß im Weihnachtsgeschäft. Die meiste Zeit habe der Handel mit Nicht-EU-Staaten vorgeherrscht, das habe sich jedoch im Lauf des Jahres zugunsten der EU-Staaten geändert. Der Verband führt das einerseits auf stärkere Resonanz in der EU auf Angebote zum Black Friday und zum Cyber Monday zurück. Andererseits könnte auch eine Art Einkaufs-Torschlusspanik vor dem endgültigen Inkrafttreten des Brexits dahinter stehen. Die Zahlen beruhen auf den Daten von 270 Händlern und Marken, die die Plattform von Global-e nutzen.

Boats Group kauft Online-Boot-Händler, inklusive deutschsprachiger Seite
Wenn in der Nische zukaufen, dann richtig: Die britische Boats Group hat gleich drei Online-Plattformen für Boote erworben, nämlich Boatshop24.co.uk, BoatsandOutboards.co.uk und die deutschsprachige Seite Boatshop24.com, meldet Tamebay. Sie gehörten bisher der Friday Media Group. Boats will den Plattformen stärkeren Zugang zum internationalen Geschäft verschaffen.

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///// TRENDS & TECH


Online-Anteil im Handel könnte in fünf Jahren bei fast 20 Prozent liegen
Der E-Commerce boomt, aber wie stark und wie lange noch? Ibi Research an der Universität Regensburg wagt eine Prognose: Bis zum Jahr 2028 könnte der Anteil der Online-Umsätze im deutschen Einzelhandel auf 16,5 Prozent ("Basisszenario") oder sogar auf 19,0 Prozent ("progressives Szenario") steigen. Das entspräche einem Gewinn von fast 50 Prozent über die fünf Jahre. "Bezogen auf den Einzelhandel ohne Betrachtung des Lebensmitteleinzelhandels würde dann mehr als jeder vierte Euro online umgesetzt", schreiben die Forscher. Der Schub des E-Commerce durch die Covid-19-Pandemie bringt sie dazu, eher das progressive Szenario anzunehmen.

Ebay plant erweiterte Zahlungsabwicklung für private Verkäufe
Ebay Deutschland hat eine neue Zahlungsabwicklung für Privattransaktionen angekündigt. Das Unternehmen verspricht "auch privaten Verkäuferinnen und Verkäufern einen vereinfachten Verkauf". Unter anderem werde Ebay den Käuferinnen und Käufern elektronische Zahlungsverfahren bieten, nämlich Kredit- und Debitkarte, PayPal und das SEPA-Lastschriftverfahren sowie Apple Pay, Google Pay und die Klarna-Sofortüberweisung. Das alles soll über das Jahr passieren: "Ab sofort wird eBay private Verkäuferinnen und Verkäufer stufenweise zu der neuen Zahlungsabwicklung einladen", teilt Ebay mit. In China plant das Unternehmen das Gleiche.

Trendprognosen für 2021 im Schnelldurchlauf
Wie wird 2021? Vier Prognosen wagen konkrete Aussagen für Handel und E-Commerce:
  • Technologie-Anbieter Spryker Systems findet, dass jedes Unternehmen auch Marktplatz sein kann. 2021 nennt er "das Jahr der Marktplätze". Die Treiber dafür: Nischen (der "Long Tail") werden groß genug für eigene Shops, B-to-B-Marktplätze lohnen sich schon bei kleineren Nutzerzahlen -- und natürlich die Technik. Mehr auf Kassenzone.de.
  • Nach der Pandemie bringt 2021 Nachholeffekte vor allem in den Bereichen Kleidung, Kosmetik und Schuhe, Baumärkte dagegen könnten den Pandemie-Schwung verlieren, erwarten Analysten. Der Schwung der Digitalisierung bleibe allerdings. Mehr auf Retaildive.com.
  • Das Weihnachtsgeschäft könnte 2021 früher beginnen, da viele Händler 2020 aus Sorge um Zustellkapazitäten schon im Oktober mit der Saison-Werbung bekommen haben. Mehr ebenfalls auf Retaildive.com. (Wie richtig die Vorsicht war, zeigt übrigens Zusteller Hermes: Das Paketvolumen stieg 2020 um 250 Millionen auf 630 Millionen.)
  • Ebay erwartet für 2021 nichts anderes als eine "E-Commerce-Evolution". Dazu gehören autonome Lieferfahrzeuge, der Trend zum Homeoffice, neue Einsatzgebiete für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz -- und natürlich auch hier neue Technik. Mehr auf Tamebay.com.

Thomann rockt Instagram & Co.
"The Cure" als Heilmittel gegen die Corona-Depression -- darauf muss man erstmal kommen. Mit Posts wie diesem hat sich der Musikversender Thomann im Dezember an die Spitze des Social-Media-Rankings von Storyclash gesetzt, das nun auch TikTok einschließt. Storyclash analysiert für etailment das Verhalten von Millionen Usern auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram und hat ein Social-Media-Ranking der Händler und Fashion Brands erstellt.