Was den Deutschen ihr Bier ist den Amerikanern am Wahlabend der Whisky gegen den Frust. Online-Bestelldienste für Pizza, Gras und Alkohol hatten in der Hauptstadt in den vergangenen Nächten Hochkonjunktur. 

Tristesse macht sich auch in immer mehr deutschen Innenstädten breit. Die Grünen wollen gegensteuern, der BEVH will mitreden. Und dann ist da noch die Bundesjustizministerin...


///// HANDEL NATIONAL
BEVH will mitreden und unterstützen
Heute soll im Bundestag darüber debattiert werden, wie Deutschland seine Innenstädte vor der Verödung schützt und fit für die Zukunft macht. Ein neunseitiger Antrag liegt von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor. Sie fordern unter anderem mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Kommunen und einen Innenstadt-Krisen-Gipfel. Unterstützung bekommen sie dabei von BEVH-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer, der jedoch die im Antrag favorisierten Kauf-vor-Ort-Gutscheine scharf kritisiert. "Der Online-Handel ist nicht der Grund für die Krise der Innenstädte", betont Wenk-Fischer in einer Pressemitteilung.  

Verbraucherschutz auf Online-Marktplätzen und beim Kauf von Software und Apps soll verbessert werden
Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz macht sich an die Umsetzung der EU-Richtlinie über Digitale Inhalte und Dienstleistungen. Sie sieht vor, die Verbraucherrechte bei Gewährleistungen von digitalen Inhalten (wie Apps, Spiele, E-Books etc.) und digitale Dienstleistungen (wie soziale Netzwerke und Cloudanwendungen u.v.m.) zu stärken. "Wenn Verbraucher und Verbraucherinnen Software und Apps kaufen, ist es nicht hinnehmbar, wenn sie diese nicht über einen längeren Zeitraum nutzen können", so Bundesministerin Lambrecht. Unter anderem solle Anbietern eine Update-Pflicht auferlegt werden. Für Online-Marktplätze wie Ebay und Amazon sollen vor allem die Hinweispflichten ausgeweitet werden. Der Gesetzentwurf wurde gestern an Länder und Verbände verschickt, die bis zum 30. November 2020 Stellung nehmen können. 

AMAZON-AIR: Luftfrachtzentrum in Leipzig eröffnet
70 Flugzeuge umfasst die Frachtflotte von Amazon bereits, in Leipzig kommen nun zwei dazu. Im nagelneuen Luftfrachtzentrum am Flughafen Leipzig/Halle werden täglich zwei Flüge abgefertigt. 200 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer begrüßt das Engagement des Online-Riesen am Wirtschaftsstandort. Einen Flieger mit dem Logo Amazon-Air sieht man am Flughafen Leipzig dennoch nicht. Die zwei geleasten Frachtmaschinen tragen das Logo von "Prime Air".  


///// HANDEL INTERNATIONAL

Alibaba erholt sich von Corona und meldet starkes 3. Quartal
Die Alibaba Group Holding Ltd. ist weiterhin auf Erfolgskurs: Der Umsatz aus dem E-Commerce-Kerngeschäft stieg im 3. Quartal um 29% auf 22,83 Milliarden US-Dollar. Man konzentriere sich weiterhin auf die drei Wachstumsmotoren Inlandsverbrauch, Cloud Computing und Datenintelligence sowie Globalisierung, erklärte CEO Daniel Zang. Die Alibaba-Aktie, die an der New Yorker Börse gehandelt wird, fiel dennoch nach Bekanntgabe des Quartalsergebnisses um vier Prozent.  

Pizza, Alkohol und Gras gegen den Frust der Wahlnächte 
Der Verkauf von Pizza, Alkohol und "Gras" stieg in den vergangenen beiden US-Wahlnächten sprunghaft an, berichtet der Business-Insider. Laut dem On-Demand-Alkohol-Lieferdienst Drizly kauften vor allem Menschen mehr Wein und Spirituosen, die in von der demokratischen Partei geführten Bundesstaaten (75%), in der Hauptstadt Washington (133%) und in New York (110%) wohnen. In Kalifornien wurden 17% mehr "Gras" über den Cannabis-Anbieter Eaze bestellt.

///// TRENDS & TECH

Wie ein französisches Start-up den Großhandel neu erfinden will
Seit Beginn der Corona-Krise suchen noch mehr stationäre Händler ihr Heil im Internet. Doch Digitalisierung ist mehr als nur einen Onlineshop als zweites Standbein aufzumachen. Das Start-up Ankorstore digitalisiert den Einkauf mit seinem B2B-Marktplatz und will Händlern so zu mehr Flexibilität bei Einkauf und Finanzierung verhelfen. 

E-Retailer-Jahrbuch 2021
Bleibt der Heimtiermarkt im E-Commerce ein Nischengeschäft? Was bremst den E-Commerce in der Schmuckbranche aus? Und wie verändert sich der Elektronik-Handel, wenn Computerläden und Märkte sterben? Das von Hightext-Verlag und BEVK herausgegebene E-Retailer-Jahrbuch 2021 gibt Antworten auf diese Fragen in seinen Prognosen 2025 und verspricht eine umfassende Bestandsaufnahme des deutschsprachigen E-Commerce auf insgesamt 100 Seiten. Das Jahrbuch steht kostenfrei zum Download zur Verfügung.

Favorit der Leser
Welche öffentlichen Programme und Brancheninitiativen sind geeignet, damit stationäre Händler in deutschen Innenstädten digital sichtbarer werden? Etailment zeigt diese auf und nennt konkrete Beispiele aus NRW und Bremen. Ferner weisen die Autoren auf den nächsten Termin hin: Am 1. Dezember 2020 wird die Registrierung für das Förderprogramm "Digital Jetzt" wieder geöffnet und ist dann fortwährend offen. Die monatlich verfügbaren Kontingente werden ab Januar 2021 auf Basis eines Zufallsverfahrens verlost.