Auch die Website voller Fliesen: Der französische Baumarkt-Onlinemarktplatz Manomano hat das Geschäft in Deutschland ordentlich ausgebaut und will auch künftig kräftig mitmischen.
© Colibri SAS -- ManoMano
Auch die Website voller Fliesen: Der französische Baumarkt-Onlinemarktplatz Manomano hat das Geschäft in Deutschland ordentlich ausgebaut und will auch künftig kräftig mitmischen.
Morning Briefing

Auto1, Refurbished, Manomano, Ebay, La Zona, Unilever, Fila, Amazon, Best Buy und Sears, Top-Level-Domains, Retail-Bots, Überweisungen, Covid-19

Heute lesen Sie fast nur gute Nachrichten vom gestrigen Donnerstag: Auto1 legt einen 1-A-Start an der Börse hin, Baumaterialien und generalüberholte Elektronik legen online um 100 Prozent zu, Ebay wächst sowieso, Top-Level-Domains wie .blackfriday sind nicht allzu teuer, und in Spanien planen Genossenschaften eine Amazon-ähnliche Plattform, aber in regional und nachhaltig. Das Online-Geschäft blüht.

///// HANDEL NATIONAL
Auto1 startet fulminant an der Börse -- "Wirtschaftswoche" krittelt
Gestern ist Auto1 in Frankfurt am Main an die Börse gegangen, der Betreiber von Wirkaufendeinauto.de und Auto1.com (nach eigenen Worten "Europas führender Online-B2B-Marktplatz für Gebrauchtwagen"). Die Aktie begann mit 55 Euro und lag damit 45 Prozent über dem Ausgabepreis von 38 Euro. "Die Gründer werden dadurch auf einen Schlag sehr reich -- in der deutschen Tech-Szene gab es das so noch nie", jubelt Manager-Magazin.de. Die "Wirtschaftswoche" ist nicht zufrieden und hat "Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. So sei das Kerngeschäft womöglich deutlich schlechter digitalisierbar als allgemein erwartet", zitiert das Blatt eine eigene Analyse. "Der An- und Weiterverkauf der Gebrauchtwagen sei mit einem relativ hohen Fixkostenblock verbunden, der sich auch bei größerem Wachstum nicht beliebig drücken lasse."

Refurbished ist mit 2020 zufrieden
Refurbished, Online-Marktplatz für generalüberholte Elektronik mit österreichischen Wurzeln, schaut gut gelaunt auf das Jahr 2020 zurück: Der Gesamtumsatz stieg im Vergleich zu 2019 auf das Dreifache, nämlich 100 Millionen Euro. Das Unternehmen habe "77.000 Kilogramm elektronischen Abfall vermieden und über 13 Millionen Kilogramm CO2 eingespart", sei in neun Länder expandiert und habe die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt (auf mehr als 100). Im Angebot sind laut Unternehmen 8.000 verschiedene Produkte. Deutschland bleibe einer der wichtigsten Märkte.

Baumarkt-Plattform Manomano verdoppelt Geschäft in Deutschland
Das französische E-Commerce-Unternehmen Manomano, spezialisiert auf Heimwerker-Produkte, meldet für 2020 weltweite Umsätze von 1,2 Mrd. Euro mit einem Gesamtwachstum von 100 Prozent. "Allein auf dem deutschen Markt konnte ManoMano sein Geschäftsvolumen auf 113 Millionen Euro im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 verdoppeln", schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. "ManoMano erwartet, dass Deutschland 2021 der zweitgrößte Markt für das Unternehmen wird." 75 Prozent der Händler auf der Plattform stammen aus Deutschland, 40 Prozent von ihnen verkaufen international. Das Unternehmen will in den deutschen Markt "massiv" investieren.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Ebay meldet für 2020 ein Gewinnplus von 68 Prozent und 50 Mio. App-Downloads
Keine Überraschung: Ebay hat im vierten Quartal 2020 gute Geschäfte gemacht. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 28 Prozent auf 2,9 Mrd. US-Dollar. Die Verkäufe über die Plattform stiegen um 21 Prozent auf 26,6 Mrd. Dollar, der Gewinn um fast zwei Drittel auf 781 Mio. Dollar. Im Gesamtjahr 2020 verzeichnete Ebay Erlöse von 10,3 Mrd. Dollar (plus 19 Prozent) und einen Nettogewinn von 1,5 Mrd. Dollar (plus 68 Prozent). Doch eine Überraschung: "Die Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen klar", berichtet DerStandard.de. Die Aktie habe zehn Prozent gewonnen. Sehr viele Zahlen zum Geschäftsjahr finden sich in den Ebay-Pressemitteilungen auf Englisch und auf Deutsch. Unter anderem sei die Ebay-App 2020 mehr als 50 Millionen Mal heruntergeladen worden.

Spanien: Neue Endkundenplattform La Zona bringt Genossenschaften online zusammen
Die Pandemie als Chance? Warum nicht. La Zona heißt eine neue Verkaufsplattform in der Gegend rund um Barcelona. Sie soll "so eine Art Amazon der Genossenschaften in Katalonien werden", berichtet die "Tageszeitung". Zunächst für 200 bis 300 nachhaltig wirtschaftende Kooperationen, prinzipiell aber für alle 4.000 Genossenschaften der Region. Im Juni solle es mit 50 Partnern losgehen. Unter anderem hoffen Hersteller darauf, die wachsende Nachfrage nach Online-Bestellung und Lieferung durch Zusammenarbeit klimafreundlicher zu bedienen. Die Distribution soll unter anderem über Mikrodepots laufen. Vorbild sei explizit das rasante Wachstum von Amazon in Spanien während der Covid-19-Monate.

