Irgendwo muss man einfach anfangen... Vielleicht ist das der Beweggrund für die Initiative von Otto, Versand und Retouren ab sofort CO2-emissionsfrei zu stellen, obwohl sie es per se noch gar nicht sind. Die Lücke will man mit Kompensation schließen. Der Partner, das Unternehmen Atmosfair, ist bisher vor allem für Flugkompensationen bekannt. Vor zwei Wochen hat es zudem die Produktion von CO2-neutralem Kerosin im Emsland angekündigt. Gerade deshalb ist die Zusammenarbeit für beide spannend: Atmosfair wird bei einer großen Kundengruppe bekannt, während Otto sich viel Knowhow ins Haus holt. Glückwunsch. 

///// HANDEL NATIONAL
DHL verdoppelt Packstation bis Ende 2023
Geht es nach dem größten deutschen Paketzusteller, so wird aus der derzeitigen Bring-Zustellung schon bald eine Abhol-Zustellung. Dafür will DHL die Packstationen von derzeit 8.200 bis Ende 2023 auf über 15.000 ausbauen. Das bisherige Ziel waren 3.000. Die Abholstationen sollen rund um die Uhr zugängig sein. Die gelben Schrankwände werden seit 2003 eingesetzt, vornehmlich an Supermärkte, Tankstellen und Bahnhöfen; nun werden sie flächendeckend aufgestellt. DHL sieht darin einen großen Beitrag zur Nachhaltigkeit, da Anfahrten und Zustellversuche wegfielen. 

Leben in einer amazonisierten Welt
Dr. Eva Stüber ist Mitglied der Geschäftsleitung der IFH Köln und dort unter anderem für Innovationen zuständig. Schon im Jahr 2016 prägte sie den Begriff der "Amazonisierung des Einzelhandels" und legt dafür nun Jahr für Jahr beeindruckende Zahlen vor. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Der Handel beleuchtet die Titelstory das Ausmaß dieser Entwicklung. Dr. Stüber sprach gestern bei der Amazon Weltkonferenz, die noch bis heute in München tagt. 

Hacker duplizieren Webshop von 2-Rad-Hansen
Geradezu banal klingt das Vorgehen von Hackern, von dem das Polizeipräsidium Münster berichtet: Demnach kopierten Hacker die Webseite www.2-rad-hansen.de des Fachgeschäfts 2-Rad-Hansen GmbH und eröffneten die Fake-Webseite www.fahrrad-hansen.com, auf der die Waren weit unter Marktpreis und gegen Vorkasse angeboten wurden. Sechs Strafanzeigen wegen Betrugs seien eingegangen, die Fake-Webseite mittlerweile geschlossen. 

Einzelhändler-Plattform shopdaheim.de will weiter wachsen
Mit rund 25.000 Händlern aus 136 Branchen sieht sich die als regionale Alternative zu globalen Online-Shops gestartet Händler-Plattform shopdaheim.de gut aufgestellt, um Funktionen und Serviceangebote für Verbraucher:innen weiter auszubauen. Ab sofort können Händler individuelle Profile mit tagesaktuellen Informationen zu Serviceleistungen oder Produktsortiment im digitalen Schaufenster abbilden. Außerdem werden Services wie Click & Collect, Click & Meet und Click & Call integriert. Terminvereinbarungen und Beratungen via Video-Call und Chat-Funktion sind ebenfalls in Kürze geplant. 


///// HANDEL INTERNATIONAL

Just Eat Takeaway will profitabel werden
Einen Marktkapitalisierungstag veranstaltete gestern die Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway. Das drückte den Aktienkurs schon am frühen Morgen in die Knie, denn auch im kommenden Jahr wird das Unternehmen wohl weitere Verluste anhäufen. Auf der Basis von negativen Margen prognostiziert Just Eat Takeway einen operativen Verlust von mehr als 200 Mio. Euro für 2022. Um dies zu erreichen, will man an der Werbung sparen, mittels "Smart Routing" mehrere Bestellungen gleichzeitig ausliefern lassen sowie den Lebensmittellieferschnelldienst ausbauen. Dabei setze man auf Partnerschaften mit etablierten Lebensmittelhändlern, da der Aufbau eigener Lager langwieriger und kostspieliger sei. 

