Zum Wochenstart heute ein Buchtipp: Der E-Commerce hat im Darknet einen fast totgeschwiegenen Bruder, den „Dark-Commerce“. Die Parallel-Ökonomie ist dem klassischen Onlinehandel mit seinen konkurrierenden Marktplätzen, Affiliate-Systemen, Schlichtungsstellen und Nutzerbewertungen sehr ähnlich. Gehandelt werden Falschgeld, Drogen, illegale Medikamente und vieles mehr. Autor Stefan Mey hat gerade die dritte Auflage seines Buches „Darknet – Waffen, Drogen. Whistleblower. Wie die digitale Unterwelt funktioniert“ im Verlag C.H.Beck angekündigt. Reinlesen lohnt sich. 

///// HANDEL NATIONAL
Zalando und Hellofresh neu im DAX
An der Deutschen Börse wird am 20. September die Zahl der Dax-Mitglieder von 30 auf 40 erhöht. Mit dabei zwei Online-Händler - neben der Mode-Plattform Zalando (bereits seit 2015 im MDax) auch der Kochboxen-Anbieter Hellofresh. Zalando Co-Chef und Mitbegründer Robert Gentz sagt mit Stolz in einer Pressemeldung: Gemeinsam haben wir ein Start-up, das aus einem Keller heraus Flip-Flops verkauft hat, zu einer europaweiten Plattform mit rund 45 Millionen Kund*innen entwickelt. Und die wirklich großen Chancen liegen noch vor uns.” 

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Mit der GründerInnenstadt-Initiative unterstützen Facebook und Instagram Unternehmerinnen beim Aufbau krisenfester Geschäftskonzepte

Laut Facebooks Wirtschaftsstudie zur Lage von Kleinunternehmen aus dem Jahr 2020 beklagten 53 Prozent der von Frauen geleiteten Unternehmen während der Pandemie Umsatzeinbußen, während es bei von Männern geführten Unternehmen 37 Prozent waren. Grund genug für Facebook, die Mittelstandsinitiative GründerInnenstadt ins Leben zu rufen. Mehr zur GründerInnenstadt-Initiative.

Delivery Hero stockt Kasse mit Wandelanleihe auf
Der Online-Lieferdienst Delivery Hero braucht mal wieder frisches Geld. Per Ausgabe von Wandelanleihen, die das Unternehmen kurz nach Börsenschluss am vergangenen Donnerstag ankündigte, will man sich mehr als eine Milliarde Euro für kommendes Wachstum sichern. Die Verzinsung läge am oberen Ende der Vorstellung des Managements, heißt es in Medien. Die Ausgabe soll um den 10. September erfolgen. Delivery Hero hat seit seiner Gründung im Jahr 2011 im laufenden Geschäft noch nie Geld verdient. Es bleibt abzuwarten, wie lange die Helden noch im Dax bleiben, dem nach der Verschärfung der Regeln nur noch profitable Unternehmen angehören dürfen. Dies soll nun zweimal jährlich überprüft werden.  

Amazon-Aktionstage #ausgeliefert: Ver.di geschockt über Repressalien, Überwachung und Arbeitsbedingungen
Nach Gesprächen mit rund 8.000 Fahrer:innen in Transport und Zustellung bei Amazon an mehr als 30 Standorten in den ersten Septembertagen zieht die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsisdie zwar eine positive Bilanz der Amazon-Aktionstage #ausgeliefert, zeichnet aber gleichzeitig ein erschreckendes Bild von den Arbeitsbedingungen vor Ort. In hunderten von Beratungsgesprächen hätten die Betroffenen über nicht gezahlte Gehälter, Repressalien, Überwachung, Zeitdruck und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen berichtet. Die Auslagerung der Belegschaft an Logistik-Partner müsse ein Ende haben; Amazon solle die Beschäftigten direkt anstellen, lautet eine Hauptforderung in der Pressemitteilung der Gewerkschaft, die außerdem die Politik in der Verantwortung sieht, die Verstöße gegen geltendes Recht bei Mindestlohn und Arbeitszeiten durchzusetzen.  


///// HANDEL INTERNATIONAL

Alibaba-Gruppe will 13,1 Mrd. Euro in die Förderung des allgemeinen Wohlstandes in China stecken
Aus dem Land der aufgehenden Sonne kommen in diesen Tagen Nachrichten, die nachdenklich stimmen: So hat Staatschef Xi Jinping Unternehmer und große Firmen im Land aufgerufen, einen Beitrag zum Wohlstand der Bevölkerung zu leisten, da die Einkommensunterschiede im Land sehr unterschiedlich seien. Alibaba-Chef Daniel Zhang kündigte nun an, 13,1 Mrd. Euro bis zum Jahr 2025 unter anderem in eine bessere Gesundheitsversorgung, für technische Innovationen und für kleine und mittlere Unternehmen bereitzustellen. An der Börse in Hongkong verlor die Aktie des Unternehmens daraufhin satte vier Prozentpunkte. Die Anleger sorgten sich um die Geschäftszahlen des Konzerns, mutmaßt Spiegel.Online.   

