Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in den USA, dass es kein grundsätzliches Recht auf Abtreibung mehr gibt, hat dem Land einen harten Schlag versetzt. Reaktionen kommen von allen Seiten. Auch zahlreiche Unternehmen haben sich in den ersten Tagen gemeldet, gehen einen Schritt voran und haben mitgeteilt, dass sie die Betroffenen unterstützen werden. Sie wollen für Frauen, die in einen US-Staat reisen müssen, in dem die Abtreibung noch möglich ist, die Reisekosten übernehmen. Auch Firmen aus dem Online-Bereich haben am Wochenende über ihre Unterstützung informiert, unter anderem Apple, Meta, Uber, Pay Pal und Doordash. Amazon hatte dies bereits Anfang Mai erklärt. Den USA stehen wieder einmal raue Wochen und Monate bevor, aber aus der Wirtschaft kommen klare, hilfreiche und dringend notwendige Signale für die Mitarbeiterinnen.

///// HANDEL NATIONAL
Gorillas sucht weiter nach Lösungen
Nachdem Gorillas in den vergangenen Wochen unterschiedliche Zukunftsmodelle geprüft hat (das Morning Briefing berichtete), sucht der Schnelllieferdienst neue Partner im Lebensmitteleinzelhandel, schreibt die Wirtschaftswoche. Nach Kooperationen mit Alnatura und in Großbritannien mit Tesco sollen nun hierzulande neue Handelsketten folgen. Damit sollten Ziele wie höhere Margen und eine stärkere Einkaufskraft realisiert werden. Damit sei es möglich, im operativen Geschäft in drei Monaten profitabel zu arbeiten, in einem Jahr solle das für die gesamte Gruppe möglich sein. Im Mittelpunkt stehe nun die Profitabilität, die Expansion werde zurückgestellt. Die neue Strategie werde auch von den Investoren unterstützt.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex sinkt
Der Geschäftsklimaindex des Ifo Instituts hat im Juni wieder Punkte verloren. Nach 93 Punkten im Mai ging es im Juni auf 92,3 Punkte nach unten, die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich wieder einmal verschlechtert. Beeinflusst durch die hohen Energiekosten und die sich abzeichnenden Einschränkungen bei der Gasversorgung haben sich besonders die Erwartungen ins Negative verschoben. Bei der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage ging es leicht nach unten. Eine deutliche Verschlechterung konnten die Wirtschaftsforscher beim Handel feststellen. Hier liegt der Indikator auf dem niedrigsten Stand seit April 2020, die Zukunftserwartungen der Händler sind pessimistisch.

Konstanter Anteil des Online-Handels
Das Online-Shopping hat in Deutschland einen stabilen Anteil erreicht. Anlässlich des Digitaltags 2022 am 24. Juni hat der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) Zahlen veröffentlicht, wann und wie oft die Verbraucher zuletzt an ihrem PC eingekauft haben. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Personen, die in den vergangenen sieben Tagen online eingekauft haben, bei 43,6 Prozent. 2020 waren es 43,4 Prozent, eine stetige Zunahme seit 2017 mit einem Anteil von 38 Prozent. Konstant ist aber auch der Anteil der Verbraucher, die noch nie im Internet gekauft haben. Er lag in den vergangenen zwei Jahren jeweils bei 3,3 Prozent.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Klarna und Barclays im Streit über BNPL
In Großbritannien sind Klarna und die Bank Barclays über Buy-Now-Pay-Later (BNPL) in Streit geraten. Grundlage ist eine Untersuchung von Barclays und der Schuldenhilfe Step Change. Barclays warnt in dem Bericht über das Risiko stark wachsender Schulden bei der Nutzung der BNPL-Angebote, berichtet Bloomberg. 876.000 Verbraucher könnten in finanzielle Schwierigkeiten kommen. Klarna habe reagiert, dass es unverantwortlich sei, dass Barclays die Zahlen von Step Change nutze, um die eigenen Produkte zu fördern, die Zinsraten von bis zu 10,9 Prozent aufwiesen. Barclays arbeite gegen die zinsfreien Produkte der BNPL-Anbieter. Die Auseinandersetzung startete wenige Tage nachdem die britische Regierung eine Verschärfung der Regeln für BNPL angekündigt hatte (das Morning Briefing berichtete).

