Liebe Leserin, lieber Leser, kommt die Krise? Und wenn ja, wann und wo sind Anzeichen für den großen Abschwung zu sehen? Vielleicht hier: Auf den Hamptons in den USA, wo man über Sylter Hausbesitzer sagen würde, dass Armut ja keine Schande ist, sinken die Immobilienpreise weiter rapide. Wenn die Superreichen sparen, dann könnte das ein böses Omen sein. Amazon-Boss Jeff Bezos müsste ja eigentlich auch mehr sparen. Tut er aber nicht. 

///// HANDEL NATIONAL
Ortlieb gewinnt Markenstreit gegen Amazon vor BGH
Niederlage für Amazon, Sieg für den Fahrradtaschenhersteller Ortlieb und andere Hersteller. Amazon hatte mit dem Markennamen in Anzeigen bei Google Nutzer auf Konkurrenzprodukte auf der eigenen Plattform gelockt. Ortlieb fand das link. Der Bundesgerichtshof hielt das nun für nicht zulässig. Ortlieb selbst ist nicht bei Amazon. Das Urteil dürfte auch andere Hersteller und Marketer interessieren. Markeninhaber werden durch das Urteil nämlich in ihren Rechten gestärkt.

MediaMarktSaturn baut ab
MediaMarktSaturn will bis Ende September 600 Stellen in Ingolstadt und München einsparen. Weiter gehen soll es aber gleichwohl mit dem Ausbau des Digital-Geschäft. Was man daraus folgern könnte: 1) Software-as-a-Service dürfte in Unternehmen angesichts über all nötiger und angegündigter Neustrukturierungen (Neudeutsch für Stelleneinsparungen) für die Prozessoptimierungen noch mehr Relevanz gewinnen. 2) Outplacement-Beratungen, wie sie MediaMarktSaturn nun einsetzt, dürften im Handel angesichts fast schon ubiquitärer Um- und Abbaupläne noch reichlich zu tun bekommen. Einschnitte darf man ja nicht nur beim Elektronikhändler erwarten.

///// INTERNATIONAL

Amazon unter Druck
Die Quartalszahlen von Amazon sind je nach Blickwinkel großartig oder enttäuschend. Amazon steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 20% auf 63,4 Milliarden Dollar. Das übertraf die Erwartungen. Der Nettogewinn von 2,6 Milliarden Dollar blieb aber gegenüber dem Vorquartal zurück. Das sorgte bei Analysten für lange Gesichter. In Onlinehandel legte der Riese gewohnt zweistellig zu und konnte sich steigern. Im Marktplatzgeschäft liegt das Wachstum sogar über 20%.
Begleitet wird das aber von steigenden Kosten bei der Tempo-Beschleunigung in der Logistik hin zur Lieferung binnen eines Tages. Mehr Tempo, nötig weil die Konkurrenz bei der Geschwindigkeit nachzieht, wird nämlich teurer als erwartet.
Richtig Dampf ist mit Wachstumszahlen von über 30% wie gewohnt im Cloud-Geschäft, bei Prime und bei den Werbeeinnahmen. Im stationären Handel rund um Whole Foods stagnierten die Umsätze indes bei 4,3 Milliarden Dollar. Die weiteren Aussichten: Mehr Umsatz, niedrigere Gewinne, unter anderem angesichts der Tempo-Investitionen. Der Aktienkurs bekam da erstmal einen Schreck.

///// TRENDS & TECH


Google deutlich im Plus
Google-Mutter Alphabet erzielt im 2. Quartal einen Umsatz von 38,9 Milliarden Dollar. Plus 19%. Der Gewinn liegt bei 9,95 Mrd Dollar und steigt damit massiv. Wie gewohnt bringt vor allem das Werbegeschäft Geld ins Haus. Mehr in der FAZ.

Studie des Tages
"Virtual Reality kommt in der Breite an" titelt der Branchenverband Bitkom. Nun finde ich das mit Blick auf die drei großen "F" meiner privaten Mafo (Friends, fools, familiy) ein wenig übertrieben, aber der Verband macht in Optimismus, weil inzwischen jeder Dritte (Vorjahr 24%) schon mal eine VR-Brille ausprobiert hat. Beliebteste VR-Anwendungen: Gaming, Reisen und Filme schauen. Shopping spielt bei der Umfrage als Einsatzszenario übrigens gar keine Rolle. Da braucht es also noch mehr Optimismus. Vor allem solange in VR vor allem langweilige Warenhäuser simuliert werden, die auch in real keiner sehen will. Bitte nicht falsch verstehen. VR ist heiß, kann tolle Sachen, wird eines Tages ganz groß. Aber solange noch digitale Hausaufgaben beim kleinen EinmalEins zu machen sind und obendrein kreative Ideen fehlen, ist VR nicht Ihre Hauptsorge bei der Customer Experience.

Favorit der Leser
Mobile Payment in jedweder Form müht sich hierzulande noch durch die Mühen des Alltags. Deutschland hinkt zurück bei Regeln, Regularien, Technik und Akzeptanz. Was möglich ist – auch in Sachen Bequemlichkeit - zeigt China mit der Bezahlung per Gesichtserkennung. Die Händler müssen dafür Kundenbedenken zerstreuen, die nichts mit Datenschutz zu tun haben.

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