"Click & Meet", der stationäre Einkauf mit Termin, wird zumindest in Frankfurt am Main unterschiedlich umgesetzt. Die einen verlangen eine telefonische Anmeldung, andere lediglich einige Kontaktdaten an einem bereitstehenden Laptop. Viel "Click" kommt darin offensichtlich nicht vor, trotzdem hat dieser Kampf des klassischen Handels um einen Hauch Normalität vermutlich direkte Auswirkungen auf E-Commerce-Volumina. Und ein Kampf ist es, zum Beispiel vor Gericht. Siehe unten.

///// HANDEL NATIONAL
OVG Saarland kippt "Click & Meet"
"
Der § 7 Abs. 3 der Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie (VO-CP) vom 27. März 2020 in der Fassung vom 6. März 2021 wird vorläufig außer Vollzug gesetzt." Mit diesem Satz hat das Oberverwaltungsgericht des Saarlands die Landesregelung gekippt, die unter anderem "Click & Meet" umfasst, nämlich den Zutritt nur nach vorheriger Terminvergabe und nur für einen Kunden sowie eine weitere Person aus dessen Hausstand pro 40 Quadratmeter. Mit Blick auf den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetz sei die strengere Behandlung einzelner Geschäfte nicht zu rechtfertigen. Ganzes Urteil hier (Aktenzeichen 2 B 58/21).

Einzelhändler sehen "Click & Meet" überwiegend positiv, 13 Prozent aber als Verlustgeschäft
Die (stationären) Einzelhändler sind unentschieden, wie sie das seit Montag vielerorts mögliche Einkaufen mit Termin (Click & Meet) finden. Wie der Handelsverband Deutschland (HDE) aus einer Umfrage unter mehr als 1100 Unternehmen berichtet, wollen mehr als 90 Prozent der Einzelhändler ihren Kunden Click & Meet anbieten. "Knapp ein Viertel der Befragten aber sieht dabei bei hohem Aufwand und großen Kosten nur geringe Umsatzeffekte", hebt der HDE hervor. "13 Prozent schätzen Click & Meet mit Blick auf Personal- und Gebäudekosten als reines Verlustgeschäft ein." Aus der Tabelle ist aber auch zu ersehen, dass 41 Prozent der Einzelhändler Click & Meet als positiv mit leichten Umsatzeffekten sehen, zwölf Prozent sogar als sehr positiv mit deutlichen Umsatzeffekten. Auch wenn der HDE seine Mitteilung anders gewichtet: Die positive Einschätzung überwiegt.

Otto schließt ODC
Die Otto Group sperrt ihren 2018 gegründeten Fulfillment- und Retouren-Dienstleister ODC (Ondemandcommerce) zu. "Der Betrieb von odc wird eingestellt. Wir werden zukünftig keine Logistikservices mehr erbringen", heißt es auf der Website. Die Kunden würden zeitnah fristgerechte Kündigungen ihrer Verträge erhalten, schreibt Shopanbieter.de. Das Onlineblatt sieht einen möglichen Grund für die Schließung darin, dass ODC keine eigenen Lager betreibe, sondern Online-Händler an Lagerbetreiber vermittle. Das habe wohl Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit gehabt.

Edeka verkauft Bringmeister
Der tschechische Investor Rockaway Capital kauft Edeka den 2017 übernommenen Online-Lieferdienst Bringmeister ab, der seit mehr als 20 Jahren in den Großräumen Berlin und München unterwegs ist. Der Deal soll zum 1. Mai 2021 greifen. "Alle rund 260 Arbeits­plätze in Logistik, Einkauf, IT und Verwaltung bleiben erhalten und gehen 1:1 auf den neuen Eigentümer über", verspricht Edeka. Excitingcommerce.de schätzt den Bringmeister-Umsatz auf 50 Mio. bis 100 Mio. Euro.

