Liebe Leserin, lieber Leser, was wurde sie kritisiert und beschimpft. Doch nach einem Jahr fällt das Resümee durchaus positiv aus. Na klar, die DSGVO könnte weniger bürokratisch sein, aber sie zeigt Wirkung. Noch nie wurde so häufig über Datenschutz im Internet diskutiert wie in den letzten Monaten – auch der vielen Datenhacks, Sicherheitslücken und Pannen wegen. Am 25. Mai 2018 wurde sie eingeführt, in den nächsten Tagen werden wir hier beim Morning Briefing von etailment sicher noch mehr Bilanzen zu ihrer Wirkung ziehen.

DSGVO wirkt
So oft wie in den letzten Monaten wurde noch nie über Datenschutz im Internet diskutiert: nur ein Effekt der Datenschutz-Grundverordnung, deren Einführung sich am 25. Mai jährt. Tatsächlich ist das Bewusstsein für die Sensibilität von Personendaten nicht nur unter Nutzern, sondern auch im Handel und Marketing gewachsen. Auf die Kehrseite der Medaille verweist der Branchenverband Bitkom in seinem kurzen Resümee: Die DSGVO-Regeln sind unpraktisch und bremsen neue Technologien. Drei von vier Unternehmen, das ergab eine Umfrage, trauen sich nicht an neue Techniken und Automatisierung ran, weil sie Konflikte mit dem Datenschutz ihrer Kunden befürchten.

Getyourguide kriegt Geld
Endlich mal wieder ein Einhorn: Die Start-up- und Gründerszene jubelt über die fünfte Finanzierungsrunde bei Getyourguide. 433 Millionen Euro konnte das 2009 gegründete Unternehmen, das Touristikleistungen wie Führungen vermarktet, von verschiedenen Investoren einsammeln und wird mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro zum Einhorn. Getyourguide wurde 2009 in Zürich gegründet, beschäftigt 450 Mitarbeiter an 14 Standorten und soll seit dem Start rund 25 Millionen Tickets vermittelt haben.

Conrad liefert automatisch
Amazon hat den Smart Button wieder abgeschafft, Conrad bietet ihn jetzt an: Damit oder mit Sensoren können Kunden Verbrauchsmaterialien automatisch nachordern. Conrad Connect nennt sich das smarte Programm, die Voraussetzung ist ein Kundenkonto, weiß Onlinehändler-News.

BSH lässt einkaufen
Hausgerätehersteller BSH legt sich mit Chefling ein Start-up aus dem Silicon Valley zu, berichtet Möbelmarkt: Das Unternehmen bietet eine App, mit der sich Hausgeräte vernetzen und Vorräte clever erneuern lassen. Sie meldet aus dem Kühlschrank, wann Butter und Milch zur Neige geht und legt Einkaufslisten an, die auf den Vorlieben der Familie basieren. Fehlt eigentlich nur noch die Anbindung an den Supermarkt. Die kommt aber später, Chefling beschränkt sich zudem erst auf seinen Heimatmarkt USA.

Visa Debit startet
Mit Verspätung startet mit Visa seine Kreditkarte mit direktem Zugriff aufs Konto auch in Deutschland. Visa Debit funktioniert überall dort, wo Visa und V-Pay angenommen werden. Zum Start gab's auch noch ein paar Zahlen: Danach nahmen die Transaktionen mit Visa in Deutschland insgesamt um 20 %, die kontaktlosen Geldgeschäfte  sogar um 60 % zu. Und so wurden, wie Mobiflip weiß, 15 Prozent mehr Umsatz erzielt.

INTERNATIONAL

DHL lässt die Drohnen los
Mit Drohnen beliefert DHL jetzt erste Kunden in China: Vom DHL-Standort in Liaobu fliegen die vollautomatisierten Geräte acht Kilometer zu ersten Kunden. Um noch mehr Drohnen-Lösungen speziell für Ballungsgebiete und Boomregionen entwickeln zu können, ist der Logistikkonzern außerdem eine strategische Partnerschaft mit Drohnen-Hersteller Ehang eingegangen. Von ihm kommen die Fluggeräte, DHL entwickelt mit ihnen Services.

