Seit fünf Jahren gibt es "Amazon Fresh" in Deutschland – zum Geburtstag liefert der Dienst ein bisschen unnützes Wissen: Die meisten Bestellungen kamen aus dem Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und dem Münchner Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg. Meistbestelltes Gemüse waren Tomaten, meistbestelltes Obst Bio-Bananen. Es wurden umgerechnet 10.000 Badewannen voll Milch und 21 Kilometer Kaffeepackungen ausgeliefert. Nützlichster Fakt: Seit 2021 spendet Amazon an die Tafeln in Berlin, München und Hamburg.

///// HANDEL NATIONAL
HDE senkt Wachstumsprognose für E-Commerce auf 12,4 Prozent
Vorgestern hatte der BEVH eine Verlangsamung des Online-Wachstums von 11,5 auf 2,3 Prozent seit dem Kriegsausbruch genannt (das "Morning Briefing" berichtete), gestern legte der HDE nach: Der Verband senkt seine Jahresprognose um eine satte Milliarde. Das Plus des Onlinehandels werde eher bei 12,4 statt bei den ursprünglich erwarteten 13,4 Prozent liegen, schreibt der Verband, was 97,4 Mrd. Euro bedeute. "Der Online-Bereich [leidet] genau wie der gesamte Einzelhandel unter der aktuell schlechten Verbraucherstimmung."

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Alibaba schaut über die Emissionen der Scopes 1, 2 und 3 hinaus
Angesichts des Klimawandels haben Führungskräfte weltweit die Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und Führungsstärke zu zeigen. Als Vorreiter hat Alibaba das Konzept „Scope 3+“ eingeführt, welches die digitalen Plattformen von Alibaba nutzt. Dieses soll nachhaltige Produkte, Dienstleistungen und umweltfreundliches Verhalten von sämtlichen Beteiligten im Ökosystem sowie neue Technologie- und Geschäftsmodellinnovationen anregen und bis 2035 eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 1,5 Milliarden Tonnen ermöglichen. Mehr

Primark arbeitet an neuer deutscher Website – ohne Online-Shop
Der Textildiscounter Primark kündigt Fashionunited.de gegenüber für den Sommer eine neue deutsche Website an. Bisher sei dort eine begrenzte Produktauswahl zu sehen, für den neuen Auftritt sei "ein Riesen-Produktsortiment" geplant mit mehr Produktinformationen und der Angabe, was in den Stores verfügbar sei. Das solle aber ein reines Schaufenster bleiben: Für einen Discounter seien die Kosten des E-Commerce zu hoch.

Tonies verkauft online in fünf weitere Länder
Tonies, Düsseldorfer Anbieter von Hörspielboxen und dafür notwendiger Figuren, hat den Webshop Tonies.com/en-eu für die Länder Niederlande, Belgien, Luxemburg, Spanien und Portugal geöffnet, schreibt Buchreport.de. Damit sei Tonies in zwölf Ländern vertreten, weitere Markteintritte seien geplant.

Schlauch-Onliner Fluidify überarbeitet den Shop
Fluidify.com ist ein Online-Shop für Schläuche und alles drumherum (außer Wasser). Zusammen mit dem Softwarehaus Antiloop ging im April eine neue Shop-Version mit einfacheren Kundenprozessen, besserer Nutzbarkeit und mehr Leistung live, berichtet Antiloop stolz. Gegenwärtig werde ein Schlauch-Konfigurator entwickelt. Fluidify FT arbeitet mit der E-Commerce-Software Spryker und gehört zu Haberkorn.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Just Eat Takeaway.com verliert Aufsichtsratschef und COO
Just Eat Takeaway.com, niederländischer Lieferdienst-Konzern und Mutter von Lieferando, meldet zwei Abgänge: 1) Aufsichtsratschef Adriaan Nühn werde sich nicht zur Wiederwahl stellen, das Mandat werde mit dem Ende der gestrigen Hauptversammlung enden. Seine Stellvertreterin Corinne Vigreux übernehme seine Aufgaben bis auf weiteres. 2) Auch die Vertragsverlängerung für Chief Operating Officer Jörg Gerbig sei von der Tagesordnung genommen worden.

Schweiz: Stash kippt Auslands-Expansion
Das Schweizer Quick-Commerce-Unternehmen Stash, unterwegs in Zürich, Basel, Luzern und Genf, bremst sein Wachstum und will stattdessen mehr Profitabilität. Handelszeitung.ch zufolge werde Genf aufgegeben und die Expansion in die Romandie und ins Ausland (Brüssel, Wien, Tel Aviv) nicht umgesetzt. In Zürich und Umland allerdings solle das Angebot verdichtet werden, Bern, Lausanne und Winterthur würden "frühestens 2023" angepeilt. Stash verspricht Lieferungen innerhalb von zehn Minuten.

USA: Shein ist meistgeladene Iphone-App überhaupt
Der chinesische Fast-Fashion-Marktplatz Shein hat es in den USA auf Platz 1 der meistgeladenen Iphone-Apps geschafft, berichtet Marketplacepulse.com. In der Kategorie "Shopping" war sie das schon 2021 und sei es auch in diesem Jahr "in Dutzenden Ländern". Der Erfolg bedeutet viel, denn Shein wurde für den Direktvertrieb chinesischer Hersteller an die westliche Generation Z entwickelt – das scheint zu funktionieren. "Und doch ist die App wohl nur der Zielgruppe bekannt", kommentiert die Website. In Deutschland gehöre die Shein-App nicht zu den zehn meistgeladenen Mobil-Anwendungen, ergänzt Internetworld.de.

