Der deutsche Einzelhandel fordert seit Wochen eine Lockerung der Coronaregeln, besonders das Streichen der 2G-Regel, über das ja schon einige Gerichte entschieden haben. Die möglichen und erwarteten positiven wirtschaftlichen Effekte für den Einzelhandel stellt das Institut für Weltwirtschaft in Kiel in Frage. Der Umsatz könne auch sinken, weil ein Zugang für Ungeimpfte oder Ungetestete mehr potenzielle Kunden abschrecke, da sie sich dann nicht mehr sicher fühlten. Die Ökonomen fordern Pilotprojekte, um die möglichen Reaktionen der Kunden zu beobachten. Bessere Werte könnten beim Vergleich ähnlicher Städte in Deutschland mit einerseits weiter bestehenden und andererseits geöffneten Regeln erzielt werden. Ein Vergleich mit anderen Ländern sei durch die anderen Impfquoten und dort existierenden unterschiedlichen Beschränkungen nur bedingt hilfreich.

///// HANDEL NATIONAL
Lieferdienste steigen in Medikamentenmarkt ein
Der Apothekermarkt muss mit einem stärkeren Wettbewerb rechnen. Bislang ist er fest in den Händen der stationären Geschäfte, nun steht aber der Einstieg der Online-Lieferdienste auf der Liste, prognostiziert das Handelsblatt. Der Kurierservice Mayd verspreche die Lieferung der rezeptfreien Produkte aus der lokalen Apotheke in 30 Minuten, die Beratung der Kunden müsse in diesem Fall durch die Apotheke telefonisch über die Plattform erfolgen. Mayd wolle den Service aus der Hauptstadt nach Stuttgart, Hannover, Leipzig und Essen ausweiten. Auch die Anbieter First A und Kurando wollten ihren Service in weiteren Städten anbieten. Alle Dienstleister erwarteten sich durch das angekündigte E-Rezept, dessen Start bereits verschoben wurde, einen weiteren Schub. Ein Bremsklotz könne aber die gesetzliche Versanderlaubnis werden, über die in Deutschland nur 3.000 der rund 18.500 Apotheken verfügten. Viele von ihnen setzten auf eigene Boten, für die die Erlaubnis nicht benötigt werde, da die eigene Beratung sichergestellt sei.

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Zertifizierung "Omni-Channel-Manager"
An der Universität St.Gallen (Schweiz) startet am 23. Mai das vierte Omni-Channel-Management-Seminar. Absolventen werden zu zertifizierten (CAS) Omni-Channel-Managern. Zusammen mit Dozierenden (Universität St.Gallen, Universität Groningen, HEC Paris, Henley Business School) und namenhaften Praxisreferenten lernen Omni-Channel-Manager in sechs dreitätigen Modulen verteilt über zwölf Monate für Ihr Unternehmen die neusten Entwicklungen und Trends und profitieren von etablierten Tools zum Omni-Channel-Management in der Praxis. Profitieren Sie von diesem etablierten Praxisseminar und lösen Sie die Omni-Channel-Herausforderungen für Ihr Unternehmen.

Hawesko sammelt Kraft im Online-Handel

Das seit zwei Jahren andauernde Wachstum des E-Commerce macht keinen Stopp vor dem Getränkehandel. Auch Wein wird stärker online bestellt, wie die Jahresergebnisse des Weinhandelskonzerns Hawesko bestätigen. Der Umsatz erhielt 2021 einen Schub um zehn Prozent auf rund 680 Millionen Euro, meldet die Lebensmittelzeitung. Für den Ebit sei es gar um 26 Prozent auf 53 Millionen Euro nach oben gegangen. Einer der Antreiber sei das virtuelle Geschäft gewesen, hier habe das Plus bei 17 Prozent gelegen. In der Konzernleitung wurden die Neukundengewinnung und die Bewegung des Kaufverhaltens der Kunden hin zum Online-Handel als Hauptgründe genannt. Für das erste Quartal dieses Jahres erwarte das Unternehmen in Anbetracht der Coronaentwicklung und der hohen Zahlen von 2021 nicht mit ähnlichen Wachstumszahlen, die Prognose gehe in Richtung eines leichten Umsatzrückgangs. Insgesamt rechne Hawesko-Vorstandschef Thorsten Hermelink aber mit Umsätzen deutlich über dem Niveau vor der Pandemie.


