Die EU hat ihre Klimaschutzziele bis 2035 vorgestellt, sie konzentrieren sich auf Motoren, Emissionshandel, Luft- und Schifffahrt. Für den Handel bedeutet das vor allem, sich Gedanken über erneuerbare Energien, Lade-Infrastruktur und Warentransport zu machen, kommentiert der HDE. Von Verpackungen ist nicht die Rede, aber da geht was, wie der Schweizer Online-Supermarkt Lyfa zeigt: Er verspricht abfallfreie Lieferungen und hat frisches Geld für die Expansion eingeworben. Siehe unten.

///// HANDEL NATIONAL
HDE hebt Wachstumsprognose für Online-Handel auf 20 Prozent
Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat 650 Händler befragt und prognostiziert für 2021 ein Wachstum von 1,5 Prozent im deutschen Handel insgesamt -- und von 20 Prozent im Online-Handel. Bisher hatte die Online-Prognose bei 17 Prozent gelegen. Voraussetzung der Einschätzung sei, dass es keine weiteren Lockdowns gibt und die Coronazahlen niedrig bleiben. Die Umfrage erbrachte auch Forderungen unter anderem nach "mehr Wettbewerbsfairness in der Plattformökonomie und Unterstützung für Innenstädte".

Durst.de kooperiert mit Trinkkontor
Durststrecke, Betreiber des Online-Getränkemarktplatzes Durst.de, lässt im Raum Köln künftig die Trinkkontor Bitburger Bier GmbH für sich liefern. Wie es in der Mitteilung zur Kooperation heißt, ist Durststrecke gegenwärtig über Getränkefachgroßhändler außer in Köln (dem eigenen Unternehmenssitz) auch in Augsburg, Bremen, Chemnitz, Dresden, Frankfurt am Main, Freiburg, Mannheim, Karlsruhe, München und Offenbach vertreten. Geplant seien Standorte in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Hellofresh will in Australien zukaufen
Kochboxen-Anbieter Hellofresh hat angekündigt, den 2012 gegründeten australischen Fertiggerichte-Spezialisten Youfoodz Holdings Limited komplett zu übernehmen. Die Vereinbarung sei geschlossen, die Übernahme zu 0,93 Australischen Dollar pro Aktie (insgesamt etwa 125 Mio. Dollar) könne bis Oktober erfolgen, teilt das Unternehmen mit. "Die beabsichtigte Übernahme bietet die Chance, dass Ready-to-eat-Mahlzeiten zu einem wichtigen Bestandteil der Hellofresh-Wachstumsstrategie werden", so Hellofresh. Youfoodz ist nicht die erste Fertiggericht-Übernahme: Im November 2020 hatte Hellofresh angekündigt, den US-amerikanischen Anbieter Factor 75 zu kaufen. Hellofresh will "die weltweit führende Food-Solutions-Group" werden.

Kaufland schickt Hip-Hop-Video in die Online-Kanäle
Das Werbe-Musikvideo "Super Marc" mit dem New Yorker DJ Marc Rebillet hat Edeka seit dem 30. Juni rund 4,1 Mio. Youtube-Aufrufe gebracht. Am heutigen Donnerstag startet Kaufland eine ähnliche Kampagne: "Zu billig, um wahr zu sein" wird als Hip-Hop-Song auf Youtube, Tiktok, Facebook und Instagram zu sehen sein. Das Video "zeigt eine Kaufland-Kundin, die sich dank ihres günstigen Einkaufs bei Kaufland wie im Luxus-Leben fühlt", heißt es in der Ankündigung, die "viel Bling-Bling" verspricht. Im Mittelpunkt steht Tiktok-Star Younes Zarou, beteiligt sind die Agenturen Heimat Berlin (Konzept), Mypony (Produktion) und La Red (Social Media).

Zalando I: Partnerprogramm-Chefin nennt einige Zahlen
Gegenwärtig erwirtschafte Mode-Onliner Zalando etwa ein Viertel seines Gesamtumsatzes (GMV) mit seinem Partnerprogramm, bis 2023 aber sollen es 40 Prozent werden, und "wir sind auf einem guten Weg", sagt Sonja Aboulez, Vice President Sales & Service des Unternehmens, im Interview mit Fashionunited.de. Von 2019 bis 2020 habe sich die Zahl neuer Partner verdreifacht, für die vergangenen 18 Monaten nennt sie "über 500 neue Marken". Besonders wachstumsstark seien zurzeit die Kategorien Beauty, Underwear und Beachwear -- und überraschenderweise Socken.


