Man merkt, wie es in der deutschen Politik arbeitet, mahlt und knirscht. Wann und wie soll der Lockdown gelockert werden, ist die Frage der Stunde. Dass es nicht mehr lange so weitergeht wie in den zurückliegenden Wochen, ist allen klar. Vielleicht lohnt ein Blick über die Grenzen, hinüber nach Österreich und Tschechien. Dort fließt so langsam wieder Strom durch die öffentlichen Adern. In Deutschland gehören vielleicht bald Gesichtsmasken zum Dresscode.

//// HANDEL NATIONAL

Der Rat der Wissenschaftler
Deutschland wird seit Wochen faktisch von Wissenschaftlern regiert. Sie heißen Drosten, Kekulé und Wieler und sind als Virologen hierzulande die Männer mit der Deutungshoheit über die Corona-Pandemie. Nun ist es an anderen Wissenschaftlern, das Land neu zu ordnen. Die Leopoldina-Forschungsgemeinschaft mit Sitz in Halle (Saale) hat auf 19 Seiten aufgeschrieben, wie es jetzt weitergehen soll. 26 interdisziplinäre Wissenschaftler sind Autoren dieses Werkes, aus dem Spiegel Online zitiert. Worum gehts? Erst einmal um den Schutz der Menschen, um eine zweite Infektionswelle zu vermeiden. Hygiene und Abstand bleiben weiter eminent wichtig. Falls nicht möglich: Schutzmasken auf. Kindergärten, Schulen und Kindergärten sollen zügig wieder geöffnet werden. Und wenn die Zahl der Neuinfektionen auf dem niedrigen Niveau verbleibe, dann könnten auch Einzelhandel und Gastronomiebetriebe wieder ihre Türen aufsperren. 

Ramelows Dreisatz, Laschets Strategiepapier
Wenn die Wissenschaftler Ratschläge geben, dürfen sich die Vertreter der Politik nicht zurückhalten. Das Osterwochenende gehörte den Ministerpräsidenten der Bundesländer: Thüringens Bodo Ramelow (Linke) etwa dachte laut über das Wiederöffnen des gesamten Einzelhandels nach - aber nur nach strengen Vorgaben: Mehr Personal, mehr Abstand, mehr Kontrollen, lautet der Dreisatz von Ramelow, den man unter anderem bei Insüdthüringen nachlesen kann. Mehr Personal ist eine mutige Forderung für eine Branche, die gerade wegen Umsatzeinbrüchen ihre Leute in Kurzarbeit oder gleich zur Arbeitsagentur geschickt hat. Aus NRW kommt ein 15-seitiges Strategiepapier von Landeschef Armin Laschet (CDU). Auch hier wird dem Einzelhandel eine vordere Position bei den Neustartern eingeräumt, wie unter anderem Bild berichtet.

KfW macht den Weg frei
Hui, die KfW verzichtet auf Risikoprüfung. Das ist eine Nachricht, die diejenigen freut, die jetzt über die staatliche Förderbank einen Schnellkredit beantragen. Die KfW verlangt jetzt von den Hausbanken, die für die Bearbeitung der Kredite zuständig sind, nur noch eine Know-your-customer-Prüfung. Darin wird unter anderem die Identität des Antragstellers festgestellt, wie das Handelsblatt schreibt. Wer zuletzt sich mit den Banken herumschlagen musste, wird diese Information erleichtert aufnehmen.

Corona im Überblick
Wie in den zurückliegenden Wochen informiert etailment Sie weiterhin aktuell über die wirtschaftliche Entwicklung in Zeiten der Corona-Pandemie: Lesen Sie im Corona-Dossier Nachrichten, Berichte und Analysen aus Handel, Gastronomie, Touristik und Modewelt, aus der Lebensmittelbranche, Finanzwelt sowie aus der Logistik. Damit Sie vorbereitet sind auf die Veränderungen in der Wirtschaft und sich für den Restart rüsten.

Wir sind lokale Helden
Das Einkaufsangebot ist immer gleichförmiger, die Verbrauchern haben eine wachsende Sehnsucht nach Einzigartigem. Vielleicht wird sie ja wenigstens in Berlin etwas gestillt von der neuen Online-Plattform Locals Heroes. Die hat das dänische Label Jukserei mit Sitz in Berlin ans Netz gebracht, um kleinen Marken der Hauptstadt zeitlich begrenzte Web-Shops anzubieten, wie Fashionunited informiert. Das ist noch kein gewaltiges Onlinekaufhaus, 28 Produkte sind derzeit erhältlich, von Postkarten bis Bio-Deosticks. Aber es ist halt was anderes. Klein, aber fein, nennt man so etwas.

Mit Orientierung durch die Krise
Für viele Unternehmen spitzt sich die Lage in der Corona-Krise zu. Die Management-Herausforderungen sind gewaltig. Flexibilität ist gefragt. Gesetze und Recht bieten da Orientierung und schaffen selbst neue Flexibilität. Der Business Guide "Recht: Welche Gesetze durch die Krise helfen" liefert auf 28 Seiten Antworten auf die drängendsten Fragen.


