Der Druck auf die Lkw-Fahrer wächst. Die Verbraucher wollen ihre Bestellungen immer schneller, der Handel wünscht sich kurze Transportzeiten und die Lieferdienste versprechen den Kunden die Waren im Handumdrehen, so dass die Zeitfenster für die Trucker immer kleiner und der Druck immer stärker werden. Ein Ende oder eine Abschwächung ist nicht abzusehen, auch nicht, da es zu wenige Fahrer gibt und der Nachwuchs fehlt. Viele Lücken schließen osteuropäische Fahrer, die in mehrschichtigen Firmenkonstruktionen über Subunternehmen in Deutschland tätig sind. Einen Einblick darüber, wie sich ihr Leben gestaltet, wie es Tag für Tag abläuft und über ihre Arbeitsbedingungen vermittelt die Reportage im Wochenendjournal des Deutschlandfunk vom vergangenen Samstag.

///// HANDEL NATIONAL
Coolblue will die Milliardengrenze überschreiten
Coolblue hält sich mit dem Umsatzzielen nicht zurück. 2020 machte der Elektronikhändler aus den Niederlanden und Belgien den Schritt nach Deutschland, nun will die Unternehmensleitung bis 2025 hierzulande die Grenze von einer Milliarde Euro übertreffen. Dabei fährt Coolblue zweigleisig, nach der Eröffnung eines Geschäfts in Düsseldorf (das "Morning Briefing" berichtete) sollen weitere Filialen folgen, dazu kommt der Online-Handel mit Lieferdienst, auch per Rad. In den drei Ländern lag der Jahresumsatz 2021 bei 2,3 Milliarden Euro, ein Plus um 348 Millionen, schreibt die Lebensmittelzeitung. Das Ziel für 2022 sei das "beste Coolblue-Jahr allerZeiten". Ausgebaut werden sowohl der stationäre Handel als auch der Lieferdienst.

--- Anzeige ---
Sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket für die Retail Tech Konferenz am 18. März 2022 der Universität St. Gallen.
An der Retail Tech Konferenz der Universität St. Gallen werfen Handels- und Tech-Unternehmen wie Google, Facebook, Amazon Web Services, SAP, Microsoft, TikTok, Salesforce, IBM, Klarna, Douglas, On und Valora einen Blick in die digitale Zukunft des Handels. Sichern Sie sich jetzt die letzten Tickets für den 18. März 2022 und profitieren Sie von neuen Impulsen für den Handel.


Starker Anstieg der Postschlichtungsanträge
In Deutschland hat sich die Zahl der Postschlichtungsanträge laut dem Tätigkeitsbericht der Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Über das ganze Jahr gerechnet wurden 3.752 Anträge gestellt, 2020 lag die Zahl bei 1.861. In den ersten knapp zwei Monaten dieses Jahr habe sich dieser Trend fortgesetzt, heißt es von Seiten der Behörde. Die große Mehrheit der Anträge sei mit rund 80 Prozent auf die Paketbeförderung entfallen, 5,5 Prozent seien jeweils auf den Brief- und den Päckchenversand entfallen, fünf Prozent auf Einschreiben. Eine gütliche Einigung habe es in 1.325 Fällen gegeben. Insgesamt entfielen fast 81 Prozent der Anträge auf die Deutsche Post DHL, auf Hermes zehn Prozent, auf DPD knapp fünf Prozent, auf GLS knapp zwei Prozent und auf UPS knapp ein Prozent.


