Die Spannungen zwischen der EU und Großbritannien nehmen immer weiter zu. Die britische Regierung um Premierminister Boris Johnson will das Nordirland-Protokoll aussetzen und damit den Brexit-Vertrag brechen. Es geht um eine einseitige Änderung der Handels- und Zollregeln zwischen der EU und Nordirland, für Johnson spielen die ausgehandelten Verträge keine Rolle. Die EU hat ihrerseits eine Neuverhandlung des Brexit-Abkommens erneut ausgeschlossen. In Brüssel wird über ein Verfahren gegen Großbritannien nachgedacht. Den möglichen Handelskrieg der EU hat Johnson losgetreten und die Aussichten sind mehr als düster.

///// HANDEL NATIONAL
Das Bundeskartellamt untersucht Apples Tracking-Regelungen
Das Bundeskartellamt wird wieder einmal aktiv gegen Apple. Die Behörde in Bonn untersucht nun die Tracking-Regeln und das App Tracking Transparency Framework. Mit den Regeln wird das Tracking von Nutzerinnen und Nutzern durch Dritt-Apps an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Die Nutzer können über die Verwendung ihrer Daten entscheiden. Nach Einschätzung des Kartellamts bestünden Zweifel daran, ob die Regeln, die Apple für den Apple Store einseitig festlegen könne, wettbewerbskonform aufgebaut seien, erklärt Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Es bestehe die Möglichkeit, dass Apple eigene Angebote bevorzuge oder andere Unternehmen behindere. Im Framework müssen die Kunden beim Erststart einer App der Verwendung und Kombination von Nutzerdaten zustimmen. Nach den ersten Ermittlungen unterliege Apple diesen Bestimmungen des Frameworks nicht. Seit dem 21. Juni 2021 läuft bereits ein Verfahren zur Feststellung gegen Apple einer überragenden marktübergreifenden Bedeutung für den Wettbewerb.

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Software als Turbo für schnelles Wachstum im E-Commerce
Einen Need in der Gesellschaft erkennen, eine Lösung anbieten und damit erfolgreich werden. So stellen sich viele E-Commerce Gründerinnen und Gründer ihren Weg vor. Doch der Alltag entpuppt sich oft als monotones Abarbeiten. Dabei liegen hier genau die vermeintlichen Pain-Points, die zu Erfolg oder Misserfolg eines Startups beitragen. Mit smarter Software gelingt der Durchbruch. Mehr lesen

Neuer Höchstwert für die Inflationsrate
Bei der Inflation in Deutschland ist keine Erholung zu erwarten. Im Mai ist die Inflationsrate im dritten Monat auf einen Höchstwert gestiegen, nun liegt sie bei 7,9 Prozent. Im März 2022 hatte die Inflation einen Wert von 7,3 Prozent erreicht, im April lag er bei 7,4 Prozent. Die größte Rolle für den Anstieg spielten nach Berechnung des Statistischen Bundesamts die steigenden Energiepreise, dazu kämen dann überdurchschnittliche Zuwächse bei den Nahrungsmitteln. Bei einer Berechnung der Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel ergebe sich eine Rate von 3,8 Prozent. Deutlich nach oben ging es im Mai auch bei den Verkaufspreisen im Großhandel mit einem Zuwachs von 22,9 Prozent. Hier konnte gegenüber dem April (23,8 Prozent) ein leichter Rückgang festgestellt werden. Ursache für den hohen Anstieg im Vergleich zum Mai 2021 liegen besonders bei den höheren Preisen für Rohstoffe und Vorprodukte.

HDE-Chef Genth kritisiert Habecks Pläne
Die Pläne von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck für eine Verschärfung des Kartellrechts in Anbetracht des Vorgehens der Ölkonzerne werden von Stefan Genth, Chef des Handelsverbands HDE, scharf kritisiert. Er stuft die Einführung missbrauchsunabhängiger Entflechtungsmöglichkeiten und kartellrechtlicher Gewinnabschöpfungsansprüche ohne Nachweis des Verschuldens für einen Irrweg, zitiert ihn das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dies bilde einen Blankoscheck für das Kartellamt und biete Möglichkeiten für willkürliche und politisch motivierte Entscheidungen. Das Vorhaben solle nicht weiter verfolgt werden. Genth sieht durch die Pläne des Ministers negative Folgen für den Wettbewerb, die Verbraucher und den Wirtschaftsstandort Deutschland. Es gebe dann ein Damoklesschwert der Zerschlagung, das internationale Investoren verhindere.



///// HANDEL INTERNATIONAL

Google will Konkurrenz Werbung auf You Tube ermöglichen
Es sieht so aus, dass in den Streit zwischen der EU-Kommission und Google wegen des Vorgehens Googles bei Fragen der Werbeplatzierung Bewegung kommt. Nach Angaben von mit dem Verfahren bekannten Personen hat der Online-Konzern angeboten, dass auch andere Werbevermittler auf You Tube Anzeigen schalten könnten, schreibt Reuters. Für Google gehe es primär darum, die möglichen Strafzahlungen wegen Kartellrechtsverstößen zu verhindern. Diese könnten eine Höhe von bis zu zehn Prozent des globalen Jahresumsatzes erreichen. Für die EU-Kommission stehe die Pflicht der Nutzung von Google Ads oder Display & Video 360 bei der Anzeigenschaltung im Mittelpunkt. Darüber hinaus untersuche die Kommission Einschränkungen der Nutzung der Daten zur User-Identität für andere Unternehmen.

