Gleich viermal kommt Amazon heute in unserem Nachrichtenüberblick vor - als Corona-Hotspot, bei FBA-Geschäftsmodellen, in einem offenen Brief an Jeff Bezos und in einer Pressemitteilung von AmazonSmile. Das zeigt, mit dem US-Riesen verbindet uns Hass und Liebe. Dennoch bleibt Raum für Innovationen abseits der Trampelpfade: Ob maßgeschneiderte Hundemode aus dem KingsmanHouse oder Online-BH-Anprobe-Tools von Marks & Spencer.

///// HANDEL NATIONAL
Verdi sieht Amazon-Logistikzentren als Corona-Hotspots
Zwischen der Gewerkschaft Verdi und Amazon ist ein Streit über potentielle Corona-Hotspots in den Amazon-Logistikzentren in Graben bei Augsburg sowie in Koblenz ausgebrochen. Und wieder zeigt sich, dass die Gesundheitsämter auch in diesen Fällen nicht zur Aufklärung beitragen können, denn jedes Amt übersieht nur seinen Beritt. Da aber die Mitarbeiter von Amazon in Graben durchaus aus dem Umfeld kommen, lässt sich kein Gesamtbild herstellen. Immerhin seien 300 der 1.800 Angestellten infiziert, behauptet Verdi. Amazon bestreitet das. In Koblenz wurde Anfang November eine komplette Nachschicht gestrichen, 800 von 2.800 Mitarbeitern getestet und mehr als 60 Infizierte gefunden. 300 Personen seien in Quarantäne geschickt worden, berichtet unter anderem N-TV

Hermes-Geschäftsführung äußert sich zur Schließung von Liefery
Das Same-Day-Delivery-Angebot sei hinter den prognostizierten Erwartungen zurückgeblieben, erklärt Hermes Vertriebschef Denis Krollmann die Schließung der Logistikplattform Liefery zu Ende Februar 2021. Als Gründe nennt er mangelnde Zahlungsbereitschaft der Kunden:innen für die logistisch aufwendige und kostenintensive Zustellung. Ihnen gehe es nicht primär um Geschwindigkeit, sondern um verlässliche Kommunikation entlang der Lieferkette. Hermes konzentriere sich jetzt auf das Segment Next-Day-Delivery, das auch bei Liefery bereits eine große Rolle spiele, berichtet onlinemarktplatz.de. 

Thrasio will Deutschlandgeschäft stark ausbauen
Fast 100 Marken setzen beim Amazon-FBA bereits auf das US-amerikanische Start-Up Thrasio, das nun verstärkt auch in Deutschland tätig werden will. Bisher erwirtschaftet das erst 2018 gegründete Unternehmen hier einen Umsatz von 50 Mio. US-Dollar. Nach einer kürzlich erfolgreichen Finanzierungsrunde, bei der Thrasio über eine Milliarde US-Dollar einsammelte, kündigt das Unternehmen an, den deutschen Markt nach spannenden Amazon-FBA-Geschäftsmodellen zu sondieren und weiterzuentwickeln. Das aus Düsseldorf und Berlin heraus operierende Unternehmen hat für die Übernahme von Amazon-Händlern 225 Mio. US-Dollar in der Kasse. Eine Viertelmillionen Händler gibt es in Deutschland auf dem Amazon-Markplatz, davon nutzen 79% FBA, schreibt Internetworld.de 

Nachfrage nach Jogginghosen überbewertet
Oben hui unten pfui – lautet ein Sprichwort, das in Home-Office-Zeiten wieder in Mode gekommen ist. Allerorts wird davon ausgegangen, dass die Menschen sich zuhause nicht mehr ordentlich anziehen und die Jogginghose Furore macht. Dem ist nicht so, behaupten die Marktforscher der GFK gegenüber der Wirtschaftwoche. Die Menge der insgesamt verkauften Jogginghosen sei in Corona-Zeiten nicht gestiegen. Lediglich der Kauf von Anzughosen sei zurückgegangen.


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///// HANDEL INTERNATIONAL

Offener Brief an Jeff Bezos: Amazons straffreie Tage sind vorbei
402 Parlamentarier aus 34 Ländern haben Amazon-Chef Jeff Bezos zu einem Kurswechsel aufgerufen. Sie kritisieren die Arbeitsbedingungen, die Umweltpolitik und die niedrigen Steuerabgaben des US-Online-Riesen. Man werde dafür sorgen, dass Amazon zahlt, heißt es in einem offenen Brief, der vom links-progressiven Dachverband Progressive International und dem Gewerkschaftsverbund UNI Global Union koordiniert wurde.
Wen wundert da die Pressemitteilung von AmazonSmile, mit der das Unternehmen heute wohl gutes Wetter machen will: Über 10 Mio. Euro habe man seit dem Jahr 2016 in Deutschland und Österreich an derzeit über 25.000 gemeinnützige Organisationen gespendet. Als größte Empfänger nennt das Unternehmen den WWF Deutschland und die UNO Flüchtlingshilfe e.V. 

