Liebe Leserin, lieber Leser, was trägt der klassische deutsche Handelsmanager? Sack und Asche, womöglich. Boohoo zeigt, dass man mit Mode richtig Geld verdienen kann. Und Amazon zeigt mit seinen frischen Quartalszahlen, dass man mit so ziemlich allem Geld verdienen kann. 

Amazon übertrifft Erwartungen
Fangen wir also doch gleich mit dem spannendsten Zahlenwerk an: Den Quartalszahlen von Amazon. Mehr Profit, etwas weniger schnelles Wachstum, so könnte das Fazit lauten. Der Riese meldet einen Nettoumsatz von 59,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr und übertraf damit immerhin die Erwartungen der Analysten von 59,65 Milliarden Dollar knapp. Aber dann das: Reingewinn: 3,6 Milliarden Dollar. Mehr als doppelt so viel wie im ersten Quartal 2018.
Die weiteren Aussichten: Der Nettoumsatz wird im kommenden Quartal voraussichtlich zwischen 59,5 und 63,5 Milliarden Dollar liegen, also zwischen 13% und 20% im Vergleich zum zweiten Quartal 2018 wachsen. Das ist eher so minderehrgeizig.
Online wächst Amazon derzeit um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Cloudgeschäft wuchs Amazon sogar um rund 40 Prozent auf fast 8 Milliarden Dollar. Ähnlich ist das Wachstum im Prime-Geschäft. Und dann ist da noch das gebremste Wachstum der Logistikkosten. Für Unsicherheiten sorgen derzeit eher das wackelige Geschäft in Indien und der Abgang in China. Und: Man darf von Amazon gegenwärtig weiter langfristige Investitionen erwarten, wie zuletzt die Experimente mit dem autonomen Lieferroboter Scout. Erleichternd für manche: Offline kann Amazon noch nicht. 4,3 Milliarden Dollar kommen da dank Amazon-Läden und Whole Foods zusammen. Ein ganz schwaches Plus von 1 Prozent.

dm digital dabei
Eigenmarken, gute Preise, cleveres (digitales) Marketing (allein 1,7 Millionen Follower bei Instagram), Mitarbeiter-Service per Smartphone - es gibt reichlich Gründe dafür, dass die Drogeriemarktkette dm den Umsatz in Deutschland in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2018/2019 auf 4,2 Milliarden Euro um 2,2 Prozent erhöhen konnte. Das Wachstum fällt damit aber schwächer aus als im Vorjahreszeitraum. Tribut an den Preiskampf. Positiv dagegen: Die Kundenfrequenz im Onlineshop steigt, die Zahl der Bestellungen legte um 38 Prozent zu. Wohl auch angesichts von 5.000 Produkten, die es nur online gibt. 

Ceconomy will Ibood und Flip4new los werden
Nach dem bevorstehenden Aus für den Streaming-Dienst Juke und dem Ende von Redcoon stellt Ceconomy nach LZ-Informationen (Paywall) nun den Flashsale-Anbieter Ibood und den Gebrauchtwaren-Reseller Flip4new auf den Prüfstand. Ein Verkauf scheint möglich. Auch der Datenvermarkter Retail Media Group scheint sich eher als Klotz am Bein zu entpuppen. Die Ceconomy-Strategie lautet also weiter: „Lead or Leave“.

Delivery Hero fährt mehr Umsatz ein
Delivery Hero liefert im ersten Quartal 2019 eine starke Performance ab. Auf der Plus-Seite des Berliner Lieferdienstes steht ein Umsatzwachstum von 93 % auf 267 Millionen Euro. Die Bestellungen legen um 55 % auf 125 Millionen zu. Der GMV steigt währungsbereinigt um 57 %. Beim Erlös wird im laufenden Jahr jetzt ein Wert zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro erwartet. Trotzdem wird bei  den Touren draufgebuttert. 2019 erwartet man einen Fehlbetrag (Ebitda) zwischen 270 bis 320 Millionen Euro, hofft aber in Europa in der zweiten Jahreshälfte auf die Gewinnschwelle. Im Dezember hatte Delivery Hero sein Deutschlandgeschäft an die Lieferando-Mutter Takeaway (Lieferheld, Pizza.de und Foodora) verkauft.

