Die gestern veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts für Januar belegen erneut, wie stark der Online-Handel von den Lockdowns profitiert hat. Umso bedeutsamer ist die lauter werdende Diskussion um Lockerungen für den stationären Einzelhandel -- und natürlich die für heute angesetzte Bund-Länder-Konferenz zur Pandemiepolitik. Zu erwarten sind vorsichtige Öffnungen mit einer Art Rückfallmechanismus und mit umfassenden Testungen. Am Nachmittag wissen wir mehr.

///// HANDEL NATIONAL
Lockdown treibt Einzelhandelsumsatz im Januar 8,7 Prozent unter das Vorjahr -- nur online nicht
Die Zahlen sind keine Überraschung, aber deutlich. Einzelhändler in Deutschland haben im Januar 2021 kalender-, saison- und preisbereinigt insgesamt 4,5 Prozent weniger umgesetzt als im Vormonat Dezember 2020. "Dieser Rückgang lässt sich mit dem anhaltenden Corona-Lockdown erklären, der eine Schließung vieler Einzelhandelsgeschäfte seit dem 16. Dezember 2020 bedeutete", schreibt das Amt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Januar 2020 waren es real sogar 8,7 Prozent weniger. Die Gesamtzahl täuscht dabei ganz ordentlich: Der Lebensmittel-Einzelhandel lag im Plus (real 4,3 Prozent über dem Vorjahres-Januar), der Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln erheblich im Minus (real 16,4 Prozent unter dem Vorjahres-Januar). Und der E-Commerce (Internet und Versand) schoss geradezu in die Höhe: Der Umsatz wuchs real um 31,7 Prozent im Vergleich zum Januar 2020. Er habe "von den Geschäftsschließungen stark profitiert", fasst das Amt zusammen. Mehr Zahlen finden sich in der Pressemitteilung des Amts.

Online-Schnell-Supermärkte Flink und Gorillas gehen gut finanziert in die Niederlande
Handelsblatt.com gibt einen Überblick über Finanzierung und Expansionspläne der Lebensmittel-Schnell-Lieferdienste Flink und Gorillas: Beide eröffnen in rascher Folge neue Standorte, Flink hat just 43 Millionen Risikokapital erhalten, Gorillas bereitet die nächste Kapitalrunde vor, beide sind gerade mit Verve in den Niederlanden eingestiegen. "Derzeit geht es darum, das Revier zu sichern", schreibt das Blatt über die Onliner mit 20 Minuten Lieferzeit und verweist auf das noch überschaubare Geschäft. Gorillas arbeite in vier deutschen Städten, Flink in fünf -- und Flink begrüße neue Kunden mit handgeschriebenen Postkarten.

Hellofresh macht Gewinn
Homeoffice fördert wohl das Homecooking: Der Kochboxen-Lieferer Hellofresh hat 2020 seinen Umsatz mehr als verdoppelt und den Gewinn aus einem Minus von 7,4 Millionen zu einem Plus von 350,9 Millionen Euro hochgekocht. Mahlzeiten zu Hause zuzubereiten und zu essen habe 2020 eine ganz neue Bedeutung bekommen, zitiert T3N den Unternehmenschef Dominik Richter, der noch lange kein Haar in der Suppe sieht: „Während die Pandemie im Laufe des Jahres hoffentlich abklingen wird, rechnen wir fest damit, dass Verbraucher auch weiterhin auf E-Commerce-Lösungen setzen werden, um Lebensmittel einzukaufen.“

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Die Bedeutung von Daten im Handel
Der Handel hat im Vergleich zu anderen Branchen den dringendsten Bedarf, die Dateninfrastruktur zu verbessern. Das ist bei der Vielfalt an Datenquellen nicht verwunderlich. Mit der Data Cloud von Snowflake lassen sich Daten unabhängig von Cloud-Anbietern an einem zentralen Ort speichern. Nur so können Unternehmen ihre Kunden mit einer 360-Grad-Ansicht aller Berührungspunkte ansprechen.


Zwei Profiteure des E-Commerce-Booms: Lagerhallen und Gabelstapler
Wem sagen wir das: Ein ordentlicher Online-Shop führt ein Lager, und wenn es größer ist, braucht es Gabelstapler. Logistikflächen sind daher "das Immobiliensegment der Stunde", wie die Credit Suisse in einer Studie schreibt. "Die Knappheit des Angebots und die guten längerfristigen Nachfrageaussichten machen Logistikimmobilien zu einer interessanten Diversifikationsmöglichkeit für Anleger", heißt es von der Bank. Günstiger dürften Lagerflächen also nicht werden, weder in der Schweiz noch in Deutschland. Kion, Hersteller von Gabelstaplern und Lagersystemen, sieht im E-Commerce den Weg aus einem pandemiebedingt schwachen Jahr 2020: Die Nachfrage nach automatisierten Systemen sei so groß, dass das Unternehmen mittelfristig wegen des boomenden Internethandels ein Marktwachstum im zweistelligen Bereich erwarte, so Internetworld.de.


