Schon seit längerem liefert Flaschenpost im Dezember Weihnachtsbäume. Das scheint sich zu lohnen: Auch 2021 kündigt der Lieferdienst an, innerhalb von zwei Stunden nachhaltig gezogene Nordmanntannen vor die Tür zu stellen. Uber macht übrigens dasselbe, nur halt in Los Angeles, San Diego, West Palm Beach (Bäume) und New York (Gebinde) – und geht weiter als Flaschenpost: Der "Uber Holiday Hub" arbeitet als ganzjähriger Saison-Shop; als nächstes kündigt Uber Artikel für den Valentinstag an.

///// HANDEL NATIONAL
Hellofresh will jährliche Investitionen verdoppeln
Der Kochboxen-Konzern Hellofresh erwartet für das Geschäftsjahr 2022 bereinigte Ebitda von 500 Mio. bis 580 Mio. Euro, teilte er am gestrigen Mittwoch mit – Analysten und Anleger zeigten sich enttäuscht, so Handelsblatt.com. Allerdings will das Unternehmen auch massiv Geld ausgeben: Die jährlichen Investitionen in Produktionskapazitäten, Infrastruktur und Produktentwicklung würden auf ca. 450 bis 550 Mio. Euro verdoppelt, so Hellofresh, allein 200 Mio. Euro sollen in Automatisierung fließen. Damit das klappt, stößt im Januar Valeri Liborski als Chief Technology Officer dazu. Er war früher bei Microsoft und Amazon.

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Kleiner Grundkurs Paketzustellung
Auch für Online-Händler von Interesse: Welt.de listet auf, wie die Rechtslage für die Zustellung von Online-Bestellungen in Deutschland aussieht. Zusteller dürfen zum Beispiel Pakete nur dann ablegen, wenn das explizit vereinbart wurde. Und bei Beschädigungen oder nicht angekommener Lieferung ist nicht das Logistik-, sondern das Handelsunternehmen erster Kontaktpunkt.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Aldi testet Lebensmittel-Lieferung in der Schweiz
Im österreichischen Wien liefert Aldi bereits Lebensmittel, jetzt folgt der Testbetrieb in Zürich in der Schweiz: Zusammen mit dem Startup Annanow verspricht Aldi Suisse taggleiche Lieferung unter dem Motto "Heute bestellt, heute geliefert" (mit dem Hinweis: "wenn bis 11:30 Uhr bestellt"). Der Mindestbestellwert liegt der Seite zufolge bei 50 Franken, geboten werde "eine große Auswahl unseres Sortiments in Aldi-Qualität und selbstverständlich zum Aldi-Preis". Für die Lieferung fallen 4,90 bis 9,90 Franken an plus 0,25 bis 0,79 Franken pro Tragetasche.

Galaxus feiert den Aufstieg der Windeln
Der Schweizer Online-Händler Galaxus brach gestern eine Lanze für Windeln. Unter den rund 2.000 Produkttypen im Angebot lägen Windeln inzwischen auf Platz 9 der Verkaufshitparade. Dabei seien sie 2014 noch auf Rang 731, 2016 auf Platz 50 gesichtet worden und erst seit 2019 in den Top 20. Als Gründe für den Aufstieg nennt Galaxus die Unhandlichkeit der Packungen, nur online erhältliche Monatsboxen und Mengenrabatte.

Ausfall der Amazon-Cloud betraf auch den E-Commerce
Am Dienstag sind in den USA Teile des Cloud-Dienstes Amazon Web Services rund sieben Stunden lang ausgefallen. Das geschah Golem.de zufolge zwar lediglich in der Region US-East-1, hatte aber weitreichende Folgen für Trading- und Ticket-Apps, Tinder, Streaming-Dienste, Online-Gaming -- und das Geschäft über Amazon.com. Die Website habe ebenso Schwierigkeiten gehabt wie interne Amazon-Apps, einige US-Amazon-Lagerhäuser hätten zeitweise stillgestanden (Businessinsider.com zeigt Videos von Angestellten, die sich die Zeit singend und tanzend vertreiben). Grund sei ein Netzwerkfehler gewesen.

Frankreich: Amazon soll gegen Buch-Versandentgelte lobbyiert haben
In Frankreich soll Amazon durch Gespräche mit Politikerinnen und Politikern versucht haben, landesweit einheitliche Mindest-Versandentgelte für Buchbestellungen zu verhindern. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Amazon habe versprochen, die eigenen Versandentgelte von einem Cent auf 1,80 bis zwei Euro zu heben, wenn das Gesetz nicht komme. Das liege aber immer noch etwa ein Drittel unter gegenwärtig üblichen Entgelten von fünf bis sieben Euro. Amazon habe die Berichte nicht kommentiert.