Sportspar mit einem Rekordjahr
Und wieder meldet ein Online-Händler neue Rekordmarken. Dieses Mal ist es Sportspar. Der Spezialist für Sportmarken verbuchte 2021 einen Umsatz in Höhe von 31,5 Millionen Euro, ein Sprung von 23 Prozent nach oben gegenüber dem Vorjahr. Die Retourenquote ist nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr auf unter elf Prozent gesunken, während die Zahl der bestellten Pakete von 718.000 auf 862.000 angestiegen ist. Das Unternehmen zählt die Internationalisierung, den Ausbau des Marketings und eine Verbreiterung des Sortiments als positive Elemente auf. Diese Strategie wollen die geschäftsführenden Borisenko-Brüder auch in diesem Jahr fortsetzen, dazu gehören auch ein Ausbau von Arbeitsplätzen und Lagerkapazitäten. Ebenfalls auf der Liste stehen der Aufbau eines Programms für Kundenempfehlungen und anlässlich der guten Zahlen für die Eigenmarke Jelex die Entwicklung weiterer Eigenmarken.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Der europäische E-Commerce wächst
Auch beim Blick über ganz Europa geht es für den Online-Handel uneingeschränkt nach oben. Das Statistikamt der Europäischen Union (Eurostat) rechnet für 2021 für die EU-Mitglieder mit einem Plus von 74 Prozent bei den Verbrauchern zwischen 16 und 64 Jahren, in den Niederlanden tätigten 94 Prozent von ihnen ihre Einkäufe per Laptop, Tablet oder Smartphone. Dann folgen Dänemark mit 92 und Schweden mit 89 Prozent, die Schlusslichter liegen bei Rumänien und Bulgarien mit 44 respektive 42 Prozent. Damit verzeichnen die Statistiker für Gesamteuropa ein Plus von einem Prozentpunkt im Vergleich zu 2020 und elf Prozentpunkten gegenüber 2016. Die populärsten Warengruppen bilden Bekleidung, Schuhe und Accessoires, sie wurden von 68 Prozent der Kunden gebucht, 31 Prozent bestellten bei Restaurants oder Catering-Diensten.

Der Einzelhandel in Europa gibt nach
Im Dezember verzeichnete Eurostat für den europäischen Einzelhandel einen deutlichen Rückgang. Im Euroraum gingen die Umsätze im Vergleich zum November 2021 um drei Prozent nach, in der Europäischen Union lag das Minus bei 2,8 Prozent. Im Vergleich zum Dezember 2020 waren die Zahlen aber um zwei Prozent (Euroraum) und 2,8 Prozent (EU) besser. Im November war es im Euroraum noch um ein Prozent und in der EU um 0,9 Prozent nach oben gegangen. Beim Blick auf das Gesamtjahr nahm der Einzelhandel 2021 um fünf Prozent im Euroraum und 5,5 Prozent in der EU zu. Die Gewinner waren 2021 die Händler in Slowenien (+44,1 Prozent), Litauen (+16,2 Prozent) und Estland (+12,6 Prozent). Die stärksten Rückgänge gab es in Irland (-3,2 Prozent), Spanien und Finnland (minus jeweils drei Prozent).

In Rotterdam gehen die Türen der Dark Stores zu
Nach Amsterdam greift die zweite niederländische Metropole zu rigorosen Maßnahmen gegen die Lieferdienste und ihre Dark Stores. Nach einem Bericht der Lebensmittelzeitung sind die über das Stadtgebiet verteilten Lagerräume vorläufig nicht mehr nutzbar. Die Zahl der Beschwerden der Anwohner über blockierte Bürgersteige und hohe Lärmpegel sei stark angestiegen, auch sei die Zahl der Unfälle im Straßenverkehr angewachsen. Die versprochenen kurzen Lieferzeiten der Fahrradkuriere sind nur mit Hilfe der kleinen Verteilzentren möglich. Da dies aber keine öffentlichen Supermärkte seien, sondern Lagerräume, dürften sie aus den Wohngebieten verwiesen werden. Auch in Deutschland nehme die Zahl der Dark Stores zu und der Unmut der Anwohner wachse ebenfalls.

