Man soll sich nicht über Namen lustig machen. Manchmal fällt das schwer. Am Montag haben wir uns im "Morning Briefing" vor OOOOO verneigt, der Name ist ja auch Absicht. Darf man über den Doppelsinn des Standmixer-Namens "Personal Blender" von Zwilling lächeln? Vielleicht. Manche Namen aber laufen völlig ohne Absicht direkt ins offene Messer. Zum Beispiel die Lieferketten-Plattform Kakaclo, die zu allem Überfluss an Wix angeschlossen ist. Das ist ohne Frage lustig, aber es zeigt vor allem eins: Die Fallen lauern immer und überall, insbesondere zwischen Sprachen.

///// HANDEL NATIONAL
Polizei warnt vor Betrug gegen Ebay-Kleinanzeigen-Verkäufer
Die Polizei Berlin warnt vor einer neuen Betrugstaktik gegen Verkäufer auf Ebay Kleinanzeigen: Ein vermeintlicher Käufer melde sich per Whatsapp und erbitte Kreditkarten-Daten von Verkäufern, um eine Zahlung über die Funktion "Sicher bezahlen" abzuwickeln. Dazu werde ein Link übermittelt. Wer seine Daten eingebe, erhalte kein Geld, sondern von der Kreditkarte werde aus dem Ausland abgebucht. Laut Onlinehaendler-News.de läuft "Sicher bezahlen" ausschließlich über die Nachrichtenfunktion von Website und App, Ebay Kleinanzeigen verschicke keine Eingabeaufforderungen.

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Amorelie.de entlässt Leute, vermutlich mehr als ein Viertel
Der Berliner Erotik-Online-Shop Amorelie.de (bzw. der Betreiber Sonoma Internet) hat einen Großteil seiner 130 Beschäftigten entlassen, laut Management "weniger als 30 Prozent". Das berichtet "Gründerszene". Die Eqom Group, seit Herbst 2021 neuer Eigentümer, wolle Synergien in der Holding nutzen, die neue Geschäftsführung mit Eric Idema und Gunter Freiherr von Leoprechting habe daher Abteilungen wie Sales, IT und Logistik geschlossen. Dem Magazin zufolge erwirtschaftete Amorelie.de 2021 rund 62 Mio. Euro (plus elf Prozent), der Jahresüberschuss 2020 habe bei 1,2 Mio. Euro gelegen

Doordash will Wolt-Übernahme im ersten Halbjahr abschließen
Der US-Essenslieferer will die geplante Übernahme des finnischen Wettbewerbers Wolt im ersten Quartal abschließen. Das berichtet Lebensmittelzeitung.net aus dem Umfeld der Jahreszahlen. Damit hätte Doordash auch in Deutschland Fuß gefasst.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon und Visa legen Streit bei
Der Online-Konzern und der Kreditkartenanbieter haben ihren seit Monaten schwelenden Streit um die Zahlungsentgelte in Großbritannien (das "Morning Briefing" berichtete) beigelegt. Bloomberg.com schreibt, Amazon werde Kunden, die auf seiner Website in Singapur und Australien via Visa bezahlen, keine zusätzliche Entgelte mehr berechnen (CNBC.com zufolge 0,5 Prozent), und die Visa-Zahlung auf Amazon.co.uk werde nicht deaktiviert.

USA: Doordash wuchs 2021 um fast 70 Prozent
Der US-Essenslieferdienst Doordash ist im vergangenen Geschäftsjahr rasant gewachsen: Ein Umsatz von insgesamt 4,9 Mrd. US-Dollar bedeutet eine Steigerung von 69 Prozent, 2020 waren es laut Lebensmittelzeitung.net 2,9 Mrd. Dollar. Mit 468 Mio. Dollar lag der Verlust etwas über dem Vorjahr (461 Mio. Dollar). "Wir sind in den USA führend in der Kategorie der Restaurants und sehen dort noch erheblichen Wachstumsspielraum, ebenso in den neueren Kategorien", zitiert Businessinsider.com das Unternehmen. Mit "neueren Kategorien" dürfte zum Beispiel die Lieferung von Lebensmitteln gemeint sein: Gestern meldete Doordash einen 30-Minuten-Lieferservice aus 330 Albertsons-Märkten.

Walmart: 2021 rund 20.000 neue Verkäufer auf dem Marktplatz
Das Geschäftsjahr 2021 (das am 31. Januar 2022 endete) brachte Walmart einen Gesamtumsatz von 573 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 2,4 Prozent, wozu der Online-Umsatz einen Gutteil beigetragen hat: Er wuchs um elf Prozent, wie aus der Pressemitteilung hervorgeht. Das Geschäft mit dem Marktplatz und dem Fulfillment in den USA, Mexiko und Indien sei "robust gewachsen", unter anderem habe der Marktplatz fast 20.000 Händler gewonnen.

Nestlé und Reckitt Benckiser melden starkes Online-Wachstum
Zwei internationale Marken haben ihre Ergebnisse für 2021 veröffentlicht und dabei – keine Überraschung – Online-Wachstum deutlich über Konzernwachstum gemeldet. Wie Internetretailing.net zusammenfasst, ...
  • ... hat Nestlé 14,3 Prozent des Konzernumsatzes online hereingeholt. Die Online-Umsätze seien um 15,1 Prozent gewachsen, insbesondere von Purina Pet Care, Nespresso und anderen Kaffees sowie Nestlé Health Care. Der Gesamt-Konzernumsatz wuchs 2021 um 3,3 Prozent auf 87,1 Mrd. Franken.
  • ... hat Reckitt Benckiser ("Calgon", "Kukident", "Durex") zwölf Prozent des Konzernumsatzes online eingespielt, die Online-Umsätze seien um 17 Prozent gewachsen. Der Konzernumsatz lag mit 13,2 Mrd. Pfund 5,4 Prozent unter Vorjahr, auf vergleichbarer Basis lag die Entwicklung 3,5 Prozent im Plus.

