"Verzweiflung im Einzelhandel wächst", titelt Onlinehaendler-news.de angesichts des verlängerten Lockdowns. Viele Händler bauen Online-Sparten auf oder aus, auch Bayern erlaubt nach einigem Zögern nun Click & Collect - wobei dann möglicherweise eines Tages eine Digitalsteuer wartet. Eindeutig bleibt derzeit nur der Trend zum E-Commerce, wie Zahlen aus der Schweiz und Großbritannien erneut bestätigen. Einige Themen des heutigen Morning Briefings.

///// HANDEL NATIONAL
HDE spricht sich gegen Digitalsteuer aus, Städtebund für eine Online-Abgabe
Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht "keine Notwendigkeit für die Einführung einer Digitalsteuer". Schließlich seien viele stationäre Händler inzwischen auch online unterwegs, und "es besteht die Gefahr, dass eine Digitalsteuer auch auf ihre Kosten gehen könnte", so der Verband. Er fordert stattdessen dazu auf sicherzustellen, dass Anbieter aus Fernost die korrekten Steuern zahlen. Gleichzeitig schlägt der Deutsche Städte- und Gemeindebund einen milliardenschweren "Innenstadt- und Ortskernfonds" vor und sagt: "Wir halten es für richtig, diesen Fonds mit zusätzlichen Mitteln aus einer neu zu schaffenden Abgabe für die großen Onlinehändler zu speisen."

Bayern erlaubt Click & Collect
Die bayrische Regierung hatte mit Einsetzen des Lockdowns auch die Abholung bestellter Waren (Click & Collect) untersagt. Im Rahmen der Lockdown-Verlängerung wird das wohl aufgehoben, berichtet Channelpartner.de und zitiert Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger: "Das ist für viele Händler gerade auch für den kleineren Einzelhandel vielleicht der letzte Strohhalm, mit Sicherheit für viele auch eine Rettung, dass sie nicht in die Insolvenz gehen müssen, wenn man dort die Waren abholen kann." Click & Collect ist in zum Beispiel in Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen untersagt, in Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Schleswig-Holstein erlaubt.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Schweiz: Coop-Supermärkte legten 2020 stationär um 14, online um 40 Prozent zu
Einige der ersten Jahresbilanzen für 2020 kommen aus der Schweiz -- und das Bild ist keine Überraschung: Der Schweizer Lebensmittelhändler Coop meldet einen Gesamtumsatz von 30,2 Mrd. Franken für das abgelaufene Kalenderjahr, währungsbereinigt ein Minus von 0,2 Prozent. Die Supermärkte allerdings legten um 14,4 Prozent auf 12,0 Mrd. Franken zu, der Online-Einzelhandel um 35,2 Prozent auf 1,2 Mrd. Franken, darunter Coop.ch mit einem Wachstum von 42,6 Prozent. Online-Wettbewerber Farmy, spezialisiert auf Lebensmittel direkt vom Produzenten, hat 2020 den Umsatz gar fast verdreifacht, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau: von 9,6 Mio. auf 26 Mio. Franken. meldet Carpathia.

Briten verdoppeln Online-Quote beim Lebensmittelkauf - aus Not statt aus Überzeugung
Der Online-Anteil der Lebensmittelverkäufe britischer Supermärkte hat sich in den vier Wochen bis zum 26. Dezember 2020 auf 12,5 Prozent verdoppelt (Vorjahreswert: 6,7 Prozent). Internetretailing.net zitiert Nielsen-Zahlen, mit vielen Details zu Warengruppen und Bons im Artikel. Der Online-Schub kam allerdings vor allem aus Notwendigkeit, weniger aus Liebe zum Klick: Laut Ubanet betrachtet mehr als ein Drittel der Online-Besteller den Online-Einkauf "eher als Unannehmlichkeit, weniger als Segen". Als Gründe werden unpassende Lieferslots und Ersatzartikel statt der bestellten Sachen genannt.

Pandemie und E-Commerce als Gründe: New York verlor 2020 rund 1.000 Filialgeschäfte
Und so sieht die Schattenseite des gegenwärtigen Online-Booms am Beispiel der Stadt New York aus: Mehr als 1.000 Filialgeschäfte wurden dort im Laufe des Jahres 2020 geschlossen. Die Zahl der Filialen sank von 7.948 im November 2019 auf 6.891 im November 2020 und damit um 13,3 Prozent, meldet das Center for an Urban Future in seiner Studie "State of the Chains, 2020". Das sei "bei weitem der stärkste jährliche Rückgang von Kettengeschäften seit dem Beginn unserer Erhebungen vor 13 Jahren". Hauptgrund sei die Coronavirus-Pandemie; in den Branchen Bekleidung, Schuhe, Accessoires, Schmuck, Kosmetika und Heimtierbedarf nennt das Institut aber "eher die wachsende Konkurrenz durch den E-Commerce" als Grund. Ergänzend: Die US-Kaufhauskette Macy's will 2021 rund 45 Läden schließen.

Amazon stellt Milliarden für Mitarbeiter-Wohnungen bereit
Amazon versteht sich auf widersprüchliche Nachrichten: Während die Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren immer wieder Thema sind, kündigt das Unternehmen an, zwei Mrd. US-Dollar bereit zu stellen, "um 20.000 bezahlbare Wohnungen zu schaffen oder zu erhalten". Das soll über Darlehen und Zuschüsse laufen, berichten mehrere Medien. Klingt gut, gilt aber ausschließlich für die Regionen um die Unternehmenszentralen in Arlington, Puget Sound und Nashville, allesamt USA. Gegenprogramm: Vier Amazon-Auslieferer sprechen über die Risiken ihres Jobs.


///// TRENDS & TECH

So funktioniert der "Cart" in Whatsapp
Dass Whatsapp sich mit der Funktion "Cart" dem Warenverkauf öffnet, war schon mehrfach Thema. Der "Business Insider" zeigt Schritt für Schritt, wie das funktioniert. "Unternehmen müssen sich dafür nicht anmelden. Solange ein Artikelkatalog erstellt wird, den Kunden in Whatsapp Business durchsuchen können, erledigt Whatsapp den Rest", schreibt das Portal. (Die großen Bilder im Artikel sind keine Werbung, sondern illustrierende Screenshots.)

Asendia ersetzt "Goods" durch "E-PAQ"
Das Schweizer Unternehmen Asendia, nach eigenen Angaben "führend bei der Bereitstellung von E-Commerce Paketlösungen für Onlinehändler, die international verkaufen", hat zum Jahreswechsel sein Angebot neu sortiert: Alle bisherigen "Goods"-Services wurden auf "E-PAQ" umgestellt. Vier Services, "die sich in diversen, an die Bedürfnisse der Kunden angepassten Aspekten voneinander unterscheiden – Liefergeschwindigkeit, Preis, Format, Gewicht und zusätzliche Features" -- sind jetzt im Programm.

Panasonic schickt Lieferroboter auf japanische Straßen
Es gab im Morning Briefing länger keine Meldung über autonome Auslieferungsfahrzeuge, daher ein Blick nach Japan: Dort testet Panasonic in der Fujisawa Sustainable Smart Town (Präfektur Kanagawa) gerade einen vierrädrigen Roboter mit Manga-Charme, der 4 km/h schnell autonom fährt, aber aus der Ferne von einem Menschen überwacht wird. Laut Panasonic treibt die Pandemie auch dieses Projekt, da die Nachfrage nach Lieferungen die Kapazitäten übersteige. Der Test ist Teil eines vom japanischen Wirtschaftsministerium geförderten landesweiten Roboauto-Projekts.