Die Diskussionen über die Steuerpolitik in Deutschland nehmen immer weiter an Tempo auf. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht aus irgendeiner Parteizentrale ein neuer Vorschlag kommt. Steuer rauf, Steuer runter. Ende vergangener Woche hat SPD-Chef Lars Klingbeil die Einführung einer Übergewinnsteuer ins Spiel gebracht, Landwirtschaftsminister Cem Özdemir wollte eine Senkung oder vorübergehende Einstellung der Mehrwertsteuer für Lebensmittel. Anfang der Woche folgte das Echo aus Hamburg, Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina will auf der Verbraucherschutzministerkonferenz kommende Woche einen entsprechenden Vorschlag vorlegen. Bis dahin ist noch viel Zeit. Mal sehen, was als Nächstes folgt, die Klaviatur ist breit.

///// HANDEL NATIONAL
Alnatura startet Lieferdienst in Frankfurt und Berlin
Nach den ersten Meldungen (das Morning Briefing berichtete) Anfang Mai über einen Alnatura-Lieferdienst ist nun das Pilotprojekt in zwei Läden in Berlin gestartet. Mitte Juni nimmt der Service des "Alnatura Super Natur Markt Online" dann in einem weiteren Berliner Geschäft den Betrieb auf, ab Ende kündigt die Bioladenkette den Start in Frankfurt an. Die Lieferung übernehmen fest angestellte Mitarbeiter, sie liege nicht bei externen Dienstleistern, meldet Alnatura. Das Sortiment umfasse verpackte Artikel und Frischware, es werde kontinuierlich ausgebaut. Die Lieferung erfolge am Tag nach der Bestellung in zwei Zeitfenstern, der Mindestbestellwert liege bei 29 Euro. Bis zu einem Warenwert in Höhe von 59 Euro falle eine Liefergebühr in Höhe von 3,90 Euro an.

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Amazon stellt Amazon Flex ein
Das Amazon Flex Programm gehört der Geschichte an. Amazon hatte das Programm 2015 gestartet, um den Kunden schnelle und flexible Lieferzeiten anbieten zu können. Die Kuriere nutzten den Service für sich vorwiegend als zusätzliche Erwerbsquelle. Amazon kündigt an, dass der Konzern sie bei der Suche nach neuen "Einnahmequellen" unterstützen werde. So gebe es hunderte offener Stellen bei Amazon. Die Lieferdienste würden in Zukunft von Lieferunternehmen übernommen, für die Kunden habe dies keine Auswirkungen.

Verbraucherstimmung verbessert sich
Im HDE-Konsumbarometer ist für den Juni eine leichte Verbesserung bei der Verbraucherstimmung zu erkennen. Nach sechs Monaten kontinuierlicher Verschlechterung verbleibt der Wert auf einem niedrigen Niveau, der Tiefpunkt ist aber überwunden, rechnet der Verband vor. Weiter nach unten sei es bei der Anschaffungsneigung gegangen, die Konsumzurückhaltung bestehe im Angesicht der Inflation weiter. Hier sei erst bei einer klaren Veränderung der Preisentwicklung mit einer Verbesserung zu rechnen. Positiv schätzten die Verbraucher die Konjunkturentwicklung ein, die Erwartungen in Bezug auf die Einkommen hätten sich leicht verbessert. Nach Einschätzung des Verbands ist für die Verbraucherstimmung in den nächsten Monaten nicht mit einem Anstieg zu rechnen.

Orsay schließt in Deutschland alle Geschäfte
Die Modekette Orsay beendet in Deutschland die Geschäftstätigkeit. Bis Ende Juni sollen die restlichen 130 der ursprünglich 197 Filialen geschlossen werden, für rund 1.200 Mitarbeiter folgt die Kündigung, meldet Textilwirtschaft. Das Unternehmen hatte im vergangenen Herbst ein Schutzschirmverfahren beantragt, im Januar folgte das Insolvenzverfahren. Auch in Österreich und Polen sollen die Geschäfte schließen. Als Gründe nenne das Unternehmen die Pandemie und in der Folge den Krieg in der Ukraine, die Minuszahlen aus dem Ladengeschäft habe der Online-Handel nicht auffangen können. Es sei offen, was mit der Marke Orsay geschehe.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Staus der Containerschiffe nun auch in der Nordsee
Die Staus der Containerschiffe, die monatelang vor den chinesischen und US-amerikanischen Häfen zu beobachten waren, sind nun auch in der Nordsee angekommen. Nach Berechnung des Institut für Weltwirtschaft Kiel für den neuen Kiel Trade Indicator liegen rund zwei Prozent der globalen Frachtkapazität vor Häfen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden fest, und es bestünden keine Möglichkeiten für Be- und Entladung der Schiffe. In der Deutschen Bucht gebe es für rund ein Dutzend der Containerschiffe keine Kapazitäten in den Häfen. Mit drei Prozent liege die Zahl der festliegenden Kapazitäten in Schanghai noch höher, es gebe aber eine Zunahme bei den Abfahrten aus Schanghai. Der Prozentsatz der weltweit aufgestauten Kapazitäten liege bei elf Prozent.