HDE fordert finanzielle Hilfe der Regierung
Der HDE begnügt sich nicht mit der Einstellung der 2G-Regel im Einzelhandel, der Verband fordert von der Regierung ein Investitionsprogramm für den Einzelhandel. Erforderlich seien gezielte Fördermaßnahmen für die Digitalisierung mit 100 Millionen Euro. Für die Entwicklung der Innenstädte fordert der Verband noch einmal 500 Millionen Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren und schließlich müsse es bessere Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung im Einzelhandel geben. Nach einem Bericht der Textilwirtschaft habe die Regierung bislang rund 78 Milliarden Euro Coronahilfen ausgezahlt, 31 Milliarden Euro seien als Überbrückungshilfen an alle Branchen geflossen. Rund 2,28 Milliarden Euro erhielten Unternehmen im Modehandel, rund 2,17 Milliarden davon stammten aus der Überbrückungshilfe III. Der höchste Betrag ging an den Damenmodehändler Orsay mit 33 Millionen Euro, dann folgen die Schuhmarktkette Ludwig Görtz mit 28 Millionen und der Modehändler Adler mit zehn Millionen Euro. Die Bundesregierung hatte erst Mitte Februar mitgeteilt, dass die Überbrückungshilfen bis Ende Juni verlängert werden.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Voilà erhält eine Kapitalspitze
Die Plattform Voilà, die soziale Medien mit Verkaufsfunktionen ausstattet, hat sich eine Kapitalspritze von sechs Millionen US-Dollar gesichert. Die in Peking und Los Angeles ansässige Plattform teilt mit dem Lieferdienst Voilà, der in der vergangenen Woche ebenfalls neue Investoren gefunden hatte, einzig den Namen (das Morning Briefing berichtete). Voilà unterstützt Unternehmen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz beim Aufbau von Verkaufsfunktionen auf sozialen Medien wie Instagram, Tiktok oder You Tube. Nach einem Bericht von Fashion United umfasse das Portfolio rund 16.000 Marken und Händler, die Besucherzahlen lägen in der Summe bei rund 3,2 Millionen pro Monat. Die neuen Finanzmittel seien für zusätzliche Mitarbeiter geplant, derzeit läge die Beschäftigtenzahl bei 40.

--- Anzeige ---
Zertifizierung "Omni-Channel-Manager"
An der Universität St.Gallen (Schweiz) startet am 23. Mai das vierte Omni-Channel-Management-Seminar. Absolventen werden zu zertifizierten (CAS) Omni-Channel-Managern. Zusammen mit Dozierenden (Universität St.Gallen, Universität Groningen, HEC Paris, Henley Business School) und namenhaften Praxisreferenten lernen Omni-Channel-Manager in sechs dreitätigen Modulen verteilt über zwölf Monate für Ihr Unternehmen die neusten Entwicklungen und Trends und profitieren von etablierten Tools zum Omni-Channel-Management in der Praxis. Profitieren Sie von diesem etablierten Praxisseminar und lösen Sie die Omni-Channel-Herausforderungen für Ihr Unternehmen.


Schlechte Aussichten für Amazons Lebensmittelhandel
Der Lebensmittelhandel von Amazon habe sich zu einem ausgedehnten Hobby entwickelt, die Zukunft sei aber nicht besonders vielversprechend. Eine solch düstere Prognose gibt CNBC ab, aufbauend auf einem Zitat von Jake Dollarhide, dem CEO des Amazon-Anteilseigners Longbow Asset Management. In den vergangenen 15 Jahren seien Milliarden US-Dollar dorthin geflossen, so CNBC, eine durchgehende Strategie gebe es aber nicht. Nach den Angaben von Numerator hätten Amazon und Whole Foods für 2021 bis Mitte Dezember einen Marktanteil von 2,4 Prozent erreicht, der Anteil von Walmart habe dagegen bei 18 Prozent gelegen. 2017 habe Amazon Whole Fods für 13,7 Milliarden US-Dollar übernommen, bis heute spielten beide nur eine Nebenrolle. Der Kurseinbruch seit Sommer 2021 könne nun dazu führen, dass Anteilseigner Geschäftszweige abgeben wollten.

Ali Express und We Chat auf der US-Liste der Produktfälscher
Die US-Regierung hat die beiden chinesischen Webseiten Ali Express und We Chat auf die Beobachtungsliste der Raubkopierer gesetzt. Damit solle die Öffentlichkeit auf Produktfälschungen und die Auswirkungen auf den Handel aufmerksam gemacht werden, meldet Business Inside. Die chinesischen Unternehmen Pinduoduo und Taobao verblieben auf der Liste. Ali Express ist eine Plattform des Online-Konzerns Alibaba, We Chat ein soziales Medium von Tencent. Beide begingen Markenpiraterie und klare Verletzungen des Copyrights, teile das US-Handelsministerium mit. Auch sei China einer der größten Märkte für Produktfälschungen und für Produkte, die in Zwangsarbeit hergestellt würden. Auf der Liste stehen insgesamt 42 Online-Plattformen sowie 35 physische Märkte.



