Der gestrige Tag hat bei der deutschen Wirtschaft wieder einmal für gemischte Gemütszustände gesorgt. Das Statistische Bundesamt meldete einen stärkeren Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal 2021 als in der Prognose Ende April erwartet, wenn der Unterschied zur damaligen Prognose auch nur gering ist. Auf der anderen Seite kamen gute Nachrichten aus München, denn das (vor der Veröffentlichung der Zahlen der Statistiker) erstellte Geschäftsklima des Ifo zeigt eine deutliche Aufhellung an. Die befragten Unternehmen schauen zuversichtlich in die Zukunft, auch durch die angekündigten Lockerungen und die wachsende Zahl der Impfungen hat der Optimismus in allen Branchen Fuß gefasst. Bleibt nur abzuwarten, ob dieser Optimismus zu einem weiteren Schub führt oder ob er durch die Werte des Statistischen Bundesamts doch wieder gebremst wird.

///// HANDEL NATIONAL
BGH entscheidet über Werbung mit Testsiegeln
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden, dass für die Verbraucher bei der Werbung mit einem Testsiegel zu sehen sein muss, wo die Testergebnisse nachgelesen werden können. Das Urteil hat eine Klage des Verbands Sozialer Wettbewerb gegen die Baumarkt-Kette Obi zur Grundlage. In diesem Fall war auf einem Werbeprospekt neben anderen Produkten ein Eimer Farbe mit einem "Testsieger"-Siegel der Stiftung Warentest zu sehen. Nach Entscheidung des Gerichts reicht auch ein solch kleiner Hinweis aus. Nicht die Intensität oder Größe der Bewerbung seien für das Interesse der Verbraucher maßgeblich, eine Werbung "für eine informierte geschäftliche Entscheidung prüfen und insbesondere in den Gesamtzusammenhang des Tests einordnen zu können". Entscheidend sei, dass das Testergebnis in der Werbung erkennbar sei. Für eine zulässige Werbung mit einem Testsiegel sei es erforderlich, dass eine Fundstelle des Tests, die leicht zugänglich sei und die eine eindeutige Zuordnung zu einem bestimmten Test erlaube, deutlich erkennbar angegeben werde. Der Inhalt des Tests und alle weiteren Daten müssten zu erkennen sein. 

Mytheresa präsentiert die Kollektion mit Augmented Reality
Mytheresa wird bei der Präsentation der neuen "Christian Louboutin Rainbow Summer Capsule Collection" einen neuen Weg gehen und die Modestücke unter Einsatz von Augmented Reality vorstellen. Die Kunden erhalten vom 26. Mai an dafür eine Nachricht mit einem QR-Code und nach dem Scannen können sie die Kollektion, von der einige Stücke in Regenbogenfarben gestaltet sind, mit Hilfe von Augmented Reality kennenlernen. Die Technologie bietet den Kunden dann beim Online-Shopping die Möglichkeit der Interaktion und der Farbgestaltung, verspricht der Anbieter für Luxusmodeprodukte. Sie erhalten so auch einen direkten Zugang zum Shop und können sich auf den sozialen Medien mit anderen Kunden austauschen.

Ifo-Geschäftsklima deutlich verbessert
Der Geschäftsklimaindex des Ifo hat sich im Mai kräftig nach oben bewegt. Nach einem Wert von 96,6 Punkten im April ist der Index im Mai auf 99,2 Punkte angestiegen. Damit ist der höchste Wert seit Mai 2019 erreicht, melden die Konjunkturforscher aus München. "Die deutsche Wirtschaft nimmt Fahrt auf", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die rund 9.000 Unternehmen aus verarbeitendem Gewerbe, dem Dienstleistungssektor, Handel und Bauhauptgewerbe, die die Geschäftslage monatlich beurteilen, schauen optimistischer in Zukunft. Eine wesentlich bessere Einstufung der Lage gibt es mit einem Wert von 8,4 im Handel. Dies ist der erste positive Wert seit vier Monaten, im Januar lag er bei -17,1. Der Großhandel profitiert von der guten Industriekonjunktur, der Einzelhandel dagegen hofft auf weitere Lockerungen.


///// HANDEL INTERNATIONAL

DHL Express startet neue Fracht-Airline
DHL Express will den europäischen Frachttransport neu aufstellen, er soll in der Zukunft von einer neuen Airline durchgeführt werden, meldet Internet World. Der Sitz sei in Österreich geplant, Gründung und Aufnahme des Flugbetriebs seien für dieses Jahr vorgesehen. Der interkontinentale Frachtverkehr mit einer erhöhten Flugfrequenz liege in der Zukunft bei DHL Air UK, die Fluggesellschaft solle dafür mit weiteren Boeing 767 und neuen Boeing 777F ausgebaut werden. Als Grund für diese Umstrukturierung und Vergrößerung gebe das Logistikunternehmen die gewachsene Nachfrage nach internationalen Expresssendungen an.