Adidas macht Online-Sporthändlern Konkurrenz
Sportartikel-Spezialist Adidas will dem eigenen E-Commerce eine wesentlich wichtigere Rolle zuweisen -- das war schon im Februar Thema des Morning Briefings. Jetzt hat der Konzern die Vorberichte bestätigt: Adidas soll nicht mehr nur Hersteller sein, sondern "Direct-to-consumer-Konzern". Er will, mit anderen Worten, den Sportartikel-Onlinehändlern Konkurrenz machen. Wie Manager-Magazin.de berichtet, sollen bis 2025 über das Internet acht bis neun Milliarden Euro Umsatz pro Jahr erzielt werden, "etwa doppelt so viel wie 2020". Vier Fünftel des geplanten Wachstums und die Hälfte des künftigen Umsatzes sollen über eigene Kanäle kommen. Nebeneffekt: Die entsprechenden Kundendaten helfen, bei der Produktentwicklung schneller zu werden.


///// HANDEL INTERNATIONAL


EU-Finanzbehörden sollen Online-Handel einheitlicher und effizienter besteuern
Das Europäische Parlament will, dass Online-Verkäufe besser international nachverfolgt und besteuert werden können. Das sehen Änderungsvorschläge zu einem Gesetzentwurf der EU-Kommission vor, die am gestrigen Mittwoch mit 568 zu 63 Stimmen bei 64 Enthaltungen angenommen wurden. In der EU ansässige Digitalplattformen sollen demnach künftig verpflichtet sein anzugeben, wieviel sie auf ihren jeweiligen Webseiten verdienen. Die Finanzbehörden der EU-Staaten sollen diese Informationen dann schneller austauschen. Nicht-EU-Plattformen werden verpflichtet, so der Plan, sich in einem Mitgliedstaat zu registrieren, in dem sie wesentliche Geschäfte machen, und ihre Umsätze dort zu melden. Meldeverstöße sollen EU-weit einheitlich bestraft werden. Die EU-Kommission ist aufgefordert, bis Ende 2022 einen Bericht zur Umsetzung vorzulegen.

Schweizer Online-Handel wuchs 2020 um 27 Prozent
Die Nachricht ist nun wirklich keine Überraschung mehr: Auch in der Schweiz hat der Online-Handel 2020 "infolge Corona und temporärem Shutdown" stark zugelegt, und zwar um 27,2 Prozent. Laut Handelverband.swiss erreichte der Umsatz 2020 ein Volumen von 13,1 Mrd. Schweizer Franken, 2,8 Mrd. mehr als im Vorjahr. Größte Gewinner waren Möbel, Sport und Lebensmittel. Dabei legten Händler, die sowohl stationär als auch online arbeiten, am stärksten zu. Das zeige, "welches Potential breit abgestützte Handelsformate im Onlinehandel noch haben".

Walmart setzt zweiten Verkaufsstream über Tiktok auf
Der US-Händler will den Erfolg seines ersten Verkaufsstreams am 18. Dezember 2020 wiederholen und lädt zum zweiten Mal zum Shoppen auf seinem Tiktok-Kanal ein, diesmal zum Thema Kosmetik (“Spring Shop-Along: Beauty Edition”). Basis ist ein 60-minütiges Tutorial mit Influencern, die live demonstrieren, wie sie mit Walmart-Produkten Haut und Haare pflegen und sich schminken. Die Produkte können über "Pins" in einen Warenkorb gelegt und von dort direkt gekauft werden, ohne Tiktok zu verlassen, kündigt Walmart an. Der Stream startet am 11. März um 21 Uhr EST (12. März, 3 Uhr MEZ). Weitere Events dieser Art seien geplant, so das Unternehmen. Dazu passend: Onlinehaendler-News.de hat sich it einem Anbieter von Streamingevents unterhalten, Fazit: "Was wir gerade erleben, ist, dass das chinesische Erfolgsmodell des Shoppens im Livestreaming auch in Europa und den USA immer stärkeren Anklang findet".