Chicorée vollzieht Generationswechsel und will online behutsam starten

Jörg Weber, Gründer des Modehauses Chicorée mit 167 Filialen in der Schweiz, gilt als ausgewiesener E-Commerce-Muffel und -Kritiker, schreibt die Handelszeitung. Nun aber tritt er aus Altersgründen in die zweite Reihe, wird Vorsitzender des Verwaltungsrats und beruft seine Söhne Pascal und Mathias Weber in die Geschäftsführung. Im Rahmen dieses Wechsels kündigt das Unternehmen einen schrittweisen Strategiewechsel an: Kurzfristig verfolge man einen Omnichannel-Ansatz bei dem Kunden:innen die Ware online in eine Filiale bestellen können. Mittelfristig sollen spezielle Kollektionen online verfügbar gemacht werden. Erst aber müsse dafür eine neue Webseite her.   

Europäischer Modemarkt: 29 Prozent des Umsatzes bereits online
Der McKinsey Global Fashion Index bringt es ans Licht: Unterbrochene Lieferketten, ein verändertes Käuferverhalten und große Umsatzeinbußen sorgen in der Modebrache weltweit für einen Umsatzeinbruch von bis zu 30 Prozent. Eine Erholung sei frühestens im 3. Quartal 2022 zu erwarten. Je nach Pandemie-Verlauf könnte es aber am Modemarkt auch erst ab dem Jahr 2023 wieder aufwärts gehen, wenn zum Beispiel die Impfungen nicht greifen und der Virus in Wellen wieder auflebe. Allein das Online-Geschäft treibe die Erholung. Auch in Europa sei der Anteil stark gestiegen und betrage bereits 29 Prozent. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz wird für den Modemarkt insgesamt ein Umsatzrückgang von 19% für das aktuelle Jahr prognostiziert. Der „State of Fashion 2021“-Report, der von The Business of Fashion (BoF) und McKinsey & Company jährlich erhoben. 

Kontaktlose BH-Anprobe bei Marks & Spencer
Online hat es sich bewährt, das BH-Anprobe-Tool von Marks & Spencer. Über 20.000 Kunden nutzen es monatlich seit dem Frühjahr. Nun bringt das Unternehmen die kontaktlose BH-Anprobe auch in 64 seiner Filialen in Großbritannien zum Einsatz. Die Verkäufer:innen zeigen den Kundinnen, wie sie mit einem sterilisierten Maßband ihre eigenen Maße genau messen und die Körbchengröße beurteilen können. Sie beraten über verschiedene Stile, Formen und Optionen, bevor sie den Kunden bei der Auswahl und dem Kauf des richtigen BHs helfen. Alle Termine für den neuen Service werden online gebucht. 

///// TRENDS & TECH

Google My Business erleichtert Kontaktaufnahme
Mit neuen Tools gibt Google My Business in Kürze Kunden und Unternehmen die Möglichkeit, schneller und besser zu kommunizieren. Mit neuen Messaging-Optionen in der Google Maps-App können Kunden den Unternehmen direkt Fragen stellen oder über einen Message-Buttom von jedem Beitrag aus eine Konversation starten. Man sehe den Bedarf für mehr direkte Information und Kommunikation, erläutert Google auf seinem Blog. 

Maßanzug für Hunde ab 250 Euro
Die Maßschneiderei KingsmanHouse in München schneidert nun auch Maßanzüge für Herrchens besten Freund. Man wisse, was den Hund wärmt, erklärt Maßschneider Jürgen Reschop. Der Hund werde an Hals, Rücken und Brust vermessen, dann suche das Herrchen die Stoffe aus. In der Herrenmode dominieren in diesem Winter Karomuster. Viel wichtiger sei es aber, dass die Stoffe den Hund nicht kratzen. 

Favorit der Leser
Immer mehr Markenhersteller wollen den Vertrieb unter die eigene Kontrolle bringen, vor allem online. Deshalb gibt es in deutschen Einkaufsstraßen immer mehr Mono-Label-Läden. Etailment-Gastautor Prof. Dr. Dirk Morschett untersucht den Mega-Trend Vertikalisierung und zeigt, wie der Handel darauf reagieren kann.