///// HANDEL INTERNATIONAL


Ebay will Anteile an Adevinta reduzieren
Neues Kapitel in der Geschichte um Ebay und Adevinta: Ebay hat angekündigt, bis Ende des Jahres rund 125 Millionen Anteile am norwegischen Unternehmen Adevinta (für 2,25 Mrd. US-Dollar) an die britische Private-Equity-Gesellschaft Permira zu verkaufen. Damit sänke die Ebay-Beteiligung von 44 auf 34 Prozent; Permira hat die Option auf weitere zehn Mio. Aktien, was zu 33 Prozent führen würde. Dahinter steht eine Einigung mit den Wettbewerbsbehörden in Österreich: Damit Ebay die Ebay Classifieds Group an Adevinta verkaufen kann, sodass Adevinta sie mit seinem Portal Shpock zusammenführen kann, soll der Ebay-Einfluss sinken. Auch die britischen Wettbewerbshüter hatten Bedenken (das "Morning Briefing" berichtete).


///// TRENDS & TECH

Londoner Einkaufszentrum eröffnet Tiktok-Popup-Laden
Auch eine Verknüpfung von Online und Offline: Das Einkaufszentrum Westfield London hat einen Popup-Store zum Thema Tiktok mit dem Namen "For You House" eröffnet. Zu kaufen gibt es dort nichts, berichten TheGuardian.com und Onlinemarketing.de, stattdessen geben Tiktok-Influencer ("Creators") wie Kyle Thomas, Ehiz Ufuah, Poppy O’Toole, Jeremy Lynch und Ben Black für fünf Pfund Profitipps zur Content-Erstellung. Kleine Studios im Küchen- oder Garderoben-Design ermöglichen es, Tiktok-Videos zu drehen und sofort zu posten. Der Popup-Laden, der erste seiner Art, ist noch bis zum 8. August geöffnet.

Drei Studien und Übersichten in jeweils einem (langen) Satz
  • 27,1 Prozent der deutschen Verbraucher geben in der Studie "The Shape of Retail" von Alvarez & Marsal und Retail Economics an, ihr Einkaufsverhalten habe sich permanent Richtung Online verändert: 6,2 Prozent der Befragten sehen diese Veränderung in sämtlichen, 20,9 Prozent nur bei bestimmten Produktkategorien.
  • Im jährlichen "Recommend Ranking", in dem das Beratungsunternehmen Yougov die am häufigsten weiterempfohlenen Marken in Deutschland ermittelt, steht mit Medikamente-per-klick.de ein Onliner auf Platz 2 (hinter der Berufskleidungs-Marke Engelbert Strauss und vorm Kosmetik- und Arznei-Anbieter Weleda).
  • Die "Wirtschaftswoche" hat einen Vergleich der Lebensmittel-Lieferdienste in Deutschland zusammengestellt -- allerdings ist er bei weitem nicht vollständig, sondern skizziert eher das Spektrum von "Schnelle Lieferdienste" bis "Lebensmittel retten".

///// NACHHALTIGKEIT

Abfallfreier Online-Supermarkt Lyfa erhält Finanzierung
Der 2019 gegründete schweizerische Online-Supermarkt Lyfa, der in Basel und Umgebung liefert und nach eigenen Angaben vollständig auf Einwegverpackungen verzichtet, erhält zusätzliches Geld: In einer so genannten Pre-Seed-Runde haben unter anderem die Swiss Startup Group und Rockstart Investitionen zugesagt -- zur Höhe macht der Bericht auf Startupticker.ch keine Angaben. Das Geld soll zur Expansion nach Zürich und Bern sowie zur Ausweitung des Angebots verwendet werden. Gegenwärtig bietet Lyfa 250 Produkte, die Transportverpackungen werden bei der nächsten Lieferung wieder abgeholt.

Zalando II: Versandtaschen werden schrittweise auf Papier umgestellt
Modeversender Zalando nutzt künftig in allen 20 Märkten statt Versandtaschen aus Plastik (mit 80 Prozent Recyclinganteil) solche aus Papier (FSC-zertifiziert, aber keine Recycling-Fasern). "Bis zum Ende des ersten Quartals 2022 soll vollständig auf Papiertaschen umgestellt werden", kündigt das Unternehmen an. Es ändert dafür sogar das Corporate Design: Das orange Logo muss künftig nicht mehr zwingend auf weißem Hintergrund stehen, sondern darf auch auf Packpapier-Beige gedruckt werden. Dadurch entfällt das Bekleben der Versandkartons (aus Recyclingkarton) mit weißem Papier. In Planung sind Verpackungen mit 30 Prozent Gras-Anteil für die Pre-owned-Schiene.

Amazon bildet vier Umweltschutz- und Nachhaltigkeits-Label ab
Online-Riese Amazon hat vier Label zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit in seine Product Labeling Initiative aufgenommen, meldet Retaildive.com. Alle vier stammen aus den USA: EWG Verified der Environmental Working Group, Regenerative Organic Certified der Regenerative Organic Alliance, The U.S. Environmental Protection Agency Safer Choice der US-Umweltbehörde und Animal Welfare Approved von A Greener World.