Lego kündigt Digitalisierungsschub für den Handel an
Der dänische Klemmbaustein-Pionier Lego erntet zwar für den Umgang mit kleinen Händlern in jüngerer Zeit negative Schlagzeilen, will sich aber umfassend digitalisieren, auch für den Handel. Wie das Unternehmen im Rahmen der Jahresergebnisse leider etwas schwammig mitteilt, arbeite man an der "Entwicklung erstklassiger digitaler Prozesse für alle, die mit dem Unternehmen interagieren, von Verbrauchern und Einzelhandelspartnern bis hin zu Lieferanten und Mitarbeitern". Im Jahr 2020 habe die Zahl der Besucher auf Lego.com doppelt so hoch gelegen wie im Vorjahr.

Drei Nachrichten zu Amazon in jeweils einem Satz
  • Das kassenlose Supermarkt-Konzept "Amazon Fresh" hat mit der Eröffnung eines Ladens in der Stadt Ealing Großbritannien erreicht. (Tamebay.com)
  • In den spanischen Amazon-Logistikzentren der Regionen Madrid und Barcelona sollen die Angestellten kostenlos, regelmäßig und auf freiwilliger Basis auf Covid-19 getestet werden. (Aboutamazon.es)
  • Internetworld.de diskutiert, ob ein Marken-Leben ohne den Plattformriesen überhaupt denkbar ist, und titelt: "Es gibt Kundengruppen, die kriegt man nur auf Amazon".

///// TRENDS & TECH

Mobile Endgeräte übernehmen die Führung im europäischen E-Commerce
Einer Studie von Forrester zufolge kommt der aktuelle E-Commerce-Boom zu mehr als der Hälfte von mobilen Endgeräten (Smartphones und Tablets). Klassische Desktop-Computer verlieren an Bedeutung. Führend sei Großbritannien, dort entstehen laut Forrester 43 Prozent der mobilen Online-Käufe, gerechnet für die fünf größten Märkte. Auf Platz zwei folgt Deutschland, so Internetretailing.net in seiner Zusammenfassung. Die vielleicht wichtigere Nachricht aus der Studie aber ist die: Online-Käufer nutzen ihre mobilen Geräte nicht mehr nur zur Recherche, sondern zunehmend auch für den tatsächlichen Kauf.

Anatwine und Tradebyte bleiben getrennt, werden aber Tradebyte
Anatwine und Tradebyte, zwei Anbieter von E-Commerce-Plattformen, gehen zusammen und wollen "der führende Plattform-Enabler für den europäischen Mode- und Lifestyle-Markt" werden. Die Unternehmen bleiben laut Mitteilung juristisch getrennt, treten aber ab sofort mit gemeinsamer Geschäftsführung und unter dem Namen Tradebyte auf. Laut Excitingcommerce.de sind beide Unternehmen Töchter von Zalando, Tradebyte wolle aber nicht im Zalando-Kontext auftauchen.

Ebay Kleinanzeigen führt Verifizierung ein
Noch in diesem Sommer will Ebay Kleinanzeigen eine SMS-Tan-Identifizierung für Anbieter und Interessierte einführen. Wie Carsten Knobloch in seinem "Caschys Blog" berichtet, werde die verbindliche Verifizierung zunächst dort eingeführt, wo die Gefahr des Cyber-Grooming bestehe, dass also Erwachsene Kinder in Missbrauchsabsicht kontaktieren. Ziel sei es, alle Nutzerkonten zu verifizieren.

Reta Awards 2021 für Intersport, Rose Bikes und Salling Group
Das EHI Retail Institute zeichnet mit seinen Reta Awards auch E-Commerce-Lösungen aus. Die Kategorie heißt "Best Connected Retail Solution" und ehrt in diesem Jahr: Intersport (dafür, dass in Frankreich 90 Prozent des Online-Angebots auch im Laden zu haben sind), Rose Bikes (für das vertriebskanalübergreifende und skalierbare Bestellmanagement) und den dänischen Supermarkt-Betreiber Salling Group (für eine Software-Plattform, die verschiedenen Marken ihre je eigene Ausprägung erlaubt).