Im Morning Briefing vom Montag hatten wir sowohl über Warenüberhänge im (Textil-) Handel geschrieben als auch über die Einschätzung von KIK, arme Menschen könnten derzeit kaum Kleidung kaufen, weil schon der Versand zu teuer sei. "Angesicht dessen, dass wir eine weltweite Krise erleben", schrieb uns daraufhin eine Leserin, "wäre es mehr als angebracht umzudenken und alle mit Kleidung zu versorgen." Am gestrigen Mittwoch kam die Meldung, die Umsatzsteuer auf Warenspenden solle wegfallen. Wäre Wünschen doch immer so effektiv.

///// HANDEL NATIONAL
Rheinland-Pfalz führt "Meet & Collect" ein, stationäre Händler klagen gegen den Lockdown
Es kommt Bewegung in den Lockdown. Rheinland Pfalz führt zum 1. März "Meet & Collect" ein, klassisches Einkaufen im stationären Handel, aber mit Termin. Laut Chip.de planen Baden-Württemberg und Hessen ähnliche Konzepte. "Ladenöffnungen kommen womöglich schrittweise auch bundesweit", folgert das Magazin. Könnte stimmen -- in Bayern und Sachsen-Anhalt dürfen Baumärkte von Montag an wieder regulär für Privatkunden öffnen. Juristisch Druck macht eine ganze Reihe Händler: Klagen gegen den Lockdown haben unter anderem Media Markt Saturn, Obi, Breuninger, Peek & Cloppenburg und Riani angestrengt, der Einkaufsverband Unitex plant eine Sammelklage mit Hunderten kleinerer Einzelhändler, wie Spiegel.de in einer Übersicht berichtet. Einige Klagen zielen auf die Gleichstellung mit Friseuren oder mit dem Lebensmittelhandel, andere führen ins Feld, der stationäre Handel sei kein Infektions-Hotspot.

Politik will Umsatzsteuer für Warenspenden erlassen
Die vollen Lager zunehmend schwer verkäuflicher Ware im Handel haben Verbände und Politik auf den Plan gerufen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz plant laut Spiegel.de, die auch bei Warenspenden fällig werdende Umsatzsteuer bis Jahresende auszusetzen, sofern an eine steuerbegünstigte Organisation gespendet wird. Für verderbliche Ware soll es sogar eine dauerhafte Befreiung geben. Damit kommt das Ministerium unter anderem Forderungen des Handelsverbands HDE und des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland BEVH entgegen, die das Vorhaben denn auch ausdrücklich begrüßen. Der HDE hatte zudem zusammen mit den Grünen und dem Paritätischen Gesamtverband unter dem Hashtag #SpendenStattVernichten gefordert, Warenspenden günstiger zu machen als Warenvernichtung.

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Die Bedeutung von Daten im Handel
Der Handel hat im Vergleich zu anderen Branchen den dringendsten Bedarf, die Dateninfrastruktur zu verbessern. Das ist bei der Vielfalt an Datenquellen nicht verwunderlich. Mit der Data Cloud von Snowflake lassen sich Daten unabhängig von Cloud-Anbietern an einem zentralen Ort speichern. Nur so können Unternehmen ihre Kunden mit einer 360-Grad-Ansicht aller Berührungspunkte ansprechen.

Deutsche Online-Händler machen ihre Arbeit gut
Die Marktforscher vom IFH Köln haben Online-Kunden befragt und melden: 82 Prozent waren mit ihren Onlinekäufen zufrieden, 85 Prozent beschreiben den Kaufprozess als einfach und unkompliziert. Beide Werte wie auch die für Zeitersparnis (71 Prozent Zustimmung) und Wiederholungsabsicht (38 Prozent) lagen über denen einer vergleichbaren Befragung Anfang November 2020. Amazon war erwartbar der am häufigsten genannte Onlineshop, am stärksten zugelegt aber hat laut IFH Tchibo.

Flaschenpost/Durstexpress akzeptieren Kündigungssperre
Die Arbeitsagenturen in Leipzig und Berlin verzögern die Entlassungspläne, die Oetker bei der Zusammenlegung seines Zukaufs Flaschenpost mit dem eigenen Getränkelieferdienst Durstexpress verfolgt. Laut "Gründerszene" akzeptiert das Unternehmen die Entlassungssperre, die für rund 500 Mitarbeiter am Standort Berlin-Tempelhof bis zum 24. März gilt. Die ausgesprochenen Kündigungen bleiben allerdings wirksam. Zuvor hatte die Arbeitsagentur in Leipzig eine zweimonatige Entlassungssperre für rund 450 Mitarbeiter der dortigen Niederlassung ausgesprochen.


