Kein Wachstum im E-Commerce ohne leistungsfähige technische Infrastruktur. Das zeigt unser News-Überblick von heute Morgen. Es müssen ja nicht unbedingt Roboter oder Brennstoffzellen sein. Auch klassische Frachtflugzeuge zahlen auf die Perspektive steigender Umsätze und Verkäufe im Onlinehandel ein. Wer insgesamt die Akzente setzt? Kleiner Tipp: Amazon taucht heute gleich dreimal im Morning Briefing auf.

///// HANDEL NATIONAL

Deutsches Amazon-Marktplatzgeschäft
Auf Amazon.de haben unabhängige Händler während der Corona-Krise von März bis Mai 2020 einen so großen Anteil am Umsatz gehabt wie nie zuvor: 65,1 Prozent der Umsätze entfielen auf die Handelspartner, das sind fast 4 Prozentpunkte mehr als im gleichen Zeitraum 2019. "Die Bedeutung der Verkaufspartner nimmt Jahr für Jahr weiter zu. Unser Erfolg ist eng mit ihrem Erfolg verbunden," sagte dazu Markus Schöberl, Director Seller Services bei Amazon Deutschland. Die Entwicklung ist nicht nur für den Binnenmarkt relevant: 2018 exportierten kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus Deutschland Produkte im Wert von mehr als 2,5 Milliarden Euro über Amazon.

Bestellungen per Sprachassistent
Fast ein Fünftel aller Nutzer von digitalen Sprachassistenten bestellen damit Produkte über den Onlinehandel. Das hat eine im Mai 2020 ausgeführte, repräsentative Umfrage mit mehr als 1.000 Verbrauchern im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben. Bei den technischen Schnittstellen zu Diensten wie Alexa, Bixby, Cortana, Google Assistent, Magenta und Siri liegen Smartphones an erster Stelle, gefolgt von Tablet-Computern und smarten Lautsprecherboxen. 

Getränke-Börse wächst
Regionale Getränkehersteller sind in besonderem Maße auf Gastronomie und Events angewiesen. Doch in der Coronakrise brechen solche Kanäle weg. Davon seien "Getränke-Start-ups und etablierte Hersteller gleichermaßen betroffen", sagt Yascha Roshani, Geschäftsführer von Craft Exchange. Das Online-Portal für Getränkemanufakturen hat sich in dieser Zeit beweisen können und ist entsprechend gewachsen. Sein Markenportfolio hat sich seit dem Start als Deutschlands erste Web-Plattform für regionale Getränkehersteller im Jahr 2019 fast vervierfacht (von 21 auf heute 80 Manufakturen), die Produktauswahl stieg in der gleichen Zeit von 200 auf 700 Getränke. Bis Ende 2020 sollen 1.500 Produkte zur Auswahl stehen. Bestellt wird online bei Craft Exchange, den Versand übernehmen die Hersteller selbst. Ähnlich läuft das Geschäftsmodell auch bei WirWinzer, dem 2011 als Start-up gegründeten Marktplatz für Weingüter, der mittlerweile zu Hawesko gehört.

Handeln für die Umwelt
News zum nachhaltigen Wirtschaften im Einzelhandel gibt es von Edeka und Aldi Nord: Edeka hat gemeinsam mit dem World Wildlife Fund (WWF) zwölf Farmen in Kolumbien nach dem Wasserschutzstandard der Alliance for Water Stewardship (AWS) zertifiziert. Von den Betrieben bezieht Edeka Bananen aus nachhaltigem konventionellen Anbau. Weitere Farmen in Ecuador sind bereits zertifiziert oder sollen das AWS-Siegel noch erhalten. Neben dem Süßwasserschutz stehen bei dem Projekt auch der Schutz des Artenreichtums, Klimaschutz und die Arbeitsbedingungen auf den Farmen im Fokus. Aldi Nord machte am gestrigen Montag mit einer Banner-Aktion an Märkten auf Erfolge beim Klima- und Umweltschutz aufmerksam. Im Nachhaltigkeitsbericht für 2019 setzt sich der Discounter weiter anspruchsvolle Ziele. Unter anderem sollen alle Eigenmarkenverpackungen bis 2025 recyclingfähig, kompostierbar oder wiederverwendbar sein. Stärken will Aldi Nord auch die Stromgewinnung durch Photovoltaik auf den Dächern der Märkte.

