Mal wieder ein Beispiel für das, was Online-Shops per Definition nicht können: Der Schuhhändler Görtz stellt in seinem Düsseldorfer Flagship-Store ein Auto aus, und zwar "einen von wenigen europaweit verfügbaren" VW ID.5 noch vor der Markteinführung. Probefahrten können direkt gebucht werden. Zur Geschichte gehört aber auch, dass Görtz in dem Laden das Marktplatz-Konzept ins Analoge holt und seine Flächen unter anderem Onlinern zur Verfügung stellt, neulich zum Beispiel der Lifestyle-Marke Freiraum.

///// HANDEL NATIONAL
Bringoo gewinnt neue Investoren
Frische Beteiligung für Bringoo: Marcus Diekmann und mehrere Manager (von P&C Düsseldorf, Baby One, Frankfurter Laufshop, Digital Kompakt und Shopware) wollen den Einkaufs- und Lieferdienst über das Stammgeschäft Lebensmittel hinaus erweitern – in eigenen Worten: "Bringoo im Einzelhandel als IT- und Logistik-Infrastruktur für die Erschließung der letzten Meile in regionalen Märkten etablieren". Oder wie Handelsblatt.com titelt: "Lieferdienst Bringoo will die Innenstädte retten". Bringoo arbeitet derzeit in und um Hamburg, Berlin, Köln, Pinneberg, Hürth, Frechen und Brühl.

Wolt liefert in Frankfurt jetzt auch Waren von Tegut
Mit Amazon Prime arbeitet der Lebensmittelhändler Tegut im Rhein-Main-Gebiet schon zusammen (das "Morning Briefing" berichtete). Jetzt setzt sich Tegut mit dem finnischen Lieferdienst Wolt aufs Fahrrad: Auf Anfrage von Lebensmittelzeitung.net bestätigt der Händler ein Testprojekt, das in zwei inhabergeführten Nahversorger-Märkten in Frankfurt läuft. Das Angebot, das die Kunden bei Wolt bestellen können, umfasse momentan 1.000 Produkte, darunter auch Eigenmarken. Mittelfristig sollen 1.500 Artikel einbezogen werden, so der Bericht. Über eine Ausweitung werde nach der Testphase entschieden.

Amazon ändert die Entgelte für Marktplatz-Händler
Im Verkäuferportal "Seller Central" hat Amazon neue Entgelte für Marktplatz-Händler angekündigt. Wie Onlinehaendler-News.de schreibt, sollen sie zum großen Teil vom 31. März an in Europa gelten. Unter anderem gebe es neue Standardentgelte für den lokalen und paneuropäischen Versand durch Amazon, etwa 5,10 Euro für ein Standard-Paket von 1,9 Kilo aus Deutschland heraus. Gleichzeitig gebe es Rabatte, beispielsweise 50 Prozent für Inlandssendungen an die Logistikzentren in Deutschland, 20 Prozent für den Versand nach Großbritannien. Die Rabattaktion für den Versand von Bekleidung, Schuhe und Handtaschen laufe ein weiteres Jahr.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Digitec Galaxus: Zwei bis vier Prozent der Produkte bringen 80 Prozent des Umsatzes
Der Schweizer Onliner Digitec Galaxus gibt einen Einblick in den Absatz seiner Sortimente im Hauptmarkt Schweiz/Liechtenstein: 80 Prozent des Umsatzes kamen im vierten Quartal 2021 von 4,4 Prozent des Sortiments. Galaxus.ch (Warenhaus) und Digitec.ch (Elektronik) führen demnach 3,4 Mio. Produkte, davon würden aber nur 1,8 Mio. überhaupt angeschaut, "und am Ende verkaufte sich nur jedes sechste verfügbare Produkt mindestens einmal" (rund 600.000). Trotzdem seien alle wichtig, denn wer selten Verkauftes kauft, soll auch seinen anderen Bedarf decken. In Deutschland lag die Quote noch klarer: Knapp zwei Prozent des Sortiments brachten 80 Prozent des Umsatzes.

USA: Ebay führt Sammelkarten-Authentifizierung ein
Für Sneaker, Uhren und Handtaschen bietet Ebay bereits Echtheitsprüfungen, jetzt folgt in den USA der Service für Sammelkarten. Er gilt der Pressemitteilung zufolge "für einzelne, nicht bewertete Sports Trading Cards (STC), Collectible Card Games (CCG) und Non-Sport Trading Cards (NSTC), die für 750 US-Dollar oder mehr verkauft werden". Weitere Karten-Kategorien sollen folgen. Laut Tamebay.com erbrachte die teuerste Sammelkarte auf Ebay 486.100 Dollar. Kein Wunder, dass Ebay schon voriges Jahr Tools zur Preisermittlung und fürs Sammelmanagement solcher Karten eingeführt hat.

