Man möge eine hohes Preisgeld für einen Corona-Impfstoff ausloben, hat die neue Wirtschaftsweise Monika Schnitzer gesagt. Nur wenige werden der Münchner Professorin widersprechen - angesichts von mittlerweile mehr als 100.000 Infizierten in Deutschland. Microsoft-Gründer Bill Gates glaubt, dass es möglich ist, in weniger als 18 Monaten so ein Serum zu entwickeln. Das wäre eine Weltrekordzeit. Aber selbst dieses Tempo ist für die meisten Menschen noch zu langsam, und für die Handelsbranche sowieso. Es muss jetzt erst einmal irgendwie für alle weitergehen. Und hier ist eine erstaunliche Kreativität bei den Überlebenstechniken festzustellen.

//// HANDEL NATIONAL

Mut machen, Teil 1
Mut machen, das ist in dieser Krise eine große Kunst. Horizont versucht es und kompiliert die 15 schönsten aktuellen Werbekampagnen - die allesamt Mut machen und noch die jeweilige Marke stärkt. Mit dabei auch einige Handelsunternehmen: Penny, Ikea, Edeka - und der Drogerieverbund aus Rossmann, Müller und dm-Drogeriemarkt. 

Mut machen, Teil 2
Es ist verblüffend, wie einfallsreich deutsche Händler sich gegen die Krise stemmen und irgendwie einen Verkauf organisieren. Die Hamburger Morgenpost hat eine kleine Übersicht über piffige Hansestadt-Händler erstellt: Hier kommt das Plattengeschäft auf dem Fahrrad, dort stellt der Buchladen die bestellte Lektüre vor die Tür, und der "Weinladen St. Pauli" bietet neuerdings Online-Weinproben an. Was schräg klingt, ist clever: Der Kunde ordert per Internet seinen Wein, probiert ihn dann daheim, ist aber via Facebook, Instagram und dem neuen Social-TV-Sender One Hamburg dem Geschäft zugeschaltet und kann dabei Fragen stellen.

Dielmann sieht bange in die Zukunft
Etwas mehr als 900 Mitarbeiter beschäftigt der Darmstädter Schuh- und Sport-Filialist Dielmann - fast alle sind derzeit in Kurzarbeit. Das Unternehmen wird jetzt von einem Zehner-Team geführt, und da sind die externen Berater schon eingerechnet. Markus Dielmann, der Chef, erwartet für die Nach-Corona-Zeit eine "eine komplett andere Handelslandschaft, wenn die vielen Geschäfte in den Innenstädten die nächsten Monate nicht überstehen". Im Interview mit der Wirtschaftswoche äußert Dielmann außerdem Skepsis gegenüber dem KfW-Förderprogramm und hat Ideen, wie man den Handel jetzt noch retten kann: Direkthilfen, um die Schulden nicht in die Höhe zu treiben, Steuererleichterungen, attraktive Innenstädte, sowie eine liberale Handhabung von Sonntagsöffnungszeiten.

Fielmann denkt an die Zukunft
Weitblick? Fielmann! So könnte es heißen. Der Optiker-Filialist bereitet sich jetzt schon auf die Zeit nach dem Lockdown vor. Es geht darum, selbst in einem Notbetrieb das Geschäft beherrschen zu können, sagte Vorstandschef Marc Fielmann der dpa. Aus dem Gespräch zitiert auch Focus. So soll ein Hygiene-Wissenschaftler Fielmann beraten, wie man in den Läden Infektionsgefahren vorbeugt. Gut für die Branche: Das Gutachten soll an diesem Montag veröffentlicht werden und ist keine geheime Fielmann-Sache, sondern soll auch anderen Handelsunternehmen zur Verfügung stehen.

Baumärkte sorgen für dicke Luft bei den Lieferanten
Obi und Hagebau haben dieser Tage Briefe an ihre Lieferanten verschickt, die dort für schlechte Laune sorgten. Denn sie bekamen von beiden Baumarktunternehmen verlängerte Zahlungsziele präsentiert. Während Marktführer Obi (30 Tage länger) dabei recht rabiat vorgegangen sein soll, habe Hagebau seine Partner erst einmal um Zustimmung gebeten, schreibt das Handelsblatt. Die Vorgehensweise beider Unternehmen passt nicht zum gemeinsamen Appell von Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten, Industrieverband Garten sowie der Herstellerverband Haus und Garten, die im März für einen "fairen und besonnen Umgang miteinander" geworben hatten. "Nur ein offener, partnerschaftlicher Dialog entlang der Lieferkette wird es uns ermöglichen, zusätzliche negative Auswirkungen in der Warenversorgung und unerwünschte Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden", heißt es weiter. Vielleicht sollte man alle daran erinnern, dass es irgendwann ein Leben nach Corona geben wird.

