Das vierte Quartal ist im Handel traditionell – Stichwort Weihnachtsgeschäft – das ertragreichste. Vieles wird 2020 anders sein. Es mehren sich die Zeichen, dass in Sachen Konsum keine großen Sprünge zu erwarten sind. In den Geschäften gilt es, Shopping den Umständen anzupassen und trotzdem zu einem Erlebnis zu machen. Viele Konsumenten werden die Online-Alternative nutzen. Wohl dem, der seine Prozesse und Kommunikation schon entsprechend eingerichtet hat. Damit lassen sich Rückgänge im stationären Geschäft kompensieren. Ecommerce by Elvis: It's now or never.

///// HANDEL NATIONAL

ifo Geschäftsklimaindex im August erneut gestiegen, Handel bleibt aber unverändert pessimistisch
Die Stimmung unter den Unternehmenslenkern ist weiter im Aufwind. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im August auf 92,6 Punkte gestiegen, nach 90,4 Punkten (saisonbereinigt korrigiert) im Juli. Wie das ifo Institut mitteilt, beurteilten die Unternehmen die aktuelle Lage im Vergleich zum Vormonat merklich besser. Ihre Erwartungen fielen zudem leicht optimistischer aus. Die deutsche Wirtschaft sei insgesamt auf Erholungskurs. Nur im Handel habe sich die Aufwärtsbewegung des Geschäftsklimas merklich abgeflacht. Die Händler seien  zwar etwas zufriedener mit ihrer aktuellen Lage gewesen, blieben jedoch nahezu unverändert pessimistisch. Im Großhandel sei das Geschäftsklima sogar rückläufig.

Konsumstudie: Zwei von drei Frauen verzichten in Corona-Krise auf Shoppingtouren
Die Frauen drohen dem Verbrauchermarkt als Konsumpioniere verloren zu gehen. Zu diesem Ergebnis kommt der Gesellschafts- und Zukunftsforscher Horst Opaschowski (79) in einer aktuellen Studie, über die das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) exklusiv berichtet. Demnach sind mehr als die Hälfte der Deutschen in der Corona-Krise beim Konsumieren und Geldausgeben maßvoller und bescheidener geworden und vermissen trotzdem nichts. Die Mehrwertsteuersenkung löse dabei nicht die von Wirtschaft und Einzelhandel erwünschte Neubelebung des Kaufverhaltens aus.

Gläubiger der sechs deutschen Esprit-Tochtergesellschaften stimmen für eine uneingeschränkte Fortführung des Geschäftsbetriebs
Wie Fashion United unter Berufung auf die Rechtsanwaltskanzlei White & Case Partners schreibt, sei damit dem Ratinger Konzern ein wichtiger Schritt zur Sanierung seines Geschäfts in Deutschland gelungen. „Insgesamt sind wir auf einem sehr guten Weg und genau im Zeitplan“, wird Biner Bähr, Anwalt der Kanzlei und Sachwalter bei Esprit, zitiert.

Retouren auf den Müll? Nicht bei Globetrotter Ausrüstung – da kommen Produkte als "gebraucht" wieder in den Verkauf
Weil Retouren-Ware nicht mehr als "unbenutzte Verkaufsware" angeboten werden darf, wird sie oft entsorgt. Der Hamburger Outdoor-Ausstatter Globetrotter Ausrüstung GmbH geht jetzt einen anderen Weg und verkauft diese unbeschadeten Produkte als "gebraucht". Wie Fashion United schreibt, gehören unter anderem Kleidung, Rucksäcke, Taschen und Kocher zum Angebot, das zunächst in der Frankfurter Niederlassung getestet und dann schrittweise auf alle Filialen ausgeweitet werden soll. Für das Unternehmen sei dies ein weiterer Schritt zu größerer Nachhaltigkeit. Noch besser wären – weniger Retouren, aber das ist ein ganz schwieriges Thema... 

///// HANDEL INTERNATIONAL

Best Buy ist der nächste US-Einzelhändler, der sich mit etablierten Ecommerce-Prozessen in der Krise schadlos hält
Gestern Target, heute Best Buy – wer vor Corona bereits ein gut etabliertes Online-Business vorweisen konnte, hat den Lockdown mehr oder weniger schadlos überstanden. So wartete die auf Unterhaltungselektronik, Computer und Software spezialisierte US-Kette Best Buy jetzt mit bemerkenswerten Zahlen auf: Im zweiten Quartal sei der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,5 % auf 9,13 Mrd. US-Dollar gestiegen, obwohl in den vergangenen 12 Monaten 25 Niederlassungen geschlossen wurden, meldet Retail Dive. Bemerkenswert: Hatte im letzten Jahr der Online-Anteil am Umsatz noch 16,1% betragen, so stieg er im und nach dem Lockdown auf 53,1%, was einer Zuwachsrate von 242,2% entspricht! Und das auf hohem Niveau – der Online-Umsatz wird mit 4,85 Mrd. Dollar beziffert. Hoch ist auch der Zuwachs des Nettoertrags, der um über 80% auf 432 Mio. Dollar stieg.

