Menschen tun sich mit der Umsetzung langfristiger Vorhaben schwer, nicht nur beim Klimaschutz: Kaum hatten die Läden wieder geöffnet, rutschte in vielen Unternehmen die digitale Transformation auf der Prioritätenliste wieder nach unten. In dem Maße, wie sich das Konsumklima verbessert, verschwinden die digitalen Hausaufgaben aus dem Bewusstsein. Angesichts steigender Infektionsraten werden im Vereinigten Königreich bereits wieder Lockdowns diskutiert. Und der Aldi-CEO bittet Kunden dort, den Handel nicht mit Hamsterkäufen zu belasten. Investitionen in Ecommerce sind Investitionen in die Zukunft - so oder so.

///// HANDEL NATIONAL

Galeria Karstadt Kaufhof nimmt vier weitere Filialen von Schließungsliste
Gute Nachrichten für Mitarbeiter, Kunden und die betroffenen Kommunen: Zwei weitere Warenhäuser und zwei Karstadt-Sports-Standorte werden von der Schließungsliste gestrichen. Wie die Lebensmittel-Zeitung berichtet, habe CEO Miguel Müllenbach mitgeteilt, dass Standorte in Braunschweig, Dortmund, Düsseldorf und Neuss erhalten bleiben. Die Zahl der von Schließung bedrohten Häuser sei damit von 80 auf 40 gesunken.

Nach dem Schock der Rückfall in den alten Trott - Digitalisierung wird wieder langsamer. Warum eigentlich?
Als der Lockdown kam, wurde vielen im Handel (und nicht nur dort) vor Augen geführt, wie groß die Defizite und Versäumnisse auf dem Weg der digitalen Transformation tatsächlich waren. Der Lockdown schreckte auf, es ging ein Ruck durch die Branche. Doch jetzt? Viele Unternehmen sind in den fast gleichgültigen Trott zurückgefallen. Dabei gilt es nach wie vor, Maßnahmen auf die Strecke zu bringen, um für die nächste Krise vorbereitet zu sein. Welche genau, erklärt Etailment-Experte Stefan Luther in seinem Gastbeitrag "Loslegen oder untergehen: Die nächste Krise kommt bestimmt".

Entwicklungsminister Müller liest Wirtschaftsverbänden beim Thema Lieferkette die digitalen Leviten
Die Botschaft an die Wirtschaftsverbände, die bei Einführung des Lieferkettengesetzes das Ende jedweden internationalen Handels prognostizieren, war deutlich. "Niemand kann mir erzählen, dass man in Zeiten von Digitalisierung und Blockchain seine Lieferketten nicht im Blick haben kann", hat Entwicklungsminister Gerd Müller laut Handelsblatt den Angreifern auf das Gesetzesvorhaben entgegnet. Gleichzeitig betonte er, dass die Unternehmen oft viel weiter seien, als die Verbände. An deren Adresse gerichtet unterstrich er nochmals: "Ein Großteil unseres Wohlstandes basiert auf Auslagerung der Produktion, Ausbeutung, Sklavenlöhnen, Raubbau an Mensch und Natur. Das muss ein Ende haben."

Konsumklima: GfK prognostiziert weitere Besserung, nicht zuletzt wegen der positiven Einkommenserwartung der Verbraucher
Trotz steigender Infektionszahlen und der zunehmenden Furcht vor Verschärfungen Pandemie-bedingter Einschränkungen, stabilisiert sich laut den Forschern der GfK das Konsumklima in Deutschland. Zwar gebe es Einbußen bei der Anschaffungsneigung der Konsumenten, die Konjunktur- und Einkommenserwartung legen jedoch zu. "Offenbar sind die umfangreichen Konjunkturpakete für Unternehmen und Verbraucher geeignete Maßnahmen, um Deutschland aus der schwersten Rezession der Nachkriegszeit zu helfen", heißt es. Zuvor hatte bereits das Ifo-Institut seine Konjunkturprognose für den Herbst korrigiert und der deutschen Wirtschaft attestiert, sie sei auf Erholungskurs.

