Der stationäre Handel verfügt über ein Pfund, mit dem er gegenüber dem E-Commerce wuchern kann und dessen Bedeutung weiter zunimmt. Nach einer neuen Untersuchung des EHI Retail Institute in Köln nutzen die Kunden die Supermarktkasse immer öfter auch quasi als Geldautomat. Der Service, dass sie sich bei der Bezahlung Bargeld auszahlen lassen können, wird mittlerweile von rund 80 Prozent der Lebensmittel- und Drogeriehändler angeboten, schreiben die Autoren der Studie. Im Durchschnitt erhielten die Kunden 95,25 Euro, rund vier Prozent des Gesamtumsatzes der Unternehmen fließe wieder an die Kunden.

///// HANDEL NATIONAL
Das Kartellamt sieht "überragende marktübergreifende Bedeutung" von Amazon
Nach der Untersuchung des Google-Konzerns Alphabet und Meta, dem Mutterunternehmen von Facebook, als Unternehmen mit "überragender marktübergreifender Bedeutung für den Wettbewerb" geht das Bundeskartellamt nun auch gegen Amazon vor. Damit gelten die verschärften Regeln des §19a GWB, die im vergangenen Jahr in Kraft getreten sind und mit denen das Amt wettbewerbsgefährdende Praktiken untersagen kann. Laut Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, sei Amazon der zentrale Schlüsselspieler im Bereich des E-Commerce. Der Auftritt als Händler, Marktplatz, Streaming- und Cloud-Anbieter bilde ein digitales Ökosystem. Bei den Marktplatzfunktionen stuft er Amazon gegenüber Dritthändlern als marktbeherrschend ein. Hier liege der umsatzbezogene Marktanteil bei über 70 Prozent. Das Unternehmen auf der anderen Seite stuft sich nach Angaben der Tagesschau als Einzelhändler ein, auch juristische Schritte gegenüber dem Kartellamt seien möglich.

Mediclix kooperiert mit dem DLV
Mediclix gehört ab sofort zur Partnergruppe des Deutschen Leichtathletikverbands (DLV). Mediclix unterstützt Apotheken unter anderem mit digitalen Lösungen für Lieferdienste, präsent ist das junge Unternehmen in Düsseldorf, Köln und Münster, weitere Städte sollen folgen. Durch die Kooperation mit dem Sportverband sieht Mediclix das Ziel, "eine sportliche und gesundheitsbewusste Zielgruppe zu erreichen". Für die Kunden bestehe laut Mediclix die Möglichkeit, ihre Produkte online zu bestellen, im Anschluss erfolge die Lieferung. Dabei gehe es um den persönlichen Kontakt zwischen Apotheke und Kunden. Erste Schritte unternahmen die beiden Partner bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin am Wochenende zwischen 23. und 26. Juni.

Lieferprobleme bis Mitte 2023 erwartet
Die Lieferprobleme, mit denen Handel und Industrie kämpfen müssen, können sich noch rund ein Jahr fortsetzen. So lautet die Prognose des Ifo Instituts nach einer Umfrage unter Einzelhändlern. Zwar sei die Zahl der Einzelhändler, die auf bestellte Waren warteten, von 80,1 Prozent im Mai auf 75,7 Prozent zurückgegangen, doch der Optimismus sei gedämpft. Nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher seien die Schwierigkeiten in den Lieferketten mittlerweile ein Dauerproblem, auch im Weihnachtsgeschäft müsse mit Ausfällen gerechnet werden. Die größten Probleme lägen bei den Fahrradhändlern, sie erwarteten eine Dauer von bis zu 18 Monaten. Im Auto- und im Möbelhandel werde mit Schwierigkeiten bis Mitte 2023 gerechnet. Etwas Luft gebe es im Lebensmittelhandel, hier kämpften im Juni nur noch 77 Prozent mit unzureichenden Lieferungen, im Mai wären es noch nahezu 100 Prozent gewesen.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Kaum Veränderungen beim Einzelhandel in Europa
Im Mai hat sich das Absatzvolumen in Europa nur wenig bewegt. Im Euroraum ging es gegenüber April um 0,2 Prozent nach oben, in der gesamten EU stagnierten die Verkaufszahlen nach den Angaben des Statistischen Amts der Europäischen Union, Eurostat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegen die Zuwächse bei 0,2 respektive 0,8 Prozent. Von April 2022 bis Mai 2022 gab es bei den Euro-Ländern im Nicht-Nahrungsmittelsektor einen Zuwachs von 1,2 Prozent, bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren ging es um 0,3 Prozent zurück. Das stärkste Plus verzeichnet Zypern mit neun Prozent, in Deutschland ging es um 0,6 Prozent nach oben.

Lange Staus der Containerschiffe in der Nordsee
Der Kiel Trade Indicator des Kiel Institut für Weltwirtschaft meldet eine leichte Entspannung für den Welthandel, doch in der Nordsee stauen sich die Containerschiffe weiterhin. Insgesamt liege der Welthandel mit 0,4 Prozent im Plus, in Deutschland hätten die Importe um 2,5 Prozent zugelegt und die Exporte um 0,1 Prozent verloren. In den USA sei der Stau der Frachtschiffe vor Los Angeles verschwunden, die Exporte seien um 3,2 Prozent und die Importe um 1,1 Prozent gewachsen. Probleme gebe es abseits der USA weiterhin mit vollen Häfen und langen Staus der Frachtschiffe. So lägen rund zwei Prozent der globalen Frachtkapazität in der Nordsee fest, vor Schanghai und Zheijang seien es vier Prozent. Ein Ende sei nicht absehbar, heißt es aus Kiel.

