Am Montag beginnt der Winterschlussverkauf, den es auch nach der offiziellen Abschaffung 2004 noch gibt. Und es wird ein schmaler WSV, erwartet der Handelsverband Deutschland: Die aktuellen Restbestände seien in vielen Mode- und Schuhgeschäften derzeit eher gering, denn der Handel habe vorsichtig eingekauft und wegen der Lieferketten-Probleme auch nicht alles bekommen. Ganz abgesehen davon, dass WSV und SSV in Zeiten von Black Friday und Singles Day ein bisschen aus der Zeit gefallen wirken.

///// HANDEL NATIONAL
BEVH I: E-Commerce mit Waren wuchs 2021 um 16 Prozent
Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) hat gestern ein leuchtendes Bild der Branche gemalt: Rund 99 Mrd. Euro habe der E-Commerce in Deutschland 2021 netto mit Waren umgesetzt, 19 Prozent mehr als 2020. Das entspreche einem Siebtel der Haushaltsausgaben. Fazit: "Der E-Commerce ist zur neuen Normalität für Kunden und Händler geworden." Fünf Trends hebt der Verband hervor: 1) Marktplätze wuchsen fast 20 Prozent, also stärker als der Markt, hierüber flossen erstmals mehr als die Hälfte der Umsätze (51 Prozent). 2) 40 Prozent des Umsatzes kamen über mobile Endgeräte herein, ein Plus von 42 Prozent. 3) Die stärkste Online-Käufergruppe sind Leute ab 50 Jahren (49,8 Prozent). 4) Der Durchschnittsbon stieg um fast 20 Prozent auf 144 Euro. 5) Die Bestellfrequenz stieg auch: 41 Prozent haben "in den vergangenen sieben Tagen" online bestellt (2019: 33 Prozent). Basis: Befragung von 40.000 Deutschen über das ganze Jahr 2021 hinweg.

BEVH II: Klare Wünsche an die Politik
Im Rahmen seiner Jahres-Pressekonferenz hat der Verband gestern auch Wünsche an die Politik gerichtet. So könnte die geplante Vertikal-Gruppenfreistellungs-Verordnung online und offline unterschiedliche Preise bringen – das widerspreche dem Prinzip des nahtlosen Einkaufs. Im Digital Markets Act sieht der BEVH zu kittende Brüche, etwa zwischen den Pflichten zur Anonymisierung und zur Volljährigkeits-Prüfung. Und der Digital Services Act werfe Marktplätze in einen Topf mit Suchmaschinen und Social Media: "Es muss aber unterschieden werden zwischen dem bloßen Besuch von Seiten und tatsächlichen Verträgen."

DM startet Lastenrad-Lieferung in Berlin, München und Wien
Die Drogeriemarkt-Kette DM dehnt ihre "Express-Lieferung" von Karlsruhe nach Berlin (Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Mitte), München (erweitertes Stadtzentrum) und Wien aus. Endgültig ist das wohl nicht, DM spricht von einer "Erweiterung des Tests". Er sei "wichtig für die Entwicklung und Ausweitung der Verzahnung von online und stationärem Einkaufen bei DM". Die Bestellung läuft über DM.de oder die eigene App, die "Express-Lieferung" per Lastenrad kostet drei bis 7,95 Euro. Voraussetzung ist, dass die gewünschten Waren in den angeschlossenen Filialen verfügbar sind. Das Ganze ist eine Zusammenarbeit mit Pickshare.

Brand Finance lobt Edeka, Lidl, Delivery Hero und Zalando
Der Report „Global 500“ der Unternehmensberatung Brand Finance nimmt für sich in Anspruch, jährlich die 500 wertvollsten Marken der Welt zu ermitteln. Mercedes-Benz ist die wertvollste deutsche Marke 2022, gefolgt von der Deutschen Telekom, aber besonders der Einzelhandel kommt gut weg: Edeka und Lidl verzeichneten das größte Wachstum im Markenwert aller deutschen Marken, Delivery Hero und Zalando seien seit 2020 am stärksten gewachsen, nämlich um 303 und um 115 Prozent. „Die international agierenden deutschen Einzelhändler zeigten hohe Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und Marktdynamik", so Brand Finance. "Das zahlt sich auch in der Entwicklung der Marken aus."

Start-up Ink Links: Mit Tinte und Füller die Kundenbindung steigern
Botschaften in Handschrift werden von mehr Kunden gelesen als gedruckte, sagt Ink-Links-Gründer Maximilian Krist. Das Start-up stellt automatisiert handschriftliche Paketbeileger mit Füller und Tinte her. Mit ihnen können Versandhändler Kunden persönliche und wertschätzende Botschaften übermitteln – und so eine Brücke von der Online- in die Offline-Welt schlagen. Im Etailment-Interview erläutert der Gründer das Geschäftsmodell.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Getir will in Großbritannien 100 Mio. Pfund investieren
Nach Angaben von Sky.com will der türkische Schnell-Lieferdienst Getir in Großbritannien 100 Mio. Pfund investieren. Unter anderem sollen bis Ende des Jahres 6.000 Fahrer, Kommissionierer und Mitarbeiter für Dark Stores eingestellt werden – bisher beschäftigt Getir 4.000 Leute auf der Insel. Der Lieferer ist dem Bericht zufolge seit etwa einem Jahr in Großbritannien unterwegs und liefert in rund 20 Städten. Ende November übernahm Getir den britischen Wettbewerber Weezy (das "Morning Briefing" berichtete).

