250.000 Marken, darunter 200 aus dem Luxusbereich, beteiligten sich gestern an Alibaba 11.11. Auch für ausländische Anbieter verspricht Alibaba gute Geschäfte. Aber wollen das die Chinesen und ihre Regierung überhaupt? Eine aktuelle Umfrage und eine Regierungsinitiative werfen Fragen auf. Dass sich mit Online-Handel über die großen Plattformen gute Geschäfte machen lassen, zeigt der KMU-Impact-Report von Amazon. Über 3.000 Händler mit mehr als einer Mio. Jahresumsatz gab es in Deutschland im vergangenen Jahr. 

///// HANDEL NATIONAL
Amazon bietet im Schulterschluss mit Barclaycard die Finanzierung von Einkäufen an
Ab einem Warenwert von 100 Euro können Amazon.de-Kunden ab sofort ihre Einkäufe direkt und einfach im Bezahlprozess finanzieren. Dabei entscheiden sie auch, ob sie in 3 bis 48 Raten zurückzahlen, in welcher Laufzeit und Ratenhöhe. Die Hamburger Direktbank Barclaycard nimmt für die Finanzierung einen effektiven Jahreszins von 7,69%. Einmal beantragt und bewilligt, kann der Finanzierungsrahmen auch für Folgekäufe genutzt werden. Sonderzahlungen sind ebenfalls möglich. 

Ikea: Online-Umsatz in Deutschland fast verdoppelt
Trotz der Corona-Krise konnte Ikea in Deutschland das Geschäftsjahr 2019/2020 (30. August) mit einem Erlös von 5,33 Mrd. Euro und einem Plus von 0,9% abschließen. Dafür sei der gestiegene Online-Umsatz in den 54 deutschen Filialen verantwortlich, der von 9,4% auf 16,2% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Bürobedarf und Dinge für den Außenbereich waren besonders gefragt. Derzeit kämpfe das Unternehmen mit Lieferschwierigkeiten, teilte Ikea-Deutschland-Chef Dennis Balslev mit. 

Whatsapp Business wird zum Shopping-Kanal ausgebaut
Immer mehr Unternehmen in Deutschland tauschen sich mit ihren Kunden über Whatsapp Business aus. Nun schaltet Whatsapp einen Shopping-Button frei, der weltweit verfügbar ist. Im Profil der Unternehmen und Online-Händler wird ein Katalog mit Produkten hinterlegt, auf den die Kunden im Chat zugreifen können. Der Button sieht aus wie ein Schaufenster. Whatsapp hat angekündigt, dass einige Funktionen im Business-Kanal künftig kostenpflichtig werden. Einzelheiten dazu sind noch nicht bekannt. 

Online-Modehändler Mytheresa will an die US-Börse
Anfang 2021 soll es soweit sein: Bis zu 1,5 Mrd. US-Dollar will der auf Luxusbekleidung spezialisierte Online-Modemarkt Mytheresa in einem IPO in die Kasse spülen. Das Münchner Unternehmen hat derzeit 700 Mitarbeiter und gehört zu den Corona-Gewinnern. 

3.000 Amazon-Millionäre in Deutschland 
Bis zu 50.000 KMU-Händler sind in Deutschland auf Amazon aktiv, 3.000 davon machen einen Umsatz von mehr als eine Mio. Euro im Jahr. Diese Zahlen stellt Amazon in seinem KMU-Impact-Report für das Jahr 2019 vor. Demnach ist der Jahresumsatz der Händler im Durchschnitt um ein Drittel gestiegen und lag bei 120.000 Euro. Mehr als die Hälfte des Gesamtsortiments oder rund 550 Mio. Produkte werden von Drittanbietern angeboten.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Trotz Rekordzahlen beim Single-Day: Alibaba-Aktie stürzt ab
Die chinesische Regierung wolle die Marktmacht der Technologiekonzerne eindämmen, berichtet das Handelsblatt. Ein entsprechender Gesetzentwurf sei gestern - ausgerechnet zum größten Verkaufs-Event in der Geschichte von Alibaba - veröffentlicht worden. Die Alibaba-Aktie verlor 8%, die der Rivalen Tencent und JD.com gaben 5,5% und 8,5% nach. Insgesamt haben die chinesischen Technologiewerte in den vergangenen Tagen mehr als 290 Mrd. US-Dollar verloren. Das "11.11 Global Shopping Event" spülte Alibaba nach eigenen Angaben 74 Mrd. US-Dollar in die Kasse, die Bestellungen lagen 16-mal höher als beim Amazon-Prime-Day im Vormonat. 
Ob internationale Marken wirklich von der Kauflaune der Chinesen profitiert haben und dies in Zukunft so bleibt, sieht eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Alix Partners zum Single Day unter 2000 chinesischen Verbrauchern kritisch: Der Trend gehe eindeutig zu heimischen Marken. Die Autoren der Studie nennen drei Gründe: ein steigender Patriotismus, die verbesserte Qualität chinesischer Produkte und die lokalen Konkurrenten zu den ausländischen Marken. Hinzu komme, dass die chinesische Regierung mit dem "Dual Circulation Plan" gezielt einheimische Produzenten stützen will. 
Der "Single Day" findet übrigens auch in Deutschland immer mehr Nachahmer, vor allem im Elektrohandel. So gab es heute 11 Prozent Rabatt bei Saturn auf fast das gesamte Sortiment. 

Stationäre Geschäfte an Flughäfen vor dem Aus? 
Geht es nach dem CEO der Flughäfen in Dubai, Paul Griffiths, werden die Shopping-Meilen in seinen Airports schon bald durch Kinos, Bowling-Bahnen und Business-Center ersetzt. Man überlege außerdem, virtuelle Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen, bei denen Produkte über Infight-Kataloge online bestellt und am Flughafen übergeben werden. 


///// TRENDS & TECH

Die Weihnachtsgans dieses Jahr online bestellen
Nur 13 Prozent der Deutschen hat schon einmal den Lieferdienst eines Supermarktes in Anspruch genommen. Das ergab eine aktuelle YouGov-Umfrage zum Einkaufsverhalten für Weihnachten. Jeder fünfte, also 20%, kann sich das für das kommende Fest nun vorstellen. Dass es trotz der Corona-Krise nicht mehr sind, liegt vor allem an einem Punkt: Die Kunden wollen die Ware vor dem Einkauf sehen und prüfen. Anbieter wie Amazon und Hello Fresh sind lediglich für zwei Drittel der Befragten, die für den Online-Einkauf offen sind, eine Alternative zum Lieferservice der Supermärkte

Virtuelles Shoppen auf Snapchat
Modemarken leiden unter den aktuellen Einkaufsbedingungen. Die persönliche Beratung ist schwieriger, die Anprobe mühevoll. Der Social-Media-Kanal Snapchat zeigt nun für die Modemarken Dior und Essence, wie Kosmetik- und Modemarketing in die virtuelle Welt übertragen werden kann. Über einen Snapcode wird den Käufer:innen eine Augmented Reality Lense für 48 Stunden freigeschaltet, mittels derer sie die Produkte ausprobieren können. Die neuen Dior B27-Sneaker lassen sich so auf die eigenen Füße projizieren. 

Favorit der Leser
Während sich die Online-Marktplätze in weitere Branchen und Bereiche ausdehnen, verändern sie die Wettbewerbsbedingungen und die Marktlogik. Sie sind, so erläutert Hanna Schramm-Klein in einem neuen Beitrag der etailment-Serie ‚‚HandelsMonitor Mega-Trends 2030+‘‘ für die Händler Fluch und Segen zugleich.