Die Prognosen für die Weihnachtszeit sind für den Handel durchwachsen. Nach den Ergebnissen der Markt- und Konsumforscher sind die Budgets für die Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr meist geringer als 2020, die Höhe der Kürzungen variiert aber. Abweichungen gibt es auch bei der Frage, wie hoch der Anteil der Online-Shopper ist und wie viele Geschenkekäufer es von den Ladengeschäften ins Internet zieht. Die vor ein paar Wochen noch prognostizierte Bewegung der Kunden wieder in die Innenstädte ist nach den nun herrschenden Inzidenzwerten und einem drohenden Lockdown unwahrscheinlich, was ja schon am vergangenen Wochenende zu sehen war. Aber es ist noch lange nicht sicher, ob die Online-Händler wieder die Gewinner der Situation sein werden. Die Geldbeutel könnten auch noch schmäler werden, da die Verbraucher am Ende noch mehr sparen. Entweder weil sie durch den Mangel an einigen Produkten gar nicht kaufen können oder weil Inflation und unsichere Pandemieentwicklung sie vom Kaufen abhalten.

///// HANDEL NATIONAL

Ebay prüft Turnschuhe unter eigener Regie mit Sneaker Con
Der Markt für den Verkauf von Sneakern ist keine Goldgrube, aber ein sehr lohnendes Geschäftsfeld. Doch wie bei allen solchen Segmenten werden auch hier immer wieder Betrüger angelockt. Ein Gesichtspunkt, mit dem auch Ebay immer wieder konfrontiert wird. Die Plattform hat die Echtheitsprüfung im vergangenen Jahr aufgenommen, im August startete sie in Deutschland, nun folgt mit der Übernahme von Sneaker Con Digital der nächste Schritt. Das Unternehmen gehört zum Anbieter Sneaker Con, mit dem Ebay seit einiger Zeit kooperiert, und führt seit 2018 die Überprüfung der Turnschuhe auf ihre Echtheit durch. Nach einem Bericht der Textilwirtschaft gelte die Authentifizierung für Schuhe ab einem Kaufpreis von 100 Euro, untersucht würden Verpackung, Ettiketten, Sohlen, Nähte, Fersenlaschen oder Logos.

MBE übernimmt Presta Shop
Mail Boxes Etc. (MBE) ist den nächsten Schritt gegangen und hat den E-Commerce-Plattformanbieter Presta Shop komplett unter seinem Dach untergebracht. MBE sieht sich mit dieser Akquistion auf dem Weg, um das Ziel einer "weltweit führenden E-Commerce- und Logistik-Plattform" realisieren zu können. MBE könne sich als franchisebasierter Dienstleister für Versand, Verpackung, Fulfillment, Grafik und Druck nun mit seinem Portfolio noch breiter für die Gruppe der kleinen und mittelständischen Unternehmen positionieren. Die Zahl der Kunden liege hier bei rund 600.000 in Europa und weltweit bei über einer Million. Die Serviceleistungen sollen nun nach der Übernahme von Presta Shop um Funktionalitäten für den Aufbau eines Online-Shops erweitert werden.

Gorillas erhöht die Aufschläge
Der Schnelllieferdienst Gorillas verändert seine Lieferbestimmungen und die Tarife. Kleinere Bestellungen werden teurer, die Aufschläge werden heraufgesetzt, meldet die Lebensmittelzeitung. Der Mindestbestellwert für eine aufschlagfreie Lieferung liege nun bei 15 Euro. Sollten die Kunden für einen geringeren Warenwert bestellen, kommen 2,10 Euro Aufschlag obendrauf, neben der Liefergebühr in Höhe von 1,80 Euro. Erst vor zwei Monaten habe Gorillas ein Wert von zehn Euro als Minimum für eine Lieferung ohne Aufschlag festgesetzt. Geplant seien die neuen Tarife unter anderem in Berlin, Hamburg und München.