Amazon will den internationalen Online-Handel in Vietnam stärken
Amazon hat eine Initiative gestartet, mit der der E-Commerce in Vietnam ausgebaut werden soll. Nach einem Bericht von Tech in Asia sei ein Abkommen mit einer Regierungsorganisation die Grundlage, um bis zu 10.000 lokale Unternehmer für den Handel auf der internationalen Plattform auszubilden. Im Mittelpunkt stünden die Segmente Marktforschung, Platzierung der Produkte sowie Registrierung und Schutz der Marken. Als erste lokale Märkte seien Hanoi, Ho Chi Minh City und Da Nang geplant. Amazon erwarte für den internationalen Handel in Vietnam für 2026 einen Umsatz von mehr als elf Milliarden US-Dollar.

Britischer Lebensmittelhandel mit Wachstumschancen bis 2027
Der Lebensmittelhandel in Großbritannien wird bis 2027 um 11,3 Prozent wachsen, verteilt auf alle Vertriebskanäle. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung des Instituts für den Lebensmittelhandel IGD, schreibt Internet Retailing. Damit werde in fünf Jahren ein Volumen von 241,3 Milliarden Britische Pfund erreicht. Als Wachstumsmotoren schätzen die Marktforscher die Schnelllieferdienste und weitere Investitionen und Verstärkungen des Online-Handels ein. Für das laufende Jahre rechnen sie aber wegen der hohen Inflationsrate mit niedrigeren Ausgaben der Kunden. Die Verbraucher würden preissensibler, suchten verstärkt nach Angeboten und planten ihre Einkäufe genauer. Für den Online-Handel könne das Wachstum bei 22,6 Prozent liegen, maßgeblich seien bessere Bestellmöglichkeiten und schnellere Lieferdienste.


///// TRENDS & TECH

Sendcloud und Mollie starten Kooperation
Die Versandplattform Sendcloud hat sich mit dem Payment Service Provider Mollie auf eine Kooperation beim kostenpflichtigen Versand von Bestellungen geeinigt. Sendcloud hat die Plattform um die Funktion "Paid Returns" erweitert. Mit ihr haben Nutzer von Sendcloud nun nach Angaben der beiden Unternehmen die Möglichkeit, die Bezahlung von Rücksendungen zu aktivieren. Diese sorge für eine Abwicklung der Gebühren über die Plattform von Mollie. Kunden könnten ihrerseits über das Retourenportal eine Rücksendung erstellen, im Anschluss erfolge die direkte Weiterleitung zur Zahlungsseite mit der Wahl der Zahlungsart. Nach Abschluss der Zahlung sei dann der Download des Rücksendeetikettes möglich.

Das Wachstum der digitalen Werbung wird langsamer
Für die digitale Werbung ist in diesem Jahr mit einem deutlich niedrigeren Wachstum im Vergleich zu 2021 zu rechnen. Nach Berechnungen der Group M für die Prognose "This Year, Next Year" wird das Wachstum der rein digitalen Plattformen bei zwölf Prozent liegen, im vergangenen Jahr lag die Quote bei 30 Prozent. Dabei gehen die Analysten für das globale Werbewachstum in allen Medien von einem Wert von 8,4 Prozent aus. Dies entspreche den Zahlen der letzten Prognose vom Dezember 2021, heißt es in der Studie. Ein deutlich langsameres Wachstum wird 2022 für China erwartet, in Indien prognostizieren die Autoren der Studie für die nächsten fünf Jahre zweistellige Zuwachsraten. In Deutschland werde die Rate, wie in Frankreich, Brasilien und Kanada, im hohen einstelligen Bereich liegen.

Management des Cyberrisikos mit diversen Lücken
Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten der Einschätzung der Risiken für die IT und den Aufbau des passenden Sicherheitsmanagements. Dies sind Ergebnisse einer neuen Studie des japanischen Sicherheitsanbieters Trend Micro. In Deutschland sehen 65 Prozent der befragten 202 Unternehmen besondere Risiken in einer wachsenden Angriffsfläche, die weltweite Quote liege hier bei 73 Prozent. 40 Prozent der deutschen Unternehmen erklärten, dass sich diese Fläche ständig verändere und unübersichtlich sei. Für 62 Prozent, in Deutschland und weltweit, spielten tote Winkel innerhalb der IT-Infrastruktur eine entscheidende Rolle. Zu den Ansatzpunkten für eine Verringerung der Risiken gehört nach der Einschätzung der Autoren eine vollständig definierte Methodik zur Risikobewertung, über die nur 42 Prozent verfügten. Nur 19 Prozent führten eine tägliche Bewertung der Risiken durch.


///// NACHHALTIGKEIT

Distribusion erhält eine Kapitalspritze
Die Technologieplattform für die Buchung von öffentlichem Straßen- und Schienenverkehr, Distribusion, hat von drei externen Investoren eine Kapitalspritze in Höhe von 30 Millionen Euro erhalten. Das in Berlin ansässige Unternehmen will den B2B-Marktplatz weiter ausbauen, meldet Tech.eu. Nach Europa und Ländern in Lateinamerika sei die Integration von öffentlichen Transportunternehmen aus weiteren Ländern geplant. Es gebe ein großes Potenzial, denn weltweit würden rund 100 Millionen Fahrkarten pro Tag noch offline verkauft. Die angeschlossenen Anbieter erhielten durch nur eine API derzeit Anbindung an rund 400 Transportunternehmen in mehr als 71 Ländern. Ein Ziel sei es, durch eine engere Verknüpfung der Transportunternehmen und einfachere Buchungsmöglichkeiten den nachhaltigen öffentlichen Verkehr weiter zu stärken.