///// HANDEL INTERNATIONAL


Niederländische Einzelhändler probten 75-Minuten-Aufstand
Im niederländischen 12.000-Seelen-Ort Klazienaveen haben die Einzelhändler am gestrigen Dienstag einen lange gehegten Plan umgesetzt: An diesem nach ursprünglicher Planung letzten Tag des Lockdowns wollten sie ganztags öffnen und vom heutigen 3. März an wieder den Regeln folgen. Die Aktion war kurz: Der Bürgermeister sah sich gezwungen, die Polizei zu schicken, und nach gut 75 Minuten waren alle Türen wieder zu. Die Aktion, wie FAZ.net sie beschreibt, spiegelt die Situation in den Niederlanden -- und die Mischung aus simplem Frust und realer Existenzbedrohung kommt uns Deutschen vermutlich sehr bekannt vor.

Volvo verkauft E-Autos künftig nur noch online
Gebrauchtwagenportale werben ziemlich aggressiv für den Online-Kauf von Autos. Jetzt wagt ein großer etablierter Hersteller einen radikal klingenden Schritt: Der schwedisch-chinesische Konzern Volvo will seine E-Autos künftig ausschließlich online anbieten. Losgehen soll es mit dem "Volvo XC40 Recharge" des Modelljahres 2022, wie Manager-Magazin.de berichtet. Volvo will dafür die Online-Kanäle ausbauen und das Angebot vereinfachen. Klassische Händler sollen weiterhin beraten, Probefahrten anbieten, ausliefen und warten. Die Marge für die Händler erwähne Volvo allerdings nicht, schreibt das Magazin.

Ebay und Adevinta: In Großbritannien ist der Deal noch nicht klar
In Deutschland hat das Bundeskartellamt schon im November zugestimmt, dass der norwegische Online-Marktplatz Adevinta (Betreiber von Shpock.de) die Ebay Classifieds Group übernimmt (siehe Morning Briefing vom 26. November 2020). In Großbritannien dagegen ist noch nicht alles klar: Die UK Competition and Markets Authority befürchtet, Ebay könne über den geplanten Anteil von 33 Prozent an Adevinta ins Management einziehen und Einfluss auf die Portale Gumtree, Motors.co.uk und Shpock nehmen. Genau die drei sollen in Großbritannien jetzt verkauft werden, die Behörde könnte dem laut Ebay und Wiwo.de zustimmen.

Target will jährlich vier Milliarden Dollar investieren, auch in E-Commerce
Der US-Einzelhändler Target kündigt an, in den kommenden Jahren vier Milliarden Dollar pro Jahr in neue Läden, den Umbau der bestehenden Shops und in die schnellere Auslieferung von Online-Bestellungen zu investieren. Unter anderem soll es um die automatische Regalbefüllung gehen und um neue Drehkreuze für kostengünstigere Lieferwege. Die vergleichbaren Umsätze im vierten Quartal 2020 (30.1.21) stiegen um 20,5 Prozent, im Online-Bereich um 118 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Amazon senkt Entgelt, ändert Logo, legt in Polen los und generiert stationäre Kunden
Vier Amazon-Meldungen in jeweils einem Satz (und eine über Walmart vs. Amazon):
  • Amazon hat zum 1. März in Europa die "FBA Returns Processing Fee" (das Entgelt für die Bearbeitung von kostenlosen Rücksendungen) für Uhren und Geschmeide ausgesetzt, für Kleidung, Schuhe und Handtaschen deutlich gesenkt. (Tamebay.com)
  • Mit mehr als 70.000 Händlern ist Amazon gestern (2. März) in Polen gestartet -- in seinen weltweit 19. Markt. (Marketplacepulse.com)
  • Weil das neue App-Logo der Online-Plattform Assoziationen an Adolf Hitlers Schnurrbart weckte, wurde es geändert. (Theverge.com)
  • Der US-Einzelhändler Kohl's nimmt im Amazon-Auftrag Retouren entgegen und hat 2020 auf diese Weise zwei Millionen vornehmlich junge Kund:innen gewonnen. (CNBC.com)
  • Walmart hat viele eigene Märkte zu Fulfillment-Centern ausgebaut -- ihre taktisch günstige Lage führt dazu, dass der Händler im Wettbewerb mit Amazon Prime den Mindestbestellwert von 35 US-Dollar für Express-Online-Bestellungen kippen konnte. (Tamebay.com)

///// TRENDS & TECH

E-Commerce genießt Vertrauen in Sachen Datenschutz
Einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge sind 86 Prozent der Internetnutzer:innen der Meinung, sie selbst seien für den Datenschutz verantwortlich. Bei der Frage danach, wem sie in Sachen persönliche Daten am meisten vertrauen, lag der E-Commerce vorn: "Unter den Diensteanbietern im Internet genießen Online-Händler und E-Mail-Anbieter das meiste Vertrauen. Jeder zweite Internetnutzer (53 Prozent bzw. 50 Prozent) vertraut ihnen jeweils stark bzw. sehr stark", schreibt der Verband. Darauf, was die andere Hälfte bemängelt, geht er allerdings nicht ein. Befragt wurden 1.016 Internetnutzer ab 16 Jahren.