Unilever ruft Digitalisierung zur strategischen Option aus
Lebensmittel-Riese Unilever hat 2020 neun Prozent des Umsatzes im E-Commerce erzielt, die Online-Erlöse wuchsen um 61 Prozent. Der Konzern hat E-Commerce und Digitalisierung zu einer der fünf "strategischen Optionen" ("strategic choices") ausgerufen. Der Gesamtumsatz von 50,7 Mrd. Euro lag 2020 um 2,4 Prozent unter Vorjahr, so Internetretailing.net.

Textilmarke Fila vertreibt jetzt auch über Plattformen
Die italienische Textilmarke Fila "bietet erstmals eigenständig Ware auf nationalen und internationalen Marktplätzen an", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Los geht es mit Schuhen, Sport- und Freizeitbekleidung auf den Plattformen About You, Görtz, Otto, Mirapodo, Schuhe24.de, Sportscheck, Van Graaf und Zalando. Die Technik dafür stellt der Plattform-Service-Provider Heyconnect.

Amazon will Fahrer per Kamera überwachen
Die Auslieferungsfahrzeuge von Amazon in den USA sollen die Fahrer und ihre Umgebung künftig ständig mit vier Kameras und Künstlicher Intelligenz überwachen. TheNextWeb.com zitiert das Unternehmen damit, die Maßnahme diene der Sicherheit der Fahrer, Kritiker sprechen von "mobilen Überwachungsmaschinen". Das "Amazon Watchblog" und Geekwire.com diskutieren die Nachricht sehr differenziert: Unter anderem könnten Fahrer mit den Kameras gezielt Gefahrensituationen dokumentieren, es werde kein Ton aufgezeichnet, und der Zugriff auf die Daten sei streng geregelt. Die Satireseite "Der Postillon" mokiert sich derweil, Amazon-Chef Jeff Bezos habe seinen Rücktritt aus einem einzigen Grund erklärt: Die "Arbeitsbedingungen sind unter aller Sau".

Filialschließungen in den USA gehen weiter
Wie ein Gegenpol zur Ebay-Meldung wirken Berichte aus den USA über weitere Filialschließungen: Unterhaltungselektronik-Händler Best Buy will in den kommenden Wochen laut Businessinsider.nl fünf Standorte in vier US-Bundestaaten zumachen. Das ist die Fortsetzung einer längeren Geschichte, das Blatt zählt 2021 noch 956 Best-Buy-Läden im Vergleich zu 977 im Vorjahr. Die Kaufhauskette Sears steht offenbar deutlich schlechter da -- sie "verschwindet still", schreibt Retaildive.com. 13 weitere Läden stünden vor dem Aus. "Irgendwann werden dem Unternehmen die Geschäfte ausgehen, die es schließen könnte", resümiert das Blatt bitter.

///// TRENDS & TECH


Top-Level-Domains zu haben -- offenbar relativ günstig
Das kanadische Unternehmen Uniregistry versteigert 23 generische Top-Level-Domains (gTLD). Einige sind ohne Zweifel teuer, zum Beispiel .game (Startgebot 2,8 Mio. US-Dollar) und .link (2,0 Mio. USD). Andere aber liegen deutlich darunter, zum Beispiel die für Online-Händler interessanten Domains .click (700.000 USD), .flowers (175.000 USD) und .blackfriday (125.000 USD -- alle Angebote hier). "Es empfiehlt sich, noch ein wenig zu warten, solltet ihr euch für einen der Namespaces interessieren", rät die Techseite T3N.de. "Noch in der vergangenen Woche hat Uniregistry die Startgebote für ihre gTLD teils deutlich nach unten korrigiert." T3N.de weist auch auf die hohen laufenden Kosten für den Betrieb von Top-Level-Domains hin.

Bösartige Retail-Bots: Wie Händler sich vor "Scalping" schützen
Bei Nintendo Switch und Playstation 5 waren die Lager vieler Händler im vergangenen Herbst leergekauft, während die Geräte bei Ebay mit hohem Preisaufschlag angeboten wurden. Hinter solchen "Scalping"-Attacken stecken oft Reseller, die mithilfe von Bots Händlerbestände begehrter Artikel systematisch aufkaufen. Etailment-Gastautor Dennis Haake erklärt, wie Händler das Problem entschärfen und Bots von echten Kunden unterscheiden.

Grundkurs Banküberweisungen
Trotz Paypal und Apple Pay wird in Deutschland noch viel Geld klassisch überwiesen. Die "Wirtschaftswoche" gibt einen Überblick über Verfahren, Dauern und Feinheiten -- eher ein Grundkurs, aber mit einer Übersicht der "Annahmefristen für Überweisungen beim Online-Banking" für 13 große Banken. Die variieren ordentlich: von 12:00 Uhr (Sparda Bank) bis 20:15 Uhr (Targo Bank).

Onliner sollten offen mit der Pandemie umgehen
Es geht um Reiseportale -- aber die Aussage gilt allgemein: Wer mit seinen Produkten von der Covid-19-Pandemie betroffen ist (wie eben die Touristik), sollte auf seiner E-Commerce-Website klar und offen damit umgehen. Das Branchenblatt "FVW" zitiert Sascha Welters, Geschäftsführer der Digitalagentur Wayne Parker Kent. Er hat sich Reiseportale angeschaut und sagt: "Die Kommunikation der meisten Anbieter ist surreal und unglaubwürdig." Statt Informationen zu Covid-19 sei von "Super-Sonder-Spar-Angeboten" die Rede. Wer damit den Eindruck baldiger Normalität erwecken wolle, verkenne die Realität. "Und das merken sich die Menschen." Entscheidend sei Hilfe, keine Werbung. Das trage zur Nähe und damit zur Markenloyalität bei.


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