Amazon, Ebay und Doordash sind "Best Place to Work for LGBTQ+ Equality”
Die Human Rights Campaign Foundation hat ihre jährliche Liste der Arbeitgeber veröffentlicht, die 100 Prozent der Kriterien erfüllen, um lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender und queeren Menschen diskriminierungsfreies Arbeiten zu ermöglichen. Aus der (reinen) Online-Welt stehen Airbnb, Amazon, Doordash, Ebay, Etsy, Expedia und Instacart auf der Liste, die insgesamt 842 Unternehmen umfasst. Sie dürfen sich "Best Place to Work for LGBTQ+ Equality nennen.

///// TRENDS & TECH

Paypal führt "Bezahlung nach 30 Tagen" ein
Zahlungsdienstleister Paypal hat gestern in Deutschland eine neue Kreditfunktion eingeführt: Die Zahlungsoption „Bezahlung nach 30 Tagen“ erweitert das „Später-Bezahlen“-Angebot, schreibt das Unternehmen. Die Option gelte für Einkäufe bis 1.000 Euro, koste nichts extra und werde "in den kommenden Wochen" in den Konten der Kunden sichtbar. Paypal buche den Betrag nach 30 Tagen per Lastschrifteinzug ab, eine vorherige Zahlung sei jederzeit möglich.

Mode und Reise verfehlen am häufigsten die Google-Vorgaben
Die "Core Web Vitals" von Google machen Vorgaben für die Nutzerfreundlichkeit. Die Suchdaten-Agentur Searchmetrics schaut, inwieweit die 100 meistbesuchten Websites dem gerecht werden. Mäßig: "32 Prozent bieten noch immer keine gute Page Experience auf dem Desktop. Auf mobilen Geräten verfehlen rund 45 Prozent der Top-100-Websites die Google-Benchmarks." Am besten schneiden Wörterbuch- und Gesundheitsseiten ab, am schlechtesten Mode- und Reise-Websites. "Eine Erklärung dafür ist, dass Websites in diesen Bereichen typischerweise bildlastig sind und häufig dynamische Elemente wie Werbebanner enthalten", so das Unternehmen.

Neues vom IT-Heiratsmarkt
  • Payment-Dienstleister Mollie und Chargebee, Anbieter einer Online-Abrechnungssoftware für abonnementbasierte E-Commerce-Unternehmen, arbeiten jetzt zusammen: Durch die Integration der Lösungen können Händler "alle führenden EU-Abonnement-Zahlungsmethoden in Chargebee mit nur wenigen Klicks akzeptieren".
  • Webstollen, Entwickler von Plugins für das Shopsystem von JTL, vertieft die Partnerschaft mit Billiger.de-Betreiber Solute. Dessen Tracking kann jetzt automatisch in JTL-basierte Shops eingespielt werden. Das ermögliche "ein einfaches Conversion-Tracking und die Erfolgsmessung der Listings" bei Solute.

Retouren-Management: Versteckte Kosten vs. Gewinnpotenziale
Bis in den Februar hinein haben Online-Händler typischerweise mit Weihnachts-Retouren zu tun, und die Deutschen schicken gern zurück. Zur Vorbereitung auf die nächste Welle kann es sich lohnen, die versteckten Kosten unter die Lupe zu nehmen, Fachleuten zufolge reicht das von den Lagerflächen für Retouren bis zur Ausrüstung für das Testen technischer Geräte. Den Kosten gegenüber stehen Gewinnpotenziale: die richtige Preisgestaltung für den Neuverkauf und überhaupt der Verkauf über Marktplätze oder als eigene B-Ware statt die Abgabe an Großabnehmer.

Black Friday/Cyber Monday: Paketaufkommen wuchs schwächer
Logistikdaten-Spezialist Parcel Perform reicht eine Analyse zu Black Friday und Cyber Monday (BFCM) 2021 nach: Es gab Wachstum im Paketaufkommen, aber nicht so stark wie 2020. Nämlich: Deutschland 79 (Vorjahr 90) Prozent Plus, Europa 70 (94) Prozent, USA 43 (71) Prozent. "Diese Tendenz entspricht den Vorhersagen von Anfang November 2021", so Parcel Perform, "wonach die Verbraucher in der EU und den USA Feiertagseinkäufe bereits vor BFCM tätigen." Die behauptete "rückgängige Verbrauchernachfrage im Kontext von E-Commerce-Events" dürfte aber falsch sein: Die Zahlen zeigen keinen Rückgang, sondern weniger Wachstum.