Liebe Leserin, lieber Leser, bis Ende April schließt Amazon alle 87 Pop-up-Stores in den USA. Klingt nach einem Signal der Schwäche. Das ist es nicht. Im Gegenteil. Ihr Morning Briefing sagt, warum.

Debatte um Zuschlag für Haustürzustellung
Einen Zuschlag für die Haustürzustellung reden einige deutsche Logistiker schon länger herbei. DPD und Hermes machen gerade wieder Stimmung für das Projekt. Beim subventionsverwöhnten gelben Riesen DHL verspürt man indes noch keine Lust. Auch Hermes und DPD betonen daher, sie hätten keine konkreten Pläne. Aber es reichte für eine dpa-Meldung, die gestern überall die Runde machte. Wenn die Gedankenspiele auch zu einer anständigen Bezahlung der Paketboten führen würden, würde ich sogar auf konkretere Ideen hoffen. In anderen Teilen der deutschen digitalen Welt macht Amazon übrigens gerade Promotion für die Gratis Same-Day Lieferung für Amazon Prime-Mitglieder in 20 Metropolen.

Mitarbeiter geben Ikea-Tipps bei YouTube
Mit dem Format „Ikea Tipps & Tricks“ setzt der Möbelriese auf eigenen Content bei YouTube. Die eigenen Mitarbeiter - neudeutsch "Corporate Influencer" - versorgen dort mit Wohnideen und Einrichtungstipps. Entwickelt und produziert wird das Format von der Online-Video-Kreativagentur Brandboost by Divimove (RTL Group) in Zusammenarbeit mit Sapient Razorfish. Wer sich inspiriert fühlt, findet unter den Videos Links in den Shop.

HelloFresh bleibt frisch
Kochboxen-Versender HelloFresh hat jetzt seine vorläufigen 2018er-Zahlen aus dem Januar  ziemlich exakt bestätigt. Bequemlichkeit und sinkende Kochkompetenz spielen HelloFresh in die Hände und sorgen 2018 für ein Umsatzplus von etwa 41 Prozent auf knapp 1,28 Milliarden Euro. Damit ist das Wachstum höher als erwartet. Der um Sondereffekte bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) habe sich zudem auf 54  Millionen Euro belaufen. Das ist deutlich weniger als Beobachter bei all den Gutscheinen erwarten würden. 2019 will man um 30 Prozent zulegen und auf operativer Ebene die Gewinnschwelle erreichen.

INTERNATIONAL

eBay macht auf Supermarkt
Das ist mal wirklich eine Überraschung: eBay steigt in Australien in die Lieferung von Lebensmitteln ein. Die Plattform kooperiert dabei mit der Supermarktkette Coles. Geboten werden verderbliche und nicht verderbliche Lebensmittel, einschließlich ausgewählter vorverpackter Frischwaren, Pantry, Körperpflege- und Haushaltsartikel. Kunden, die beim eBay-Mitgliederprogramm eBay Plus mitmachen, erhalten bei Bestellungen ab 49 US-Dollar eine kostenlose Lieferung.

Amazon schafft alle Pop-up-Stores ab
Amazon schließt in den USA bis Ende April alle 87 Pop-up-Stores und Sonderverkaufsflächen. Ein Grund zum Jubeln ist das für den Handel nicht.  Denn gleichzeitig liebäugelt Bezos bekanntlich mit einer eigenen Supermarktkette jenseits von Whole Foods und soll, so wird kolportiert, bis zu 3000 Amazon Go-Läden bis 2021 planen. Außerdem sind in den aufgelösten Pop-up-Stores, die ihren Zweck als PR-Vehikel für die Medien nun erfüllt haben dürften, wohl auch Shop-in Shop-Flächen eingerechnet, die schlicht umgewandelt und ausgeweitet werden. Siehe nächste Meldung. 

Kohl`s holt Amazon in mehr Filialen
Bislang bot die US-Kette Kohl`s auf 30 Shop-in-Shop-Flächen Amazon-Produkte samt dazu gehörender Verkäufer. Die will man nun abschaffen und stattdessen Amazon-Produkte in über 200 Filialen auf gesonderten Flächen bieten. Dann aber als Self-Service. In rund 100 Filialen nimmt man auch Retouren für Amazon an.

Kindle-Manager wird Apotheken-Chef für Amazon
Nader Kabbani, immer dort für Amazon im Einsatz, wo die wichtigen Schauplätze von Morgen sind (Kindle, Logistik), soll als „Vice President of Consumables, Special Projects“ nun das komplette Programm der Apothekensparte verantworten. Jüngst hatte Amazon sich mit dem 800-Millionen-Dollar-Kauf der Versandapotheke PillPack gestärkt. Apotheke ad hoc bebildert die News mit einem eindrucksvollen Amazon-Truck. Passt nicht? Doch. Der Truck wirkt ein wenig bedrohlich, so als wolle er gleich eine Branche überrollen.

Sponsorplätze auf Amazon Fresh
Jetzt wird in den USA auch Amazon Fresh zur Werbefläche und schafft Platz für gesponserte Produkte, meldet Digiday


TRENDS & FAKTEN

Facebook will privater werden
Facebook, dass seit 2017 in den USA 15 Millionen Nutzer verloren hat und vor allem in der Zielgruppe der bis 34jährigen schwächelt, soll nach dem Willen von Mark Zuckerberg mehr zu einer Art privatem Wohnzimmer werden. Zuckerberg sieht einen Trend zu mehr Privatheit und verschlüsselten Nachrichten. Das klingt erstmal danach, als wolle man nach all den Skandalen ein bisschen "Schön Wetter" machen. Immerhin ist man einst mit dem Postulat vom Ende der Privatheit groß geworden. Hier also ein Smiley ihrer Wahl einfügen. "Lol" tuts aber auch.

Leichter shoppen mit Google-Anzeigen
Ähnlich wie Pinterest und Instagram bringt nun auch Google Shoppable Ads unter die Leute und in die Bildersuche. Werbekunden können darin Produkte taggen und den Nutzern so per Mouse-Over Preise und Marken anzeigen. Die Ads werden auch in der Bildersuche von Google berücksichtigt.

Pinterest bietet Anzeigenplätze
Pinterest führt Werbeanzeigen in Deutschland ein. Die Anzeigenformate sind über eine Selbstbedienungs-Plattform verfügbar, mit großen Marken werde auch direkt gearbeitet. Shopping-Anzeigen, bei denen man Produkte direkt in Pins kaufen kann, sollen später folgen.

Zahl des Tages
Laut "Stella Rising Glimmer Report - Searching for Beauty" geben 71% der Beauty-Shopper in den USA an, dass Amazon das Lieblingsziel für Kosmetik ist. Dahinter folgen Ulta.com (54%), Sephora.com (54%), Walmart.com (47%) und Target.com (36%

Start-up des Tages
Das Düsseldorfer Start-up aconno will die Entwicklung vernetzter Hardware so einfach machen wie die Programmierung von Software und so den Entwicklungsaufwand von Produkten für das Internet der Dinge erheblich reduzieren.

Favorit der Leser am Vortag
Mehr Technologie für ein besseres Einkaufserlebnis im Laden, bessere Usability und clevere Filter im Webshop, mehr Auswahl und noch bequemere Sortimente werden ein Grundproblem des digitalen Handels eher noch verschärfen: Einkauf ist mehr denn je Bedarfsdeckung. Lust und Befriedigung gehen flöten. Die Folge: Mit dem E-Commerce geht der Spaß am Shopping den Bach runter.

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