Schöne Idee aus der Abteilung "Was der Online-Handel nicht kann": Um gegen Plastikflaschen-Müll anzugehen, tun sich die Pariser Wasserwerke mit rund 500 Läden zusammen und füllen durstigen Passanten kostenlos Leitungswasser in die Flaschen. Die Läden tragen den Aufkleber "Ici je choisis l'eau de Paris" und sind auf einem Online-Stadtplan verzeichnet. Natürlich gibt es keine Verpflichtung, im Laden etwas zu kaufen – aber Aufmerksamkeit bringt das dem stationären Handel schon.

///// HANDEL NATIONAL
Footprint kauft Frischepost und plant weitere Käufe
Die Eigentümerinnen des Hamburger Lebensmittel-Lieferdienstes Frischepost ("regionale Lebensmittel direkt vom Feld geerntet") haben ihr Unternehmen Handelsblatt.com zufolge an den Entwickler Footprint Club aus Berlin verkauft ("gegründet, um den Markt für nachhaltige Lebensmittel und Lebensmittellogistik zu revolutionieren"). Er habe alle 130 Mitarbeiter übernommen und wolle sich "zur führenden nachhaltigen E-Food-Plattform" entwickeln, unter anderem durch den Kauf von weiteren vier bis fünf regionalen nachhaltigen E-Food-Firmen. Footprint-Gründer Michel Stumpe betreibe seit Ende 2021 in Brandenburg den ähnlich funktionierenden Lieferdienst "Altes Land".

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Zufriedene Kunden: Hybride Konzepte entzerren die Kassenzone im stationären Handel
Nicht erst seit der Corona-Pandemie stehen Händler:innen vor der Herausforderung, die Menschen wieder in die Einkaufszentren und Shoppingmeilen zu locken und eine Alternative zum Online-Handel zu bieten. Hybride Checkout-Modelle bieten einen wichtigen Mehrwert, indem sie die Kassenzone entlasten und das Einkaufserlebnis verbessern. Automatisierungslösungen für den Scan- und Bezahlvorgang erlauben dabei maximale Flexibilität und treffen Verbraucherwünsche optimal. Mehr

Diekmann soll für Shopware E-Commerce-Community aufziehen
Das E-Commerce-Software-Unternehmen Shopware hat Markus Diekmann als Berater berufen – genauer und gleichzeitig verwaschener: als "Enterprise Evangelist". Er werde "das Geschäft im Mittelstand und mit großen Händlern und Herstellern zusammen mit Shopware" weiterentwickeln, zitiert Fashionunited.de Diekmanns Linkedin-Profil. Unter anderem sei eine Community rund um E-Commerce und Digitales geplant. Diekmann war der Website zufolge bis Ende 2021 Chef des Fahrradanbieters Rose Bikes.

Amazon-Belegschaft in Achim wählt Betriebsrat
Geht doch: Die Belegschaft eines Amazon-Versandzentrums in Achim (bei Bremen) hat einen Betriebsrat gewählt, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Verdi habe gewonnen und wolle sich um befristete Verträge und die Bus-Anbindung kümmern. Das sei nach Winsen der zweite Amazon-Versandzentrum-Betriebsrat in Norddeutschland.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Bei Wien: Ottoversand.at eröffnet stationären Showroom
Die österreichische Otto-Gesellschaft in Graz (Ottoversand.at) eröffnet am morgigen Freitag im Einkaufszentrum G3 in Gerasdorf bei Wien einen Showroom, laut Textilwirtschaft.de die erste physische Präsenz des Unternehmens. Der als Wohnung gestaltete Otto-Laden zeige saisonale Produkte aus den Sortimenten Mode, Möbel und Haushaltstechnik. Er solle als Brücke zwischen Online und Offline dienen, Bestellungen seien entsprechend via Smartphone oder über ladeneigene Tablets möglich. Weitere Showrooms würden ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Schweiz: Freizeit- und Schmuckanbieter können Omnichannel am besten
Einmal im Jahr fällen Google und der Handelsverband.Swiss harte Urteile: Sie messen (zusammen mit den Marktforschern von Mindtake) den "Omnichannel Readiness Index" im Handel. Die diesjährige Umfrage zeigt in einer Übersicht, dass die Branchen "Freizeit & Hobby" und "Schmuck & Uhren" mit jeweils 73 Prozent Omnichannel am besten können, dicht gefolgt von "Elektronik", "Bau & Heimwerk" und "Exklusiver Online-Handel" (alle 72 Prozent). Schlusslicht sind Lebensmittelhändler, Drogerien und Warenhäuser (je 66 Prozent). Die Gesamtstudie geht für die Ermittlung dieser Werte 63 Folien lang ins Detail.

China: Punktuell deutliche Einschränkungen im E-Commerce
Aus China kamen gestern drei Nachrichten über teilweise drastische Maßnahmen.
  • FAZ.net berichtet, die Behörden in Schanghai hätten den seit sechs Wochen laufenden strengen Lockdown in der Stadt so verschärft, dass keine Lebensmittel mehr über Lieferdienste bezogen werden dürfen: "Es hält sich die Vorstellung, dass sich das Virus über die Lieferdienstfahrer verbreitet."
  • Für Lieferfahrer in Schanghai bedeute der Lockdown, dass sie faktisch obdachlos werden, so Businessinsider.com, denn sie dürften nach Verlassen ihrer Wohnung nicht mehr hinein. Sie müssten sich "zwischen Schutz und Einkommen" entscheiden. Viele würden draußen übernachten.
  • Und T3N.de zufolge schränkt die Cyberspace Administration of China das Streaming für Minderjährige ein: Sie dürften Streamer nicht mehr finanziell unterstützen und nach 22 Uhr weder Streams schauen noch selbst streamen.