China: Verwechslung führt zu Kursschwankungen für Alibaba
Berichten auf Handelsblatt.com und Businessinsider.com zufolge hat eine unpräzise Meldung des chinesischen Senders CCTV die Alibaba-Aktie beeinflusst: Eine kurze Nachricht über Beschränkungen gegen einen Herrn Ma habe zu einem Kursminus von 9,6 Prozent an der Börse in Hongkong geführt. Das sei zu einem Großteil aufgeholt worden, nachdem klar war, dass nicht Alibaba-Gründer Jack Ma gemeint war. Der Vorfall zeige, "wie groß die Nervosität unter Anlegern ist", so Handelsblatt.com.


///// TRENDS & TECH

Bundeskartellamt stellt Meta unter "besondere Missbrauchsaufsicht"
Nach Alphabet/Google (das "Morning Briefing" berichtete) ist jetzt auch Facebook-Betreiber Meta Platforms "ein Unternehmen mit überragender marktübergreifender Bedeutung für den Wettbewerb". Diese Einschätzung machte das Bundeskartellamt gestern öffentlich und verwies auf die Möglichkeit, auf Basis der Feststellung "gegen etwaige Wettbewerbsverstöße deutlich effizienter vorzugehen, als wir das mit den bislang verfügbaren Instrumenten tun konnten". Meta habe auf Rechtsmittel gegen die Entscheidung verzichtet. Sie gelte für fünf Jahre.

Paypal holt in Deutschland den Kauf auf Rechnung ein
Der Bezahldienst Paypal gewinnt an Beliebtheit – und das sagt nicht etwa Paypal selbst, sondern das EHI Retail Institute. "Der Online-Bezahldienst hat den Kauf auf Rechnung [...] im Jahr 2021 bei den Umsatzanteilen im E-Commerce eingeholt", so das EHI zur eigenen Studie „Online-Payment 2022“. Demzufolge wurden voriges Jahr 28,3 Prozent der Online-Käufe per Rechnung beglichen (minus 2,1 Punkte), 28,2 Prozent per Paypal (plus 3,3 Punkte). Es folgen Lastschrift/Bankeinzug (17,4 Prozent) und die Kreditkarte (11,4 Prozent). Im Gesamthandel liegt die Girocard mit 34,7 Prozent vorm Bargeld (31,5 Prozent).

Amazon.de startet Ratenkauf via Visa
Die "Amazon.de Visa Karte" der Landesbank Berlin ermöglicht jetzt auch den Ratenkauf auf Amazon.de: Laut Produktseite ist das ab 100 Euro Einkaufswert möglich und bleibt bei drei Monaten Laufzeit zinsenfrei, bei anderen Laufzeiten fällt ein effektiver Jahreszins von 8,99 Prozent an. Frühere Käufe können nachträglich in einen Ratenkauf umgewandelt werden. Dem Amazon-Watchblog zufolge kooperieren Amazon und Landebank Berlin nur noch bis Ende 2022. "Wie es danach mit dem Programm weitergeht, wurde noch nicht gesagt."

Twittern könnte für Unternehmen "vielleicht" bald Geld kosten
Der Tweet erntete gestern ordentlich Aufmerksamkeit: Elon Musk, möglicherweise bald Twitter-Eigentümer, machte sich zwei Zeilen lang Gedanken über das künftige Geschäftsmodell des Unternehmens. "Twitter wird für Gelegenheitsnutzer immer kostenlos sein, für Unternehmen/Regierungen aber vielleicht ein wenig kosten", twitterte er. Mehr nicht. Und ein "vielleicht" steht auch noch drin. Konkrete Pläne sehen anders aus, aber jetzt kann niemand sagen, er oder sie wäre nicht gewarnt.

Einige Studien im Schnelldurchlauf
  • Mit schlechten Nachrichten für Online-Händler kommt der Digitalisierungs-Dienstleister Diconium um die Ecke: 60 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen lieber direkt beim Hersteller statt bei einem Händler. 63 Prozent der Hersteller halten den Direktvertrieb als Vertriebsmodell für (sehr) relevant, so die "D2C-Studie". (Umfrage unter 1000 Verbrauchern und 250 Herstellern; zusammen mit Statista)
  • Für 63 Prozent der Angestellten im E-Commerce sind Daten für die tägliche Arbeit wesentlich. Das ist eins der Ergebnisse der Umfrage "Everyday AI" des KI-Spezialisten Dataiku. Sollten der Wert nicht höher liegen? (506 Befragte in Deutschland, jeweils ähnlich viele in Frankreich, Großbritannien, Niederlanden, VAE; zusammen mit Yougov)
  • 33 Prozent der deutschen Kunden bestellen mindestens einen Teil des täglichen Bedarfs online, ergab eine Umfrage von Appinio und Spryker. 21 Prozent können sich vorstellen, innerhalb der nächsten zwei Jahre komplett auf online umzustellen. (2500 Befragte in Deutschland; laut Internetworld.de)