Amazon steht vor Einstieg bei Peloton
Nach Medienberichten denkt Amazon über einen Einstieg beim Hersteller von Heimsportgeräten, Peloton, nach. Peloton hätten in den vergangenen Wochen Rückschläge im Aktienhandel und interne Schwierigkeiten geschwächt, nun seien mögliche Investoren aufgetaucht, zu denen auch Amazon gehöre. Nach einem starken Geschäftsaufschwung zu Beginn der Pandemie sei der Umsatz in den vergangenen Monaten stark beeinträchtigt worden. Amazon habe Gespräche mit Beratern geführt, Vereinbarungen habe es bislang nicht gegeben. Einige der anderen Anbieter hätten sich für den Unternehmenszweig der Fertigung der Geräte interessiert. Bislang gebe es aber von der Seite Pelotons keinen formellen Verkaufsprozess. Ein großer Prozent der Anteile gehörten CEO James Foley, er müsse in eine mögliche Transaktion eingebunden werden.



///// TRENDS & TECH

Das Shopsystem der Zukunft muss vor allem flexibel sein
E-Commerce ist längst nicht mehr nur ein Thema für Onlinehändler - sondern für alle. Spätestens die Corona-Krise hat gezeigt, dass sich fast alles online verkaufen lässt. Und zwar nicht nur über den eigenen Webshop. Wer im E-Commerce der Zukunft erfolgreich sein will, braucht sowohl eine Strategie als auch die richtige Technologie.

Otto sieht Digitalisierung als das A und O
Michael Otto, Aufsichtsratschef des Versandhändlers Otto, hält sich mit seiner Einstufung bezüglich der Digitalisierung nicht zurück. Beim "Gipfeltreffen der Weltmarktführer", einer Veranstaltung der Wirtschaftswoche, bezechnet er sie als den "größten Umbruch der Menschheit". Unternehmen, die glaubten, die Digitalisierung könne in zwei oder drei Jahren abgeschlossen werden, gebe es aber heute nicht mehr. Otto habe sich seine Situation erarbeitet und sich etabliert, im vergangenen Jahr sei mit 15,6 Milliarden Euro Umsatz ein Rekordergebnis gelungen. Das Anfang der 1990er Jahre getestete interaktive Fernsehen habe sich als nicht erfolgreich erwiesen, dann sei der Umstieg aufs Internet erfolgt. Dieser sei gelungen, denn mittlerweile kämen rund zwei Drittel des Umsatzes aus dem Online-Handel. Nun folge der Umbau der Webseite zu einer Plattform, eine Rolle spielten auch technologische Partnerschaften oder der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Augmented Reality. Otto sehe auch die Partnerschaft mit und die Beteiligung an Start-ups als wichtigen Schritt.


///// NACHHALTIGKEIT

Der Zalando Sustainability Award geht an Iso.Poetism by Tobias Birk Nielsen
Zalando hat vergangene Woche zum dritten Mal den Sustainability Award vergeben, ausgezeichnet haben die Online-Modeplattform und Partner Copenhagen Fashion Week den dänischen Produzenten Iso.Poetism by Tobias Birk Nielsen. Der Gewinner erhält ein Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro, darüber hinaus eine Zusammenarbeit mit Zalando bei der Entwicklung einer Kollektion. Ausschlaggebend für die Prämierung waren für die Jury innovative Färbetechniken und der Nachhaltigkeitsfokus, schreibt die Textilwirtschaft. Der Online-Konzern wolle mit dem Award bei den Herstellern ein größeres Bewusstsein für nachhaltigere Produktionsmaterialien und -prozesse und neue Strategien schaffen. Im Mittelpunkt stehe laut Zalando das Zusammenführen des Verständnisses für Fashion und Nachhaltigkeit.