///// HANDEL INTERNATIONAL

USA I: 6 bis 8 Prozent mehr Handelsumsatz insgesamt, 18 bis 23 Prozent online
Die National Retail Federation, der Einzelhandelsverband der USA, erwartet für 2021 mit Zunahme der Impfzahlen auch ein beschleunigtes Umsatz-Gesamtwachstum im Handel, nämlich um 6,5 bis 8,2 Prozent auf etwa 4,3 Billionen US-Dollar. (2020 lag das Wachstum nach vorläufigen Zahlen bei 6,7 Prozent auf 4,1 Billionen Dollar.) Voraussetzung sei, dass das Impfen gut vorangehe. Wer glaubt, der E-Commerce werde da alt aussehen, irrt: Der Verband prognostiziert ein Online-Plus von 18 bis 23 Prozent, auf 1,14 bis 1,19 Billionen US-Dollar. Diese Zahl ist in der Gesamtzahl bereits enthalten, was die Folgerung zulässt, dass 2021 etwa ein Viertel des US-Handelsumsatzes aus dem Internet kommt.

USA II: Modehändler Gap will Online-Geschäft verdoppeln
Die US-amerikanische Mode-Einzelhandelskette Gap baut für 140 Millionen US-Dollar ein Vertriebszentrum in der texanischen Stadt Longview. Das rund 79.000 Quadratmeter große Gebäude soll vom August 2022 an eine Million Sendungen am Tag verarbeiten können und vor allem für den E-Commerce arbeiten. Denn die Kette hat sich zum Ziel gesetzt, die Online-Umsätze über die kommenden zwei Jahre zu verdoppeln. 2023 soll die Hälfte des Umsatzes aus dem E-Commerce kommen (im 3. Quartal 2020 lag der Anteil bei 40 Prozent). Gleichzeitig werden 30 Prozent der Läden der Marken Gap und Banana Republic schließen.

USA III: Elektronikmarkt-Kette Fry's verschwindet vom Markt
Die US-Kette Fry's Electronics schließt ihre 31 verbliebenen Filialen. Fastcompany.com widmet ihr einen ausführlichen, persönlich gefärbten Nachruf voller Wehmut und Bedauern. Offenbar hat die Kette trotz des "unvermeidlichen Tods" doch einiges richtig gemacht.


///// TRENDS & TECH

Deutsche Bank wickelt jetzt auch E-Commerce-Zahlungen ab
Wo viel online gekauft wird, lässt sich mit der Zahlungsabwicklung Geld verdienen. Die Deutsche Bank steigt daher in die Zahlungsakzeptanz für Online-Händler ein, wie das "Handelsblatt" schreibt -- ein Geschäft, aus dem sie schon zweimal ausgestiegen ist. Das sei auch eine Flucht nach vorn, da umgekehrt etablierte Zahlungsabwickler zunehmend klassische Bankgeschäfte anböten. Die Deutsche Bank sehe aber bei sich selbst die größeren Chancen, alle Prozesse zu integrieren.

Geschwindigkeits-Ranking der Mode-Onliner: Esprit.de lädt am schnellsten
Die "Textilwirtschaft" rechnet damit, dass Google vom Mai an die Geschwindigkeit des Seitenaufbaus als Ranking-Kriterium einführt. Das Blatt hat daher den Dienstleister Baqend damit beauftragt, die 50 umsatzstärksten Online-Mode-Shops auf den Largest Contentful Paint hin zu testen. Am schnellsten lädt demnach Esprit seinen Hauptinhalt: 90 Prozent der Seitenaufrufe dauern maximal 2,5 Sekunden. Es folgen vier Shops der Versendergruppe Klingel: Wenz (89 %), Happy Size (88 %), Alba Moda (87 %) und Mona (86 %). In der zweiten Hälfte der Top Ten finden sich die Otto-Group-Tochter Sheego, der Modefilialist Ernsting's Family, der Textil-Discounter Kik (alle drei 83 %), die Otto-Group-Tochter Heine (82 %) und der Online-Modehändler Zalando (81 %), der nach eigenen Angaben jede Seite neu lädt, statt Caches vorzuhalten.

EU-Kommission plant Regeln für Mitarbeiter digitaler Plattformen
Die EU-Kommission hat angekündigt, die Arbeitsbedingungen derer zu verbessern, die für digitale Plattformen arbeiten. Die seien "durchaus prekär", zitiert die Deutsche Presse-Agentur die Kommission. Bis Ende 2021 soll es eine Gesetzesinitiative geben, am Anfang stand jetzt der Austausch mit Gewerkschaften und Arbeitgebern. Zur plattformvermittelten Arbeit zählen Essenslieferungen, Fahrdienste, aber auch Online-Textarbeit und -Programmierung.