Der E-Commerce boomt, das ist inzwischen eine Binsenweisheit. Sie taucht in immer neuem Gewand in den Nachrichten auf, dann nämlich, wenn Quartalsberichte fällig sind. In diesem "Morning Briefing" sind es die der Deutschen Post und von Paypal. Wachstumszahlen von deutlich über 100 oder auch fast 2.000 Prozent machen schwindlig. Die Unternehmen heben ihre Prognosen, doch ein Blick nach Großbritannien zeigt, dass die Wiedereröffnung stationärer Geschäfte den Online-Ritt durchaus bremsen kann. Es bleiben außergewöhnliche Zeiten -- noch so eine Binse.

///// HANDEL NATIONAL
E-Commerce beschert DHL dickes Umsatz- und vor allem EBIT-Plus
Der Konzern "profitierte von der anhaltend starken Dynamik im weltweiten E-Commerce und der gleichzeitigen Erholung des Welthandels": Die Deutsche Post DHL Group meldet für das erste Quartal 2020 lauter Pluszahlen. Zum Beispiel plus 22 Prozent (Konzernumsatz, 18,9 Mrd. Euro) und plus 223 Prozent (operatives Konzernergebnis, EBIT, 1,9 Mrd. Euro). Besonders dicke kam es aus der Division E-Commerce Solutions mit plus 46 Prozent (Umsatz, 1,5 Mrd. Euro) und plus 1850 Prozent (EBIT, von 6 auf 117 Mio. Euro). "Die Sendungsmengen im Paketgeschäft sind infolge des vielerorts nur eingeschränkt nutzbaren stationären Einzelhandels mit 41,3 Prozent weiter dynamisch gewachsen", schreibt das Unternehmen. Gute Vorbereitung sei alles: "Aufgrund unserer langjährigen strategischen Investitionen in unsere Netzwerke sind wir heute in der Lage, von der sprunghaft erhöhten Nachfrage profitieren zu können -- bei gleichzeitig verbesserter Effizienz." 2021 sollen 3,8 Mrd. Euro investiert werden und die EBIT bei 6,7 Mrd. Euro liegen.

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Durch datengestütztes Marketing Kundenzufriedenheit und Umsatz steigern
Der Einsatz von Daten zur erfolgreichen Steuerung von Marketingstrategien ist kein neues Konzept. Allerdings wurden Kundendaten noch bis vor kurzem in ihrem Wert unterschätzt und folglich zu selten von Markenunternehmen weltweit genutzt. Lesen Sie hier, wie man durch datengestütztes Marketing die Kundenzufriedenheit und den Umsatz steigern kann.


Stream I: Weltbild legt 14-täglichen Shopping-Livestream auf

Das ist mal erfrischend ehrlich: Die Weltbild D2C Group mit dem Kerngeschäft Buchhandel (Weltbild, Jokers, Bücher.de) legt einen Shopping-Livestream auf und gibt offen zu, das aus Asien abzukupfern. "Weltbild Live" geht am 10. Mai 2021 um 18 Uhr auf Sendung (hier). Das Unternehmen verspricht alle 14 Tage eine Stunde lang "immer neue Themenschwerpunkte rund um Medien- und Nonmedia-Angebote", für die Premiere geht es unter der Überschrift "Urlaub zuhause" um Stranddeko und Gartenideen. Moderiert wird der Stream von Matthias Sturm, die Technik stammt von Millennium Technology.


Stream II: Kaufland.de hat auf Twitch gefeiert

Kaufland hat am 1. Mai auf der Live-Streaming-Plattform Twitch fünf Stunden lang seinen Marktplatz Kaufland.de gefeiert. "Fast 80.000 Menschen sahen gleichzeitig den Stream mit dem größten Give-away-Event, das es bislang auf Twitch Deutschland gegeben hat", renommiert das Unternehmen. Es wurden Gewinne für 40.000 Euro verlost, wofür sich rund 50.000 Menschen angemeldet hatten. Insgesamt meldet Kaufland mehr als eine Million Live-Aufrufe. Die Twitch-Größen Trymacs, Chefstrobel, Rewinside und Rumathra waren zu Gast in einer zum Warenlager umgeschminkten Kaufland-Filiale. Das Event war auch auf Youtube und Facebook zu sehen.