Das DIW-Konjunkturbarometer zeigt ein Tief an
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist im November wieder schlechter geworden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) meldet im vierten Quartal für sein Konjunkturbarometer einen Wert von 97, der schwächste seit dem zweiten Quartal 2020. Die Ökonomen aus Berlin erwarten, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland zum Jahresende 2021 leicht schrumpfen werde. Die anhaltenden Lieferprobleme schwächten die Industrieproduktion. Nachteilig wirkten sich auch die Sorgen um die vierte Welle der Pandemie und ihre Folgen aus. Der Schaden werde aber weniger stark ausfallen im Vergleich zum Winter 2020, viele Unternehmen hätten sich auf Corona eingestellt. Aber es müsse mit Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt grechnet werden, das DIW erwartet einen langsameren Beschäftigungsaufbau.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon wächst weiter als Logistikanbieter
Das Wachstum von Amazon nimmt kein Ende, nun gibt es neue Top-Zahlen aus der Logistikbranche. Nach der Aussage von Dave Clark, CEO von Amazons weltweitem B2C-Handel, gegenüber CNBC, könnte der Internetriese Ende dieses Jahres oder im Frühjahr 2022 zum größten Lieferdienst in den USA werden. Schon seit längerer Zeit sei spekuliert worden, dass der Konzern Anbieter wie den US Postal Service, Fedex oder UPS überholen werde. Als Grund nannten die Analysten das interne Netzwerk von Flugzeugen, Schiffen, Lkw und Transportern. Den Ausbau dieser eigenen Logistiksparte habe Amazon 2013 gestartet, nachdem Weihnachtspakete von einem externen Dienstleister nicht ausgeliefert werden konnten. In diesem Zeitpunkt sei der Frachtbereich stark angestiegen, mittlerweile läge der Anteil des selbst durchgeführten Transports bei rund 66 Prozent.

Globalisierung bleibt stabil
Die Schwierigkeiten, zu denen die Pandemie in Bezug auf die Lieferung und Versorgung mit Produkten, die im Ausland oder auf anderen Kontinenten hergestellt werden, geführt hat, haben der Globalisierung nur wenig geschadet. So lautet das Ergebnis des neuen DHL Global Connectedness Index. Er sei im vergangenen Jahr nur leicht gesunken, für dieses Jahr erwarten die Autoren einen Anstieg. Sie äußern sich damit eindeutig gegen die Diskussionen, in denen die Globalisierung seit Ausbruch der Pandemie immer wieder in Frage gestellt wurde. "Die Pandemie hat die Globalisierung nicht zurückgedreht", lautet das Fazit. "Für viele Länder erwies sich der Handel als Lebensader." Der Index habe aber auch im Rahmen des "Covid-19-Stresstests" Sektoren und Felder aufgezeigt, in denen Handlungsbedarf bestehe, heißt es im Bericht. Der Warenhandel habe sich nach dem Einbruch zu Beginn der Pandemie schnell erholt, einen stärkeren Rückgang habe es im Finanzhandel gegeben, die schwersten Auswirkungen habe der Reiseverkehr verkraften müssen. Verschlechtert habe sich aber die Situation der ärmsten Länder der Welt, sie hätten vom Anstieg des Welthandels Anfang 2021 nicht profitiert, ihre Handelszahlen lägen immer noch unter dem Niveau von 2019.

Asda-Kunden kehren aus dem Internet zurück
Die Lebensmittellieferdienste sprießen wie Pilze aus dem Boden, Kunden möchten ihre Waren gerne bis an die Wohnungstür gebracht bekommen, auch die britische Supermarktkette Asda hat im dritten Quartal einen solchen Service gestartet. Aber bei Asda sei auch der gegenläufige Trend zu beobachten, denn viele Verbraucher kehrten aus dem Internet in die Geschäfte zurück, berichtet Internetretailing, denn der Anteil der Online-Verkäufe gehe zurück. Die Umsatzzahlen im dritten Quartal seien um 2,7 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor gewesen, aber immer noch 80 Prozent höher im Vergleich zu den Vor-Coronazeiten. Als Gründe für die Rückkehr werden die Aufhebung der Abstandsregeln und die höheren Impfquoten angegeben. Um diese Bewegung aufrecht zu erhalten, habe Asda die Vorräte für die Weihnachtszeit frühzeitig aufgestockt. Nun habe die Kette ein eigenes Schiff gechartert, um mögliche Verzögerungen abfangen zu können. Ein Schritt, den auch Mitbewerber John Lewis unternommen habe.



