Die Einschränkungen in den Lieferketten und Transportkapazitäten haben noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht. Die Aussichten werden düsterer, der Chef des Frachtunternehmens Ocean Network Express spricht schon von einer Dauer bis ins Frühjahr 2023. In den nächsten Wochen sind auch keine Besserungen zu erwarten, denn der Lieferdruck und die Nachfrage nach Produkten, aber auch nach uneingeschränkten Diensten, werden vor Weihnachten noch größer. Kein Wunder, dass der Geschäftsklimaindex des Ifo wieder gesunken ist. Und eine Besserung ist kaum zu erwarten. Alle kennen das Problem und wissen, was passieren muss, nur niemand kann eine solche Situation globalen Ausmaßes ändern. Um zu einer kurzfristigen Verbesserung der Situation zu kommen, müssen alle zusammenarbeiten und in allen Ländern muss schnell und ausreichend geimpft werden. Langfristig reicht aber auch das nicht aus.

///// HANDEL NATIONAL
Gebrauchte Kleidung als Kundenmagnet
Der Verkauf gebrauchter Mode wird immer wichtiger und weitere Unternehmen springen auf den Zug auf, um die Entwicklung nicht zu verpassen. Die nächsten beiden, die dazu kommen, sind Breuninger und Karstadt, schreibt das Handelsblatt. Breuninger biete die Second-Hand-Mode in einem neuen Pop-up-Store innerhalb des Hauptgeschäfts in Stuttgart. Für den Verkauf habe sich die Modekette den Second-Hand-Spezialisten Vite en Vogue an Bord geholt. Breuninger habe dies aber nicht als kurzes Intermezzo geplant, die integrierten Geschäfte mit dem Partner könnten in der Zukunft zu Dauereinrichtungen werden. Zum Angebot gehörten neben gebrauchter Kleidung auch Ware, die seit längerer Zeit ungenutzt im Schrank hänge. Zu den Kaufhäusern, die neben Zalando, About You und H&M, einsteigen wollten, gehöre auch Karstadt. Hier gebe es aber nicht nur Second-Hand-Mode, sondern auch andere gebrauchte Waren.

Zalando Lounge startet eine 360°-Marketingkampagne
Eine neue Kampagne von Zalando Lounge nimmt Fahrt auf. In Deutschland und sechs weiteren europäischen Ländern bietet der Shopping-Club seinen Mitgliedern im Rahmen der neu konzipierten 360°-Kampagne Verkaufsaktionen für ausgesuchte Modeprodukte. Die Online-Modeplattform hat die Aktion „Explore mode ON“ getauft, täglich gebe es ab sieben Uhr morgens neue Angebote, auch für aktuelle Mode. Ziel sei es, mit der neuen Kampagne weitere Kunden über die 2010 gestartete Lounge zu informieren und neue Mitglieder zu gewinnen, teilt das Unternehmen mit. Die Werbung erfolge in unterschiedlichen Medien und durch die Kooperation mit verschiedenen Influencern.

Der Geschäftsklimaindex des Ifo sinkt weiter
Die Lieferprobleme wirken sich wieder stärker auf die deutsche Wirtschaft aus. Den vierten Monat in Folge ging es mit dem Geschäftsklimaindex des Ifo nach unten, im Oktober lag der Wert bei 97,7 Punkten, einen Monat zuvor waren es noch 98,9 Punkte gewesen. Nach Einschätzung der Ökonomen sind die Schwierigkeiten in den weltweiten Lieferketten ein Grund für die zunehmende Skepsis, die Kapazitätsauslastung in der Industrie sinke. Stark getroffen sei der Handel, hier habe der Index einen kräftigen Schlag erhalten, die Zuversicht auf die nächsten Monate sei deutlich eingetrübt. Im September hatte der Wert nach einem Stillstand seit August bei 9,0 Punkten gelegen, nun ist der Stand auf 3,7 Punkte abgestürzt.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Mastercard will Cryptowährungen integrieren
In Kürze können Nutzer der Mastercard auch mit Kryptowährungen bezahlen, meldet CNBC. Die Integration der virtuellen Währungen in die Systeme und Produkte der Banken und Händler sei geplant. Dazu gehörten unter anderem Bitcoin Wallets oder Kundenprogramme von Hotels oder Fluggesellschaften, bei denen Punkte in Bitcoin getauscht werden könnten. Kooperationspartner für die Integration ist Bakkt, das bisherige Crypto-Unternehmen von Intercontinental Exchange. Bakkt werde im Hintergrund für die Kundendienste verantwortlich sein. Die Partner von Mastercard könnten ihren Kunden in Zukunft alle Möglichkeiten wie Bezahlung und Verkauf mit der Kryptowährung oder das Anlegen des virtuellen Geldes anbieten. In der Folge könnten auch Restaurants oder Händler die Punkte ihrer Kundenprogramme in Form von Bitcoins gutschreiben.

Paypal stellt Übernahme von Pinterest zurück
Der Übernahmeplan von Pinterest durch Paypal, über den in der vergangenen Woche spekuliert worden war, ist erst einmal zurückgestellt, heißt es nach Medienberichten. Dabei sei aber nicht klar, ob die knappe Mitteilung von Paypal auf einem deutlichen Anstieg des Aktienkurses von Pinterest nach den ersten Übernahmemeldungen beruhe. Das Interesse des Bezahldiensts könne auf dem Ausbau von Pinterest in Richtung Online-Handel begründet sein, wurde vermutet, Stellungnahmen des Unternehmens gebe es aber keine.

