Der US-Händler Walmart bietet nicht nur den Lieferservice "In Home", sondern auch zwei knackige Datenschutz-Fragen. Die Zusteller bringen die Waren nämlich auf Wunsch bis in den Kühlschrank. Um zu beweisen, dass sie den Zugang zum Haus nicht missbrauchen, filmen sie die Lieferung per Bodycam und stellen das Video eine Woche lang online zur Verfügung. Wäre das Vorgehen DSGVO-konform? Und könnte nicht eigentlich Alexa die Kontrolle übernehmen?

///// HANDEL NATIONAL
HDE schätzt Handels-Umsatzplus 2021 auf 1,5 Prozent
Ende Januar oder Anfang Februar will der HDE einen detaillierten Rückblick auf das Jahr 2021 geben. Wie er gestern mitteilte, rechnet er bis dahin mit einem nominalen Umsatzplus von 1,5 Prozent im Einzelhandel (stationär und online); preisbereinigt werde das Vorjahresergebnis erreicht. Das unterscheidet sich von den vorläufigen Einzelhandels-Zahlen des Statistischen Bundesamtes von vorgestern: nominal 3,1 Prozent, preisbereinigt 0,9 Prozent (das "Morning Briefing" berichtete).

C&A will Online-Anteil von 20 auf 50 Prozent heben
Das wird Zalando freuen: Giny Boer, Chefin des Modehändlers C&A, will bis 2024 oder 2025 die Hälfte des Gesamtumsatzes online einfahren – unter anderem über die Kooperation mit dem Marktplatzgeschäft von Zalando und der Eröffnung neuer Logistikzentren. Wie Fashionunited.de schreibt, liege der Online-Anteil derzeit bei etwa 20 Prozent.

Kartellamt schafft Voraussetzung für Maßnahmen gegen Google
Das wird Amazon nicht freuen: Das Bundeskartellamt ist zu dem Schluss gekommen, "dass die Alphabet Inc., Mountain View, USA, und damit auch das Tochterunternehmen Google der erweiterten Missbrauchsaufsicht durch die Kartellbehörde unterfällt". Das Amt stellte die "überragende marktübergreifende Bedeutung" fest und kann damit künftig wettbewerbsgefährdende Praktiken untersagen. Das ist auch für Amazon relevant, denn erst vor wenigen Tagen hat Amtschef Andreas Mundt bestätigt, unverändert das Verhalten von Amazon zu prüfen (das "Morning Briefing" berichtete).

Amazon und Hellofresh sorgen für Vollbeschäftigung in Verden
In Verden betreibt Hellofresh ein Versandzentrum, im gleichnamigen Kreis steht zudem ein Amazon-Zentrum (in Achim), ein zweites soll im Frühjahr dazukommen (in Oyten). "Amazon und Hellofresh fegen den Arbeitsmarkt im Kreis Verden leer", titelt daher Kreiszeitung.de nach einer Pressekonferenz der örtlichen Arbeitsagentur. Denn allein Amazon wolle in den kommenden Monaten mehr als 600 Leute einstellen, was die Arbeitslosenquote weiter senken werde. Bereits jetzt sei sie von 3,2 auf 3,1 Prozent gesunken, "eine Quote am Rande der Vollbeschäftigung", so das Blatt.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Schweiz: Farmy legte 2021 noch einmal deutlich zu
Der Schweizer Lebensmittel-Onliner Farmy war 2020 um 170 Prozent gewachsen und legte 2021 noch einmal 23 Prozent drauf, wie Lebensmittelzeitung.net schreibt. Er erreichte 32 Mio. Schweizer Franken (etwa 30,9 Mio. Euro). Die Zahl der Bestellungen sei sogar um 40 Prozent gestiegen – aber der durchschnittliche Warenkorbwert von 144 auf 127 CHF gesunken, weil weniger bevorratet worden sei. Nach erfolgreicher Testphase werde Anfang 2022 die Express-Lieferung (unter drei Stunden) im Raum Zürich offiziell eingeführt.

Walmart-Lieferdienst soll bis Ende 2022 massiv ausgebaut werden
Der US-Händler will die Reichweite des 2019 gegründeten Lebensmittel-Lieferdienstes "In Home" bis Ende 2022 von gegenwärtig sechs auf 30 Mio. Haushalte ausweiten. Wie das Unternehmen ankündigt, sollen zu diesem Zweck mehr als 3.000 Zustellfahrer eingestellt und ausgebildet ("highly trained") werden. Der Dienst (auf Wunsch bis in den Kühlschrank, siehe Editorial) kostet 19,95 US-Dollar per Monat oder 148 Dollar im Jahr.