DHL investiert in Großbritannien
DHL plant über DHL E-Commerce Solutions in Großbritannien Investitionen in Höhe von rund 560 Millionen Euro. Der Logistik-Konzern will damit die wachsende Nachfrage im Online-Handel und dem Paketgeschäft auf den Britischen Inseln bedienen. Nach Unternehmensangaben sei sie seit Anfang 2020 um 40 Prozent angestiegen, nun erfolge eine Verdoppelung der Kapazität. Der E-Commerce bilde eine Basis für die Strategie 2025. Südlich des Flughafens Coventry werde mit dem Segro Park Coventry Garden eine neue Logistikzentrale mit Zolllager, Zollabfertigungskapazitäten und einem Cross-Dock-Terminal gebaut, dort sollen rund 600 neue Arbeitsplätze entstehen. Weitere 3.500 Arbeitsplätze seien für zehn neue Abhol- und Zustelldepots sowie die bestehenden Standorte geplant.

Just Eat Takeaway und Amazon kooperieren in den USA
Just Eat Takeaway und Amazon haben sich in den USA auf ein Kooperationsabkommen geeinigt. Danach übernimmt Amazon einen Anteil an Grubhub, dem Tochterunternehmen von Just Eat Takeaway, in Höhe von zwei Prozent, berichtet The Verge. Dieser könne in der Folge auf bis zu 15 Prozent anwachsen. Kunden von Amazon Prime in den USA hätten nun für ein Jahr kostenfreien Zugriff auf die Dienste von Grubhub Plus, Gebühren fielen nicht an. Der Lieferdienst sei in mehr als 4.000 US-Städten tätig. Nach den ersten zwölf Monaten werde es eine Umstellung auf die übliche Monatsgebühr geben, Kunden, die Amazon Prime kündigten, verlören dann auch den Zugriff auf Gubhub Plus.



///// TRENDS & TECH

Tiktok stellt Pläne für Live-Shopping in Europa ein
Nach Medienberichten will Tiktok die Pläne für Live-Shopping in Europa und den USA nicht weiter verfolgen. Die Testläufe in Großbritannien, die im vergangenen Dezember starteten, seien nicht erfolgreich gewesen, die Zahl der Zuschauer und der Verkäufe zu niedrig. Auch einige der Entwickler seien ausgestiegen. In diesem Jahr sollten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien folgen, auch die USA hätten auf der Liste gestanden, nun gehe es um eine Konzentration ausschließlich auf Großbritannien. Die Entwicklung müsse abgewartet werden, doch in asiatischen Ländern habe das Modell des Live-Shopping bessere Chancen.

Der Mittelstand soll pragmatisch handeln
Der Mittelstand sieht sich in Fragen der Digitalisierung in vielen Fragen besonders gefordert. Florian Wassel von Towa will die Mittelständler mit fünf Tipps nach dem Motto "Von der Praxis – für die Praxis" bei Fragen der Customer Experience und dem Aufbau der Digitalisierung unterstützen. Wichtig sind für ihn Schnelligkeit, Praxiswissen und eine pragmatische Herangehensweise. Nach seiner Auffassung gibt es kein "Schema F".

Rückschläge für den Online-Handel im zweiten Quartal
Das gerade abgelaufene zweite Quartal 2022 liefert für den Online-Handel schwache Zahlen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging der Umsatz um 9,6 Prozent zurück, wenn er auch gegenüber 2019 noch ein Plus von 25,8 Prozent zeigt, meldet der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (BEVH). Das erste Halbjahr 2022 liegt um 1,3 Prozent hinter den ersten sechs Monaten des Vorjahres zurück. Die Störung des Konsumklimas gehe nicht am E-Commerce vorbei, doch der Online-Handel könne "gerade jetzt bei Käufen dringend benötigter Bedarfswaren unterstützen", lautet die Einschätzung des Verbands. Hier bilde er eine überzeugende Alternative. Die besten Karten hätten die reinen Online-Händler, sie hätten zwar 5,6 Prozent verloren, Online-Marktplätze aber 9,7 Prozent.


///// NACHHALTIGKEIT

Der Faire Handel legt wieder zu
Der Faire Handel ist in Deutschland wieder auf den Weg nach oben zurückgekehrt. 2020 mussten die Händler, die primär Kleinbauern und andere kleine Unternehmen in einkommensschwachen Ländern unterstützen, noch einen Umsatzverlust hinnehmen. Im vergangenen Jahr stieg der Gesamtumsatz dann wieder um sieben Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, erklärt das Forum Fairer Handel bei der Vorstellung der Zahlen für 2021. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Person hatten demnach eine Höhe von 23,50 Euro, 80 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen auf Produkte mit Fairtrade-Siegeln. Die Fair-Handels-Unternehmen, die ausschließlich Produkte aus diesem Segment verkaufen, erreichten einen Umsatz von 228 Millionen, sie machten rund zwölf Prozent des Gesamtumsatzes des Fairen Handels aus. Die Zuwächse wurden nach Angaben des Forums primär bei Kaffee- und Schokoladenprodukten sowie sonstigen Lebensmitteln und im Non-Food-Bereich erzielt.