Großbritannien: Auch Burberry verleiht Kleidung
Kleidung verleihen statt verkaufen: Marks & Spencer macht es in Großbritannien schon (das "Morning Briefing" berichtete), Harrods ebenfalls, jetzt folgt die Luxus-Modemarke Burberry. In Zusammenarbeit mit der Plattform My Warderobe HQ stehen 31 Produkte zum Ausleihen zur Verfügung, berichtet Textilwirtschaft.de. Sneaker, Tracksuits, Jacken, Handtaschen, Strick und Trenchcoats könnten ab 22 Pfund (26 Euro) gemietet werden, für einen, vier, sieben, zehn oder 14 Tage.

Zweimal Geld für asiatische Start-ups
  • Clicky, ein 2016 gegründeter pakistanischer Mode-Onliner, erhält im Rahmen einer Pre-Series-A-Finanzierungsrunde 2,4 Mio. US-Dollar von asiatischen Investoren, schreibt Techinasia.com. Das soll vor allem für den Ausbau der Private-Label-Produkte verwendet werden.
  • Pickupp, ein Logistik-Dienstleister für Warenlieferungen mit Sitz in Hongkong, hat eine Series-B-Finanzierungsrunde mit 37 Mio. US-Dollar abgeschlossen, so ebenfalls Techinasia.com. Pickupp ist seit 2017 im Geschäft und will mit den Geld die Präsenz in Südostasien ausbauen.


///// TRENDS & TECH

Ebay führt 3-D-Rundumansicht für Sneaker ein
Vor einigen Tagen hat Ebay angekündigt, Sneaker Con Digital zu übernehmen, einen Dienstleister für die Echtheitsprüfung von Turnschuhen (das "Morning Briefing" berichtete). Jetzt kommt die nächste Facette im Geschäft mit den Sammlerstücken: In Zusammenarbeit mit dem Technologieanbieter Unity verspricht Ebay eine 3-D-Rundumansicht der zum Verkauf stehenden Stücke. Begonnen werde noch im Dezember mit einzelnen Sneaker-Verkäufern. Aufnahmen mit dem Mobiltelefon reichten, eine Software erstelle daraus ein lebensechtes ("true-to-life") Präsentationsvideo.

Datev kann Amazon-Zahlungsdaten automatisch importieren
Wer Datev-Software für die Buchführung nutzt, kann "die relevanten Informationen aus den von Amazon bereitgestellten Zahlungsdaten nun einfach und schnell in die Buchführung importieren lassen", verspricht das Unternehmen. Über eine neue Schnittstelle funktioniere das automatisiert für europaweite Amazon-Umsätze. Unternehmen und ihre Steuerberatung könnten die Zahlen sofort nutzen.

Gebrauchtes zum Fest? Zwei Umfragen sagen Ja
Ebay hat seine Abteilung "Re-Store", die Plattform MPB ist ganz auf gebrauchte Foto- und Videoausrüstung spezialisiert. Beide haben herumfragen lassen, ob zu Weihnachten Gebrauchtes verschenkt werden könnte – mit (erwartungsgemäß) ähnlichem Ergebnis: tendenziell ja.
  • Die Umfrage von Ebay Deutschland: 33 Prozent der Deutschen sagen, sie würden zu Weihnachten auch gebrauchte Artikel oder B-Ware verschenken, junge Erwachsene im Alter von 18 bis 29 Jahren sogar zu 45,7 Prozent. Laut Ebay liegen Spielzeug (57,7 %), Fahrräder (54,1 %), Elektronik (49,7 %) und Schmuck (49,1 %) vorne. Umfrage von Civey, rund 10.000 befragte Deutsche.
  • Die Ergebnisse von MPB: 47 Prozent der Deutschen sind skeptisch, Gebrauchtes zu verschenken, weil sie Qualitätsmängel und fehlende Akzeptanz bei den Empfängern befürchten – was umgekehrt bedeutet, dass 53 Prozent sich nicht skeptisch zeigten. 57 Prozent hätten zudem angegeben, dass sie sich selbst über ein gebrauchtes Geschenk in gutem Zustand freuen würden. Umfrage von Opinium Research, rund 2.000 befragte Deutsche.

///// NACHHALTIGKEIT

FAZ ruft die "Paketscham" aus
Im Interview mit dem Sozialpsychologen Jonas Rees von der Uni Bielefeld fragt FAZ.net, ob Online-Einkauf in Ordnung sei oder ob man sich dafür schämen müsse wie für Flüge. Die Antwort: In Ordnung ist, was die Umgebung als Norm setzt, und wenn alle online einkaufen, empfinden Einzelne keine Scham. Scham sei allerdings grundsätzlich positiv, denn sie habe die Kraft, Dinge zu ändern. Es wird klar: Online-Käufe gelten hier als Handlungen "auf Kosten der sozialen Nachhaltigkeit". Schwieriges Terrain, zumal auf die Auswirkungen des Einkaufsverkehrs nicht eingegangen wird.