///// TRENDS & TECH

Neun Mio. Euro für Bestell-App Magaloop
Magaloop aus Berlin will unabhängige Händler wie Kioske und "Spätis" mit einer Bestell-App digitalisieren (Etailment.de berichtete). Im Rahmen einer Series-A-Finanzierung hat das Unternehmen jetzt Zusagen über neun Mio. Euro erhalten. Die App sei bei mehr als 4000 aktiven Händlern im Einsatz und komme auf ein Bestellvolumen von mehr als 100 Mio. Euro pro Jahr. Magaloop bietet nach eigenen Angaben seit 2021 eine BNPL-Lösung für Händler ("Buy Now, Pay Later") und kündigt für den 1. Juni einen Lagerstandort in Frankfurt am Main an, den dritten nach Hamburg und Ratingen.

Warum die Optimierung von Kontaktpunkten nicht mehr reicht
Die weltweite Pandemie ist ein Brandbeschleuniger der Individualisierung von Kundenbedürfnissen und Konsum. Die Erwartungen der Kunden sind aber nicht nur individueller geworden, sondern aufgrund der Veränderung unseres Tagesablaufes, z. B. durch Homeoffice, auch situationsabhängig immer unterschiedlicher, sagt Etailment-Experte und Accenture-Geschäftsführer Thomas Täuber. Er erklärt, wie Händler sich darauf einstellen.

Gethenry beliefert Lieferdienste – mit Fahrrädern
Mit dem E-Commerce-Boom gewinnen auch die Branchen Immobilien und Software an Geschäft. Und Fahrradverleihe: "Gründerszene" porträtiert das Berliner Startup Gethenry (Henry Mobility), das den Lebensmittel-Lieferdiensten Fahrräder vermietet. Nach zwölf bis 36 Monaten hätten die Räder ihren Kaufpreis eingespielt, bestünden dann aber zu 70 Prozent aus Ersatzteilen. Für die Reparatur beschäftige Gethenry eigene Mechaniker. Das vom ehemaligen Uber-Manager Luis Orsini-Rosenberg geführte Unternehmen sei noch nicht profitabel, habe aber jüngst 16,5 Mio. Euro Kapital von Investoren erhalten.

Pinterest erleichtert das Livestreaming mit neuer App
Pinterest hat offensichtlich eine neue App namens "TV Studio App" veröffentlicht, die das Livestreamen erleichtert – laut Techcrunch.com "still und leise". Sie sei bisher nur für ausgewählte Nutzer zugänglich und biete zum Beispiel Funktionen für verschiedene Kamerawinkel. Der Website zufolge ist die App Teil des von Tiktok ausgelösten Trends, Social Media "video-first" zu machen.

Synaos will in den E-Commerce expandieren
Synaos, Anbieter softwarebasierter Intralogistik-Systeme vor allem für die Automobilbranche, wendet sich nach eigenen Angaben dem E-Commerce zu: Die Plattform "Syna.os Logistics" sei jetzt auch als Warehouse-Control-System verfügbar. Sie kümmere sich skalierbar "um die Koordination aller Materialflüsse und Transportmittel". Vorzeigekunde ist der Wohndesign-Online-Shop Connox.

///// NACHHALTIGKEIT

Fairtrade-Produkte wuchsen 2021 um neun Prozent
Online-Händler, die fair gehandelte Produkte anbieten, haben auch wirtschaftlich eine gute Entscheidung getroffen: Nach Zahlen von Fairtrade Deutschland/Transfair haben die Deutschen 2021 faire Produkte im Wert von 2,1 Mrd. Euro gekauft, ein Plus von neun Prozent. Das habe sich in 40 Mio. Euro Fairtrade-Prämien (Ausschüttungen zusätzlich zu den Preisen) für die Erzeuger niedergeschlagen. Besonders zugelegt haben den Zahlen zufolge Kakao (plus sieben Prozent, Marktanteil 15 Prozent), Rosen (plus 25 Prozent, Marktanteil 36 Prozent) und Tee (plus 19 Prozent, k. A. zum Marktanteil). "Der faire Handel ist krisenrobust und macht zugleich Menschen in den Anbauländern robuster gegen Krisen", so das Fazit von Transfair.

Deutsche Post feiert das 20.000. E-Zustellfahrzeug
Wenige Tage nach guten Quartalszahlen (das "Morning Briefing" berichtete) renommiert die gelbe Post mit ihrer grünen Seite: Am gestrigen Mittwoch (11. Mai) sei das 20.000. Elektrofahrzeug für Zustellungen in Deutschland in Betrieb genommen worden, teilt der Konzern mit. Im Jahr 2022 wollen Deutsche Post und DHL Paket rund 300 Millionen Euro für E-Autos ausgeben und noch einmal so viel für die Klimafreundlichkeit ihrer Betriebsstätten, zum Beispiel rund 100 CO2-freie Zustellstützpunkte.