Wie verändert sich die Zahlungsmoral durch die Corona-Krise? Zwei aktuelle Nachrichten zeigen erste Trends: So testet Amazon eine Jahresfinanzierung für Stammkunden mit einwandfreiem Zahlungsverhalten. Ebay-Kleinanzeigen führt eine Bezahlfunktion über ein Treuhandkonto für den Online-Warenversand ein. Bisher wurde immer bar und vor Ort bezahlt. Das Geld bekommt der Anbieter erst, wenn die Ware eingetroffen ist. 

///// HANDEL NATIONAL
Schwacher Börsenstart für Fashionette in Frankfurt
Mit einem Emissionspreis von 29 Euro ist die Online-Plattform für modische Accessoires und Taschen Fashionette gestern an der Frankfurter Börse gestartet – zwei Euro unter dem Ausgabepreis von 31 Euro pro Aktie. Der Börsengang spielt 112 Mio. Euro ein, die das Unternehmen für Zukäufe und Expansionen in andere Länder verwenden will. Auch in die IT-Plattform wird weiter investiert. 

Ebay-Kleinanzeigen führt Bezahlfunktion ein
Wer über Ebay-Kleinanzeigen einkauft, holt das Produkt in der Regel selbst ab und bezahlt vor Ort. So war das vor der Corona-Krise. In den aktuellen Zeiten der Kontaktbeschränkungen führt das Unternehmen nun eine Bezahlfunktion über ein Treuhandkonto ein, da immer mehr Ware per Post verschickt wird. Sobald diese beim Käufer angekommen ist, erhält der Verkäufer sein Geld. Ein eigener Versandservice sei für das kommende Jahr geplant, heißt es bei Ebay-Kleinanzeigen. Damit wird man zunehmend zum Konkurrenten der Schwesterplattform Ebay

Kartellamt prüft Wettbewerbsverstoß von Amazon & Apple 
Wer darf Apple-Produkte auf dem deutschen Amazon-Marktplatz verkaufen? Wenn es nach der sogenannten Brandgating-Vereinbarung der US-Riesen geht, dann dürfen das lediglich autorisierte Apple-Händler. Das Kartellamt prüft nun, ob diese Vereinbarung nicht zu einer Ausschaltung des Wettbewerbs führt. Amazon zeigt sich kooperativ. Dritthändler stünden für 60% aller verkauften Artikel, teilte ein Unternehmenssprecher der FAZ mit. 


///// HANDEL INTERNATIONAL

Online-Shopping-Boom: Amazon verdreifacht Gewinn 
Im dritten Quartal wuchs der Umsatz von Amazon im Jahresvergleich um 37% auf 96,1 Mrd. Dollar (82,3 Mrd. Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Der Gewinn verdreifachte sich auf 6,3 Mrd. Dollar.

Amazon testet Ratenzahlung
Ratenzahlung liegt im Trend. Bisher können Amazon-Kunden diese auf fünf Monate strecken, künftig sollen es zwölf sein, bei null Prozent Zinsen. Gebühren und Zinsen sollen jedoch für den Anbieter anfallen. Aktuell wird die neue Payment-Funktion mit der Barclays-Card getestet. Die Jahresfinanzierung soll nicht für alle Kunden verfügbar sein, sondern nur für Stammkunden, die mindestens bereits ein Jahr bei Amazon einkaufen und ein einwandfreies Zahlungsverhalten vorweisen können. 

Saudi-Arabien oder China: Markteintritt braucht viel Know-how
Seit Anfang dieses Jahres hat Amazon in Saudi-Arabien Fuß gefasst, ein lukrativer Online-Markt (ca. 6,3 Mrd. US-Dollar) auch für viele internationale E-Commerce-Marken. Aufgrund zahlreicher bürokratischer Hürden kommen die Anbieter aktuell aber vor allem aus Saudi-Arabien selbst. Das E-Commerce-Unternehmen Eazynet aus Großbritannien verspricht nun einen schnellen Marktzugang über das Tochterunternehmen Technology Flame mit Sitz in Saudi-Arabien für Anbieter aus Europa.
Ein ähnliches Angebot macht Oddity Asia europäischen Marken für ihre E-Commerce-Aktivitäten auf Alibaba-Plattformen in China. Sitz der zertifizierten Five-Star-Alibaba-Partneragentur ist Stuttgart.  

Walmart macht vier Geschäfte zu E-Commerce-Versuchslaboren 
Wie kann man den stationären mit dem digitalen Einkauf besser verbinden? In vier Walmart-Geschäften werden Mitarbeiter des Unternehmens in den kommenden Wochen eine Vielzahl von digitalen Tools, Ladendesignfunktionen und Strategien für die Regalbefüllung testen, die die Ausführung von Online-Bestellungen beschleunigen sollen. Produkt- und Technologieteams begleiten die Mitarbeiter.  

///// TRENDS & TECH

Zeig mir deinen Kleiderschrank
Second-Hand-Läden liegen im Trend, der Kleiderverleih ist in dieser Form neu: Das Start-up Share a look der Schweizerinnen Pia-Maria Laux und Natalia Marassi ermöglicht den Einblick in die Kleiderschränke der Mitglieder. Die Mitgliedschaft kostet 60 Franken im Monat, wofür man bis zu fünf Kleidungsstücke aus dem Sortiment leihen kann. Die Gründerinnen werden vom Schweizer Impact Hub, der Start-ups der Kreislaufwirtschaft fördert, unterstützt. 

Keyword-Kombinationen machen den Unterschied
Wenn Fitnessstudios geschlossen bleiben, ist das Fitnessgerät zuhause vor dem Fernseher im Winter die beste Alternative. Fernsehhersteller sollten bei Werbeplatzierung folglich nicht nur "TV" eingeben, sondern auch "Fitnessgerät". Diese und weitere besondere Zielgruppen zeigt der Ebay-Kaufkombi-Report auf der Basis des Kauf- und Suchverhaltens von 18 Mio. Kunden. 

Favorit der Leser
Augmented Reality spielt im stationären Handel bisher kaum eine Rolle. Dabei könnte das Einkaufserlebnis durch magische Spiegel, die das virtuelle Anprobieren ermöglichen, oder virtuelle Make-Up-Künstler, die Kosmetik ins Gesicht zaubern, den Verkaufserfolg erhöhen, behaupten unsere Gastautoren Thomas Foscht und Judith Schloffen von der Universität Graz auf der Basis der HandelsMonitor Mega-Trend 2030+-Studie.