1-2-3.tv will Online-Anteil von 50 Prozent
Der Verkaufssender 1-2-3.tv, nach eigenen Worten "Europas spannendste Omnichannel-Auktionsplattform", meldet für das Geschäftsjahr 2020 ein Umsatzwachstum von 23 Prozent auf 155 Millionen Euro. "TV bleibt mit rund 70 Prozent Umsatzanteil weiterhin der Hauptabsatzkanal, jedoch gewinnt der Digital Share mit 30 Prozent weiter an Relevanz und verzeichnet im Jahresvergleich ein Wachstum von 33 Prozent", so das Unternehmen. Ziel sei ein Online-Anteil von 50 Prozent.


///// HANDEL INTERNATIONAL


Österreich: Drei Viertel der E-Commerce-Erlöse gehen ins Ausland 
Das österreichische Finanzministerium hat erstmals offizielle Zahlen zum Online-Handel veröffentlicht. Wie Textilwirtschaft.de meldet, ist die Übermacht von Amazon, Zalando & Co im Corona-Jahr 2020 noch größer geworden: Der Umsatz ausländischer Online-Händler und Versandhandelsfirmen legte um rund 30 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro zu, so das Ministerium, die Erlöse von Internet- und Versandhändlern mit Sitz in Österreich stiegen lediglich um 13 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. Damit flössen mehr als drei Viertel der Online-Ausgaben der Österreicher ins Ausland.

Fachportal verreißt Galaxus-Printkatalog
"Noch reichlich Potential" und "eklatante Schwächen" hat der Print-Katalog, den der Schweizer Onliner Galaxus vor wenigen Tagen in 25.000 Exemplaren veröffentlicht hat (das "Morning Briefing" berichtete) -- zu diesem Schluss kommt das E-Commerce-Nachrichtenportal Neuhandeln.de. Unter anderem hätten die drei auf dem Titelblatt gezeigten Produkte nicht ohne jede Information bleiben sollen, und auch im Innenteil fänden sich zu viele Produktbilder ohne Angaben zu Vorteilen oder zu den Gründen der Auswahl. Das Portal bemängelt ungeschickt aufgemachte Beratung im Heft, vermisst explizite Hinweise auf die Online-Funktion der Artikelnummern und findet, die Servicehinweise zu versandkostenfreier Lieferung und Rückgaberecht seien viel zu versteckt. Fazit: "So wird es schwierig, Galaxus.de als Online-Shop, Community und Ratgeber zu positionieren."

Britische Lebensmittel-Käufer kehren in physische Supermärkte zurück
Der Online-Verkauf von Lebensmitteln in Großbritannien erreichte im April (genauer: vom 29. März bis zum 24. April) ein Wachstum von 25 Prozent und damit deutlich weniger als die 70 Prozent, die NielsenIQ seit Beginn der Pandemie registriert. Das meldet Internetretailing.net und schreibt: "Die britischen Kunden kehren nach den Lockerung des landesweiten Lockdowns in die klassischen Supermärkte zurück." Die Besuche dort hätten um drei Prozent zugelegt, das erste Plus seit einem Jahr und eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den minus 19 Prozent des Vormonats. Da der durchschnittliche Bon sinke, seien die Lebensmittelumsätze gleich geblieben (rund 8 Mrd. Pfund). Der Gesamtabsatz in britischen Supermärkten im genannten Zeitraum aber sei trotz der Teil-Wiedereröffnung des Gastgewerbes stetig um 4,6 Prozent gewachsen.