Einschränkung des Warenverkehrs bis 2023 möglich
Nach einem Hinweis von Jeremy Nixon, CEO des Frachtunternehmens Ocean Network Express, könnten die Lieferketten- und Transportprobleme noch bis 2023 andauern, berichtet Business Insider. Die Regierungen müssten eingreifen, um dies aufzuhalten und aktiv werden, um die Krise zu beenden. Notwendig seien Investitionen in Häfen, Bahnnetze und Züge, Logistikeinrichtungen und Straßen, damit die Kapazitäten wieder gesteigert werden könnten. Die Regierungen könnten es unter anderem ermöglichen, dass Arbeitnehmer aus Wirtschaftsbereichen mit derzeit niedrigerem Aufkommen vorübergehend in andere Wirtschaftszweige mit hoher Bedeutung für die weltweiten Lieferketten wechseln könnten. Die US-Regierung habe Anfang des Monats einen 24-Stunden-Betrieb der Häfen in Südkalifornien angekündigt, Auswirkungen habe es keine gehabt. Er erwarte dagegen dort im kommenden Jahr durch neue Tarifverhandlungen weitere Verzögerungen, die sich dann bis ins Frühjahr 2023 auswirken könnten.

///// TRENDS & TECH

E-Commerce erleichtert Verkauf gefälschter Produkte
Nach den Ergebnissen einer neuen Untersuchung des EU-Amtes für geistiges Eigentum (EUIPO) und der OECD fließt über den Online-Handel eine große Zahl gefälschter Produkte nach Europa. Grundlage der Studie sind Verkaufsdaten von 2017 bis 2019, untersucht wurden auch aber die Auswirkungen der Pandemie. Von den beim Import in die EU gefundenen gefälschten Waren stammen 56 Prozent aus dem E-Commerce, die überwiegende Mehrzahl von ihnen, 75 Prozent, wird in China produziert. Die am stärksten genutzten Kategorien für Produktfälschungen sind Kosmetika, Medikamente und Brillen. Der Online-Handel biete den Kunden auf der einen Seite durch ein größeres Angebot bessere Einkaufsmöglichkeiten, auf der anderen Seite könnten Fälscher die Produkte leichter verkaufen, lautet das Fazit. Während der Coronakrise hätten dann kriminelle Netzwerke die Krise schnell für sich genutzt.

Preise für Weihnachtsgeschenke steigen an
In den vergangenen Tagen nahm die Zahl der Hinweise und Warnungen vor höheren Preisen für Weihnachtsgeschenke zu. Als Grund für die Entwicklung werden die Lieferprobleme genannt und nun gehen zwei Monate vor Weihnachten die Preise langsam nach oben. Nach den neuesten Zahlen des Vergleichsportals Guenstiger.de, für die Preise zwischen dem 15. August und dem 15. Oktober untersucht wurden, sei diese Entwicklung bereits seit zwei Monaten zu beobachten, so seien die Preise für Spielwaren mittlerweile fünf Prozent höher als 2020. Den gleichen Anstieg gebe es auch bei Modeartikeln, Handys seien bislang zwei Prozent teurer. Geringere Preise gebe es derzeit noch für Fernseher, diese seien durchschnittlich acht Prozent günstiger als im Vorjahr. Auch Galaxus meldet für einige Produktkategorien Knappheiten, die dann in der Folge zu höheren Preisen führen. Einschränkungen der Verfügbarkeiten seien bei elektronischen Geräten, die auf Halbleiter angewiesen seien, festzustellen. Diese Situation könne sich noch über Monate hinziehen. Auch das Angebot für Sportschuhe könnte sich verringern.

///// NACHHALTIGKEIT

Knuspr steigt auf recycelte Taschen um
Knuspr lässt den Kunden die Wahl. Der Lebensmittellieferdienst bietet nun bei der Online-Bestellung die Auswahl zwischen wiederverwendbaren Taschen aus recycelten PET-Flaschen oder Papiertaschen. Die Kunden könnten die recycelten Taschen bei der nächsten Bestellung dem Lieferanten wieder mitgeben, heißt es von Unternehmensseite. Mit dieser Möglichkeit, den Abfall zu reduzieren, entspreche Knuspr den Wünschen der Kunden, die Einführung der Mehrwegtaschen sei für den Händler in Anbetracht der hohen Abfallmengen "ein logischer und sinnvoller nächster Schritt für den Klima- und Umweltschutz". Das Material für die Taschen bestehe aus recycelten PET-Flaschen, die Taschen würden nach jedem Einsatz gereinigt, es fällt ein einmaliges Pfand in Höhe von zehn Euro an. Der Service selbst bleibe aber kostenfrei.

Alibaba will nachhaltiger werden
Alibaba hält sich auch in diesem Jahr nicht zurück und startet das Shopping Festival 11.11. bereits an diesem Mittwoch, ein weiterer Aktionstag soll nächsten Monat noch vor dem eigentlichen Festival am 11. November folgen. Dabei will der chinesische Handelskonzern in diesem Jahr das Thema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellen und alle Beteiligten einbinden. Für die dieses Jahr erwarteten 900 Millionen Kunden will das Unternehmen die für jedes Jahr angepeilte Reduzierung des CO2-Ausstoß um 30 Prozent umsetzen. In China werde das Tochterunternehmen Cainiao rund 60.000 Packstationen mit Recyclingmöglichkeiten betreiben. Mit Hilfe eines selbst entwickelten Algorithmus sollen die Paketgrößen an die Produkte angepasst werden. Bislang sei es gelungen, den Verpackungsmüll um 15 Prozent zu senken. Parallel zu den Umweltmaßnahmen solle den sozial Schwächeren der Zugang erleichtert werden. Im Rahmen des Programms "Goods for Good" könnten Händler Anteile ihrer Einnahmen an soziale Einrichtungen spenden.