Die Pandemie stellt Unternehmen in Deutschland weiterhin vor große Herausforderungen. Die Abgabepflicht der Jahresbilanz wurde nun verschoben, denn Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sind aufgrund der Beantragungsflut der Sofort- und Überbrückungshilfen überlastet. Liefergeschwindigkeiten stehen in Frage, weil die Lieferdienste zum Nadelöhr für die Impfstoffverteilung geworden sind.

///// HANDEL NATIONAL
Insolvenzen bleiben bisher aus - Jahresabschluss vertagt
Lebensmittel- und Onlinehandel sind nach Ansicht von Wortfilter.de auch im Jahr 2021 am wenigsten von Unternehmensinsolvenzen bedroht. Aktuell ist die Meldepflicht bis Ende Januar ausgesetzt. Durch die Aussetzung für das Jahr 2020 hielt sich die Zahl der Insolvenzen fast im Normalbereich. Die befürchtete Welle sei bisher ausgeblieben. Wie es weitere gehe, hänge von den politischen Akteuren ab. Sicher sei, dass alle Unternehmen derzeit einem hohen Risiko ausgesetzt sind.
Nicht nur bei der Insolvenzanmeldung auch bei Abgabe der Jahresbilanz können sich Unternehmen nun bis Ende Juni 2021 Zeit lassen. Es fallen keine Nachzahlungszinsen an. Grund dafür sei die Überlastung der Steuerberater durch Sofort- und Überbrückungshilfen, schreibt das Handelsblatt

Notebooksbilliger.de soll 10,4 Mio. Euro Bußgeld zahlen
Der Datenschutzbeauftragte des Landes Niedersachsen hat nach einer bereits im Jahr 2017 begonnenen Untersuchung nun ein Bußgeld in Höhe von 10,4 Mio. Euro gegen den Online-Händler Notebooksbilliger.de verhängt. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Videokameras zur Überwachung von Warenfluss bei Lagerung, Verkauf und Versand der hochwertigen IT-Produkte einzusetzen. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder bezeichnete die Höhe des Bußgeldes in einer Pressemeldung als absolut unverhältnismäßigDie Datenschutzbehörden müssten bei der Verhängung von Bußgeldern mehr Augenmaß entwickeln. Wichtig sei, in jedem Fall auch die Kooperationsbereitschaft des Unternehmens zu bewerten und den Willen, entdeckte Missstände abzustellen. Ferner müsse die wirtschaftliche Leistungskraft des betroffenen Unternehmens berücksichtigt werden.  

HDE lehnt Verlängerung der Gewährleistungspflicht ab
Laut einer Umfrage des Handelsverband Deutschland (HDE) sind die Kunden mit den Regelungen für Umtausch und Gewährleistung zu 90% seit Jahren sehr zufrieden. Warum also ein funktionierendes System ändern? Der Dachverband des deutschen Handels lehne deshalb die vom Justizministerium vorgeschlagene Verlängerung der Gewährleistungspflicht rundum ab, heißt es in einer Pressemeldung. Zusätzliche Belastungen seien in der aktuellen Corona-Krise nicht tragbar. Schon jetzt koste die Gewährleistung den Einzelhandel pro Jahr rund 1,4 Milliarden Euro. 


///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon lockert Liefergeschwindigkeit wegen Pandemie
Amazon Drittanbieter-SFP-Verkäufer können aufatmen: Der Online-Riese setzt die für Februar geplante Einführung der Lieferpflicht innerhalb 1-2 Tagen und an Samstagen aufgrund der Corona-Pandemie-Restriktionen und der starken Belastung der Lieferdienste mit der Impfstoffverteilung bis auf weiteres aus. Bereits vor der Corona-Krise gab es Schwierigkeiten mit dem Prime-Lieferversprechen innerhalb von zwei Tagen. Nur 16% der US-Händler erreichten die Vorgabe, denn viele arbeiten nicht am Wochenende. Mit Hilfe eines neuen Dashboards soll die Lieferzeit nun unterstützend individuell gemessen und optimiert werden. 

Sofa mit Rückkaufgarantie
Das US-amerikanische Start-up Sabai's startet am kommenden Freitag ein „Buyback"-Programm für beim Unternehmen gekaufte Sofas. Die gebrauchten Sitzmöbel werden anderen Kunden angeboten. Ziel ist es, die immer größeren Müllberge mit Gebrauchtmöbel zu reduzieren und eine lange Nutzung der oft hochwertigen Möbel zu ermöglichen. Sabai's zahlt für den Rückkauf 15% des ursprünglichen Preises bei Auszahlung oder 20% in Gutscheinen. 

In den USA wachsen die Papiermüllberge in der Corona-Krise
Der starke Anstieg des E-Commerce hat in den USA zu Engpässen in der Beseitigung von Verpackungsmaterial geführt. Einem Bericht von theverge.com zufolge, werden die Verbraucher mit der Entsorgung von den Händlern im Stich gelassen. Eine Strategie für die Entsorgung gäbe es weder auf der Seite der Anbieter noch der Kommunen. Letztere sehen sich mit einem Anstieg von 25% konfrontiert. Auch die Recycling-Branche befinde sich aktuell in der Krise.  


///// TRENDS & TECH

Douglas: Wettbewerbsvorteil durch KI-basierte Technologien
Der Premium-Beauty-Händler Douglas digitalisiert sein Lieferketten-Management, um sein E-Commerce-Wachstum weiter voranzutreiben. Zum Einsatz kommt dabei die KI-gesteuerte Software von RELEX Solution. Über KI gesteuert wird außerdem die Personalplanung für die Logistikstandorte und Filialen sowie die individuelle Warenplatzierungen in den Douglas Filialen. „Digital First ist unsere Grundhaltung“, unterstreicht Tina Müller, CEO der Douglas Group, in einer Pressemeldung. „Unser Ziel ist es, alle Prozesse im Unternehmen mit digitalen Lösungen noch kundenorientierter zu machen." Seit 2018 sind die E-Commerce-Umsätze von Douglas pro Jahr um rund 35% gewachsen. 

Favorit der Leser
Baut Amazon ein umfassendes Social-Media-Commerce-Network auf, um der wachsenden Konkurrenz weiterhin davonzulaufen? Etailment-Experte Christian Kelm analysiert die Möglichkeiten des Online-Riesen angesichts des Verlusts der logistischen Kapazitäten.