Bekleidungs-Plattform Kakaclo öffnet sich der Welt
Das Hongkonger Unternehmen Kakaclo ist eine Lieferkettenplattform: Sie liefert Bekleidungsstücke an die Kunden von Online-Modehändlern, und zwar als Dropshipping-Service (Streckengeschäft), also ohne Berührung des Händlerlagers. Das Unternehmen richtet seinen Blick jetzt über Asien hinaus und "nimmt ab dieser Woche Anmeldungen von Einzelhändlern aus aller Welt entgegen", wie es schreibt. Es gebe Lager in China, Europa und Nordamerika, man arbeite mit den Plattformen Shopify, Facebook Shop, Woo, Wix, Tiktok und demnächst auch Fulfillment by Amazon zusammen. Auch kleine Bestellungen seien möglich.

Sportkappen-Händler Lids eröffnet Webshop für Limited Editions
Der US-Händler Lids ist auf Sportkappen spezialisiert, betreibt fast 2.000 Läden in Nordamerika plus vier in London und hat mit LidsHatDrop.com einen Online-Shop für Kappen in begrenzter Auflage eröffnet – für Sammlerstücke also. Die Strategie, die Retaildive.com beschreibt, passt dazu: wöchentlich zwei "Drops" mit Preisen von 45 bis 55 US-Dollar pro Kappe. Los geht es mit Kappen zu Baseball-Teams.

Indien: Dealshare erhält 45 Mio. US-Dollar
Der indische Online-Händler Dealshare hat, wie Techinasia.com meldet, 45 Mio. US-Dollar Kapital erhalten. Insgesamt sei er mit 393 Mio. Dollar finanziert, der Wert liege bei 1,7 Mrd. Dollar ("Einhorn"-Status). Geplant seien damit Expansionen in den arabischen Raum und nach Südostasien, zunächst nach Indonesien. Dem Artikel zufolge hat Dealshare zehn Mio. Nutzer (was vervierfacht werden solle) und wickelt im Schnitt 400.000 Bestellungen am Tag ab.

///// TRENDS & TECH

E-Rezept "auf unbestimmte Zeit" verschoben
In jüngster Zeit haben sich mehrere neue Medikamenten-Lieferdienste gegründet (das "Morning Briefing" berichtete), Douglas hat die Online-Apotheke Disapo gekauft (dito), alles mit Blick auf das E-Rezept, das eigentlich zum Jahresbeginn verfügbar sein sollte. Ist es nicht, bleibt auch erstmal so: Sabine Dittmar zufolge, der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, wird das E-Rezept "auf unbestimmte Zeit verschoben". Die Testphase sei offen verlängert worden, offenbar fehlt es an technischer Verfügbarkeit und an den mit der Selbstverwaltung vereinbarten Qualitätskriterien.

Start-ups: Wie Unea Händler bei der Vermarktung von Werbeflächen unterstützt
Das Berliner Start-up Unea bietet eine Software-Lösung zur Digitalisierung der Werbeflächenvermarktung im stationären Einzelhandel und im E-Commerce. Unternehmen können damit ihre Werbeflächen online und offline selbstständig verwalten und anschließend an Werbekunden verkaufen. Von der Vernetzung auf der Plattform sollen beide Seiten profitieren und die Abstimmung deutlich vereinfacht werden, so das Start-up-Porträt auf Etailment.de.

///// NACHHALTIGKEIT

Last-Mile-Logistiker Liefergrün erhält drei Mio. Euro
Gestern ging es hier um den Zero-Waste-Onliner Alpakas und seine Fünf-Millionen-Finanzierung, heute folgt ein (nach eigenen Angaben) Zero-Emission-Lieferdienstleister: Liefergrün mit Sitz im westfälischen Münster hat Tech.eu zufolge drei Mio. Euro Kapital für die Expansion erhalten. Der Last-Mile-Logistiker auf Lastenrad- und E-Van-Basis bietet seine Dienste laut Firmenwebsite in rund 30 Städten an, unter anderem im Ruhrgebiet und im Rheinland. Ganz Zero sind die Emissionen übrigens doch nicht: Laut Tech.eu setzt Liefergrün 180 Gramm CO2 pro Lieferung an, 420 Gramm weniger, als bei klassischen Auslieferungen anfallen.

Pretty Little Thing plant Marktplatz für Gebrauchtkleidung
Fast Fashion und Nachhaltigkeit – schließt sich das nicht aus? Pretty Little Things (PLT), eine zum britischen Mode-Onliner Boohoo.com gehörende Fast-Fashion-Marke, will das "fast" offenbar etwas bremsen und plant einen Marktplatz für gebrauchte Kleidung. Laut Fashionunited.de soll die App der Marke es ermöglichen, Kleidung verschiedener Marken zum Verkauf anzubieten. Das Projekt solle 2022 in Großbritannien starten und bis Ende des Jahres in weitere Märkte expandieren.