Amazon-Nachrichten vom Wochenende im Überblick: 
  • Amazon wird als Frachtdienstleister außerhalb des eigenen Kundenkreises aktiv und damit zum Wettbewerber für Fedex und Ups, berichtet CNBC.
  • CNBC hat außerdem eine Karte der USA veröffentlicht, auf der das Wachstum der Cargo-Flieger-Flotte von Amazon seit April 2020 aufgezeigt wird. 
  • Eine beunruhigende Nachricht gibt es für Sony, LG und Samsung: Amazon wolle in den USA noch rechtzeitig vor den Weihnachtsfesttagen eigene Smart-TVs auf den Markt bringen. 
  • Da die zusätzliche staatliche Arbeitslosenunterstützung in den USA heute ausläuft, rechnet die Bank of America mit einem Bewerberansturm bei Amazon. Das Unternehmen könne im 4. Quartal bis zu 100 Tausend neue Mitarbeiter einstellen. 


///// TRENDS & TECH

Händler-Apps nerven Kunden
Ob dm, Lidl oder Rossmann - der Handel setzt verstärkt auf eigene Kunden-Apps, die Printprospekte ersetzen sollen. Die Downloadzahlen sind vielversprechend und der Vorteil für die Händler liegt auf der Hand: Das Kundenverhalten ist digital auswertbar. Doch mögen die Kunden:innen so viele Apps und nutzen sie diese auch? Eine Analyse des Handelsblattes legt nah, dass sie eher bald aufgrund der App-Flut genervt sein dürften. Das Urteil: rausgeschmissenes Geld. 

Aliexpress und Cainiao starten kontaktlose Schließfächer in Frankreich
AliExpress und Cainiao haben in Paris erstmals 60 kontaktlose Schließfächer zur Selbstabholung aufgestellt. Die Abholvariante kann bei der Bestellung bei AliExpress nun ausgewählt werden. Die digitalen Schließfächer seien eine sichere und kontaktlose Alternative, um Pakete rund um die Uhr mit einem digitalen Code zu empfangen, heißt es bei Aliexpress.

Wo sie aufgestellt werden, bestimmen Algorithmen. Aktuell befinden sie sich in den wichtigsten Geschäftsvierteln von Paris. Bis Ende dieses Jahres soll es in Frankreich bereits 650 digitale Schließfächer geben.

Pinterest schickt Mitarbeiter in eine bezahlte Auszeit
Um sich zu entspannen und Burnout-Symptome zu lindern, schickt Pinterest seine Mitarbeiter für einen Freitag in eine bezahlte Auszeit. Weltweit bleiben die Büros geschlossen. "Pintentions" heißt das Pinterest-Programm zur Selbstfürsorge, das den Mitarbeiter:innen helfen soll, den Reset-Knopf zu drücken und Burnout zu vermeiden, so Pinterest. Man solle sich Zeit nehmen, um das zu tun, was dazu beitrage, dass man die Batterien wieder auflade.


///// NACHHALTIGKEIT

Bremen und Niedersachsen fördern Plattform für Regional-Shopping
Noch ist es nur ein Projekt, aber es klingt zukunftsträchtig und vor allem nachhaltig: An der Hochschule Bremerhaven wurde das Projekt „R3 – Resilient Regional Retail in der Metropolregion Nordwest“ aus der Taufe gehoben und es erhält gleich auch noch 125-Tausend Euro aus den Förderfonds der Bundesländer Niedersachsen und Bremen. Die Idee: Online shoppen, aber gleichzeitig regional einkaufen und von regionalen Logistikdienstleistern beliefert werden. Man erschaffe „eine digitale Plattform, die vor allem die Prinzipien der Nachhaltigkeit, Fairness und Regionalität berücksichtigt“, erläutert Dr. Anna Meincke, Geschäftsführerin der Metropolregion Nordwest. Ziel sei eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Versorgungs- und Logistikstruktur. 

Decorami steht für nachhaltige und biologisch abbaubare Party- und Dekoartikel
Ein Start-up aus Neu-Isenburg revolutioniert den Verkauf von Produkten, die erst seit kurzem wieder richtig aus dem Pandemie-Quark kommen: Party- und Deko-Artikel. Im Jahr 2017 als Online-Shop gestartet, entwickelte Decorami.de im Jahr 2019 seine nachhaltige Eigenmarke, bei der in der Produktqualität auf Wiederverwendbarkeit, Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Materialien geachtet wird. Auch die Verpackungen sind zunehmend plastikfrei und aus FSC Papier. Seit 2020 ist Decorami.de profitabel. Anfang September nun investierten einige Business-Angels aus der Rhein-Main-Region in das "Noch"-Start-up. Die Finanzmittel sollen unter anderem in den Rollout beim Einzelhandel fließen.