//// HANDEL INTERNATIONAL

E-Food: Amazon setzt Kunden auf die Warteliste
Der Online-Lebensmittelhandel könnte die Corona-Pandemie besser für sich nutzen, aber er schafft es organisatorisch nicht. Gewiss, es gibt leichte Zuwächse, und in Deutschland flitzen die bunten Wägelchen der Regionalgröße Picnic etwas häufiger durch Nordrhein-Westfalen. Doch Markt-zersetzend ist etwas anderes. Und nun das: Amazon nimmt in den Vereinigten Staaten keine Neukunden mehr für seine Bringdienste von Fresh und Whole Foods auf. Seit Ostermontag gibt es eine Warteliste. Offensichtlich reichen die Kapazitäten nicht mehr aus, um die um 60% gestiegene Nachfrage zu befriedigen, schreibt thenextweb. Dass das Geschäft für den Onlinegiganten in den USA brummt, beweist eine andere Zahl: Es sollen nochmals 75.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Vor wenigen Wochen wurden schon zusätzliche 100.000 Leute gesucht. Was noch alles geplant ist, hat Geekwire zusammengefasst. Dass die neuen Leute dringend gebraucht werden, beweist ein Blick auf CNBC. Denn hier wird mitgeteilt, dass Amazon ab dieser Woche Drittanbietern ermöglicht, wieder Artikel zu liefern, die wegen der Corona-Krise als nicht dringend eingestuft worden waren. 

E-Food: Die Schweizer schieben Zusatzschichten
Amazon könnte sich in Europa weiterbilden. Wie etwa der Online-Lebensmittelhandel in der Schweiz dem Nachfrageüberhang beikommen will, hat nämlich Carpathia aufgeschrieben. Auch hier heißt es unter anderem: Personal einstellen, Zusatzschichten schieben. Migros hat sogar eine Lösung für Risikogruppen entwickelt.

Tschechien macht die drei Wellen
Tschechien sortiert sich ebenfalls langsam für den Neustart des öffentlichen Lebens. An diesem Dienstag will die Regierung des Landes ihre Strategie vorstellen. Der Plan sieht eine Lockerung des Handels- und Dienstleistungslebens in drei Wellen vor, zitiert Radio Prag den tschechischen Industrie- und Handelsminister.

Österreicher müssen jetzt gut rechnen
Österreich ist schon weiter als Deutschland und lockert den Lockdown. Ab diesem Dienstag dürfen Einzelhändler wieder aufschließen, den Anfang machen die kleinen Läden bis 400 Quadratmeter Verkaufsfläche, sie bekommen sozusagen einen Umsatzvorsprung. Der Rest folgt voraussichtlich am 2. Mai. Für alle gilt: Schutzvorkehrungen einhalten. Heißt: Pro 20 Quadratmeter Fläche ein Kunde, um den Mindestabstand unter den Menschen einzuhalten. Also muss man dort jetzt gut rechnen und zählen. Wie sich Händler in Wien auf diese Situation einstellen, hat die Wiener Zeitung aufgeschrieben.

Mallorca sterben die kleinen Läden weg
Was für ein bitteres Ostern: Keine Urlauber, keine Umsätze - Spanien wird von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen. Und viele Einzelhändler auf Mallorca werden die Krise nicht überstehen, weil eben auch die Touristen wegbleiben. Bis zu 15% der kleinen bis mittleren Unternehmen stehen vor dem Aus, schätzt Afdeco, der Handelsverband der Baleareninseln. Stark betroffen sei Palma, die Hauptstadt Mallorcas, schreibt das Mallorca-Magazin.

US-Textilhandel vor einem Debakel
Die Vereinigten Staaten sind im Kampf gegen Corona eine hilflose Weltmacht mit Präsident Donald Trump an der Spitze, dessen konfuses Agieren etwas Tragikomisches hat. Wenn es nicht so ernst wäre. Und die Lage dort wird täglich ernster für alle. Auch für den Einzelhandel ist sie ein Debakel. Nun gibt es eine Prognose, welche Einbußen allein das Textilsegment in diesem Jahr haben könnte: Der entsprechende Konsum geht in den USA im schlimmsten Fall um 40%, im EU-Raum um 45% zurück. Das sind umgerechnet insgesamt rund 274 Milliarden Euro, zitiert Fashionunited eine Studie des indischen Consulting-Unternehmens Wazir Advisors. 

Ebay schnappt sich einen Walmart-Mann
Ebay wird demnächst wieder von einem richtigen Chef geführt. Jamie Iannone heißt der Nachfolger von Devin Wenig, der im September 2019 von seinem Job zurückgetreten war. Diese Personalie ist ein schöner Erfolg für Ebay und eine Niederlage für Walmart, denn dort wurde Iannone abgeworben. Beim größten Lebensmittelhändler der USA war er der Chief Operating Officer fürs Onlinegeschäft. Am 27. April ist Iannones erster Arbeitstag bei Ebay, teilt die Handelsplattform mit.

Favorit der Leser:
Vom Staat Kurzarbeitergeld kassieren, aber den Aktionären eine Diviende auszahlen. Mit dieser Vorgehensweise war BMW das unsympathischste Unternehmen der Karwoche. Warum der Münchner Autobauer besser mal geschaut hätte, wie es Fielmann macht, steht in der "Woche im Handel".