///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon in Irland und Indien
Wenn Amazon am Donnerstag seine aktuellen Zahlen vorlegt, erwarten viele Analysten Signale für einen weiteren Anstieg des Aktienkurses. Derweil ist das Unternehmen weiter weltweit aktiv. So will der Konzern in den kommenden beiden Jahren 1.000 neue Arbeitsplätze in Irland schaffen. Der Schwerpunkt soll auf den Bereichen Software und Technologie liegen. Außerdem wird berichtet, dass Amazon 9,9 Prozent von Reliance Retail übernehmen will – einem Anbieter von stationärem Einzelhandel in Indien mit mehr als 10.000 Geschäften. Mit solchen Investitionen versucht Amazon, seine Position im stark wachsenden indischen E-Commerce auszubauen.

DHL Express hebt ab
Sechs Frachtflugzeuge vom Typ Boeing 777F-200 werden in diesem Jahr die auf dem Flugplatz Cincinnati/Northern Kentucky International Airport (CVG) stationierte Flotte von DHL Express ergänzen. Die erste Maschine ist bereits am vergangenen Donnerstag übergeben worden. Die 777F gehören zu insgesamt 14 neuen Maschinen des Typs, die DHL von 2019 bis 2021 erhalten wird. Die Investition gehört zur "Strategie 2025" von DHL Express, die ein nachhaltiges Wachstum des E-Commerce anstrebt. Um seine Flotte weiter zu modernisieren und zu vergrößern, setzt DHL Express auch auf umgebaute Passagiermaschinen. So hat der Anbieter von Expressdienstleistungen im Juli 2020 vier Boeing 767-300 Converted Freighters (BCF) bestellt. DHL Express betreibt eine Flotte von mehr als 260 Flugzeugen und wickelt gemeinsam mit 17 Partnerairlines jeden Tag über 3.000 Flüge in 220 Länder und Territorien ab.

///// TRENDS & TECH

Frist für KassenSichV
Auf mehr Zeit zur Umsetzung der Kassensicherungsverordnung (KassenSichV) können Händler in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg unter bestimmten Umständen hoffen. Konkret wird die Frist für Beanstandungen bei nicht erfolgter technischer Umstellung der Kassensysteme auf eine Variante mit Technischer Sicherheitseinrichtung (TSE) in diesen Bundesländern vom 30. September 2020 auf den 31. März 2021 verschoben, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Im Blog von Kassensystemhersteller Etron gibt es Details: In Bayern beispielsweise ist es für die Fristverschiebung notwendig, dass der Handelsunternehmer entweder die notwendige Technik bis zum 30. September 2020 verbindlich bestellt hat, oder dass er eine cloudbasierte TSE einsetzen will, die nachweislich noch nicht verfügbar ist. "Eine bundesweite Ausweitung der Nichtbeanstandungsregelung bis 31. März 2021 scheint durchaus möglich", vermutet Etron.

Roboter auf dem Vormarsch
Immer mehr Roboter werden im stationären Einzelhandel und der Gastronomie eingesetzt. Ihre Rolle ist dabei ganz unterschiedlich, wie Business Insider mit Beispielen aus aller Welt zeigt: Von der Haustürlieferung auf der letzten Meile mit einem kleinen Roboterfahrzeug über den maschinellen Regalbestücker im Supermarkt bis zum Küchen-Robot, der Hühnchen frittiert. Besonders groß in der Corona-Zeit ist das Interesse an humanoiden Robotern wie Pepper, die in Ladengeschäften zur Interaktion mit den Kunden dienen.

Microsoft mit Wasserstoff
Die Wasserstoffwirtschaft ist derzeit ein internationales Megathema. Für den E-Commerce spielte sie bisher meist nur dann eine Rolle, wenn über Konzepte von Auslieferungsfahrzeugen mit Brennstoffzellenantrieb diskutiert wurde. Nun rückt auch der Datenverkehr in den Fokus. Denn Microsoft hat "Fuel Cells" als Stromversorger für Rechenzentren erprobt. Bei einem Testlauf konnten die Zellen eine Reihe von Servern in einem Rechenzentrum nahe Salt Lake City 48 Stunden lang zuverlässig versorgen. Angesichts der sinkenden Preise für die Technologie sieht Microsoft großes Potenzial für die lokal emissionsfrei arbeitende Brennstoffzelle.

MEHR ZUM THEMA

Internationale Marktplätze jenseits von Amazon haben mehr zu bieten als nur Flohmarkt-Charakter
© Kolbrück
Marktplätze

Es muss nicht immer Amazon sein: Die Stärken lokaler Plattformen


Roboter Alex verkauft in der Filiale Schöneberg rund um die Uhr ausgesuchte Produkte aus dem Conrad Sortiment.
© MIKA-fotografie | Berlin
Technologie

Conrad: Kann es der Roboter besser?