Uber Eats bietet nun Lieferungen zwischen Städten in den USA
Uber Eats hat einen weiteren Lieferdienst ins Programm genommen. Kunden können nun Produkte bei ausgesuchten Anbietern in New York, Miami, San Francisco und Los Angeles bestellen und in andere US-Städte liefern lassen, berichtet Business Insider. Die Bestellung erfolge wie üblich über die App, die Kunden erhielten dann Informationen, um die Bestellung nachverfolgen zu können. Die Lieferung erfolge ohne Gebühren, die Preise würden von den Anbietern festgelegt, teilte Uber mit. Partner für die Transporte sei Fedex. Uber wolle den Service in Kürze auf weitere Städte in den USA ausdehnen. Der erste Anbieter für einen solchen landesweiten Lieferservice war Goldbelly, im vergangenen November folgte Doordash.

Die Anext Bank eröffnet in Singapur
Die Ant Group unternimmt den nächsten Schritt im digitalen Finanzwesen. Die Beteiligung der Alibaba Group eröffnet in Singapur die Anext Bank. Das Ant-Tochterunternehmen konzentriert sich in der Region als Großhandelsbank auf die Erstellung von Finanzmodellen sowie den Aufbau und die Bereitstellung von digitalen Finanzdienstleistungen. Im Mittelpunkt stehen lokale und regionale KMU und Unternehmen, die international tätig sind. Es gehe um einen "offenen und kollaborativen Ansatz", und die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Industrie und dem öffentlichen Sektor, heißt es von Unternehmensseite. Ziel sei das Angebot von Finanzdienstleistungen, die für die KMU einfacher und sicherer seien.

Ebay eröffnet einen Tresor für Sammelkarten
Ebay bietet Inhabern von Sammelkarten eine neue gesicherte Lagermöglichkeit. In einer umgebauten Lagerhalle im US-Bundesstaat Delaware steht ein auf die erforderliche Temperatur gekühlter und rund um die Uhr bewachter Großraumtresor zur Verfügung. Die Sammler können dort Karten ab einem Wert von 750 US-Dollar aufbewahren, haben digitalen Zugriff und die Karten sind versichert. Die Karten können nach einem Online-Verkauf weiterhin im Tresor abgelegt werden. Die Nutzung soll in diesem Jahr noch kostenfrei möglich sein. Alle Karten müssen vor dem Hinterlegen authentifiziert werden, 2023 will Ebay auch das Aufbewahren von anderen Sammlerstücken und Luxusgütern ermöglichen.



///// TRENDS & TECH

Apple startet in den USA mit Apple Pay Later
Im vergangenen Jahr gab es bei Apple erste Überlegungen über den Start einer Zahlungsfunktion "Buy now, pay later". Nun hat der Techkonzern für die USA den Start von Apple Pay Later angekündigt. Die Kunden könnten die Zahlungen auf vier gleiche Beträge innerhalb von sechs Wochen aufteilen, Zinsen oder Gebühren fielen nicht an, erklärt das Unternehmen. Die neue Funktion werde in Apple Wallet integriert, die Anmeldung sei bei einer Bezahlung über Apple Pay oder im Apple Wallet möglich. Damit steigt Apple in den direkten Wettbewerb mit Anbietern wie Klarna, Open Pay oder Affirm ein.

Diese Tücken lauern im Marktplatz-Geschäft
Online-Marktplätze versprechen Reichweite ohne großes Marketingbudget. Doch wie lukrativ das Plattformgeschäft für Marken und Händler am Ende ist, hängt von vielen Faktoren ab. Etailment-Experte Marcel Brindöpke von Heyconnect sagt, welche Stolpersteine beim Verkauf über Marktplätze lauern und warum die Händlermarge nicht die Entscheidungsgrundlage für die E-Commerce-Strategie einer Marke sein sollte.


///// NACHHALTIGKEIT

Biliti Elektrofahrzeuge kreuzen durch Berlin
Vom 9. Juni an fahren die ersten Elektrofahrzeuge von Biliti Electric für Lieferdienste durch Berlin. Die dreirädrigen Fahrzeuge passen in der Form zu asiatischen Tuktuk, nach Unternehmensangaben konnten durch das Batteriewechselsystem Smart Swapp die Lade- und Standzeiten verkürzt werden. Partner für die Premiere in Berlin ist der Weinhändler Sips, der Verkauf erfolgt über eine App. Biliti will sich mit dem neuen Service an Logistik- und Last-Mile-Lieferunternehmen richten.

Royal Mail will 2040 emissionsfrei arbeiten
Die britische Royal Mail will das Tempo beim Abbau der CO2-Emissionen erhöhen. Das Ziel der Emissionsfreiheit soll nun bereits 2040 erreicht werden, zehn Jahre früher als ursprünglich geplant. Der Postdienstleister baut dies auf vier Säulen auf, schreibt Channel X. Bis Frühjahr 2023 solle die Zahl der Elektrofahrzeuge um 5.500 steigen. In allen Einrichtungen der Royal Mail werde vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt, die Zahl der Inlandsflüge solle verringert, die der Bahntransporte gesteigert werden. Weiterhin gehe es um den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft im Unternehmen und im Kundenverkehr. Schließlich solle eine standardisierte Messung des CO2-Verbrauchs pro Paket für die gesamte Branche eingeführt werden. Kunden sollten diesen sofort erkennen und danach den Dienstleister auswählen können.