Everest startet einen Marktplatz für Outdoor-Produkte
Die Outdoor-Community Everest steigt in den Online-Handel ein und eröffnet in den USA einen Online-Marktplatz für Outdoorprodukte. Ziel ist eine übergreifende Plattform für Anbieter und Kunden, CEO Bill Voss will den weltweit größten Marktplatz aufbauen, heißt es bei Channel X. Die Branche erreiche in den USA nicht die dort möglichen Zahlen, nur 20 Prozent des Handels laufe online. Everest wolle die vertretenen rund 1.000 US-amerikanischen Anbieter bis 2023 auf 10.000 steigern. Es gehe darum, nicht nur ein Forum für Aktive zu bieten. Everest wolle für Anbieter und Kunden das passende Umfeld aufbauen.

Walmart steigt bei Symbotic ein
Walmart verstärkt für die Logistik die Aktivitäten im Bereich der Künstlichen Intelligenz und steigt beim Technologieentwickler Symbotic ein. Dabei fließen 11,1 Prozent der Aktien und 4,3 Prozent der Stimmrechte an den Handelskonzern, der mit diesem Schritt die Lieferketten absichern möchte, meldet Retail Dive. Bereits im Mai hatte Walmart angekündigt, dass die Technologie von Symbiotic in den nächsten acht Jahren in den 42 Lagerzentren zum Einsatz kommen werde. Ziel sei eine höhere Kapazität für Lagerung der Waren und für die Belieferung der Geschäfte.



///// TRENDS & TECH

Amazon stellt vollständig autonomen Roboter vor
Ein neuer autonomer Roboter mit dem Namen Proteus soll die Arbeitsbedingungen der Lagermitarbeiter bei Amazon erleichtern. Das Gerät soll selbstständig zwischen den Mitarbeitern unterwegs sein und sie unter anderem bei der Arbeit an den Lagerregalen oder dem Bewegen der Warentransporter in den Hallen unterstützen, meldet Mashable. Amazon habe erklärt, dass die Sicherheit der Mitarbeiter Priorität habe. Von Seite der Mitarbeiter gebe es aber Bedenken, ob der Einsatz von Proteus-Robotern nicht zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen könnte. Amazon habe erklärt, dass die Roboter bei einem drohenden Arbeitskräftemangel helfen könnten, die Situation zu bewältigen.

Viel Bewegung bei den Online-Marktplätzen
In der Welt der Online-Marktplätze hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Nach einer neuen Studie der Digitalberatung Ecom Consulting und Gominga, einem Spezialist für Bewertungsmanagement, ist die Zahl der B2C-Marktplätze im deutschsprachigen Raum in den vergangenen zwei Jahren von 150 auf 214 angestiegen. Im Vergleich zu 2015 habe sich die Zahl fast verdreifacht, erklären die Autoren. Dabei habe es aber viel Bewegung gegeben, rund 100 Anbieter hätten neue Marktplätze eröffnet, auf der anderen Seite hätten 30 Plattformen in den vergangenen zwei Jahren den Betrieb eingestellt. Gründe dafür seien Übernahmen, Fusionen, Umbenennungen oder Ausstiege aus den Regionen. Ein Wachstum habe es aber nicht nur bei den Marktplätzen gegeben, auch mit ihnen arbeitende Dienstleister seien gestartet.

Deutsche bezahlen aus Sicherheit gerne bar
Nach den Ergebnissen der neuen Umfrage "Market Research Payment Methods 2022" des schwedischen Bezahldienstes Fidesmo zahlen Deutsche aus Sicherheitsgründen gerne bar, 37 Prozent sehen es als besonders sicher an. In der Studie wurde das Bezahlverhalten in Deutschland und Schweden untersucht. Dagegen stufen Schweden Bargeld als risikoreich ein, sie nutzen gerne (88 Prozent) den Zahlungsdienst Swish, für 23 Prozent ist er beim Online-Kauf die Nummer eins, berichtet Ibusiness. Bei deutschen Verbrauchern stehe Paypal für 95 Prozent an der Spitze, 64 Prozent benutzten es beim Online-Shopping. Defizite gebe es in beiden Ländern bei der Nutzung der Smart Wearables. Hier liege das Hauptproblem für die Verbraucher beim Datenschutz.


///// NACHHALTIGKEIT

Vinted startet Vinted Go
Die Second-Hand-Plattform Vinted startet ein eigenes Versandunternehmen. Unter dem Namen Vinted Go will das litauische Unternehmen neue und effizientere Versandmöglichkeiten entwickeln, die von der eigenen Plattform eingesetzt werden können, aber auch externen Unternehmen angeboten werden sollen, berichtet Fashion United. In einem ersten Schritt sei die Einrichtung von eigenen Schließfächern in Paris geplant, in denen Kunden Pakete abholen oder hinterlegen könnten. Der Transport der Pakete erfolge mit Elektrofahrzeugen. Darüber hinaus wolle Vinted durch den Aufbau einer neuen Versandplattform die Verbesserung der Infrastruktur für externe Anbieter verbessern.