Beginnen wir mit etwas Textexegese. Der Getränkelieferdienst Flaschenpost warb Ende März/Anfang April mit dem Spruch: "Getränke. Kostenlos. Geliefert." Gemeint ist logischerweise, dass keine Lieferentgelte erhoben werden. Der zweite Punkt des Spruchs allerdings verändert die Aussage radikal: Getränke sind a) kostenlos und werden b) geliefert. Schade, dass die Aktion vorbei ist. Und schade, dass auf der Rückseite steht, Irrtümer seien vorbehalten.

///// HANDEL NATIONAL
Gorillas: Koebele statt Bork an der Deutschland-Spitze
Andreas Bork, Deutschland-Chef des Quick-Commerce-Anbieters Gorillas, hat das Unternehmen vier Monate nach Dienstantritt verlassen. Wie Lebensmittelzeitung.net schreibt, sei das eine private Entscheidung gewesen. Nachfolger sei seit 19. April Clemens Koebele, der im März als Vice President Of Global Supply Chain bei Gorillas angefangen hatte. Er sei bereits der vierte Deutschland-Chef seit der Geschäftsaufnahme Mitte 2020. Außer Bork sind der LZ zufolge auch sein Stellvertreter Harm-Julian Schumacher sowie die Commercial Directors Matthew Nobbs und Cathal Corcoran nicht mehr bei Gorillas.

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Alibaba schaut über die Emissionen der Scopes 1, 2 und 3 hinaus
Angesichts des Klimawandels haben Führungskräfte weltweit die Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und Führungsstärke zu zeigen. Als Vorreiter hat Alibaba das Konzept „Scope 3+“ eingeführt, welches die digitalen Plattformen von Alibaba nutzt. Dieses soll nachhaltige Produkte, Dienstleistungen und umweltfreundliches Verhalten von sämtlichen Beteiligten im Ökosystem sowie neue Technologie- und Geschäftsmodellinnovationen anregen und bis 2035 eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 1,5 Milliarden Tonnen ermöglichen. Mehr

Picnic will offenbar nach Berlin, Hamburg und Frankfurt
Der Blog "Exciting Commerce" weist darauf hin, dass der Lieferdienst Picnic für die Regionen Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main Expansions-Manager ("Regional Recruitment Lead") und weiteres Personal sucht. Trockener Kommentar des Blogs: "Mit Knuspr und mit Oda im Vormarsch scheint sich Picnic jetzt doch aus NRW heraus bewegen zu wollen."

Kein Amazon-Logistikzentrum in Grevesmühlen/Upahl
Trotz unterschriftsreifer Verträge habe Amazon das Projekt eines Logistikzentrums zwischen Upahl und Grevesmühlen im Kreis Nordwestmecklenburg abgesagt, berichtet NDR.de. Die Entscheidung habe beide Orte überrascht. Zu den Gründen habe Amazon dem NDR gegenüber lediglich geäußert, man wolle bestehende Standorte besser nutzen und dort mehr Mitarbeitende einstellen. Der NDR fürchtet, ein geplantes Amazon-Zentrum in Schwerin könne ebenfalls gestoppt werden, auch dort seien die Verträge noch nicht unterschrieben.

HDE, ZBB und Google setzen Digital-Weiterbildung fort
Um IT-Support, Projektmanagement, Nutzeroberflächen-Design und Datenanalyse geht es in Qualifizierungsangeboten, die der Handelsverband Deutschland (HDE), die Zentralstelle für Berufsbildung im Handel (ZBB) und die "Google-Zukunftswerkstatt" bieten – und zwar auch im Jahr 2022. Wie der HDE mitteilt, wird die Kooperation für das E-Learning fortgeführt. Dahinter steht das Programm „Google Career Certificates”, für das Google nach eigenen Angaben 100.000 Stipendien in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika auslobt.


