In Darmstadt gibt es die Lokalposse "Datterich". Das ist ein Stück aus der Biedermeierzeit und die Hauptfigur Datterich ein Trunkenbold und Sprücheklopfer. Einer seiner Weisheiten lautet: "Geld auszugeben, wenn man welches hat, ist keine Kunst. Aber Geld auszugeben, wenn man keines hat - das ist eine Kunst." Viele Händler werden das in diesen Corona-Krisenzeiten genauso sehen. Es wird immer schwerer, alles zu bezahlen, was man muss. Oft bleiben nur unangenehme Entscheidungen. In manchen Firmen bezahlen sich sogar die Mitarbeiter deswegen gar nichts mehr. 

///// HANDEL NATIONAL

Vorübergehend zahlungsunwillig
Kurzarbeit, Staatshilfen und jetzt geht es an die Lieferanten. Sowohl Douglas als auch Galeria Karstadt Kaufhof wollen ihre Rechnungen später begleichen, wie die Lebensmittel Zeitung herausgefunden hat. Das bedeutet demnach beim Warenhauskonzern, dass er seine Rechnungen erst wieder ab Mitte April bezahlen wolle. Der Parfümeriefilialist wiederum verfahre unterschiedlich: Große Lieferanten hätten von Douglas trotz Mahnung kein Geld mehr bekommen. Bei kleineren soll das Unternehmen wiederum seinen Verpflichtungen nachgekommen sein. Was nicht verwundert: Bei den kleinen Lieferanten fallen halt auch die Rechnungsbeträge kleiner aus.

Mit Lidl surfen soll sich lohnen
Lidl hat die Datendrosselung seiner Mobiltelefonkunden attraktiver gestaltet, schreibt Mobilflip. Heißt: Die Surf-Geschwindigkeit wird nach Verbrauch des inkludierten Datenvolumens auf 384 Kbit/s angehoben. 

Sinn fürchtet ein "Sterben auf Raten"
Galeria Karstadt Kaufhof will sie, Sinn jetzt auch. Der Hagener Modefilialist befürchtet ohne frische Liquidität durch Staatshilfe ein "Sterben auf Raten", wie es Unternehmenschef Friedrich Wilhelm Göbel in der TextilWirtschaft formuliert. April und Mai werde es wohl noch irgendwie gehen - aber dann wird es eng. Dieses Schicksal teilt Sinn wohl mit zig anderen deutschen Händlern. Und wie Göbel können sie auch ein Lied davon singen, wie grausig es derzeit ist, mit Banken über Kredite zu verhandeln. 

Textilien aus Asien: Lieferungen dauern immer länger
Da hat man als Modehändler alles richtig gemacht und flugs auf E-Commerce umgestellt - doch plötzlich fehlt etwas Wichtiges: die Ware. Die Lieferketten zwischen Deutschland und Herstellerländern wie Bangladesch und China sind porös geworden. Um bis zu 30 Tage verzögert sich mittlerweile der Transport aus Asien, schreibt Logistik heute und beruft sich dabei auf eine Untersuchung des Bochumer Softwareunternehmens Setlog. Für manche stationäre Textilhändler muss das zwangsläufig keine schlechte Nachricht sein, denn sie wissen ja derzeit nicht mehr wohin mit der Ware in ihren überquellenden Lägern.

Teleshopping im Internet
Plötzlich ist (fast) jeder Onlinehändler. Mal mehr, mal weniger gut. Die Könner gehen noch einen Schritt weiter und beraten ihre Kunden per Livestream. Das ist ein bisschen wie das gute, alte Teleshopping, nur im Internet. Als China voll in der Corona-Krise steckte, nutzten dort immer mehr Händler dieses Format. Der Markt ist mittlerweile verblüffend groß. Ob und wie so etwas auf den deutschen Einzelhandel übertragbar ist, darüber denkt OMR nach. Eines der guten Beispiele ist "SPS - das Lädchen" aus Bedburg im Rheinland, das für donnerstags und freitags zum Live-Shopping auf Instagram einlädt. 

Hellofresh gewinnt in der Krise
Wie und warum Zalando plötzlich nicht mehr so gut da steht, das dröselt gewohnt akribisch Excitingcommerce auf. Dass auf der anderen Seite der Kochboxenversender Hellofresh jetzt ordentlich zulegt, wird auch erklärt. Wenn die Menschen eben nicht mehr im Restaurant essen dürfen, brauchen sie lukullische Inspiration für daheim. Und die kommt jetzt via Internet. Die Börse belohnt Hellofresh seit Tagen. MHK legt 2019 zu und freut sich übers Onlingeschäft
Nichts ist mehr so wie es vor der Krise war, auch nicht in den Musterhausküchen der MHK. Vorher, also 2019, konnte der über 6,6 Milliarden Euro schwere Küchen- und Dienstleistungsverbund mit seinen 3.264 angeschlossenen Unternehmen noch ein fettes Umsatzplus von 10,5% einspielen. Doch was nach den verordneten Ladenschließungen durch die Corona-Krise kommt, lässt sich nicht vorhersagen. Das räumte am Dienstag MHK-Chef Hans Strothoff in der "ersten Video-Pressekonferenz seines Berufslebens" ein. Doch in all dieser Ungewissheit ist für ihn eines gewiss: "MHK wird gestärkt aus der Krise hervorgehen." Schließlich hat das Onlinegeschäft infolge der Krise mächtig Fahrt aufgenommen. Die Leute sitzen zu Hause und konfigurieren ihre Küche selbst – mit passender Aufmaß-App und dem MHK-eigenen Carat-Onlineplaner. Und wer damit Probleme hat, der kann sich über Screen Sharing quasi per Live-Schaltung mit seinem Händler online beraten lassen. Nach der Krise werden die Leute dafür dann doch eher wieder in den Laden gehen. Eine Krise des stationären Handels sieht Strothoff deshalb nicht. Zumal die MHK-Händler erst kürzlich für 2019 eine Ausschüttung von 131 Millionen Euro erhalten haben – quasi kurz vor Ladenschluss.   

