Wachstum im Onlinehandel ist gekommen, um zu bleiben. Das zumindest legt eine aktuelle Studie von IFH Köln und Capgemini nahe. Verbraucher, die Produkte wegen Corona zum ersten Mal im Internet shoppten, zeigen sich jedenfalls mehrheitlich überzeugt. Und das nicht bloß, weil sie im Web ohne Maske einkaufen können. Zalando wird’s freuen, schließlich will man der "starting point for fashion" werden. Derweil freut sich Amazon Logistics über 10 Milliarden Zustellungen.

///// HANDEL NATIONAL

Zalando baut Partner-Programm aus
Die Berliner, die erste Anlaufstelle für Mode werden wollen, sehen sich auf gutem Weg. Für das erste Halbjahr meldete Zalando rund 34 Millionen aktive Kunden in Europa, ein Zuwachs von 20,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz kletterte um 19,6 % auf 3,56 Milliarden Euro. Zalando will die Transformation zur Plattform auch in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres intensivieren. Zu den wichtigsten Säulen gehört dabei der beschleunigte Ausbau des Partner- sowie Connected Retail-Programms. Das Modell, bei dem stationäre Händler ihr digitales Geschäft über Zalando ausbauen können, habe sich "bereits während der ersten Welle der Corona-Pandemie" als sehr erfolgreich bewiesen. Im zweiten Quartal schlossen sich etwa 180 neue Partner dem Programm an.

Amazon und Tegut expandieren gemeinsam
Amazon expandiert mit Prime Now in weitere Städte und steuert erste Rhein-Main-Standorte an. Ab sofort können Prime-Mitglieder im Großraum Darmstadt und im Süden Frankfurts mit Prime Now Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs aus einer lokalen tegut-Filiale online bestellen. Wie das Unternehmen mitteilt, können Kunden aus einem Sortiment von mehr als 6.000 tegut-Produkten wählen, darunter frische, gekühlte und tiefgekühlte Waren, Bio-Produkte, regionale und nachhaltige Lebensmittel sowie Getränke, Drogerieartikel und Tiernahrung. Bis Ende des Jahres soll das Sortiment auf rund 10.000 Produkte ausgeweitet werden.

Hellofresh sieht neue Gewohnheiten
Der Erfolg in Corona-Zeiten hat den Kochboxenlieferanten Hellofresh an der Börse zu einem der größten Gewinner unter den deutschen Standardwerten gemacht. Die aktuellen Zahlen nähren weiter hohe Erwartungen: Gruppenumsatz (+123 %) und Anzahl der Bestellungen (+ 103 %) haben sich im zweiten Quartal mehr als verdoppelt. Vorstandschef und Mitgründer Dominik Richter setzt die Messlatte für den Erfolg des laufenden Jahres nun noch etwas höher: Die Prognose für das Umsatzwachstum steigt von bis zu 70 % auf bis zu 95 %. Was ihn optimistisch macht: "Wir sehen klare Anzeichen dafür, dass Kunden angefangen haben, neue Gewohnheiten zu entwickeln. Dazu gehört, dass sie die Anzahl an wöchentlichen HelloFresh-Mahlzeiten erhöht haben."

Einkaufszentren-Verband unterstützt shopdaheim
Das German Council of Shopping Places unterstützt die Einkaufsplattform shopdaheim. Die war im März von den Buchhandelsunternehmen Thalia Mayersche und Osiander initiiert worden. Der Verband will die Plattform aktiv mit seinem großen Handels- und Wirtschaftsnetzwerk unter die Arme greifen. Neben den 3.200 Buchhändlern und zahlreichen Einzelhändlern mit nur einem Geschäft sind auch viele große Handelsunternehmen wie Media Markt und Saturn, Douglas, dm und Blume 2000 auf shopdaheim präsent. 

///// HANDEL INTERNATIONAL

eBay bietet US-Verkäufern Darlehen an
eBay ist in den USA eine Kooperation mit dem Finanzdienstleister LendingPoint eingegangen, der die Vergabe von ungesicherten Privatkrediten ermöglicht. "eBay Seller Capital powered by LendingPoint", so der Name des Programms, soll US-Verkäufern des eCommerce-Giganten "eine schnelle, flexible und transparente Finanzierung" ermöglichen. Es steht zunächst als Pilotprogramm ausgewählten Verkäufern zur Verfügung, die innerhalb von nur einem Werktag bis zu 25.000 Dollar an Finanzierung erhalten können, soll aber in den nächsten Monaten allen berechtigten Verkäufern geöffnet werden.