Fünf Nachrichten mit Amazon-Bezug in jeweils einem Satz
  • Das Unternehmen verlangt nicht nur von eigenen Fahrern, sondern auch von Vertragslogistikern (Delivery Service Partners) detaillierte Bewegungsdaten und schreibt den Fremd-Fahrern zudem ein gepflegtes Äußeres, den Verzicht auf aufdringliche Parfüms und ordentliches Benehmen in den sozialen Medien vor. (Bloomberg.com)
  • Ein Drittel der Amazon-Kunden in den USA (befragt wurden 2.142 US-Verbraucher) hat nach dem Kauf ein schlechtes Gewissen und will nach der Pandemie zum stationären Handel zurückkehren. (Amazon-Watchblog des Händlerbunds)
  • Jeff Bezos spielt Ebay: Für seinen ersten bemannten Raumflug, der am 10. Juli 2021 in den USA starten und etwa zehn Minuten dauern soll, versteigert Bezos' Unternehmen Blue Origin bis zum 12. Juni einen Platz. (Handelsblatt.com)
  • Derselbe Jeff Bezos baut sich angeblich eine 127 Meter lange Yacht, und zwar samt Versorgungsschiff, auf dem Hubschrauber landen können. (Businessinsider.com)
  • Womöglich für die Yacht: Nach Angaben der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission hat Jeff Bezos in den vergangenen Tagen Amazon-Aktien im Wert von fast zwei Mrd. US-Dollar verkauft. (CNBC.com)


///// TRENDS & TECH

"Whitespots" eliminieren: Otto verkuppelt eigene Daten mit denen von Google
Um herauszufinden, was die Kundschaft genau möchte und ob das Sortiment diese Wünsche deckt, koppelt Otto jetzt die eigene Produktdatenbank an Marktdaten von Google. Dazu gehören das Suchverhalten auf Google Search und das Angebot anderer Werbetreibender auf Google Shopping, zusammengefasst in einem Dahboard mit dem Namen "Mango" ("Merchant-Center Analytics with Google"). Das Ganze ist ein Inhouse-Tool und soll weiße Flecken im Sortiment ("Whitespots") gezielt eliminieren.

Cybersicherheit: Wie Onlinehändler das Risiko in 5 Schritten verringern
Dass kriminelle Angriffe auf E-Commerce-Angebote mindestens im gleichen Maß zugelegt haben wie der Onlinehandel selbst, ist kein Geheimnis. Dennoch nehmen viele Anbieter die Gefahr nicht ernst -- oder verfallen in eine Art Schockstarre. Dabei gilt es zu handeln, bevor es zu spät ist. Wie ein nachhaltiges Risikomanagement für Händler aussieht, erklären Steven Bailey und Steffen Ritter vom Technologieanbieter AOE in einem Gastbeitrag.

IT-Sicherheitsfirma warnt: Paket-ist-da-Malware immer noch aktiv
Seit Wochen kursieren Berichte über eine Malware, die Smartphone-Nutzer per SMS auffordert, eine Paketverfolgungs-App herunterzuladen -- die dann sensible Daten abgreift. Der IT-Sicherheits-Firma Avast zufolge gibt es "immer noch jeden Tag Dutzende neuer Versionen" dieser Malware, die den Namen "Flubot" trägt. "Obwohl Sicherheitslösungen diese Angriffe blockieren, zeigt die schnelle Fortsetzung der Kampagne, dass sie erfolgreich ist", warnt das Unternehmen. "Daher sollten Anwender dringend wachsam bleiben." Die gegenwärtigen Haupt-Zielländer seien Spanien, Italien, Deutschland, Ungarn, Polen und Großbritannien.

Paypal wächst im ersten Quartal 2021 um die Hälfte
Um 50 Prozent auf 185 Mrd. Dollar wuchs das Volumen, das Zahlungsdienstleister Paypal im ersten Quartal 2021 abwickelte. Wie Handelsblatt.com schreibt, stiegen die Erlöse um 29 Prozent auf 6,0 Mrd. US-Dollar, der Betriebsgewinn um 162 Prozent auf 1,0 Mrd. Dollar (0,8 Mrd. Euro). Dahinter stehen unter anderem 14,5 Mio. neue Kunden. Paypal führt all die positiven Zahlen eindeutig auf die Verlagerung des Konsums in den E-Commerce zurück.