INTERNATIONAL

Boohoo mit Hui-Zahlen
Der britische Onlinehändler Boohoo eilt von Erfolg zu Erfolg. Im vergangenem Geschäftsjahr hat das Modelabel ein Umsatzplus von 48% auf 856,9 Millionen Pfund geschafft. Kleidsam auch der Bruttogewinn, der um 53 Prozent auf 469 Millionen Pfund stieg, ein bereinigtes Ebitda mit einem Plus von 49 Prozent auf 84,5 Millionen Pfund und ein Vorsteuergewinn von 59,9 Millionen Pfund (plus 38 Prozent). Ich hör ja schon auf. Hiesige Labels gehen da in Sack und Asche. Das Erfolgsrezept? Der Guardian jubelt nicht umsonst von tragbarer Mode für alle. Die bringen seit jeher bei Boohoo vor allem auch Influencer unter die Leute.

Kroger und Nuro liefern Lebensmittel fahrerlos
Die US-Kette Kroger hat nun offiziell seinen fahrerlosen Lebensmittellieferdienst in Houston in Zusammenarbeit mit dem Robotikunternehmen Nuro gestartet. Nach einem erfolgreichen Test in Arizona kann sich der Händler sogar ein Dutzend weitere Läden vorstellen, die die selbstfahrende Toyota Prius-Flotte und spezielle fahrerlose Lieferfahrzeuge von Nuro nutzen. Die Lieferung am selben Tag und am nächsten Tag kosten  rund 6 Dollar ohne Mindestbestellwert. Dafür müssen die Kunden sich die Lebensmittel am Fahrzeug abholen. Ist ja keiner da, der das reinträgt. Und das heißt: die Lieferkosten kann der Handel ganz neu - und günstiger kalkulieren.

John Lewis bringt Lippenstift mit AR auf die App
Die britische Handelskette John Lewis bringt nun ein Augmented Realty-Feature auf die App, mit dem Kundinnen Lippenstifte gleich ausprobieren können. Selfie genügt. 300 Lippenstift-Marken, so Glamour,  können die Kunden so "anprobieren".

Livestreaming ist in China eine Geldgrube
Chinas Kunden lieben Livestreaming: Das Reich der Mitte hat einem Bericht von Deloitte zufolge mit 456 Millionen Zuschauern im Jahr 2018 den größten Livestreaming-Markt der Welt. Alibaba-Marktplatz Taobao, erwirtschaftete 2018 durch Livestreaming rund 15 Milliarden Dollar an Brutto-Warenvolumen (GMV), was einer Steigerung von fast 400 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Davon profitieren auch internationale Marken. 

TRENDS & FAKTEN

Fusion von Sainsbury und Asda untersagt
Die britischen Wettbewerbshüter haben der Supermarktkette Sainsbury die Übernahme des Rivalen Asda untersagt. Die milliardenschwere Fusion schränke den Wettbewerb ein und würde Preise in Supermärkten und im Online-Handel steigen lassen, lautet die Begründung.

PayPal im Plus
In den ersten drei Monaten des Jahres legte der Überschuss von PayPal verglichen mit dem Vorjahreswert um 31 Prozent auf 667 Millionen Dollar zu. Der Umsatz kletterte um zwölf Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar, meldet Internet World.

MyTaxi wird eingemottet
Aus der Reihe "Wie verbrennt man eine gut eingeführte Marke" stammt die Meldung, dass die App MyTaxi alsbald als FreeNow daherkommt. Erst Anfang des Jahres wurden die beiden bisherigen Carsharing-Plattformen Car2Go (BMW) und Drive Now (Daimler) miteinander verschmolzen, erinnert die W&V. Die zur Daimler-Tochter Moovel gehörende App MyTaxi schlüpft nun unter das Dach des neuen Mobilitätsdienstleisters. Damit verbunden ist eine Umbenennung des Dienstes in Free Now. Die Marke geht im Sommer an den Start.

Favorit der Leser am Vortag
Eine Jubelmeldung jagt die nächste in der deutschen Start-up-Szene. Welche Jungunternehmen zuletzt am meisten Geld einsammeln konnten, wo Deutschland im Europavergleich steht – und dass es noch mehr gibt außer Berlin - liest man hier.

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