Spanien: Lieferdienst Paack erhält 200 Mio. Euro
Der spanische E-Commerce-Logistiker Paack, der von Dubai aus operiert, erhält aus einer Serie-D-Runde 200 Mio. Euro an Kapital. Wie Tech.eu schreibt, ist das Geld für die Einführung neuer Technik, die Expansion in ganz Kontinentaleuropa und eine Nachhaltigkeits-Strategie eingeplant. Paack arbeite bereits in Spanien, Portugal, Frankreich und Großbritannien.

Alle gegen Amazon – in jeweils einem Satz
  • Um ein Verfahren zum früheren Drittanbieter-Programm "Sold by Amazon" beizulegen, das illegale Preisabsprachen umfasst haben soll, zahle Amazon 2,25 Mio. US-Dollar im Rahmen eines Abkommens ("consent decree") mit dem Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaates Washington – ausdrücklich ohne Eingeständnis eines Fehlverhaltens, berichtet Geekwire.com.
  • Eine US-amerikanische Teilnehmerin des Programms "Delivery Service Partner", die einen Lieferservice für Amazon-Pakete gegründet habe, verklage Amazon Logistics mit dem Vorwurf, das Unternehmen habe sie über mögliche Profite in die Irre geführt, schreibt Protocol.com.
  • Fastcompany.com zufolge hat Amazon Ende 2021 ein Programm eingestellt, in dessen Rahmen Angestellte sich in den sozialen Medien lobend über das Unternehmen äußern sollten, das aber "fast von Anfang an nach hinten losging und den Spott der Presse auf sich zog".

///// TRENDS & TECH

Fashion Cloud schlägt E-Commerce-Datenstandard vor
Fashion Cloud, Betreiber einer B-to-B-Plattform für Modehersteller und -händler, schlägt einen Datenstandard vor, mit dem Lieferanten die E-Commerce-Produktdaten bereitstellen, die Händler brauchen. Denn: "Die Datenqualität der Lieferanten variiert stark und ist in vielen Fällen optimierungsbedürftig." Der Standard besteht aus Pflicht- und optionalen Attributen zur Beschreibung der Ware. Er sei mit der Unterstützung von BTE und EK/Euretco entwickelt worden. Über Fashion Cloud laden nach eigenen Angaben 17.000 Händler Produktdaten herunter.

Remira und Roqqio fusionieren
Im vergangenen Jahr hat Remira aus Dortmund, Softwarehaus für Lieferketten, unter anderem Kyklos aus Italien und Outperform aus Südafrika übernommen (das "Morning Briefing" berichtete), jetzt meldet das Unternehmen den Zusammenschluss mit Roqqio, einem Anbieter von Omnichannel-Software. Auch die Produkte und Lösungen werden fusioniert, nämlich "Supply Chain Solutions" und "Omnichannel Commerce" zu "Unified Commerce". Gemeinsam zähle man 8.000 Kunden, rund 500 Mitarbeiter und einen kumulierten Jahresumsatz von 50 Mio. Euro.

Online-Shops müssen Anrede für drittes Geschlecht anbieten
Online-Shops, die lediglich die Anreden "Frau" und "Herr" anbieten, verstoßen gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und können nicht-binäre Menschen in ihrem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzen. Das hat das Oberlandesgericht Karlsruhe rechtskräftig entschieden (14. Dezember 2021, Aktenzeichen 24 U 19/21) – schränkt aber ein: "Ein Anspruch auf Entschädigung eines deswegen geltend gemachten immateriellen Schadens besteht jedoch nicht, weil die festgestellte Diskriminierung im konkreten Fall nicht die dafür erforderliche Intensität erreichte."

Favorit der Leser: Kunst und Kursgewinne im Metaverse
Nicht Nuggets, sondern NFTs sind die Währung der neuen virtuellen Welt. Der jüngste Schrei kommt von Adidas und Prada: 3.000 User werden mit ihren Fotos Teil eines solchen, „Non-Fungible Token“ genannten digitalen Objekts. Eine zumindest kleine Chance auf Teilnahme hat, wer sich bis zum heutigen Dienstag, 25. Januar, um 14:00 Uhr auf der Warteliste einschreibt. Warum Adidas und Prada vorpreschen und was Händler und Hersteller über die neue Form des Customer Journey wissen müssen, erläutert Gastautor Bernhard Haas, Geschäftsführer der Agentur Bitfuel.