In den USA stand Amazon kurz vor seinem Prime Day wegen des Umgangs mit Partnerverkäufern in der Kritik. Ein Schelm, wer sich darüber wundert, dass der Konzern jetzt den Prime-Day-Erfolg seiner Partner besonders hervorhebt. Der Online-Schwung ist natürlich auch in Deutschland zu spüren: Logistiker Hermes erwartet für die Weihnachtszeit 20% mehr Pakete.

///// HANDEL NATIONAL
Breuninger verkauft Tiffany-Juwelen
Brillanten zum Blazer, Klunker zum Kleid: Modehändler Breuninger verkauft jetzt auch Juwelen, jedenfalls indirekt. Auf Breuninger.com hat ein Pop-up-Store des New Yorker Juweliers Tiffany eröffnet. Er umfasse rund 120 Schmuckstücke, unter anderem aus den Kollektionen Tiffany Victoria, Tiffany City HardWear und Return to Tiffany, die Preise beginnen bei 380 Euro, teilt Breuninger mit. Das Modehaus übernimmt Bestellung, Versand und Zahlungsabwicklung.

Hermes erwartet 20% mehr Weihnachtspakete
Logistiker Hermes Germany erwartet für das Weihnachtsgeschäft 2020 rund 120 Mio. Sendungen, das wären rund 20% mehr als im Vorjahr. "Wir gehen vom mengenstärksten Weihnachten aller Zeiten aus", sagt CEO Olaf Schabirosky. Für einzelne Wochen erwartet Hermes rund zwölf Mio. Pakete, an Spitzentagen bis zu 2,6 Mio. Das resultiere vor allem aus der deutlich steigenden Zahl der Online-Bestellungen. „In diesem Jahr braucht es aufgrund der erwarteten Rekordmengen einen besonders engen Schulterschluss mit unseren Auftraggeber*innen aus dem Handel", so Schabirosky. Er vermeldet gleichzeitig einen Peak-Zuschlag von 0,25 Euro für geschäftliche Aufträge in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2020.

Best IT bricht Lanze für Medizinprodukte-Webshops
Die E-Commerce-Agentur Best IT spricht sich dafür aus, den Handel mit Medizinprodukten viel stärker zu digitalisieren, zum Beispiel mit Webshops. Die Prozesse in der Branche seien "überholt und intransparent", wie die Covid-19-Pandemie gezeigt habe, so Geschäftsführer Manuel Strotmann: „Es wurde schnell klar, dass weder der Bestand an Masken noch Desinfektionsmitteln bei Unternehmen und Großhändlern sichtbar war. Damit konnte der akute Bedarf nur schleppend befriedigt werden." In seinem Beitrag auf Onlinemarktplatz.de skizziert er, wie die Digitalisierung aussehen könnte.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon 1: Lob für Partnerverkäufer
Amazon feiert den Prime Day 2020 als Erfolg vor allem der Partnerhändler: Sie hätten mit mehr als 3,5 Mrd. US-Dollar fast 60% mehr Umsatz erzielt als während des Prime Day 2019 und seien damit stärker gewachsen als Amazon selbst, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Besonders beliebt seien 2020 Bettwäsche, Wireless-Zubehör, Ernährung und Wellness, Kunst, Handwerk und Gesundheit gewesen. In Deutschland und Österreich gehörten eine Speicherkarte, Kaffeebohnen und eine Pfanne zu den meistgekauften Produkten. In den USA steht das Unternehmen derweil wegen seines Umgangs mit Partnern in der Kritik.

Amazon 2: Empfehlungen für den Brexit-Vollzug
Mit dem endgültigen Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt zum 1. Januar 2021 ändern sich auch die Regeln für Händler. Großbritannien ist dann nicht mehr Teil des Pan-Eu-FBA (Fulfilment by Amazon) und des EFN (European Fulfilment Network). Es wird keine FBA-Aufträge mehr zwischen UK und EU geben, genausowenig wie Lagerbestandstransfers mit paneuropäischem Versand, berichten die "Onlinehändler-News" aus einer Amazon-Facebook-Gruppe. Amazon empfehle unter anderem, Lagerbestände aufzuteilen und einen Zollagenten zu ernennen.

Walmart will sich an TikTok beteiligen

In den USA tobt die Diskussion um den Kauf oder das Verbot der Social-Media- und Video-Plattform TikTok. Der Lebensmittel-Riese Walmart hat klargemacht, einen Teil der Plattform kaufen zu wollen. Walmart sehe in TikTok eine Möglichkeit für Verbraucher, neue Waren zu entdecken. "Wenn Sie sich ein TikTok-Video ansehen und jemand ein Kleidungsstück oder einen Artikel trägt, den Sie mögen, was wäre, wenn Sie diesen Artikel einfach schnell kaufen könnten?", zitiert CNBC.com den Walmart-CEO Doug McMillon. "Das sehen wir bereits in Ländern auf der ganzen Welt. Es fasziniert uns, und wir möchten ein Teil davon sein." Walmart will einen Anteil von 7,5% kaufen.

///// TRENDS & TECH

Neue Analytics-Version von Google verspricht besseres Tracking
In einem langen Blogpost hat Google eine neue Version von "Google Analytics" angekündigt. Im Mittelpunkt stehe "eine kundenzentrierte anstelle einer nach Gerät oder Plattform fragmentierten Erhebung". So würden Profilmerkmale zusammengeführt, "beispielsweise von Webseiten generierte Nutzer-IDs und eindeutige Google-Signale von Nutzern, die sich für die Personalisierung von Anzeigen entschieden haben". Mit Methoden der Künstlichen Intelligenz sollen neue Prognosemetriken entstehen. Außerdem würden App- und Web-Interaktionen künftig gemeinsam erfasst.

Afrika steht vor massivem E-Commerce-Wachstum
Webretailer.com sieht auf den vielfältigen Märkten des afrikanischen Kontinents großes Potenzial für schnelles, starkes E-Commerce-Wachstum. Der Online-Einzelhandelsumsatz in Afrika werde auf rund 20 Mrd. US-Dollar pro Jahr geschätzt, was nur 3,5% des gesamten Einzelhandelsumsatzes entspreche. Damit liege der Online-Umsatz für ganz Afrika zwar auf einem ähnlichen Niveau wie der in Australien. Allerdings lebten in Afrika so viele Menschen wie in China (1,35 Mrd.), und die Bevölkerungszahl wachse schneller, so dass es mehr jüngere Menschen gebe. "Das bedeutet, dass Afrika alle Komponenten für eine schnelle Expansion sowohl in seiner Gesamtwirtschaft als auch im E-Commerce hat", bilanziert das Magazin. "Es wird einige Jahre dauern, bis der Kontinent China, die USA und Japan überholt, aber der afrikanische E-Commerce-Markt der Zukunft könnte der größte der Welt sein."

Markt für virtuelle Anproberäume soll sich verdoppeln
Der weltweite Markt für virtuelle Anproberäume wird von 3 Mio. US-Dollar im Jahr 2019 auf 6,5 Mio. US-Dollar im Jahr 2025 wachsen. Das prognostiziert Valuates Reports. Dahinter steht das Wachstum des E-Commerce. Neue Technologie soll zudem die Umtausch- und Retourenquoten senken.