Leben statt Lockdown - so lautet das Motto der Kampagne, die der Handelsverband Deutschland, HDE, gemeinsam mit einem Dutzend großer Handelsunternehmen und dem Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) gestartet hat. Über 40 Mio. Menschen sollen damit in Deutschland täglich erreicht und motiviert werden, sich impfen zu lassen. Plakate, Info-Broschüren, Social-Media-Posts und Impfangebote an ausgewählten Standorten sind geplant. Gesundheitsminister Jens Spahn begrüßt die Aktion. Auch bei Amazon ist Impfen gerade ein großes Thema, musste der Online-Riese doch seine Corona-Maßnahmen in den Warenlagern der USA wieder verschärfen. Wer geimpft ist, darf an einer Lotterie mit einem Hauptgewinn von einer halben Mio. US-Dollar teilnehmen. Eine Impfpflicht lehnt Amazon ab.

///// HANDEL NATIONAL
Laufen Gorillas die Investoren weg?
Die letzte Finanzierungsrunde des 10-Minuten-Lieferdienst Gorillas ist erst vier Monate her. Im März sammelte das Unternehmen aus Berlin 240 Mio. Euro ein. Nun berichten internationale Medien wie die Financial Times, dass Gorillas bei einer neuerlichen Finanzierungsrunde schwächelt. Geplant seien diesmal 900 Mio. Euro. Doch der Markt beginnt abzuflachen. Die Zahl der Mitbewerber steigt gefühlt täglich und auch die Mitarbeiter bereiten aktuell Probleme. Sollte die Bewertung von Gorillas sinken, sei der US-Lieferdienst Doordash bereit einzusteigen, berichtet Günderszene. Doordash zeigt seit einigen Monaten bereits großes Interesse am deutschen Markt. Es gibt konkrete Hinweise (Stellenanzeigen für Berlin), dass der Markteintritt kurz bevorsteht. 

Galeria Karstadt Kaufhof nutzt Pandemie-Zeit um sich digital neu aufzustellen
Vor der Corona-Krise lag der Online-Umsatz der Kaufhaus-Riesen Karstadt Kaufhof bei ca. fünf Prozent. Im Interview mit der F.A.Z. verbreitet Vorstandschef Miguel Müllenbach Zuversicht in Sachen Digitalisierung des Konzerns und sieht auch den Online-Handel des Unternehmens im Aufwind. „Wir haben gerade den Lockdown intensiv dazu genutzt, uns digital komplett neu aufzustellen – vor und hinter den Kulissen“, sagt der Manager. Sichtbar für die Kunden werde das im Winter.

Keine Paketdrohnen bei der Deutschen Post
2014 flog die erste DHL-Drohne ein Paket auf die Nordseeinsel Juist, 2016 belieferte sie eine Alpengemeinde und in Tansania lieferte sie in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Drohnenhersteller Wingcopte ab 2018 Medikamente aus. In China ging DHL noch im Jahr 2019 eine strategische Allianz mit dem chinesischen Drohnenhersteller EHang ein. Doch jetzt ist das Pilotprojekt „Paketkopter" gestorben. Ein DHL-Sprecher teilte der Welt am Sonntag mit, es seien keine weiteren Projekte geplant. Einen Regelbetrieb werde es nicht geben. Die Zustellung per Drohne wird aktuell lediglich von Amazon weiterhin getestet, allerdings ebenfalls wohl mit geringer Priorität. Auch in den USA gibt es bisher keinen Regelbetrieb mit Lieferdrohnen. 

Auto1 geht im 2. Quartal durch die Decke
Eine Milliarde Euro Quartalsumsatz und den höchsten Bruttogewinn (99 Mio. Euro) in seiner Geschichte hat der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 im 2. Quartal 2021 erzielt. Unterm Strich steht dennoch ein operativer Verlust von 23 Mio. Euro, der dem Expansionsstreben geschuldet ist. Das im M-Dax gelistete Unternehmen erhöhte die Umsatzprognose für 2021 auf bis zu 4,4 Mrd. Euro und will in seinen derzeit fast 30 Absatzmärkten über seine Online-Marktplätze bis zu 580 Tausend Autos verkaufen. 