Supermärkte und Lebensmittel-Discounter sowie Fachmarktzentren ganz oben auf der Wunschliste der Investoren
Trotz Corona-Krise zählen Lebensmittelmärkte, Drogerien, Bau- und Gartenmärkte, Möbel- sowie Hobby-und Freizeitmärkte weiter zu den expandierenden Einzelhandelsbranchen, fasst Baumarktmagaer.de die Ergebnisse einer Expertenbefragung zusammen, die die Hahn-Gruppe regelmäßig durchführt und als "Retail Real Estate Report“ veröffentlicht. Die genannten Handelszweige wiesen demnach auch eine überwiegend optimistische Umsatzerwartung für die zweite Jahreshälfte 2020 auf. Während Shopping-Center derzeit als mögliche Neuinvestitionen kaum eine Rolle in den Überlegungen der Investoren spielten, stünden Supermärkte und Lebensmittel-Discounter sowie Fachmarktzentren ganz oben auf der Wunschliste der Investoren.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Walmart erwartet Online-Boom im Weihnachtsgeschäft und stellt 20.000 Saisonkräfte ein
Ist es das mutmachende Pfeifen im dunklen Walde oder die Saat für eine sich selbst erfüllende Prophezeiung? Vielleicht ein bisschen von beidem: Immer öfter ist die Rede davon, dass das Weihnachtsgeschäft 2020 früher beginne und intensiver werde. Es gilt, verlorenes Geschäft zu kompensieren. Hatte vor zwei Tagen die Beratungsfirma AlixPartners erstmals den Oktober zum US-Weihnachtsgeschäft gehörig erklärt, so kündet jetzt Walmart, es habe vorbeugende Maßnahmen für das erwartete Zusatzgeschäft getroffen und plane, über 20.000 Saisonarbeiter in seinen E-Commerce-Fulfillment-Zentren im ganzen Land einzustellen. Der US-Handelsriese prognostiziert drei Haupttrends für die Weihnachtssaison: vermehrtes Online-Shopping, sich stetig entwickelnde Wunschzettel und das Verlangen der Konsumenten nach einem einfachen und sicheren Einkaufserlebnis.

Amazon will helfen, die Klimaziele des Paris-Abkommens schneller zu erreichen – aber erstmal gibt es neue Label
Amazon gibt sich klimabewusst. Zumindest hat das Unternehmen jetzt ein weiteres Label eingeführt: Climate Pledge Friendly. Das Programm soll den Kunden das Finden (und Kaufen) nachhaltigerer Produkte erleichtern. Mehr als 25.000 Produkte würden mit dem Label Climate Pledge Friendly gekennzeichnet, heißt es vom Unternehmen, in dessen Strategie Klimaschutz bislang keine wesentliche Rolle gespielt hat. Jedes entsprechend gekennzeichnete Produkt habe eine oder mehrere von 19 verschiedenen Nachhaltigkeitszertifizierungen. Mit der Initiative Climate Pledge Friendly werde die Verpflichtung Amazons unterstrichen, das Pariser Abkommen zehn Jahre früher zu erreichen und bis 2040 netto kohlenstofffrei zu sein. Das Unternehmen hat sich eigenen Angaben nach bereits verpflichtet, bis 2025 100% erneuerbare Energien zu nutzen. Ob und wann die Initiative auch im deutschen Online-Shop umgesetzt wird, ist bislang nicht bekannt.

///// TRENDS & TECH

Samsung Pay kommt jetzt auch nach Deutschland – Zahlungsabwicklung durch Fintech Solarisbank
Vor gut einem Monat war Samsung Pay im Vereinigten Königreich gestartet (MB vom 19.8.). Da die Pay-App auf einigen Smartphones in Deutschland vorinstalliert ist, konnten Nutzer jetzt eine Veränderung bemerken: Wie der GoogleWatchBlog schreibt, werde in der App sehr eindeutig auf einen nahenden Start hingewiesen. Darüber hinaus gibt es eine Samsung-Seite, auf der sich Nutzer registrieren können. Das Handelsblatt kündigt den Start des Bezahldienstes in Deutschland für den 28. Oktober an, die Zahlungsabwicklung übernehme das Fintech Solarisbank.