Walmart kooperiert mit Instacart
Die Partnerschaft zwischen Walmart und Instacart in den USA nimmt unter anderem CNBC unter die Lupe. Die Kooperation, die sich derzeit in einer Pilotphase in vier Märkten in Kalifornien und Oklahoma befindet, ist die jüngste "Defensive" großer Lebensmittelketten gegen die Expansion von Amazon. Im Rahmen der neuen Partnerschaft sollen Tausende von Artikeln zu Niedrigpreisen von Walmart noch am Tag der Bestellung zu den Kunden gebracht werden.

Lidl USA auf Platz 1 der "Hot 100 Retailers"
Zum zweiten Mal in Folge führt Lidl die Liste der "Hot 100 Retailers" des US-Einzelhandelsverbandes NRF an. Das vom Marktforschungsunternehmen Kantar zusammengestellte jährliche Ranking kürt die am schnellsten wachsenden Einzelhändler. Ein Umsatzwachstum von 69 Prozent auf 1,09 Milliarden USD sowie eine Ausdehnung der Filialen um 49 Prozent auf 97 Standorte im vergangenen Jahr waren die Kriterien, die Lidl USA den ersten Platz im Ranking beschert haben. In der Nominierung wurde außerdem das wachsende Frischwarenangebot, die Laden- und Lagerinfrastruktur sowie der schnell wachsende Kundenstamm des Discountriesen gewürdigt.

Amazon Logistics mit 10 Milliarden Zustellungen
Das Amazon Zustellnetz für die letzte Meile lieferte nun das zehnmilliardste Paket seit seiner Einführung vor über fünf Jahren aus. Allein dieses Jahr dürfte Amazon weltweit auf über 5 Milliarden zugestellte Pakete kommen und im kommenden Jahr dann bis zu 10 Milliarden Pakete anstreben, vermutet Exciting Commerce. Bis 2025 dürfte Amazon Logistics in den meisten Märkten Marktführer auf der letzten Meile sein und die Standards definieren.

///// TRENDS & TECH

Onlinehandel überzeugt "Online-Neulinge"
Der zweite Teil der "Retail of the Future - Consumer Insights" ist erschienen, herausgegeben vom IFH Köln in Zusammenarbeit mit Capgemini. Diesmal werden die "Online-Neulinge" unter die Lupe genommen. Denn ein signifikanter Anteil der deutschen Bevölkerung (44 %) hat in der Coronakrise erstmals Produkte online gekauft, die vorher im stationären Handel beschafft wurden. Über die verschiedenen Branchen hinweg gaben die Konsumenten mehrheitlich an, damit sehr zufrieden gewesen zu sein. Als Vorteile des Onlineshoppings nennen die Verbraucher vor allem in der Lieferung ins Haus (75 %), Unabhängigkeit von Öffnungszeiten (63 %) sowie die große Produktauswahl (59 %). "Corona-spezifische Vorteile" wie eine geringere Ansteckungsgefahr (54 %) und der bequemere, maskenfreie Einkauf (34 %) werden zwar auch genannt, allerdings weitaus seltener. Offenbar haben die Online-Neulinge den Online-Einkauf auch unabhängig von Corona schätzen gelernt, schlussfolgern die Studieninitiatoren. 

Circle K rüstet ersten Laden mit KI-Technologie nach
Circle K eröffnet in Tempe, Arizona, den vermutlich ersten Convenience Store der Welt, der mit KI-Technologie für den autonomen Checkout nachgerüstet wurde, berichtet FastCompany. Das Geschäft werde mit 80 bis 100 Deckenkameras ausgestattet, die aufzeichnen, welche Produkte Kunden, die sich mit der App anmelden, aus den Regalen nehmen. Die Technologie kommt von dem dem in San Francisco ansässigen Unternehmen Standard. Magnus Tägtström, Leiter Global  Digital Innovation bei Alimentation Couche-Tard, der Muttergesellschaft von Circle K, sieht angesichts von Corona den Zeitpunkt als genau richtig an: Wenn Kunden es nicht wollten, müssten sie mit niemandem interagieren. Sie könnten einfach in den Laden gehen, sich nehmen, was Sie wollen, und wieder rausgehen. Einkaufen im Vorbeigehen – das ist in der Tat sehr convenient, sprich: bequem.