In diesem Jahr schließen die ersten Auszubildenden als Kaufleute für E-Commerce ihre Lehre ab. Es sind schwierige aber auch spannende Zeiten für den Berufseinstig in den Onlinehandel. Das zeigen die News vom Wochenende: Ärger könnte dem E-Commerce wegen der Rücknahme von Elektroschrott ins Haus stehen, dafür gibt es neue Ansätze für die Zweitverwertung von Batteriespeichern über ein Web-Portal. Innovative Ideen, vorsichtige Wachstumsnachrichten und neue Firmenpleiten zeigen: Der einschneidende Wandel im Handel mit Hochgeschwindigkeit in den Zeiten von Corona geht weiter.

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Ausbildung für den Onlinehandel
Welche Rolle spielt eigentlich die klassische duale Ausbildung im Onlinehandel? Der Weserkurier aus Bremer berichtet darüber in einer Geschichte über die dreijährige Ausbildung zu Kaufleuten im E-Commerce. Seit 2018 gibt es den Ausbildungsberuf. Zur Erinnerung: Den Impuls lieferte der Bundesverband für E-Commerce und Versandhandel schon 2012, seit 2015 lief die Entwicklung des Ausbildungskonzeptes zusammen mit weiteren Verbänden aus Einzel-, Groß- und Außenhandel sowie Tourismus.

Problem Elektroschrott?
Soll der Onlinehandel ein flächendeckendes Netz von Sammelstellen für die kostenlose Rücknahme alter Elektrogeräte bei Lieferung eines Neugerätes einrichten? Das jedenfalls fordert die Deutsche Umwelthilfe, schreibt iBusiness. Der Verband rechne vor, dass im vergangenen Jahr in Deutschland der E-Commerce ein Drittel des Umsatzes im Marktsegment Elektronik gemacht habe. Die Menge der Rücknahme von Altgeräten durch die Onlinehändler sei dagegen beim Neuverkauf "verschwindend gering". Das sei schlecht für die Umwelt und benachteilige den stationären Handel mit seinem Netz für die Rücknahme. Deshalb werde Umweltministerin Svenja Schulze aufgefordert, beispielsweise flächendecke stationäre Rückgabemöglichkeiten einzurichten, an denen sich der E-Commerce beteiligen soll.

Unter Strom
Wie man das Thema Recycling von Elektrotechnik ganz positiv angehen kann, hat jetzt die Gründerszene in einem Bericht über das Aachener Start-up Voltfang gezeigt: Das junge Unternehmen will gebrauchte Batterien aus Elektroautos als lokale Stromspeicher vermarkten, um Energie aus Photovoltaik zu speichern. Der Test läuft noch bis kommenden Januar, Mitte 2021 soll das Geschäft durchstarten. Künftig sollen Nutzer dann online einen solchen Speicher samt der technischen Integration in die hauseigene Elektro-Infrastruktur durch einen Dienstleister bestellen können.

Konferenz für den Wandel
E-Commerce ist in der Corona-Zeit enorm gewachsen. Das freut die Branche, stellt sie aber auch vor Herausforderungen: Wie können Lieferzeiten eingehalten werden? Wie werden Retouren effizient gemanagt? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich das Forum "Zwischen Kaufrekord und Retourenmanagement – E-Commerce-Logistik im Wandel" für Führungskräfte der Branche am 27. und 28. Oktober in Berlin. Zu den Themen gehören unter anderem nachhaltige City-Güterlogistik, Digitalisierung für den lokalen Handel und die Versandkommunikation.


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Nur ein Viertelstündchen
Nein, hier geht es nicht darum, morgens ein bisschen länger schlafen zu dürfen. Vielmehr hat sich Delivery Hero die 15-Minuten-Frist für sein Konzept "Q-Commerce" (ein Kunstwort aus Quick und E-Commerce für schnellen Onlinehandel) vorgenommen. Das neue Angebot soll blitzschnelle Lieferungen auch von Einkäufen bieten, die von den Kurieren des Essens-Bringdienstes ausgeliefert werden. Geplant ist ein Sortiment von Supermarktartikeln bis Medikamenten. Ermöglichen sollen das kleine, über die ganze Stadt verteile Warenlager. Im Mittleren Osten sind die ersten solche Mikrodepots bereits am Start, berichtet Business Insider. Aber auch Drittanbieter wie lokale Einzelhändler und Kioske sollen in das Netz eingebunden werden.

Fragilität im Podcast
Wie anfällig ist der globalisierte Onlinehandel für Risiken? Mit dem Thema beschäftigen sich Jochen Krisch und Marcel Weiß von Exciting Commerce in der neuen Ausgabe des "Exchanges"-Podcast. Die Ausgabe #259 trägt den Titel "Wie (anti)fragil ist der Onlinehandel". Eine Erkenntnis aus den Entwicklungen der vergangenen Monate: Wichtig sind vielfältige Lieferanten- und Logistikstrukturen. 

Buy British
Der Einzelhandel im Vereinigten Königreich erholt sich vom Schock der Corona-Einschränkungen, schreibt FashionUnited: Im Juni lagen die Umsätze 13,9 Prozent höher als im Mai, wird das britische Statistikamt zitiert – das war mehr, als Experten prognostiziert hatten. Besonders profitierten Lebensmittelhandel und E-Commerce von der Entwicklung.

Schwarze Liste
Die Liste der großen Einzelhandelsunternehmen in den USA, die während der Coronakrise Insolvenz angemeldet haben, wächst weiter. CNBC berichtet von mittlerweile rund 40 Firmenpleiten, die eine Marktstudie von S&P aufführt. Allerdings seien insbesondere solche Unternehmen betroffen, die bereits vor dem Ausbruch der Pandemie wirtschaftliche Probleme gehabt hätten.

Keine Durchsetzung der Maskenpflicht
Corona treibt die großen US-Handelsketten noch in einer anderen Weise um: CNN berichtet, dass unter anderem Walmart, Home Depot, Lowe's, Walgreens und CVS die in der vergangenen Woche erlassene Maskenpflicht nicht durchsetzen wollen. Grund dafür ist, dass die Unternehmen Auseinandersetzungen zwischen ihren Mitarbeitern und den Kunden vermeiden wollen.

Favorit der Leser
Wie real wird das Plattformgeschäft für Kaufland? Darüber schrieb am 23. Juli 2020 etailment-Experte Marcel Brindöpke, Geschäftsführer des Plattform-Providers heyconnect. Im Beitrag geht es um die Übernahme des Shops und Marktplatzes real.de durch die Schwarz-Gruppe. Klar: damit werden wichtige Karten im deutschen Marktplatz-Business neu gemischt.