Ralph Lauren verkauft Jacken für Gaming-Avatare
Avatare repräsentieren ihren Besitzer und sollen entsprechend ausstaffiert werden können: Die Modemarke Ralph Lauren hat einen Online-Shop auf der Gaming-Plattform Roblox eröffnet, so T3N.de. Sie verkauft dort für drei bis fünf US-Dollar zum Beispiel Winterjacken, Mützen und Sonnenbrillen für die Spielfiguren der User. Das sei noch günstig, urteilt die Website: Gucci habe im Juli ebenfalls auf Roblox einen Handtaschen-Avatar für rund 4.100 Dollar verkauft. Ganz anders H&M: Das Unternehmen hat laut Fashionunited.com Gerüchten widersprochen, es wolle einen Shop auf der Plattform Ceek City eröffnen.

Lieferdienst Borzo kauft indischen Wettbewerber Now
Der in Russland, Südamerika und Asien arbeitende 60-Minuten-Lieferdienst Borzo hat einem Bericht auf Tech.eu zufolge den indischen Wettbewerber Now übernommen, um das Geschäft in Indien zu stärken. Die Gründer Vivek Pandey und Bharat Khandelwal sollen am Steuer und das Lieferziel bei 90 Minuten bleiben. Now arbeite in acht Städten, Borzo verzeichnet auf seiner Website 14 indische Regionen.

Kunsthandwerk-Marktplatz Artfire hat zugemacht
Artfire.com, ein 2008 in den USA gegründeter Online-Marktplatz für Kunsthandwerk, ist dicht: "Gesetzesänderungen und die zunehmende Komplexität des Betriebs von Online-Marktplätzen haben die Arbeit in den vergangenen Jahren schwieriger gemacht; die Mitglieder des Gründungsteams sind daher in neue Projekte gewechselt", heißt es in einer Abschiedsbotschaft. Insgesamt seien Waren im Wert von rund 250 Mio. US-Dollar verkauft worden. Tamebay.com weist auf den Wettbewerb durch Etsy hin, die Schließung sei daher "keine Überraschung".


///// TRENDS & TECH

Walmart, Fedex und Amazon ordern Elektro-Vans
Es wirkt wie die Gegengeschichte zur gestrigen Meldung im "Morning Briefing" zum Verkauf des "Streetscooter"-Geschäfts der Deutschen Post: Der US-Handelsriese Walmart hat 5.000 elektrisch betriebene Vans der General-Motors-Tochter Bright Drop bestellt und will sie von 2023 an in die Flotte integrieren. Fedex schließt sich mit einer Bestellung über 2.000 Vans derselben Marke an, so Bright Drop in einer Mitteilung von der US-Elektro-Messe "CES 2022". Auch Amazon bestellt E-Vans, und zwar "eine große Zahl" der Marke "Ram Pro Master", die 2023 auf den Markt kommt, meldet Cnet.com.

Start-ups: Amzscale will den Onlinehandel demokratisieren
Neue E-Commerce-Marken aufzubauen und erfolgreich zu führen ist eine Herausforderung – besonders für Einsteiger ohne Erfahrung im Onlinehandel. Ihnen bietet Amzscale nicht nur einen Rundum-Service für den Aufbau und die Skalierung von Marken. Das Osnabrücker Start-up will auch eines der größten Probleme beim Start in den Onlinehandel überwinden: mangelndes Kapital.

Bolt wechselt dauerhaft zur Vier-Tage-Woche
Das ist mal ein Neujahrs-Vorsatz: Bolt, US-amerikanischer Anbieter von E-Commerce-Software, hat zum Jahreswechsel dauerhaft die Vier-Tage-Woche eingeführt, so CEO Ryan Breslow in einem Twitter-Thread. Vorangegangen sei eine dreimonatige Testphase, eine Umfrage habe erbracht, dass 86 Prozent der Leute effizienter arbeiten und 80 Prozent unnötige Konferenzen abgeschafft haben. (Nicht zu verwechseln mit dem E-Scooter-Anbieter Bolt.)

///// NACHHALTIGKEIT

Zalando investiert in Textil-Recycler Ambercycle
Mode-Onliner Zalando investiert in das US-Unternehmen Ambercycle, wie beide Unternehmen mitteilen. Ambercycle hat sich auf die Fahne geschrieben, Textilabfälle so gründlich zu trennen, das aus ihnen die polyester-ähnliche und recycelbare Faser "Cycora" hergestellt werden kann. Die 21,6 Mio. US-Dollar dieser ersten Finanzierungsrunde sollen für den Ausbau der Pilotanlage in Los Angeles verwendet werden. Unter den fünf Investoren ist auch Modehersteller H&M, der "Cycora" bereits einsetze.