Dem Handel stehen schwere Wochen und Monate bevor. Die Probleme, die durch die globalen Lieferengpässe entstehen, werden immer deutlicher und Entspannung ist am Horizont nicht zu sehen. Die deutsche Wirtschaft muss sich in die Schlange aller Länder einreihen, die Unternehmen sind weltweit von den Schwierigkeiten betroffen, da gibt es keine Abkürzungen. Die Schiffshavarie im März im Suezkanal war im Rückblick nur eine Anekdote am Rand. Die Auswirkungen waren zwar eine Weile danach noch zu spüren, doch wirklich schwierig wurde es erst später. Und das wird noch eine Weile anhalten. Schon heute im Hochsommer warnen die Verbände und Vertreter vor Folgen für das Weihnachtsgeschäft.

///// HANDEL NATIONAL
Ebay startet ein Bonusprogramm
Ebay hat für die Privatverkäufer ein neues Bonusprogramm aus der Taufe gehoben. Nach der Freischaltung werden den Kunden pro Verkauf fünf Prozent des Verkaufspreises als Punkte gutgeschrieben. Dabei entsprechen 100 Punkte dem Wert eines Euro, sie sind 60 Tage gültig. Beim nächsten Einkauf können die Punkte dann eingelöst werden, ein Mindestbestellwert fällt nicht an. Die Plattform erklärt, damit die Kreislaufwirtschaft fördern zu wollen.

Kunden kehren vom Laptop in die Reisebüros zurück
In den vergangenen Wochen haben sich die Innenstädte wieder mit Verbrauchern auf ihren Shoppingtouren gefüllt, bei den Betreibern der Ladengeschäfte klingeln wieder die Kassen. Dieser Trend zeigt sich auch im Reisesektor. Die Kunden verlassen die heimische Couch und kehren wieder in die Reisebüros zurück, um sich dort für ihren nächsten Urlaub beraten zu lassen, Recherche und Buchung auf einem Online-Portal verliert an Popularität. Die Mitglieder der Reisebürokooperation Schauinsland-Reisen Partner verzeichnen einen Nachfrageschub, der Beratungsbedarf biete ihnen eine große Chance, heißt es aus dem Haus Schauinsland Reisen. Dadurch könnten sie die eigene Marktpositionierung gegenüber Plattformen und Online-Anbietern stärken. Die Kunden verteilten sich auf Neukunden und auf Personen, die zwischenzeitlich online gebucht hätten. Das Reisebüro feiere ein Comeback.

Logistikengpässe führen zu Preiserhöhungen
Die Probleme im globalen Frachtverkehr und der Versorgung mit Waren beeinträchtigen nicht nur Industrie und Bausektor, auch der Handel kämpft mit den Schwierigkeiten. In Deutschland rechnen die großen Handelsketten mit Preissteigerungen, meldet dpa. Einerseits sei die Zahl der Container knapp, andererseits gebe es auch immer weniger Platz auf den Containerschiffen. So sei als Folge des starken Anstiegs der Frachtkosten mit höheren Preisen im Handel zu rechnen, zitiert die Agentur Raoul Rossmann, den Chef der Drogeriekette Rossmann. Ähnliche Aussagen gebe es auch aus anderen Branchen im Einzelhandel wie beispielsweise dem Fahrradhandel. So befürchte Marcus Diekmann von Rose Bikes sogar Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft. Er rechne mit einer "Mega-Preissteigerung".


///// HANDEL INTERNATIONAL


Morrisons in Großbritannien vor Verkauf
In Großbritannien wollen drei Beteiligungsgesellschaften die Supermarktkette Morrisons übernehmen, meldet Reuters. Morrisons gelte als die Nummer vier im britischen Lebensmittelmarkt und verfüge für den Online-Handel auch über einen Liefervertrag mit Amazon. Dieser umfasse die Versorgung von Amazon mit Waren. Diese sollen an die Mitglieder von Amazon Prime am Tag der Bestellung ausgeliefert werden. "Morrisons on Amazon" erreiche mittlerweile einen Anteil von rund zehn Prozent des Umsatzes in der Mehrzahl der Läden, in denen es angeboten werde. Die Kooperation zwischen den beiden Handelsketten sei 2016 gestartet worden. Zu Gerüchten über einen eigenen Einstieg bei Morrisons habe sich Amazon nicht geäußert.