Corona im Überblick
Wie in den letzten Wochen informiert etailment Sie weiterhin aktuell über die wirtschaftliche Entwicklung in Zeiten der Corona-Pandemie: Lesen Sie im Corona-Dossier Nachrichten, Berichte und Analysen aus Handel, Gastronomie, Touristik und Modewelt, aus der Lebensmittelbranche, Finanzwelt sowie aus der Logistik. Damit Sie vorbereitet sind auf die Veränderungen in der Wirtschaft und sich für den Restart rüsten

//// HANDEL INTERNATIONAL

Mit Gehaltsverzicht die eigene Firma retten
Das ist mal ein Beweis für die Treue zum eigenen Arbeitgeber. Die Mitarbeiter von Gravity Payments verzichten freiwillig auf Teile ihrer Gehälter, um den Kreditkartendienstleister zu retten. Wie hoch der Verzicht ausfällt, darf jeder für sich entscheiden. Bemerkenswert: Zwölf Kollegen wollen erst einmal gar kein Geld mehr erhalten, schreibt Geekwire. So eine Solidarität lässt sich aber auch auf die spezielle Unternehmenskultur zurückführen. Graivty Payments ist bekannt für seine Einkommensgleichheit, das Mindestgehalt beträgt hier 70.000 Dollar im Jahr. Der Zahldienstleister mit Sitz in Seattle beklagt allerdings seit Beginn der Corona-Krise einen Umsatzrückgang von etwa 55%.

Auch die Werber müssen sparen
Für diejenigen, die mit, von oder wegen Werbung leben, ist das eine wichtige Botschaft: Alles, was damit zusammenhängt, wird eingedampft. Siehe WPP. Der weltweite Konzern aus Werbeagenturen hat einen harten Sparkus eingeschlagen, meldet Horizont. Mit Einstellungsstopp, Überprüfung der Ausgaben für Freiberufler, Gehaltsverzicht beim Top-Management (20 Prozent) sowie die Streichung von Reisekosten und Ausgaben für Award Shows will die Holding 1,1 Milliarden Britische Pfund (1,24 Milliarden Euro) einsparen. Auch an Kreativwettbewerben sollen die WPP-Töchter in diesem Jahr nicht mehr teilnehmen. Zu WPP gehören auch die deutschen Agenturen Scholz & Friends und Thjnk.

Fiebermessen zum Schichtbeginn
Für sämtliche Mitarbeiter bei Walmart beginnen jetzt die Arbeitstage mit: Fiebermessen. Sollte bei jemand eine Temperatur von 100 Fahrenheit (37,7 Grad) haben, wird er nach Hause geschickt - oder dort bleiben, wenn er den Wert bereits dort feststellt. Walmart, größter Lebensmittelhändler der Vereinigten Staaten, wird alle Läden, Vertriebs- und Fulfillment-Zentren mit Infrarot-Thermometern ausstatten, heißt es bei CNBC. Wegen der Größe des Unternehmens könne die Belieferung allerdings bis zu drei Wochen dauern. Bei Walmart sind rund 1,5 Millionen Menschen beschäftigt.

////TRENDS & TECH

Mehr Geld für Start-ups 
Der Bundesregierung sind Start-ups offenbar einiges wert. Also schüttet Bundesfinanzminister Olaf Scholz zusätzlich 2 Milliarden Euro an die deutsche Gründerszene aus, und davon ist nicht nur das Handelsblatt überrascht. Denn erst letztens wurde vom Bund ein Corona-Rettungsschirm für millionenschwere Start-ups aufgespannt.

Zahl des Tages
470.000 deutsche Unternehmen haben laut Handelsblatt mittlerweile bei den Arbeitsagenturen Kurzarbeit angemeldet. Prominente Vertreter aus der Handelsbranche sind Douglas, Media-Markt-Saturn und die Drogerie Müller (in einigen Unternehmensbereichen). Was beruhigen soll: Die Bundesanstalt für Arbeit habe 26 Milliarden Euro Rücklagen, betont deren Chef Detlef Scheele. Ob dieses Geld allerdings genug ist, wird man in ein paar Monaten wissen.

Favorit der Leser
Ohne reibungslose Logistik funktioniert auch kein Onlinehandel. Doch derzeit wackelt das Liefersystem, das ohnehin schon am Limit war. Mehr mehr Laster und mehr Fahrer sind aber nicht die Lösung, sagt etailment-Gastautor Martin Groß-Albenhausen. Er fordert vielmehr neue, kooperative Geschäftsmodelle.