Lieferspezialist für asiatische Küche und Lebensmittel
In Frankreich ist der Essenslieferdienst Alorsfaim zuhause, der im Jahr 2018 mit der Auslieferung von Essen aus 600 asiatischen Restaurants an den Start ging. Gerade sammelte er vier Mio. Euro für die weitere Expansion ein. In der Pandemie-Zeit und mit der wachsenden Lieferkettenproblematik wandelte sich das Start-up zudem zum Lebensmittellieferanten für asiatische Communities. Dafür wurde ein Lagerhaus und ein eigenes Bestandsmanagement-System aus der Taufe gehoben. Derzeit ist Alorsfaim in fünf Regionen Frankreichs und drei belgischen Städten vertreten. 


///// TRENDS & TECH

Bemerkenswerte Entwicklungen aus der Social Media-Welt in Kurzform:
  • Ende Oktober wolle sich Facebook umbenennen und damit der Muttergesellschaft einen neuen Namen geben, berichtet die F.A.Z. 
  • Donald Trump hat angekündigt, ein eigenes Social Media-Netzwerk zu gründen, da ihm viele bestehende keine Bühne bieten. Bereits für November ist der Start einer Testversion der Plattform „TRUTH Social“ geplant.
  • Pinterest steigt in den Wettbewerb um Influencer ein und stellt dafür ein Budget von 20 Mio. Euro bereit. Das Social-Netzwerk will kreative Influencer anziehen, die inspirieren wollen. 
WhatsApp führt Kollektionen für Warenkatalog ein
Die größte Messenger-Plattform WhatsApp will vom Weihnachtsshopping-Boom und weiteren Einkaufsevents profitieren und macht rechtzeitig dafür eine Erweiterung des Warenkatalogs mit Kollektionen möglich. Damit können zum Beispiel Restaurants ihrem Katalog die Kollektionen Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts hinzufügen, Mode-Anbieter die Kollektionen in Herren- und Damenbekleidung sowie weitere kategorisieren. Außerdem können Lagerbestände hinterlegt und Produkte aus- und eingeblendet werden.  

Verbraucherbewertungssysteme nicht im Interesse von Händlern und Marken
Airbnb und Uber sind die bekanntesten Protagonisten von Kundenbewertungssystemen, heißt, der Dienstleister bewertet die Kunden und diese Bewertungen sind für alle Dienstleister sichtbar. Bändigt das schlechtes Verbraucherverhalten, unbegründete und unberechtigte Bewertungen oder gar Diebstahl? Weit gefehlt. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie von Tami Kim, Lalin Anik und Luca Cian von der Darden School of Business. In einer Reihe von Experimenten setzten sie Versuchspersonen schlechten Bewertungen aus. Ergebnis: Zwei-Wege-Bewertungssystemen sollten mit sehr viel Vorsicht eingesetzt werden, da sie Kunden eher verschrecken als für die Marke begeistern. 

///// NACHHALTIGKEIT

Versand und Retouren sind bei Otto ab sofort CO2-neutral
Der deutsche Online-Riese Otto hat angekündigt, ab sofort den Paketversand und die Retouren CO2-neutral zu stellen. Dafür werde es keine Preiserhöhung geben. Wo sich Emissionen nicht vermeiden ließen, werde man diese kompensieren, heißt es bei Otto. Ein komplett emissionsfreies Wirtschaften sei derzeit noch nicht möglich, auch wenn man sparsam mit Ressourcen umgehe. Die Kompensationszahlungen gehen an den Partner Atmosfair. 

Amazon führt "local selling"-Versandoption ein
Wer künftig nicht auf die Postzustellung seiner Amazon-Bestellungen warten will, kann diese künftig bei stationären kleinen und mittleren Unternehmen, die diese Produkte auf Amazon verkaufen, abholen oder von diesen liefern lassen. Amazon will so seine große Verbreitung durch Drittverkäufer auf den Marktplätzen nutzen. Händler haben ihre Zustellungsmöglichkeiten in der Pandemie-Zeit lokal sehr stark ausgebaut, heißt es bei Amazon. Dies wolle man nutzen. Auch die Umweltbilanz des Online-Riesen könnte sich verbessern. Der Service soll ohne Extrakosten sein.