///// HANDEL INTERNATIONAL

China plant die "De-Amazonisierung"
Marketplacepulse.com berichtet über den Artikel eines regierungsnahen chinesischen Beraters, der von einem "Würgegriff-Risiko im internationalen chinesischen E-Commerce" spreche. Er fordere chinesische Händler auf, von Amazon wegzusteuern, ihrem wichtigsten Kanal Richtung Westen. Als Gründe würden hohe Entgelte, die Schließung von Händlerkonten und zuwenig Zugriff auf Kundendaten genannt. Allerdings, so die Website, seien Konten nicht aus Willkür, sondern zum Beispiel für Fake-Bewertungen gesperrt worden. Ein Ziel sei es, in westliche Länder eher über Endkunden-Onlineshops zu verkaufen.

Plagiatsvorwürfe gegen Shein
Der chinesische Mode-Onliner Shein gerät wegen seiner Geschäftspraktiken immer wieder in die Kritik, gestern hat TheGuardian.com über Plagiatsvorwürfe berichtet: Ein pinkfarbenes Satinkleid von Shein sehe einem pinkfarbenen Satinkleid von Zara zum Verwechseln ähnlich. Entsprechende Videos auf Tiktok (mit den Hashtags #zaravsshein und #zaradupe) seien fast 40 Millionen Mal angesehen worden – allerdings gehe es dabei oft nicht um Anklage, sondern um die Chance, Zara-Designs deutlich günstiger zu bekommen. Anklagen seien unter #sheinstolemydesign und auf Instagram unter @dupesnation zu finden.

USA: Just Eat Takeaway will Grubhub verkaufen
Just Eat Takeaway, Mutter von Lieferando, überlegt, die US-Tochter Grubhub ganz oder teilweise zu verkaufen oder einen strategischen Partner ins Boot zu holen. Das geht aus dem Quartalsbericht hervor. Laut CNBC.com passiert das auf Druck der Investoren. Gleichzeitig sei das Geschäft mit Lebensmittel-Lieferungen im ersten Quartal ausgebaut worden: durch neue Partnerschaften mit Central England Co-op (Großbritannien), Albert Heijn und Spar (Niederlande). Eine weitere, langfristig angelegte weltweite Partnerschaft mit McDonald's soll die betriebliche Effizienz erhöhen.

///// TRENDS & TECH

BEVH kritisiert geplantes Dual Pricing
Der E-Commerce-Verband BEVH sieht die geplante überarbeitete Vertikal-Gruppenfreistellungs-Verordnung der EU-Kommission kritisch: Das geplante Dual Pricing, das Herstellern unterschiedliche Großhandelspreise für stationäre und Online-Händler erlaubt, versuche "wieder zu trennen, was Omnichannel-Händler über viele Jahre mühsam zusammengeführt haben", heißt es in einem Statement. Omnichannel-Händler müssten sämtliche Warensegmente nach Offline und Online getrennt verwalten und tracken. Zudem bestehe Gefahr, dass Hersteller den Omnichannel-Händlern hohe Preise gäben und über ihren eigenen Online-Shop "zu günstigeren Konditionen" verkauften.

Ant Group plant Mehrheit an Zahlungsdienstleister 2C2P
Die Ant Group, Betreiber von Alipay, will nach eigenen Angaben die Mehrheit am singapurischen Zahlungsdienstleister 2C2P kaufen. Er arbeitet in zehn Ländern, unter anderem in Thailand, Singapur und Malaysia. Das wechselseitige Ziel: Ant kann den Händlern im Kundenstamm von 2C2P die "Alipay+ Suite" anbieten, 2C2P wiederum Händler erreichen, "um unsere internationale Expansionsstrategie voranzutreiben”, so 2C2P-Gründer und -CEO Aung Kyaw Moe.