Online-Möbelhändler Made.com plant Börsengang
Die Börse in London soll die neue finanzielle Heimat für den Online-Möbelhändler Made.com werden. Geplant ist für den Start auf dem Börsenparkett nach einem Bericht der Wirtschaftswoche der Verkauf von Aktien im Wert von 115 Millionen Euro. Dies würde rund einem Viertel des Unternehmenswerts entsprechen. Made.com habe wie andere Anbieter im Möbelsektor in den vergangenen Wochen und Monaten kräftig zugelegt, im ersten Quartal 2021 habe der Bruttoumsatz ein Volumen von rund 109 Millionen Britischen Pfund erreicht, was ein Plus von 63 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2020 bedeute. Den Zielwert für den jährlichen Umsatz habe das 2010 gegründete Unternehmen für 2025 auf 1,2 Milliarden Britische Pfund festgesetzt.

Manor wird zum Online-Marktplatz
Die Schweizer Manor AG geht einen weiteren Schritt im virtuellen Handel und baut die eigene Plattform zu einem Online-Marktplatz aus. In einem Bericht der Textilwirtschaft heißt es, dass die Warenhauskette damit online eine Verdoppelung des Produktangebots erreichen wolle. Die neue Plattform richte sich an "ausgewählte Schweizer und europäische Partner" und werde schrittweise aufgebaut. In der ersten Phase, in der zwölf Partner integriert würden, stünden die Produktsegmente Fashion sowie Home & Living im Fokus. Gespräche mit 60 Partnern liefen bereits, bis Jahresende sollten 100 Anbieter angeschlossen werden. Auf dem Weg zu einem Omni-Channel- Kaufhaus solle der Anteil des Online-Verkaufs in den nächsten fünf Jahren deutlich gesteigert werden.

Temperley London kooperiert mit E-Global
Der Anbieter für Luxus-Damenbekleidung Temperley London hat eine Partnerschaft mit E-Global abgeschlossen. Durch die Zusammenarbeit mit der E-Commerce-Plattform will Temperley London den Ausbau des Online-Handels forcieren, meldet Fashion United. Da es keine klare Perspektive für den traditionellen Offline-Handel gebe, habe sich Temperley London zu dieser Investition und dem Verstärken des Online-Verkaufs entschieden, wird CEO Luca Donnini zitiert. Die Kooperation sei mit ihrem sofortigen Start Bestandteil einer umfassenden Strategie, durch die ein Modell für den Direktverkauf aufgebaut werden und den Kunden weltweit eine lokale Shoppingmöglichkeit angeboten werden solle. Nun sei es möglich, in neue Märkte einzutreten, so dass die Kunden in ihrer jeweiligen Währung bezahlen könnten. Ziel sei für Temperley London eine Verdopplung der Umsätze.  



///// TRENDS & TECH

Schwache Werte für Deutschland beim Einsatz digitaler Instrumente
Wieder einmal zeigt eine Studie, dass Deutschland im europäischen Vergleich beim Blick auf die Nutzung der digitalen Angebote am Schluss des Feldes liegt. Die Forscher von McKinsey haben die Entwicklung im Zuge der Pandemie im Rahmen einer Befragung im April untersucht, heißt es bei Channel Partner. Der europäische Durchschnitt für das Online-Einkaufen, den virtuellen Gang auf eine Behörde oder die Nutzung anderer Dienstleistungen habe bei 80 Prozent gelegen, in Deutschland sei er mit 65 Prozent deutlich niedriger. Rund 20 Prozent der Befragten wären zum ersten Mal online tätig geworden, die Hälfte hätten Corona als Grund für diesen Schritt angegeben. Die Analysten von McKinsey erwarteten aber eine Rückkehr in die Geschäfte, denn die Verbraucher wünschten sich den direkten Kontakt mit den Verkäufern. Gründe für die ausbaufähigen Werte beim Einsatz der digitalen Instrumente bildeten unter anderem bessere Benutzeroberflächen in anderen Ländern oder auch schlechter Kundenservice hierzulande. 

Alkohol erobert den Online-Werbemarkt
Der Handel und die Werbung mit alkoholischen Getränken verlagert sich zusehends ins Internet. Dies ist das Ergebnis des aktuellen Reports "Zenith Business Intelligence - Alcohol: Beer + Spirits" der Agentur Zenith, über den Internet World berichtet. Insgesamt habe der Markt der Alkoholika ein schwaches Jahr zu verkraften, sowohl beim Konsum als auch bei Marketing und Werbung. Bei der Werbung habe das minus bei 11,6 Prozent gelegen. Nun gebe es aber eine Bewegung zum Online-Handel, die Kunden würden ihn zusehends in Anspruch nehmen, die Anbieter hätten Zugriff auf passende Vertriebsnetze. Der Trend hin zu einem Ausbau der Werbung im Internet werde sich auch nach dem Ende der Pandemie und der Öffnung von Kneipen und Restaurants fortsetzen, lautet eine Prognose bei Zenith. So werde zwischen 2019 und 2023 ein jährliches Wachstum der digitalen Werbeausgaben von 9,2 Prozent erwartet.