Schweizer Onlineshops legen zu
Der eine gewinnt, der andere verliert: Während die Shopping-Center in der Schweiz 2018 insgesamt 170 Millionen Franken Umsatz verloren, legten die Erlöse bei den zehn größten Online-Händlern um 600 Millionen auf 2,25 Milliarden Franken zu. Komischer Vergleich, gibt selbst Carpathia zu, die diese Zahlen gegenüberstellen, aber sie zeigten eine Entwicklung: Nämlich die, dass selbst in der kleinen Schweiz manchem der Weg zum nächsten Händler zu lang ist. Unter die Top-10 der umsatzstärksten Shops findet sich übrigens schon Aliexpress. 

Uniqlo gehackt
Innerhalb von gut zwei Wochen wurden mehr als 450.000 Kundenkonten von Uniqlo gehackt. Das Unternehmen wurde vor Kurzem darauf aufmerksam und entschuldigte sich nun bei seinen Kunden. Es will nun mehr Sicherheitsvorkehrungen gegen Hacker treffen, berichtet Fashionunited. Warum muss eigentlich immer erst etwas passieren, dass aufgepasst wird?

eBay wird sicherer
Mehr Sicherheit für Kunden will eBay mit einer neuen Zwei-Stufen-Verifizierung beim Konto-Zugang erreichen. Mit der neuen Sicherheitsstufe erhalten eBay-Kunden bei jedem Login eine Nachricht zur Bestätigung ihrer Anmeldung. So könne, meint das Unternehmen, selbst dann verhindert werden, dass Unbefugte aufs Kundenkonto zugreifen, wenn diese das Passwort kennen.

Amazon will Deliveroo
Seit einiger Zeit ist zu beobachten, dass Amazon verstärkt in seine Logistik investiert: Jetzt soll sich der Online-Händler am Lieferdienst Deliveroo beteiligen, berichtet Sky-News. Deliveroo sammelt nämlich gerade Geld ein, ein Teil der 450 Millionen Pfund soll Amazon beisteuern.

TRENDS & FAKTEN

Schneckenpost zum Kunden
Wie lange dauert es eigentlich, bis Online-Händler auf Kundenfragen antworten? Zwischen acht Minuten und 71 Stunden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Dienstleister Solvemate. Am besten schnitt Bonprix ab, am schlechtesten indes H&M. Kunden bemängeln nicht nur die Schneckenpost, sondern auch, dass viele Antworten nicht ausreichend auf Probleme eingehen. Da geht noch was, liebe Händler, oder?

Vorsicht Betrug
Okay, hier hat ein Dienstleister gefragt, der damit auch seine Services vermarkten will. Aber 97 % der Online-Händler geben zu, dass sie bereits ein- oder mehrmals Opfer von Betrügereien geworden sind. 85 % klagen über Kunden, die bestellen, obwohl sie nicht bezahlen können; 91 % über gestohlene Identitäten und 97 % über falsche Namen und Adressen. Wie gesagt, der darauf spezialisierte Dienstleister Crifbürgel hat hier seine Kunden im deutschsprachigen Raum befragt. Vorsicht ist dennoch geboten.

Die Zahl des Tages
kommt heute von Walmart: Um 37 % konnte das US-Handelshaus seine Online-Umsätze im ersten Quartal steigern. Mehr als im Vergleichszeitraum 2018, aber 6 % weniger als zur Festsaison Ende des Jahres, meldet CNBC. Insgesamt bilanziert Walmart Erlose von rund 124 Milliarden US-Dollar, von denen 4 als Netto-Einkommen im Unternehmen bleiben.

Lesenswert
Anstatt wie gewohnt zu einem Start-up zu verlinken, rückt etailment hier die Zukunft des Handels in den Mittelpunkt. Die ist nämlich schon in China zu besichtigen, und wir haben sie uns angesehen.

Favorit der Leser am Vortag
Frauen schaffen das: Jahrelang kränkelte Douglas – jetzt legt der Beauty- und Lifestyle-Konzern wieder gute Zahlen vor. Der Online-Handel legte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2018/2019 um knapp 37 %. Zu verdanken ist das Tina Müller, seit 2017 im Chefsessel bei Douglas. etailment hat sie ihre Marktplatz- und Plattform-Pläne erzählt.

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