Preissturz für Handelsimmobilien
Überraschend ist das Ergebnis nicht, aber nun halb-amtlich. Zumindest für Hamburg und Schleswig-Holstein. Dort wird ein Sturz der Kaufpreise für Gewerbeimmobilien erwartet. Das Maklerhaus Engel & Völkers Commercial hatte professionelle Eigentümer befragt - und der Verlierer ist: der Einzelhandel. 78% der Befragten erwarten sinkende Preise für Handelsimmobilien, wie die Immobilien Zeitung berichtet. Die Makler sehen in billigeren Objekten aber auch eine Chance: Händler könnten deswegen später etwas dazukaufen. Nun ja: Wer später noch übrig bleiben wird ist die eine Frage. Und wer den Überlebenden noch Geld auf der Seite hat, um Immobilien zu kaufen, die andere.

Mit Orientierung durch die Krise
Für viele Unternehmen spitzt sich die Lage in der Corona-Krise zu. Die Management-Herausforderungen sind gewaltig. Flexibilität ist gefragt. Gesetze und Recht bieten da Orientierung und schaffen selbst neue Flexibilität. Der Business Guide "Recht: Welche Gesetze durch die Krise helfen" liefert auf 28 Seiten Antworten auf die drängendsten Fragen.

Vorteil für die lokalen Händler
Die großen Onlinehändler sind keineswegs die Profiteure der Corona-Krise, wie man allein an der jüngsten Gewinnwarnung von Zalando sieht. Vielmehr kaufen die Menschen vor allem in den Läden am Ort, wie das Institut für Handelsforschung ermittelt hat. Schnell aufgebaute Lieferdienste sind hier die Zauberlösungen, sagte Wilhelm Bommann, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Niederrhein der Rheinischen Post. Sehr wahrscheinlich ist es aber auch so, dass die Menschen ihre Konsumausgaben generell minimiert haben, weil sie jetzt das Geld zusammenhalten müssen. Kurzarbeiter etwa, haben jetzt geringere Einkommen. Und die anderen sparen, weil sie nicht wissen, was noch alles kommt. 

Corona im Überblick
Wie in den letzten Wochen informiert etailment Sie weiterhin aktuell über die wirtschaftliche Entwicklung in Zeiten der Corona-Pandemie: Lesen Sie im Corona-Dossier Nachrichten, Berichte und Analysen aus Handel, Gastronomie, Touristik und Modewelt, aus der Lebensmittelbranche, Finanzwelt sowie aus der Logistik. Damit Sie vorbereitet sind auf die Veränderungen in der Wirtschaft und sich für den Restart rüsten.


//// HANDEL INTERNATIONAL

Mut machen, Teil 3

In China war die Corona-Pandemie vor mehr als drei Monaten ausgebrochen. Und jetzt stabilisiert sich dort das Leben allmählich. Die Bevölkerung darf so langsam wieder einen normalen Alltag führen, die Industriebetriebe fahren die Produktion wieder hoch. Das lässt sich auch am Güterzugverkehr von China nach Deutschland ablesen: "Im April sind bereits 25 Prozent mehr Züge geplant als noch im März", verkündet die Deutsche-Bahn-Tochter DB Cargo. Allerdings ist es nur ein bescheidener Teil an Ware, der über die Schienen von Asien nach Europa transportiert wird, schreibt das Manager Magazin halt auch. Doch heutzutage ist man ja über jede noch so kleine positive Nachricht dankbar.

Mit dem Tiroler Chatbot
Da denkt man immer, jetzt haben wir über alle Händler-Initiativen berichtet - und dann poppt doch noch etwas Neues auf, wenn man beispielsweise die Tiroler Tageszeitung liest. Thema ist "Ums Eck in Tirol", und das ist ein Chatbot, über den der Verbraucher den Laden seine Wahl suchen lassen kann. Doch bevor die Österreicher, speziell die Innsbrucker, sich als digitale Pioniere feiern lassen, verweisen wir auf den Bürgermeister von Bad Hersfeld. Thomas Fehling heißt der fortschrittliche Mann, der zum Hessentag 2019 vor Ort in der städtischen App einen Chatbot für handelsrelevante Informationen implementierte. 


//// TRENDS & TECH

Achtung, Cybercrime!
Gewarnt hatten schon andere, nun wird es immer ernster: Die Zahl der Cyberattacken weltweit nimmt zu, meldet Thenextweb. Der Grund dafür wurde an dieser Stelle schon genannt: Sehr viele Menschen arbeiten derzeit in den eigenen vier Wänden mit den eigenen Computern - und die sind nur mangelhaft gegen Internetkriminalität geschützt. Das betrifft sogar die Mongolei, wo Behördenmitarbeiter mit fingierten E-Mails hereingelegt werden sollten.

Favorit der Leser
Vorige Woche ist Galeria Karstadt Kaufhof unter den Schutzschirm geschlüpft, der weichgespülten Variante des Insolvenzverfahrens. Was nun aus der fünfjährigen Bestandsgarantie für die Filialen wird, ist die Frage. Es geht in der "Woche im Handel" generell auch um die Zukunft von Handelsimmobilien - und veränderte Innenstädte nach der Corona-Krise.