Smarte Warenlager vernetzen alle Prozesse
"Nachdem die Handys, das Zuhause und die Städte smart geworden sind, war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kommt, auch Logistikzentren mit diesem Adjektiv zu versehen", schreibt Textilwirtschaft.de-Redakteur Bert Rösch in einem frei zugänglichen Beitrag. Smarte Warenlager verknüpfen verschiedene automatisierte Technologien, damit Waren und Anfragen automatisch empfangen, sortiert, organisiert, im Lager gefunden und für den Versand vorbereitet werden können. Herausforderungen seien die IT-Manpower und zögernde Investitionsentscheidungen.

Einige Studien im Schnelldurchlauf
  • 49 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung kaufen aktuell direkt bei Herstellern ein (D2C), unter den 18-bis-29-Jährigen sind es 66 Prozent. Markenshops sind die wesentlichen Touchpoints. (Studie "Verschenktes Potenzial" von ECC Köln und Publicis Commerce Germany, 1000 befragte Verbraucherinnen und Verbraucher)
  • Die Deutschen sind 20,2 Stunden pro Woche per Mobiltelefon im Internet unterwegs (das sind zwölf Prozent der Wochenzeit), im Vorjahr waren es noch 18,8 Stunden. ("Postbank Digital­studie 2022", 3050 befragte Deutsche)
  • Allerdings kämpfen sie dabei mit Funklöchern: 53 Prozent der Deutschen bzw. ihre Mobilgeräte haben oft oder sehr oft mit Netzausfällen oder abgebrochenen Verbindungen zu tun, unter Pendlern sind es 62 Prozent. (Umfrage von Verivox unter 1011 Deutschen, laut Spiegel.de)
  • Eine Umfrage vom Typ "Wir finden heraus, dass wir die Lösung sind": 74 Prozent der Deutschen erwarten Innovationen beim Einkaufs- und Zahlungsprozess, 62 Prozent einfache und reibungslose Zahlungen in Online-Shops. ("Shopping-Pulse-Report" des Zahlungsdienstleisters Klarna, 1064 deutsche Befragte)

Uber Eats akzeptiert Zahlungen über Rakuten Pay
Uber Eats arbeitet künftig mit dem Online-Bezahldienst Rakuten Pay zusammen. Der Dienst werde von Ende April an als offizielle Zahlungsmethode für den Kauf von Lebensmitteln auf Uber Eats für alle Nutzer verfügbar sein, kündigt Rakuten an. Zur Feier soll am 27. April eine "zeitlich begrenzte" Rabattaktion starten.

///// NACHHALTIGKEIT

Ebay-Umfrage zu Gebrauchtprodukten: Gute Absicht, wenig Taten
Vor gut einem Jahr hat Ebay das Siegel "Zertifiziert generalüberholt" eingeführt (das "Morning Briefing" berichtete), jetzt legt die Plattform mit einer Umfrage nach: Die Befragung von 5.000 Deutschen durch Civey habe ergeben, dass 52 Prozent gebrauchte oder generalüberholte Produkte kaufen möchten. Allerdings hätten nur zehn Prozent angegeben, das auch häufig tun, unter jüngeren Leuten allerdings 22 bis 23 Prozent. Dahinter stünden Bedenken über mangelhafte Qualität (37 Prozent), fehlende Absicherung beim Kauf (34 Prozent) und mangelnde Verfügbarkeit gesuchter Artikel (17 Prozent). Zahl am Rande: Über Ebay seien 2021 pro Stunde 36 gebrauchte oder generalüberholte iPhones gekauft worden.

Großbritannien: Ebay verkauft Kleidung mit Dellen
In Großbritannien hat gestern "Ebay Imperfects" geöffnet: Die Kategorie listet neue Kleidung, Schuhe und Accessoires mit leichten Schäden und gewährt bis zu 60 Prozent Rabatt. Channelx.world zufolge sind rund 100 Marken dabei, unter anderem North Face, Off White, Puma, Fila und Timberland, am gestrigen Mittwochabend tauchten auch Produkte von Gucci, Prada, Lacoste, Nike, Adidas und Converse auf. Das Ziel fasst Ebay mit einem Halbsatz zusammen: "Kleidung von Müllkippen fernhalten".