///// TRENDS & TECH

Elektronik und Foto erzielen die höchsten Umsätze bei Amazon
Nach einer Untersuchung des Konsumgüterunternehmens Thrasio ist der Elektronik- und Fotohandel die lukrativste Branche auf dem Marktplatz von Amazon. Grundlage der Studie sind nach Angaben von Thrasio Daten von Smartscout von mehr als 14.000 Verkäufern. Danach liege der monatliche Umsatz in dieser Kategorie bei rund 108.000 Euro, Platz zwei erreichten die Händler für Beleuchtungsprodukte, die einen Umsatz von rund 100.000 Euro erwirtschafteten. Dann sei ein deutlicher Unterschied zu erkennen, denn in den Bereichen Drogerie und Körperpflege lägen die Zahlen bei 57.171 Euro, gefolgt von Bürobedarf und Schreibwaren mit 56.914 Euro, Computer und Zubehör mit 56.801 Euro, Babyprodukten 55.430 Euro und Bekleidung 50.084 Euro. Besonders hoch sei der Wettbewerbsdruck in den Branchen Mode und Baumarkt, denn hier seien besonders viele Händler aktiv.

So wird der Onlineshop zum Kundenbindungsportal
Das Einkaufserlebnis im Onlinehandel wird immer besser. Für den einzelnen Händler bedeutet das aber auch: Es wird immer schwerer, sich von der Masse abzuheben. Marketing und Service werden immer wichtiger, denn Onlineshops sind längst nicht mehr nur Produktkataloge mit Bestellfunktion, sondern gleichermaßen Kundenbindungsportale und Service-Center. Nötig ist dazu eine tiefe Vernetzung der Systeme.

Stationärer Handel bleibt attraktiv
Die Kunden werden nach dem Abflauen oder dem Ende der Pandemie weiterhin in die Geschäfte gehen, prognostizieren die Marktforscher von IfH Köln und Capgemini in einem Thesenpapier. Grundlage ist ein Roundtable mit Entscheidern aus dem Handel, das Ergebnis bilden sechs Prognosen für den Handel. Wichtig für den stationären Handel sei es, den Kunden ein besonderes Einkaufserlebnis und digitale Verknüpfungen zu bieten. Es gehe darum, einen "emotionalen und persönlichen Kundentouchpoint" zu entwickeln. In diesem Jahr müsse den Kunden vermittelt werden, dass sich der Besuch im Geschäft lohne. Die Grenzen zwischen den beiden Vertriebswegen würden immer stärker verschwimmen, die Händler müssten den Kunden "überall eine einheitliche, überragende User Experience bieten".


///// NACHHALTIGKEIT

Die Mehrheit im Handel wünscht nachhaltige Lieferketten
Für 76 Prozent der deutschen Handels- und Konsumgüterunternehmen stehen nachhaltige Lieferketten und eine entsprechende Logistik ganz oben auf der Liste. Das Microsoft Envision Forum hat für eine Untersuchung zum Thema "Lieferkettentransparenz und Nachhaltigkeit für Handel und Hersteller" rund 100 Entscheider aus Handel und Konsumgütern in Deutschland befragt. Für die Lösung der Fragen der Nachhaltigkeit seien Kooperationen von Lieferanten und Herstellern erforderlich, einzelne Unternehmen könnten sie nicht erreichen. Eine Rolle spielten bei der Auswahl der Lieferanten Felder wie Menschenrechte (67 Prozent), Klimaschutz (50 Prozent) und Ressourcenschonung (46 Prozent). Um die wesentlichen Herausforderungen der Nachhaltigkeit meistern zu können, sei nach Einschätzung von 62 Prozent der Befragten eine entsprechende Grundhaltung in den Unternehmen eine wesentliche Voraussetzung.