Darknet-Drogenhändler müssen neun Jahre in Haft
Auch das ist Online-Handel: »Chemical Revolution« hieß die nur anderthalb Jahre alte Online-Plattform, auf der in dieser kurzen Zeit laut Anklage vor dem Landgericht Gießen 130 Kilogramm Amphetaminen, 42 Kilogramm Cannabis, 17 Kilogramm kristallinem MDMA, sechs Kilogramm Kokain sowie ein Kilogramm Heroin verkauft wurden. Die Drogen kamen aus den Niederlanden. Der Hauptangeklagte erhielt eine neunjährige Haftstrafe, seine Mitstreiter kamen mit zwischen zwei Jahren und acht Monaten davon.  


///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon kämpft mit der Pandemie
Eigentlich sollten Amazon-Mitarbeiter zum 7. September wieder aus dem Homeoffice zurückkehren. Dem macht die aktuelle Pandemie-Entwicklung in den USA nun einen Strich durch die Rechnung. Die Homeoffice-Pflicht wurde bis Januar 2022 verlängert. Eine allgemeine Maskenpflicht gilt seit 6. August wieder in allen Lagerhäusern in den USA, auch für Geimpfte. Gleichzeitig erhöht Amazon die Anreize zum Impfen: Bis zu einer halben Mio. US-Dollar kann gewinnen, wer an der Lotterie für Geimpfte teilnimmt. Anders als Google und Facebook schreibt Amazon seinen Mitarbeitern bisher keine Impfung vor. 

Indonesischer Online-Riese Bukalapak sammelt 1,5 Mrd. US-Dollar ein
Am vergangenen Freitag erlebte Indonesien seinen bisher größten Börsengang: Der Online-Marktplatz Bukalapak, derzeit auf Platz vier im Land nach Tokopedia, Shopee und Lazada, sammelte beim IPO 1,5 Mrd. US-Dollar ein und wird nun mit sechs Mrd. US-Dollar bewertet. Die Aktie legte nach Börsenstart um 25 Prozent zu. Bukalapak wurde bereits im Jahr 2010 als E-Commerce-Marktplatz für kleine und mittelständige Unternehmen außerhalb der großen Städte gegründet und schrieb zuletzt Verluste. 

///// TRENDS & TECH

Wie Rewe Amazon Paroli bieten will
Wer in diesen Tagen die Kommentare zur Transformation des Handels nach der Corona-Krise liest, bekommt den Eindruck vermittelt, das Rennen der stationären Betriebe gegen Amazon & Co. ist bereits verloren. In den Chefetagen der großen Handelshäuser scheint man das anders zu sehen. Aktuell testet Rewe nun wie man mit Automatenfilialen und Hightech-Läden den Ladenschluss abschaffen und Paroli bieten kann. In einem kleinen Markt in Köln wird das kassenlosen Einkaufserlebnis mit Kameratechnik erprobt, berichtet das Handelsblatt. 

Was ist dran, an Amazon-Aggregatoren?
Sie heißen Thrasio oder Persch und werden täglich mehr: Die sogenannten Amazon-Aggregator, deren Geschäftsmodell darauf beruht, erfolgreiche Amazon-Marken aufzukaufen und deren Vertrieb zu professionalisieren. Mindestens 69 Firmen in zwölf Ländern sind seit April 2000 entstanden. Zusammen haben sie über sieben Mrd. US-Dollar Risiko-Kapital eingesammelt. Ein Bericht auf CNBC gibt einen aktuellen Überblick zu den Aggregatoren und deren künftige Entwicklung. Amazon, so heißt es dort, sieht sein Geschäftsmodell nicht in Gefahr, da die meisten Anbieter weiterhin unabhängig bleiben wollten. 

///// NACHHALTIGKEIT

Net-a-Porter startet Net-Sustain
Nachhaltige Mode ist oft noch ein Nischenthema. Mit Net-a-Porter engagiert sich nun aber ein großer Online-Luxus-Retailer mit Vorbildcharakter. Die Plattform Net-Soustain wurde bereits im Juni 2021 mit zunächst 26 Marken gestartet, Ende Juli sind es schon 45 Fashion Brands, darunter Capsule Collections von Stella McCartney, Mother of Pearl x BBC Earth und Maggie Marilyn. Sie alle erfüllen eines oder mehrere Nachhaltigkeitskriterien bei Materialien und Prozessen, der Reduzierung von Abfällen in der Lieferkette oder den Schutz von Menschen, Tier und Umwelt. Nachhaltige Beautyprodukte sollen 2022 folgen.