///// TRENDS & TECH

Schwierige Weihnachtszeit für den Einzelhandel
Der stationäre Handel muss sich auf eine problematische Weihnachtszeit einstellen. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Managementberatung Horvath in Berlin, Hamburg und Stuttgart. So hätten nur 19 Prozent der Befragten angekündigt, die Geschenke in den Innenstädten zu kaufen. In der Folge seien die Auswirkungen für den Online-Handel aber nur gedämpft positiv, denn 23 Prozent schränkten ihr Budget für Einkäufe im Vergleich zu 2020 ein. Das Ifo Institut stuft die Situation des Einzelhandels auch von der Angebotsseite als schwierig ein. Die Lieferprobleme hätten sich verschärft, im November nannten 77,8 Prozent die Gefahr leerer Einkaufsregale, ein Anstieg um 18 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat. Die Verbraucher müssten sich auf eine gewisse Flexibilität bei den Weihnachtsgeschenken einstellen, lautet der Tipp von den Wirtschaftsforschern. Und sie müssten in den nächsten Monaten auch mit höheren Preisen rechnen.

Geringere Ausgaben für Weihnachtsgeschenke
Nach einer neuen Untersuchung der GfK wollen die Deutschen in diesem Jahr weniger Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Im Durchschnitt liegt die angesetzte Summe bei 325 Euro, zwei Prozent niedriger als vor einem Jahr. Dabei wirkten sich die höheren Preise für Kraftstoffe und Energie bei Haushalten mit geringerem Einkommen als Bremse aus, so die Analysten, in Haushalten mit höherem Einkommen seien auch höhere Ausgaben geplant. An der Spitze der Geschenkelisten stünden Spielzeug und Brettspiele, aber auch Gutscheine, unter anderem für Reisen und Events. Weniger Geld wollten die Deutschen für Computer und Zubehör sowie Bücher ausgeben. Die Autoren der Analyse erwarten wieder einen starken Online-Handel. 62 Prozent der Verbraucher hätten angekündigt, primär im Internet zu shoppen.

Dropshipping-Leitfaden: Das Streckengeschäft ist ein Marathon, kein Spurt
Mit dem Laptop an fernen Stränden sitzen und von dort die Geschäfte lenken - Dropshipping macht es möglich. Doch der Traum digitaler Nomaden führt in der Realität nicht selten zu Enttäuschungen. Denn ganz so simpel wie oftmals dargestellt, ist das Geschäftsmodell nicht, sagt Dropshipping-Experte und Buchautor Fabian Siegler. In einem Gastbeitrag erklärt er, warum der Aufbau des Streckengeschäfts kein Spurt, sondern ein Marathon ist, und worauf Unternehmensgründer achten sollten.


///// NACHHALTIGKEIT

DB Schenker setzt auf Elektro-LKW
Es gibt kaum eine Branche, die nicht den Einsatz von Elektrofahrzeugen für sich entdeckt und die Flotte nachhaltig umbauen will. Nun ist auch DB Schenker dabei, für den Logistikkonzern geht es um Elektro-LKW. Im Rahmen einer neuen Partnerschaft mit Volta Trucks erreicht die Bestellung nach Unternehmensangaben ein Volumen von fast 1.500 elektrischen Transportfahrzeugen. Damit könne die Elektrifizierung der Flotte enorm beschleunigt werden und das Unternehmen "dem Ziel einer klimaneutralen Logistik deutlich näherbringen". Die Prototypen der Volta Zero Trucks sollen in der ersten Hälfte des Jahres 2022 bei Kunden zum Einsatz kommen, nach den Ergebnissen dieser Testphase solle dann die Serienproduktion starten. Als Einsatzgebiete sieht DB Schenker das Ruhrgebiet und europäische Terminals, von denen Waren in städtische Gebiete und Innenstädte transportiert werden sollen, vor.