Deliveroo erhöht die Prognose
Nach starken Zahlen im zweiten Quartal mit Zuwächsen bei den Bestellungen um bis zu 88 Prozent hat Deliveroo reagiert und die Prognose für das Geschäftsjahr laut Reuters verbessert. Nach den neuen Zahlen würden die Verantwortlichen des Essenslieferdienstes nun von einem Anstieg des Werts der verkauften Waren um 50 bis 60 Prozent ausgehen. Bislang haääten sie mit Werten zwischen 30 bis 40 Prozent gerechnet. Die Rendite werde aber wegen der sich erhöhenden Kosten nur bei 7,5 bis acht Prozent angesetzt.

Online-Handel in der Schweiz weiter mit starken Werten
Die Online-Händler in der Schweiz können zufrieden auf die Monate April und Mai zurückschauen. Für den Mai meldet der Blog Carpathia ein Plus von 51,2 Prozent gegenüber dem Mai 2019 und 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Festzustellen sei aber, dass sich das Wachstum verlangsamt habe, die Umsatzzahlen befänden sich aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Handelsverband-Chef Patrick Kessler erwarte für dieses Jahr ein Wachstum von fünf Prozent, 2002 seien aber wieder Zuwächse zwischen sieben und zehn Prozent möglich.

///// TRENDS & TECH

Omnichannel-fähige Bezahlarten werden beliebter
Die Bedeutung von Bargeld sinkt immer weiter, im Einzelhandel bezahlen die Kunden immer öfter per Karte. Dies sind Ergebnisse der EHI-Studien zu Zahlungssystemen und Online-Payment. Im stationären und virtuellen Einzelhandel lag der Anteil der Barzahlungen 2020 nur noch bei 35,1 Prozent, die Girocard wird bei 34,3 Prozent der Einkäufe eingesetzt. Beim Blick auf den stationären Handel liegen die Anteile bei 40,9 Prozent (minus 5,6 Prozentpunkte zu 2019) respektive 40,1 Prozent (plus 6,5 Prozentpunkte). Mit Abstand folgen die Omnichannel-fähigen Bezahlarten, wie Kreditkarten, die stationär, online und mobil eingesetzt werden können. Der Anteil im stationären Handel liegt bei 8,5 Prozent, online bei 11,8 Prozent. Die Autoren der Studie sehen hier die internationalen Anbieter von Kreditkarten im Vorteil, "die sukzessive Umstellung der bisherigen Maestro- und V Pay-Karten auf voll online-fähige Debitprodukte (Debit Mastercard und Visa Debit) zeigt, dass die amerikanischen Wettbewerber die Zeichen der Zeit erkannt haben". Eine gute Position sehen sie für Paypal mit 24,9 Prozent im E-Commerce und 3,7 Prozent im Gesamthandel.

Intershop verstärkt Kooperation mit Microsoft
Intershop hat die Zusammenarbeit mit Microsoft um drei weitere Jahre verlängert. Wie Internet World berichtet, will der Spezialist für E-Commerce-Software Unternehmen aus den Produktions- und Großhandelsbereichen die Umstellungen auf digitale Prozesse und Umfelder erleichtern. Im Mittelpunkt solle eine Verknüpfung der Omnichannel-Commerce-Plattform von Intershop mit der flexiblen Microsoft Azure Cloud stehen. Aus dem Hause Intershop wird gemeldet, dass mit den neu verhandelten Konditionen nun verstärkt selbst in Technologie investiert werden könne.

Betriebsimpfung: So bewältigen Händler die Herausforderung
Einzelhändler, die ihre Belegschaft über Betriebsärzte impfen lassen, gehen damit gleich zwei Probleme an: Zum einen schützen sie ihre Mitarbeiter, zum anderen verhindern sie Probleme bei der Personalplanung, die durch die oft spontan verteilten Impftermine in Impfzentren oder bei Hausärzten entstehen. Doch auch die Betriebsimpfung birgt Herausforderungen. Welche das sind und wie Händler sie lösen können, erläutert Nadine Wolanke vom Softwareanbieter Salesforce in einem Gastbeitrag.