Oh Zeiten, oh Sitten: US-Behörde empfiehlt Einzelhändlern zum Schutz der Mitarbeiter*innen vor Maskenverweigerern Kameras, Alarmknöpfe und Panic Rooms
In den USA hat die Bedrohung durch Masken-Gegner in Ladengeschäften offenbar eine Grad erreicht, dass die die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) Unternehmen bei der Wahl von Gegenmaßnahmen beraten müssen. Wie Business Insider schreibt, rät die dem US-Gesundheitsministerium unterstellte Behörde unter anderem dazu, Mitarbeiter*innen in Zweierteams arbeiten zu lassen, Kameras und Alarmknöpfe zu installieren. Zu den Empfehlungen zählt auch, einen sicheren Bereich zu bestimmen, in den sich die Mitarbeiter*innen begeben können, wenn sie in Gefahr sind, beispielsweise "einen Raum, der von innen verschlossen ist, einen zweiten Ausgang hat und über ein Telefon oder einen stillen Alarm verfügt".

Lidl investiert in den USA 500 Mio. Dollar und plant die Eröffnung von 50 weiteren Niederlassungen  bis Ende 2021

Als sich das Unternehmen 2018 auf den amerikanischen Markt begab, war das Ziel klar definiert: Im Laufe des ersten Jahres sollten 100 Märkte eröffnet werden. Doch der Wettbewerb war härter als gedacht, das Ziel wurde erst in diesen Monaten erreicht. Jetzt hat Lidl angekündigt, bis Ende nächsten Jahres mehr als 500 Millionen Dollar in 50 neue Märkte zu investieren und etwa 2.000 Mitarbeiter einzustellen. Angesichts der Geschäftsentwicklung in den letzten Monaten (siehe oben) kann man nur hoffen, dass über die Läden das Online-Geschäft nicht vergessen wird: Zwei der 100 seit 2018 in Betrieb genommen Märkte sollen wieder geschlossen werden.

August ist noch nicht vorbei, doch bei John Lewis & Partners hat das Weihnachtsgeschäft schon begonnen
Früher als jemals zuvor hat die britische Warenhauskette John Lewis & Partners ihr Weihnachtsgeschäft begonnen. Die Initialzündung hätten die Kunden gegeben, schreibt Internet Retailing: im Juli und August sei die Zahl der Online-Suche nach "Christmas" 42% höher gewesen, als im Vorjahr. Daraufhin wurde jetzt bereits das volle Weihnachtssortiment online angeboten, in die Warenhäusern kommt es erst am 25. September. Differenziertes Vorgehen, beispielhaft – jetzt wären Schneedekors und Rentierschlitten dem Einkaufserlebnis auch nicht wirklich zuträglich.

Die Ant-Gruppe, Finanzarm der Online-Handelsplattform Alibaba, hat ihre Prospekte an den Börsen in Shanghai und Hongkong eingereicht
Am Dienstag beantragte das von Jack Ma aufgebaute Unternehmen ein Doppellisting in Hongkong und Shanghai, berichtet dpa-afx, womit ein rekordverdächtiger Börsengang immer konkreter wird. Er soll weit mehr als 20 Milliarden US-Dollar (16,9 Mrd Euro) an frischem Kapital bringen und könnte zu einer Bewertung von mehr als 200 Milliarden US-Dollar führen. Mit Alipay betreibt der Finanzdienstleister den in China weit verbreiteten, größten mobilen Bezahldienst. Den Markt teilt sich Alipay mit der Konkurrenz von Wechat-Pay des chinesischen Internetkonzerns Tencent. Auch in Europa wird Alipay von Tausenden Einzelhändlern akzeptiert, um chinesische Touristen anzulocken. In Deutschland bieten die Drogerieketten dm und Rossmann sowie die WMF-Gruppe, der Kaufhof und der Flughafen München die Zahlung mit Alipay auf dem Handy an.

///// TRENDS & TECH

Umfrage unter Händlern zeigt: Augmented Reality könnte das nächste große Ding werden
Die ständige Verbesserung der User Experience ist vielen Unternehmen im Onlinehandel ein zentrales Anliegen. In diesem Kontext hört man häufig, dass Augmented Reality das Einkaufserlebnis deutlich verbessert und sogar Retourenquoten senken kann. Dennoch geht die Anwendung im Handel bislang über technische Spielereien kaum hinaus. Unser Gastautor Dr. Mark Harwardt hat in einer anwendungsorientierten Untersuchung die Potenziale der Technologie analysiert. Ergebnis – da kommt was auf uns zu: Für drei Viertel der Händler ist AR "the next big thing"